Monday, 25. July 2016
13.02.2011
 
 

Schweres Zerwürfnis zwischen den USA und Saudi-Arabien: Abdullah steht zu Mubarak und wendet sich Teheran zu

Redaktion

Wie Quellen aus dem Nahen Osten berichten, gehört das Gespräch zwischen US-Präsident Barack Obama und dem saudischen König Abdullah vom Dienstag, dem 10. Februar, zu den heftigsten Gesprächen, die ein amerikanischer Präsident jemals mit einem arabischen Herrscher führte. Die Auswirkungen der ägyptischen Krise hatten den saudischen König dermaßen verärgert, dass er einen überraschenden Herzanfall erlitt. Gerüchte seines Todes erschütterten die weltweiten Finanz- und Erdölmärkte, wurden aber von einem Berater der Königsfamilie dementiert. Andere Quellen berichten, er habe bereits in der Vergangenheit Herzanfälle erlitten.

Diese Quellen berichten weiter, das Telefonat zwischen Obama und Abdullah, der sich derzeit von einer Rückenoperation in seinem Palast im Marokko erholt, habe die beiderseitigen Beziehungen in eine schwere Krise gestürzt und drohe das ganze Gebäude der amerikanischen Iran- und Nahostpolitik zum Einsturz zu bringen.

Der König verurteile das amerikanische Vorgehen gegenüber Ägypten und seinem Präsidenten Hosni Mubarak auf das Schärfste. Er bezeichnete es als Katastrophe, die in der ganzen Region Instabilität auslösen werde und alle moderaten arabischen Herrscher und Regime gefährde, die die USA bisher unterstützt hätten. Abdullah stellte Obama zur Rede, weil er den treuesten Verbündeten Amerikas in der arabischen Welt den Laufpass gegeben habe und schwor, sollten die USA weiterhin versuchen, Mubarak loszuwerden, und wären sie damit erfolgreich, würde das saudische Königshaus alles in seiner Macht Stehende unternehmen, um die Pläne Washingtons für Ägypten und deren Folgen rückgängig zu machen.

Britischen Nachrichtendienstquellen aus London zufolge bot sich der saudische König an, die Verluste für Ägypten auszugleichen, sollte Washington die Militär- und Wirtschaftshilfe aussetzen, um so Mubarak zum Rücktritt zu drängen. Er persönlich würde den saudischen Finanzminister anweisen, dem bedrängten ägyptischen Herrscher die entsprechende Geldmenge zukommen zu lassen, die dieser für sich und seine Armee benötige, um dem amerikanischen Druck standzuhalten. Trotz aller Höhen und Tiefen der saudisch-amerikanischen Beziehungen seit den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts hatte noch kein saudischer Herrscher damit gedroht, direkt gegen amerikanische Politik vorzugehen. Ein hochrangige saudische Quelle erklärte gegenüber der London Times, »Mubarak und König Abdullah sind nicht nur Verbündete, sie sind enge Freunde, und der König wird nicht tatenlos zusehen, wie sein Freund ins Abseits gedrängt und gedemütigt wird.« Der 87jährige König befürchte, so die Quelle weiter, sollte es auch in Saudi-Arabien zu ähnlichen Unruhen wie in Ägypten kommen, werde ihn Washington genauso wie Mubarak fallenlassen.

Geheimdienstquellen ergänzten, die Finanzhilfen für Ägypten seien nicht die einzige Option für Abdullah. Er habe Obama informiert, dass er ohne die weitere Entwicklung in Ägypten oder das weitere Vorgehen Amerikas abzuwarten, damit begonnen habe, die diplomatischen und militärischen Beziehungen seines Landes zum Iran zu vertiefen und auszubauen. So seien bereits Einladungen an iranische Delegationen zum Besuch der wichtigsten saudischen Städte ausgesprochen worden. Hier ein Bild der beiden aus besseren Zeiten.

Abdullah erklärte weiter, er habe mit Obama mehr als nur »ein Hühnchen zu rupfen«. Der König warf dem amerikanischen Präsidenten vor, nicht nur Mubarak, sondern auch einen anderen bedrängten amerikanischen Verbündeten im Stich zu lassen. Damit bezog er sich auf den früheren libanesischen Ministerpräsidenten Saad Hariri, der von der mit dem Iran verbündeten Hizbollah gestürzt worden war.

Quellen aus Washington berichten, alle Bemühungen Obamas, den saudischen König zu besänftigen und die amerikanische Politik zu erläutern, seien auf taube Ohren gestoßen. Arabische Quellen aus London berichteten am Dienstag, dem 8. Februar, Washington habe einen amerikanischen Sondergesandte mit einer erklärenden Botschaft zum König nach Marokko entsandt. Aber der Gesandte sei abgewiesen worden. Saudische oder amerikanische Quellen konnten diese Information bisher nicht bestätigen.

Die Aufnahme des Dialogs zwischen Riad und Teheran ist die dramatischste Konsequenz der ägyptischen Krise in der Region. Sie ist ein Segen für die Ayatollahs, die sich darüber freuen, dass prowestliche Regime entweder unter dem Gewicht innenpolitischer Unruhen zusammenbrechen oder sich von den USA abwenden, wie es jetzt Saudi-Arabien vorhat.

Auch für Israel hat diese Entwicklung einschneidende Konsequenzen. Die enge Freundschaft zwischen Saudi-Arabien und dem Mubarak-Regime verzahnte sich nahtlos mit der Abstimmung des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahus mit Ägypten und sorgte für politische Gemeinsamkeiten. Die Öffnung der Saudis in Richtung Teheran, die den iranischen Vorstoß in Richtung Rotes Meer und den Suezkanal unterstützt, verstärkt den Belagerungsring um Israel.

 

Quelle: DEBKA

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