Saturday, 27. August 2016
01.09.2012
 
 

Putin befürchtet Schlimmstes im Mittleren Osten

Redaktion

Russlands Präsident Wladimir Putin ist offenbar entschlossen, Russland und seine Streitkräfte (die Armee, die Seekriegsflotte und die Luftwaffe) aus der zu erwartenden Eskalation der Feindseligkeiten als Folge eines amerikanischen oder israelischen Angriffs auf den Iran oder eine Intervention in Syrien herauszuhalten.

 

Aus Militärkreisen in Moskau heißt es, Putin habe den schnellstmöglichen Abzug russischer Kriegsschiffe aus dem syrischen Mittelmeerhafen Tartus angeordnet, nachdem seine Geheimdienstchefs zu dem Schluss gekommen waren, dass beide oben genannten Ereignisse (Syrienkrise, Iran) mit hoher Wahrscheinlichkeit im Zeitraum Anfang November (also kurz nach den amerikanischen Präsidentschaftswahlen am 6. November) bis April/Mai 2013 stattfinden werden.

Die russischen Geheimdienstexperten gründen ihre Schlussfolgerungen auf die folgenden Faktoren:

 

1. Vertreter der Regierung Präsident Barack Obamas streiten nicht länger mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu und seinem Verteidigungsminister Ehud Barak darüber, ob Israel militärisch in der Lage sei, das iranische Atomprogramm zu zerstören und mit wie hohen auch politischen Folgeschäden ein solcher Angriff verbunden wäre.

Nach Ansicht der russischen Seite bedeutet dies, dass beide (USA und Israel) ihre jeweiligen Positionen gefestigt haben und Israel zu einem militärischen Vorgehen entschlossen ist.

Russische Militärs und Geheimdienstexperten stimmen dabei nicht mit der amerikanischen Einschätzung überein, Israel sei nur eingeschränkt zu einer solchen Operation in der Lage, sondern sind überzeugt, die israelischen Streitkräfte seien fähig, das iranische Atomprogramm nicht nur für ein oder zwei Jahre, sondern für mehrere Jahre zu verzögern.

 

 

Moskau geht von einer Militärintervention einer westlich-arabischen Koalition in Syrien aus

 

2. Russland ist sich sicher, dass westliche und arabische Staaten sowie die Türkei kurz vor einer militärischen Intervention in Syrien stehen, und geht davon aus, dass die Hisbollah und der Libanon bald in den Strudel der syrischen Ereignisse mit hinein gezogen werden.

3. Zugleich stellen die Russen die amerikanische und israelische Einschätzung der zeitlichen Länge einer Militäroperation gegen den Iran infrage: Amerikanische Militärexperten gehen von einer Dauer von zehn Tagen bis zu zwei Wochen aus, während die Israelis knapp einen Monat veranschlagen. Die Moskauer Experten dagegen sind der Auffassung, eine solche Operation werde sechs Monate in Anspruch nehmen, wobei mit längeren Kampfpausen zwischen den einzelnen operationellen Maßnahmen zu rechnen sei. Diese Einschätzungen beruhen auf den Informationen russischer Geheimdienste, nach denen die Angriffe auf den Iran, seitens entweder der USA oder Israels, in mehreren aufeinanderfolgenden Wellen erfolgen würden.

4. Darüber hinaus bezweifelt die russische Seite das amerikanische und israelische »Wunschdenken« über die Zeit unmittelbar nach dem militärischen Eingreifen im Iran und in Syrien. Nach Auffassung der russischen Experten könne niemand auch nur annähernd vorhersagen, welche militärischen oder politischen Folgen ein militärisches Eingreifen in Syrien oder im Iran auf die Großregion Nahmittelost und die Region um das Kaspische Meer herum haben werde.

 

Berichten zufolge hat Putin angeordnet, mit Ausnahme von Geheimdienstmitarbeitern russische Soldaten und Militärgüter aus den potenziellen Kriegsgebieten und ihrer weiteren Umgebung abzuziehen. Was nun den russischen »Hinterhof« der Region des Kaspischen Meeres angeht, so wurden die russische Seekriegsflotte und die Marinesoldaten aufgefordert, in ihren jeweiligen Flottenstützpunkten zu verbleiben.

5. Geheimdienstberichten zufolge hat Moskau schon seit Anfang August seine Lieferung von Rüstungsgütern in den Iran praktisch eingestellt. Ab jetzt werden nur noch Rüstungsgüter geliefert, deren Lieferung vertraglich vereinbart ist oder die bereits bezahlt sind. Einzige Ausnahme bilden die modernen Flugabwehrraketen vom Typ S-300, die Teheran gekauft hat, um seine Nukleareinrichtungen zu schützen, die Moskau aber niemals geliefert hat.

Der Iran hat vor dem Internationalen Schiedsgericht der OSZE in Genf eine Klage gegen den russischen Waffenexporteur Rosoboronexport im Umfang von vier Milliarden Dollar eingereicht – eine Milliarde Dollar bezieht sich auf die bereits geleistete Bezahlung und drei Milliarden Dollar wurden als Konventionalstrafe wegen Nichterfüllung der Verträge beantragt.

Teheran muss nun im Kriegsfall damit rechnen, dass Moskau auch keine Ersatzteile und keinen Nachschub mehr für die russischen Waffensysteme liefert, die in den iranischen Streitkräften und bei den Revolutionsgarden im Einsatz sind. Da es bei anderen Rüstungsgütern nur noch wenige offene Aufträge gibt, werden die russischen Waffenlieferungen an den Iran langsam auslaufen.

 

 

Keine russischen Rüstungsgüter für Syrien und den Iran mehr

 

6. In der gleichen Woche, in der die Regierung Putin die Waffenlieferungen an den Iran einstellte, beschloss sie auch, in aller Stille entsprechend mit Syrien zu verfahren. Die einzige öffentliche Stellungnahme in dieser Hinsicht bestand nur in der Erklärung, es seien in naher Zukunft keine größeren Waffenlieferungen an Syrien vorgesehen.

Bereits am Mittwoch, dem 29.8., war berichtet worden, Moskau habe in den vorausgegangenen zwei Wochen damit begonnen, sich aus Syrien zurückzuziehen. Kurz vor der Entscheidung, russische Kriegsschiffe aus dem Hafen von Tartus abzuziehen, hatte Russland bereits das für Mitte August im östlichen Mittelmeer geplante umfangreiche Marinemanöver »Kaukasus 2012« abgesagt.

Weiter hieß es, Moskau habe den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad zwar darüber informiert, dass die Militärhilfe eingestellt werde, ihm zugleich aber zugesichert, dass dies nicht die nachrichtendienstliche Unterstützung und die Tätigkeit russischer Militärberater in logistischen Fragen betreffe.

7. Gleichzeitig war aus Geheimdienstkreisen zu hören, der Kreml habe gegenüber den USA und Israel unmissverständlich klargemacht, dass es im Iran und in Syrien aus Moskauer Sicht »rote Linien« gebe. Sollten die Amerikaner oder die Israelis diese Linien überschreiten, werde Russland seine Politik der Nichteinmischung aufgeben. Dies gelte beispielsweise im Falle eines Angriffs auf den von Russland gebauten und betriebenen Kernreaktor in Buschehr.

 

 


 

 

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