Thursday, 25. August 2016
19.10.2015
 
 

Tony Blair versprach George Bush ein Jahr vor dem Einmarsch in den Irak seine volle Unterstützung

Redaktion

Wie aus kürzlich an die Öffentlichkeit gelangten Memoranden des Weißen Hauses hervorgeht, hatte der frühere britische Premierminister Tony Blair den USA bereits ein Jahr vor dem amerikanischen Einmarsch in den Irak die feste Unterstützung Großbritanniens zugesichert.

 

Die amerikanischen Dokumente waren der britischen Tageszeitung Daily Mail zugespielt worden und wurden am Sonntag zusammen mit einer Reihe E-Mails vom privaten Server der früheren amerikanischen Außenministerin und gegenwärtigen Bewerberin um die Nominierung als demokratische Präsidentschaftskandidatin, Hillary Clinton, veröffentlicht. Amerikanische Gerichte hatten Clinton per Beschluss zur Übergabe der E-Mails aufgefordert.

 

Zu den nun veröffentlichten Dokumenten gehört auch ein Memorandum des früheren amerikanischen Außenministers Colin Powell an den damaligen Präsidenten George W. Bush vom März 2002, in dem Powell erklärt: »In Bezug auf den Irak wird Blair auf unserer Seite stehen, sollten militärische Operationen notwendig sein… Von zwei Aspekten ist er völlig überzeugt: Die Gefahr ist real und ein Erfolg gegen Saddam wird zu weiteren regionalen Erfolgen führen.«

 

Damals wurde Blair in britischen Medien mit den Worten zitiert: »Dies ist eine Angelegenheit, in der man alle Optionen erwägen muss… Gegenwärtig schlagen wir kein militärisches Vorgehen vor.« Das betreffende Dokument war eine Woche vor dem berüchtigten Treffen zwischen Bush und Blair auf der Crawford Ranch in Texas entstanden, wo Blair erstmalig seine Bereitschaft deutlich machte, ein militärisches Vorgehen im Irak zu unterstützen. In dem Dokument mit der Überschrift »Geheimes … Memorandum für den Präsidenten« erklärte Powell weiter: »Das Vereinigte Königreich wird sich uns im Nahen Osten anschließen.«

 

In diesem Memorandum heißt es weiter, Blair werde Bush mit »strategischen, taktischen und die öffentlichen Angelegenheiten betreffenden Stellungnahmen und Leitlinien unterstützen, die seiner Meinung nach die weltweite öffentliche Unterstützung für unsere gemeinsame Sache stärken werden«. Blair verfüge über die Fähigkeit, öffentlichkeitswirksam »den gegenwärtigen vom Irak ausgehenden Bedrohungen des internationalen Friedens Glaubwürdigkeit zu verleihen«.

 

Fünf Monate nach dem Treffen auf der Crawford Ranch veröffentlichte die britische Regierung ein Dossier über die angeblichen Massenvernichtungswaffen des Iraks, in dem behauptet wurde, Saddam Hussein verfüge über chemische und biologische Waffen und verfolge sogar ein Atomwaffenprogramm. Dieses Dossier lieferte eine der wichtigsten Begründungen für den Einmarsch in den Irak. Wie sich später herausstellte, waren alle diese Behauptungen falsch und erfunden.

 

Aus den jetzt veröffentlichen Dokumenten geht auch hervor, dass Blair sich bereit erklärte, praktisch als PR-Sprecher für Bush tätig zu werden und skeptische Abgeordnete und die Öffentlichkeit davon zu überzeugen, dass der Irak eine reale und unmittelbare Bedrohung darstelle. Berichten zufolge soll er auch Vorschläge gemacht haben, wie man die Zustimmung des UN-Sicherheitsrates erreichen könne.

 

Im Gegenzug forderte Blair die USA auf, das Vereinigte Königreich wie einen gleichrangigen Partner in einer »Sonderbeziehung« zu behandeln. Auf diese Weise habe er seinen Rückhalt und seine Unterstützung in der Öffentlichkeit vergrößern wollen, wie es in dem Zeitungsbericht heißt. In einem der veröffentlichten Dokumente schreibt Powell an Bush, Blair wolle »den politischen Preis« für die britische Beteiligung an dem Krieg im Irak so gering wie möglich halten, und fügte hinzu, die Unterstützer des Premierministers unter den Wählern »warteten auf Anzeichen dafür, dass Großbritannien und Amerika wirklich gleichwertige Partner seien«.

 

Die neuen Enthüllungen führten unter britischen Politikern zu einer neuen Welle der Kritik am Vorgehen Tony Blairs. »Diese Memoranden belegen ausdrücklich das, von dem viele von uns schon seit Langem überzeugt sind: Tony Blair erklärte sich tatsächlich bereit, vor einer Entscheidung des Unterhauses oder des britischen Kabinetts als Frontmann amerikanischer Außenpolitik zu agieren«, wird der frühere konservative Schatten-Innenminister David Davis von der Tageszeitung Daily Mail zitiert. »Er war begeistert, die Irak-Politik Bushs weißzuwaschen und die britische Außenpolitik einem anderen Land unterzuordnen, ohne auch nur die geringste Möglichkeit zu haben, sie in irgendeiner Weise zu beeinflussen… George Bush sah den sich überzeugt gebenden Blair als einen Akteur auf der Weltbühne, der die Wähler in England beeindrucken sollte.«

 

Der außenpolitische Sprecher der schottischen Nationalpartei und frühere schottische Ministerpräsident Alex Salmond erklärte am Sonntag, die »Beweise gegen Blair« würden immer erdrückender und die Schlinge um dessen Hals ziehe sich enger zusammen, berichtete die britische Tageszeitung The Guardian. »Das Memorandum steht im Widerspruch zu Behauptungen Blairs, er habe damals immer nach diplomatischen Lösungen gesucht, um einen Einmarsch zu vermeiden.

 

Zugleich untermauert es die Beweise, die Sir Christopher Meyer, der frühere britische Botschafter in den Vereinigten Staaten, dem Chilcot-Untersuchungsausschuss vorlegte, nach denen der militärische Zeitplan und die Vorbereitungen der Invasion Vorrang gegenüber allen diplomatischen Bemühungen und insbesondere dem Zeitplan der UN-Waffeninspektoren unter Leitung von Hans Blix eingeräumt wurde«, sagte er weiter. Und die Tageszeitung Daily Mail zitiert ihn mit den Worten: »Die illegale Invasion des Iraks hat sich zweifelsfrei als Betrug und als massive Täuschung seitens Tony Blairs und der damaligen britischen Labour-Regierung erwiesen.«

 

Demgegenüber erklärte ein Sprecher Blairs, der Inhalt der nun veröffentlichten Dokumente stehe im Einklang sowohl mit damaligen öffentlichen Stellungnahmen des früheren Premierministers als auch mit seiner Aussage gegenüber dem Chilcot-Untersuchungsausschuss, der die Umstände des Einmarsches in den Irak 2003 beleuchten soll. Blair selbst hat wiederholt bestritten, dass er vor dem Einmarsch ein militärisches Vorgehen geplant habe.

 

2010 sagte Blair vor dem Ausschuss, vor der Invasion habe er erklärt, Großbritannien werde sich den USA nur anschließen, um »mit dieser Bedrohung fertigzuwerden«. »Meiner Ansicht nach hat er meinen Erklärungen genau das entnommen, was er auch sollte, dass wir auf seiner Seite stünden, wenn es zu einem militärischen Eigreifen käme, weil alle Möglichkeiten einer diplomatischen Lösung ausgeschöpft seien«, meinte Blair vor dem Ausschuss.

 

Die nun enthüllten Dokumente könnten dazu führen, dass Forderungen nach einer Wiederaufnahme der Untersuchung der Umstände des Einmarsches in den Irak laut werden, auch wenn der Ausschussvorsitzende Sir John Chilcot vor Kurzem sagte, er sei nun in der Lage, einen Abschlussbericht zu veröffentlichen, es aber vermied, ein genaues Datum anzugeben. Im September hatte Chilcot erklärt, er werde sich mit Premierminister David Cameron beraten, um einen Zeitplan für die Veröffentlichung festzulegen.

 

Angehörige britischer Soldaten, die ihr Leben im Irakkrieg verloren haben, drohen nun laut einem Bericht der BBC damit, Klage einzureichen, sollte der Bericht nicht bis Dezember veröffentlicht werden.

 

Großbritannien hatte sich an der von den USA angeführten Koalition beteiligt, die 2003 in den Irak einmarschierte, ohne dass ein UN-Mandat vorgelegen hätte. Als Begründung wurde damals angegeben, der Irak verfüge über Massenvernichtungswaffen, die man im Rahmen dieses Militäreinsatzes finden und vernichten wolle. Derartige Waffen wurden allerdings nie entdeckt. Die Invasion und die anschließende Besetzung kosteten allein zwischen 2003 und 2011 mehr als eine halbe Million Iraker das Leben. Insgesamt starben bei dem Einsatz 179 britische Soldaten.

 

 

 

 

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Leser-Kommentare (10) zu diesem Artikel

20.10.2015 | 18:23

Thomas Wunderlich

• Erinnert Ihr euch? Das war ein Feldzug gegen den Gold-Dinar unter dem Strich. Das hätte die gesamte Finanzblase platzen lassen. Es wollten doch nur ein paar Leute eine wertmetallgedeckte Währung einführen. Warum redet davon heute keiner mehr. Forscht mal nach unter dem Gold-Dinar. Da werden einige Münder nach unten klappen. www.DDRZweiPunktNull.de


20.10.2015 | 03:04

Ruth

Der Georg W. Bush malt. Die Bilder sind wirklich nicht schlecht und sind in seiner Library und im Netz zu bewundern. Ich persönlich warte immer noch darauf, dass seine Biografie endlich mal ins Deutsche übersetzt wird. Ich glaube, da warte ich vergeblich. Die Deutschen sind soooo links das sie noch nicht mal eine Biografie veröffentlichen, selbst dann nicht wenn es ein Bestseller würde. Das gibt es nur in Deutschland.


19.10.2015 | 18:19

Ichbins

Bei Politikern gibt es eben solche und solche.Blair gehört zu solchen.Macht macht süchtig und Suchtkranke gehören in die Klinik o in die Therapie o weggesperrt-sucht euch was raus.Ich finde es zum k...unsere kanzlerin macht jetzt dieselbe sch..erfüllt die Pläne von anderen noch machtgeileren Idioten.


19.10.2015 | 18:15

Gert P

https://www.95places.com/the_spectator_-_deutsch/article/426/%2Ccameron_sollte_auf_die_syrischen_bisch%C3%B6fe_h%C3%B6ren%2C_nicht_auf_die_anglikanischen


19.10.2015 | 15:54

edmundotto

@Demokratie im Kommen, "und wer das Käuflichkeitsprinzip nicht akzeptiert"; dieser Ausspruch ist sehr treffend für unser westliches System. Das gilt für den "kleinen Mann" ebenso wie für den Politdarsteller im Bundestag und für unsere "Pressehuren" ist es bereits Dogma.


19.10.2015 | 15:50

Saddam Hussein wurde von ISIS gehängt

https://www.youtube.com/watch?v=XXqMwzuJ1_k ---- ISIS sprach Saddam Hussein schuldig und hängte Ihn --- ISIS will mittlerweile Europa überrennen --- wie desorientiert unsere Politiker sind läßt sich nicht in Worte fassen !!!

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