Dienstag, 6. Dezember 2016
26.06.2013
 
 

Operation Schrottplatz: USA verschrotten beim laufenden Abzug tonnenweise teure Militärausrüstung

Redaktion

Im Rahmen ihres Abzugs aus Afghanistan, der im kommenden Jahr abgeschlossen sein soll, verschrotten die USA hochmoderne militärische Ausrüstung im Wert von einigen Milliarden Dollar, berichtet die Washington Post.

Die USA stehen vor dem logistischen Problem, was sie mit den Unmengen an Fahrzeugen und anderer militärischer Ausrüstung machen sollen, die derzeit in Afghanistan, aus dem sich die USA nach einem zwölfjährigen militärischen Engagement zurückziehen, stationiert sind.

Aber anstatt dieses militärische Gerät den afghanischen Sicherheitskräften zu überlassen, die nach dem Abzug der Amerikaner die Sicherheit aufrecht erhalten sollen, oder das Gerät an Drittstaaten zu verkaufen, wollen die USA dieses Material in einer großangelegten Aktion verschrotten. Dieses Vorgehen, so berichtet die Post, werde selbst von Vertretern des amerikanischen Militärs als »beispiellos« bezeichnet.

 

Insgesamt wollen die USA darauf verzichten, Militärgüter »im Wert von mehr als sieben Milliarden Dollar – etwa einem Fünftel der gesamten amerikanischen Militärausrüstung in Afghanistan – wieder zurück in die USA zu transportieren – weil sie nicht mehr gebraucht wird oder weil die Transportkosten zu hoch wären«, heißt es in dem Artikel weiter. Bis jetzt habe das amerikanische Militär bereits mehr als 77 000 Tonnen an militärischer Ausrüstung zerstört.

 

Nach Angaben der Post stünden die komplizierten Bestimmungen einer kostenlosen Überlassung der Ausrüstung in Afghanistan an andere Länder im Wege. Zugleich fürchtet man seitens der amerikanischen Regierung und des Militärs, die Waffen könnten bei Konflikten zwischen den oft zerstrittenen und zivilgesellschaftlich wenig erfahrenen politischen und von Stammeszugehörigkeit geprägten Fraktionen des Landes zum Einsatz kommen, wenn man sie so einfach im Land beließe.

 

Wenn dies so ist, stellt sich natürlich folgende Frage: Zu welchem Zweck halten sich denn dann amerikanische Militärberater überhaupt auch nach dem endgültigen Abzug im kommenden Jahr noch in Afghanistan auf, wenn sie die Afghanen nicht in genau diesen entscheidenden Fragen beraten sollen?

 

Auch die andere Alternative, der Verkauf der Militärgüter an »verbündete Länder« wurde verworfen, weil »nur wenige von ihnen wahrscheinlich in der Lage wären, dieses Material aus dem Kriegsgebiet heraus zu transportieren«. Aber wenn Afghanistan immer noch als »Kriegsgebiet« eingestuft wird, warum werden dann die amerikanischen Streitkräfte so überstürzt abgezogen?

 

Dieses Dilemma lässt dem amerikanischen Militär, Uncle Sams verlorenem Sohn, praktisch nur noch eine Möglichkeit, die allerdings in Zeiten von aufgrund der Finanz- und Wirtschaftskrise knappen Kassen und einer drastischen Sparpolitik nur schwer vermittelt werden kann: Die afghanischen Schrotthändler sind aufgerufen, die Fahrzeuge und Geräte zu zerteilen und aufzusammeln, damit sie dann »schließlich für Centbeträge pro Gewicht auf den afghanischen Schrottmärkten verkauft werden«.

 

Die Post argumentiert dann weiter, die Verschrottung militärischer Ausrüstung »verweise auf das mutmaßliche Ende der Ära ausgedehnter Bodenkriege«. Es könnte aber genauso gut den Beginn einer weiteren kostspieligen Aufrüstungsrunde zugunsten des »militärisch-industriellen Komplexes« markieren, vor dessen gefährlichem Einfluss bereits Präsident Eisenhower in seiner Abschiedsrede im Januar 1961 ausdrücklich gewarnt hatte.

 

Wie auch immer, auch wenn sich nach der großen Schlussabrechnung, aus der sich dann ergibt, wie viel an militärischem Gerät das amerikanische Militär in dem zwölfjährigen Krieg in Afghanistan »verloren« hat, herausstellen sollte, dass die Verluste hoch sind, wird dies sicherlich die Reingewinne der Rüstungsindustrie nicht schmälern.

 

Aber die tonnenweise Verschrottung der militärischen Ausrüstung, so muss der Artikel einräumen, »wird sicherlich in den USA und in Afghanistan die unbequemen Fragen aufwerfen, inwieweit das Vorgehen des Pentagons aus haushaltspolitischer Sicht als verantwortungsvoll bezeichnet werden kann und ob man nicht Wege finden sollte, den Afghanen einen wesentlich größeren Teil [dieser Ausrüstung] zu überlassen?«

 

Teure MRAP-Fahrzeuge sollen verschrottet werden

Die so genannten »Mine Resistant Ambush Protected Vehicles« (MRAP-Vehicles; deutsch etwa: Minen widerstehende und Hinterhalt-geschützte Fahrzeuge) stellen einen erheblichen Teil der zur Verschrottung vorgesehenen Fahrzeuge. Sie wurden seit 2007 im Auftrag des Pentagons in hoher Stückzahl produziert, um der Bedrohung durch, wie es im Militärjargon heißt, »unkonventionelle Spreng- und Brandvorrichtungen«, also den oft an den Straßen Afghanistans angebrachten Sprengfallen, etwas entgegenzusetzen.

 

Im Mai 2007 hatte der damalige amerikanische Verteidigungsminister Robert Gates die Anschaffung der MRAPs als höchste Priorität bezeichnet. Insgesamt wurden mehr als 24 000 dieser Fahrzeuge für die Streitkräfte im Irak und in Afghanistan produziert. Die Kosten für den Steuerzahler beliefen sich auf schätzungsweise 45 Mrd. Dollar, wie aus Zahlen des Pentagons hervorgeht.

 

Wie die Post weiter berichtet, hat das Militär etwa 2000 der insgesamt etwa 11 000 als »überflüssig« eingestuften Fahrzeuge ausgesondert. Die restlichen 9000 Fahrzeuge sollen in die USA zurückgebracht oder in amerikanische Militärstützpunkte in Kuwait und anderswo transportiert werden. Der Großteil der ausgemusterten Fahrzeuge, von denen jedes den Steuerzahler eine Million Dollar kostete, soll an afghanische Schrotthändler verkauft werden. »Die MRAP haben uns in diesem Krieg wertvolle Dienste geleistet, aber wir werden in Zukunft nicht alle dieser für den Irak- und Afghanistaneinsatz gekauften Fahrzeuge gebrauchen können«, erklärte Alan Estevez, stellvertretender Staatssekretär für Logistik und Materialbereitschaft im Verteidigungsministerium. »Es ist kostengünstiger, die zukünftig nicht mehr benötigten MRAPs zu zerlegen und [aus dem Bestand] zu löschen.«

 

Diese ausgemusterten und zur Verschrottung freigegebenen MRAPs tauchten bereits in den vergangenen Monaten zu Dutzenden auf den Schrottplätzen in der Nähe der vier amerikanischen Militärstützpunkte in Afghanistan auf.

 

Man kann diese Verschrottung der MRAPs, bei der Werte in Millionenhöhe vernichtet werden, zwar wohlwollend als »Hinweis auf das mutmaßliche Ende der Ära ausgedehnter Bodenkriege« auslegen, wahrscheinlicher ist aber wohl, dass dies den Beginn einer Drohnenkriegführung einläutet, die schon seit Beginn des Afghanistankrieges exponentiell ausgeweitet wurde.

 

 

 


 

 

 

 

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