Saturday, 1. October 2016
02.01.2014
 
 

Syrische Rebellen werden von einem geheimen Hauptquartier in Jordanien aus von Offizieren der NATO und der Golfstaaten gesteuert

Redaktion

Von Jordanien aus hat ein geheimes, mit arabischen und westlichen Offizieren besetztes Operationskommandozentrum den an der Südfront in Syrien kämpfenden Rebellen entscheidende Unterstützung geliefert und sie mit Waffen und taktischen Ratschlägen zu Angriffen auf Regierungseinrichtungen und -stellungen versorgt.

Wie Rebellenkämpfer und Mitglieder der Opposition erklärten, hätte das Kommandozentrum, das sich in einem Geheimdiensthauptquartier in der jordanischen Hauptstadt Amman befindet, Einheiten der Freien Syrischen Armee (FSA) Fahrzeuge, Scharfschützengewehre, Granaten,

schwere Maschinengewehre und entsprechende Munition geliefert. Die Lieferung der begehrten Flugabwehr- und Panzerabwehrraketen habe man allerdings verweigert.

 

Regierungsvertreter aus Amman dementierten die Existenz eines derartigen Kommandozentrums. »Wir weisen diese Behauptungen entschieden zurück. Jordanien ist in keiner Weise an einer Zusammenarbeit gegen Syrien beteiligt. Jordanien hat ein Interesse daran, dass Syrien ein stabiler und sicherer Staat wird, der in der Lage ist, seine Probleme innerhalb seiner Grenzen zu lösen«, sagte Mohammad al-Momani, Minister für Medienangelegenheiten. »Wir würden niemals etwas unternehmen, was die Gewalt in Syrien weiter anfachte«, fuhr er fort.

 

Aber Vertreter der syrischen Opposition, die mit den Operationen der Rebellen in Dar’a, das etwa 75 Kilometer nördlich von Amman auf syrischem Gebiet liegt, vertraut sind, sagten, Jordanien beherberge sehr wohl dieses Kommandozentrum und habe hochrangige jordanische Geheimdienstvertreter angewiesen, mit den westlichen und arabischen Staaten zusammenzuarbeiten, um die Rebellen bei ihren operationellen Planungen zu unterstützen und Munition sowie Kämpfer über die Grenze nach Syrien zu schmuggeln.

Dass Waffen über feste Verbindungslinien von Jordanien zu den Rebellen in Syrien gebracht wurden, ist ein offenes Geheimnis, nachdem die New York Times im März des vergangenen Jahres darüber berichtet hatte. Bisher kam aber nur wenig über ihre genaue Funktionsweise ans Licht.

 

Nach Angaben von Oppositionsmitgliedern handelt es sich bei dem Kommandozentrum, das als »Operationszentrale« bekannt ist, um eine gut ausgestattete und funktionierende Kommandozentrale, die mit hochrangigen Militärvertretern aus insgesamt 14 Ländern – darunter die USA, europäische Nationen und die arabischen Golfstaaten – besetzt ist. Vor allem Letztere liefern den größten Teil des Kriegsmaterials und tragen die Hauptlast der Finanzierung der Rebellengruppen.

 

Das Kommandozentrum wird vorab von der FSA über geplante militärische Aktionen gegen loyal zum syrischen Präsidenten Baschar al-Assad stehende Kräfte informiert und stellt nur dann Waffen und anderes Gerät zur Verfügung, wenn die Aktion von ihm befürwortet wurde. »Wenn wir einen Angriff planen, arrangieren wir ein informelles Treffen eines unserer Vertreter mit einem Verbindungsoffizier aus der Kommandozentrale, und dann treffen wir uns in einem Hotel oder anderswo in Amman und sprechen den Plan durch«, erklärte ein beteiligter FSA-Offizier. »Wenn der Verbindungsoffizier unser Konzept befürwortet, legt er ihn auf einem Gesamttreffen der Kommandozentrale vor, und wenige Tage danach stellen wir den Plan dort offiziell vor.«

 

Die westlichen und arabischen Militärberater in der Kommandozentrale schlagen dann möglicherweise Veränderungen der taktischen Vorgehensweise vor und beraten dabei, wann und wie die Operation stattfinden sollte. Zugleich stellen sie die für die Aktion erforderlichen Waffen zur Verfügung, und sobald der Angriff genehmigt wurde, werden diese schnellstmöglich bereitgestellt, damit die FSA rechtzeitig über sie verfügen kann. »Wir gehen dann die ganzen Zahlen durch, was wir an Kämpfern und Waffen benötigen, und das bekommen wir dann auch. Es wird alles detailliert und sehr genau erfasst«, sagte der FSA-Offizier.

 

Islamistische Gruppen außerhalb der FSA, darunter auch mit al-Qaida verbündete Gruppen, sind in die Arbeit des Kommandozentrums nicht einbezogen und erhalten auch keine direkten Waffenlieferungen oder militärische Ratschläge.

 

Nicht alle vorgelegten FSA-Angriffspläne in Dar’a werden vom Kommandozentrum auch genehmigt. Manchmal bemühen sich FSA-Einheiten auch nicht um die Hilfestellung, sondern ziehen es vor, eine bestimmte Operation allein unter Nutzung eigener Ressourcen durchzuführen. Wenn sie allerdings nicht über die benötigten Waffen verfügen oder aber die Planungen sehr kompliziert sind, wenden sich die FSA-Offiziere an das Kommandozentrum. »Wir arbeiten zusammen; sie kontrollieren uns nicht, und wir halten uns auch nicht immer an ihren Rat. Es ist eher so, dass sie uns einen bestimmten Rat geben, und wir ihn manchmal befolgen und manchmal eben nicht«, meinte ein anderer, ebenfalls beteiligter FSA-Kommandeur.

 

Ein dritter FSA-Offizier, der mit den Rebellenoperationen in Dar’a vertraut ist, sagte, die Einheiten seien mit modernen österreichischen Gewehren mit durchsichtigen Munitionsmagazinen, einigen Zigtausend Schuss Munition für großkalibrige Maschinengewehre, reaktiven Panzerbüchsen sowie Granatwerfern und entsprechender Munition ausgestattet worden. In den letzten zwei Monaten hätten die FSA-Einheiten auch Fahrzeuge erhalten, auf deren offener Ladefläche schwere Maschinengewehre montiert worden waren. Zudem seien Rebellensoldaten zur Ausbildung nach Saudi-Arabien geschickt worden, meinten FSA-Offiziere. »Etwa 80 Kämpfer wurden im November zur Ausbildung in militärischer Kommunikation nach Saudi-Arabien geschickt. Insgesamt wurden schon einige Hundert Kämpfer dort ausgebildet. Sie alle kehren mit voller Ausrüstung zurück – jeder besitzt eine persönliche Waffe, einen Kleinlastwagen mit offener Ladefläche für jede Gruppe aus fünf Männern, ein schweres Maschinengewehr für jede Gruppe sowie Kleidung, Stiefel und andere Ausrüstung«, erklärte ein FSA-Kommandeur. »Es gab zwar auch schon vorher eine Ausbildung, aber jetzt ist sie besser geworden.«

 

Ein westlicher Diplomat, der im Nahmittelosten tätig ist, sagte, die USA und die europäischen Länder lieferten den Rebellen keine Munition. Aber es gebe Verbindungsoffiziere, die in regelmäßigem Kontakt mit der FSA stünden. »Saudi-Arabien und Katar liefern zwar über die jordanische Grenze Waffen, aber das Volumen reicht nicht aus, das Machtgleichgewicht vor Ort zu verändern«, meinte er. »Ohne eine umfassende Versorgung mit Waffen unter Einbeziehung der USA wird dies nicht ausreichen, Assad zu stürzen, und es reicht bei Weitem nicht an die militärische Unterstützung heran, die Assad von den Russen bekommt.«

 

FSA-Einheiten in Dar’a erklärten, die Unterstützung aus dem Ausland werde durch zu viele Einschränkungen behindert und reiche nicht aus, um ihnen größere Fortschritte zu ermöglichen. »Im Sommer kam es zu einem Treffen zwischen dem Kommandozentrum und allen FSA-Einheiten in Dar’a. Und dort sagte man uns sehr deutlich, wie die Spielregeln aussähen. Das Kommandozentrum erklärte, ohne Genehmigung dürften wir keine größeren militärischen Einrichtungen des Regimes angreifen. Wir sollten uns lediglich auf guerillaartige (›Hit-and-Run-‹) Operationen beschränken und nicht versuchen, territoriale Gewinne zu erzielen, da uns die Luftüberlegenheit des Regimes in einem solchen Fall zum leichten Ziel mache«, berichtete ein FSA-Kämpfer, der über die Gespräche informiert wurde.

 

FSA-Einheiten hatten auch angeboten, keine Waffen an militante islamistische Gruppen wie etwa die Al-Nusra-Front, die zwar nur mit wenigen, aber sehr kampfstarken Einheiten an der südlichen Front in Syrien vertreten ist, weiterzugeben. »Das Kommandozentrum hat viel für uns getan und uns in vieler Hinsicht geholfen, aber wir hätten gerne noch weitergehende Unterstützung. So geben sie bisher kaum Geheimdienstinformationen an uns weiter, und sie versorgen uns auch nicht mit der nötigen Menge an Waffen«, sagte ein FSA-Kommandeur. »Wir glauben, sie wollen, dass Assad stärker ist als wir. Sie streben ein Gleichgewicht an. – Wir bekommen genug, um weitermachen zu können, aber es reicht nicht für unseren Sieg.«

 

Das Assad-Regime hat Jordanien vorgeworfen, Rebellen Unterschlupf zu gewähren und den Aufbau einer Armee für einen Angriff auf Damaskus zu unterstützen.

 

FSA-Gruppen in Dar’a berichteten, der Großteil ihres Nachschubs – manchmal bis zu 80 Prozent – würde über das Kommandozentrum an sie geliefert. Aber sie erzählten auch von einer oftmals komplizierten Versorgungskette, die selbst für die Beteiligten undurchsichtig sei, und bei der Geheimdienstler, private Geldgeber und mysteriöse Frontorganisationen mitmischten, die alle Munition hin und her bewegten. »Die ganze Situation ist sehr undurchsichtig geworden. Jeder belügt jeden, und jeder versucht, alle anderen zu kontrollieren«, sagte ein FSA-Kommandeur.

 

 

 


 

 

 

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