Dienstag, 27. Juni 2017
26.08.2012
 
 

Überwachungssoftware TrapWire ist mit Occupy-Gegner vernetzt

Redaktion

Wie kann man den Schaden für ein nur schwer zu fassendes Unternehmen aus dem Dunstkreis der Geheimdienste, das verzweifelt nach Erklärungen und Ausflüchten zu der Frage sucht, ob ein komplexes und weitverbreitetes Überwachungsprogramm sein Eigentum sei, noch vergrößern? Man muss sich nur einfach an das Unternehmen Cubic wenden, dessen Probleme mit der Übernahme von TrapWire begannen.

Nur wenige Tage, nachdem Russia Today auf das weltweit Informationen sammelnde, abgleichende und auswertende Überwachungssystem TrapWire hingewiesen hatte, kamen im Rahmen einer noch laufenden Recherche zu allen Einrichtungen, die jemals mit dieser Spionagetechnologie in Verbindung standen, immer neue unheimliche Wahrheiten ans Tageslicht. In einer der jüngsten Enthüllungen in der sich wie eine Lawine ausbreitenden TrapWire-Saga konnte eine Verbindung zwischen einem Unternehmen, dessen Vorstand sich personell teilweise mit dem Unternehmen

überlappt, dem die Spionagesoftware gehört, und einem Programm namens Tartan hergestellt werden. Tartan selbst wiederum soll angebliche Anarchisten aufspüren, wobei insbesondere Mitglieder der Occupy-Protestbewegung und die öffentlich finanzierten Medien herausgepickt werden – alles mit Unterstützung von Mitarbeitern von Bundesbehörden.

 

Tartan, das vom amerikanischen Unternehmen Ntrepid, das in den Bereichen Soft- und Hardware sowie Cybersicherheit tätig ist, entwickelt wurde, »ermittelt und quantifiziert wichtige Einflusspersonen und versteckte Verbindungen in sozialen Netzwerken. Dazu benutzt das Programm mathematische Algorithmen, die eine objektive und unparteiische Bewertung ermöglichen«, heißt es auf der Internetseite des Unternehmens. »Unsere Analysten, Mathematiker und Computerexperten entwickeln ständig neue Methoden der Quantifizierung und gezielten Datensuche sowie aussagekräftigere Darstellungstechniken, um soziale Netzwerke besser analysieren zu können.« Um diese Behauptungen zu belegen, verlinkt die Internetseite zur Zusammenfassung einer in diesem Jahr erstellten Fallstudie, in der soziale Netzwerke auf Verbindungen zu so genannten Anarchisten hin untersucht wurden, um angeblich versteckte Verbindungen zu einem im Untergrund tätigen Netzwerk zu ermitteln, das von politischen Aktivisten und sogar dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk (PBS) getragen werde.

 

»Tartan wurde eingesetzt, um ein verstecktes Beziehungsnetzwerk zwischen führenden Anarchisten scheinbar nicht miteinander in Verbindung stehender Bewegungen aufzudecken«, heißt es auf der Internetseite weiter. »Die Studie legt die Verbindungen innerhalb dieses Netzwerks offen, das für die virale Verbreitung gewalttätiger und illegaler taktischer Methoden in der Protestbewegung im weiteren Sinne in den USA verantwortlich ist.«

 

Tartan wird auf dieser Internetseite als unverzichtbare Anwendung im Bereich nationaler Sicherheit und für Politiker und Strafverfolgungsbehörden auf Bundesebene beworben, und es wird behauptet, »ein schwer zu fassendes uneinheitliches Netzwerk aus anarchistischen Gruppen und  Protestgruppen«, das aus der Occupy-Oakland-Bewegung, dem PBS, dem Radiosender Citizen Radio, dem dezentral organisierten Kollektiv CrimethInc und anderen Gruppierungen bestehe, stütze sich auf »einflussreiche Führungspersönlichkeiten«, »moderne Technologien« und »illegale taktische Vorgehensweisen«, um die anarchistische Botschaft in den ganzen USA zu verbreiten.

 

»Die Organisatoren von Occupy Wall Street und Occupy DC haben [weitere] Occupy-Netzwerke über Internetkommunikation mit Anarchisten aufgebaut, die aktiv an der Gründung der Bewegungen beteiligt waren«, heißt es in der Zusammenfassung der Studien weiter. Auf einer beigefügten Grafik, mit der es seine Behauptung untermauern will, listet das Unternehmen verschiedene politische Aktivistengruppen und Rundfunknetze aus einem angeblichen anarchistischen Netzwerk auf, dem auch ein namentlich nicht genannter FBI-Agent angehören soll.

 

Im vergangenen Jahr wurden bei einem Hackerangriff auf das Unternehmen Strategic Forecasting (Stratfor) E-Mails »erbeutet«. Aus ihnen geht hervor, dass Occupy-Gruppen von privaten Stellen überwacht wurden. Und jüngste Auswertungen öffentlich zugänglicher Informationen zeigen, dass das Ausmaß der Überwachung politischer Aktivisten auf amerikanischem Boden wahrscheinlich sehr viel größer und umfassender als ursprünglich angenommen ist.

 

Aber damit nicht genug. TrapWire ist offenbar nicht erst der Anfang. Bereits im letzten Jahr geriet das Unternehmen Ntrepid in die Schlagzeilen, als die britische Tageszeitung The Guardian enthüllt hatte, dass das Unternehmen ein Programm zum »Online-Personen-Management« entwickelt hatte und auch einsetzte. Dabei geht es um eine raffinierte Propagandamaschine, die in der Lage sein soll, »regionale und internationale Zielgruppen zu beeinflussen, damit diese die strategischen Ziele des US Central Command (USCENTCOM) verwirklichen«, wie es zumindest der Generalinspekteur des amerikanischen Verteidigungsministeriums formulierte.

 

Im Zuge weiterer Recherchen stellte sich heraus, dass USCENTCOM Ntrepid 2,76 Millionen Dollar aus Steuergeldern dafür bezahlte, im Internet gefälschte Nutzerprofile zu erstellen, um so zum Beispiel in sozialen Netzwerken und Foren durch entsprechende Kommentare Unterstützung für die amerikanische Regierungspolitik zu erzeugen.

 

Nur ein Jahr später zeigt sich der fragwürdige Wert der Analysen durch das Tartan-Programm, aber auch der Verbindungen des Unternehmens insgesamt. Umfangreiche Recherchen durch Russia Today, den Gründer des Project PM, Barrett Brown, die Organisation Privacy SOS und die unabhängigen Rechercheure Justin Ferguson und Asher Wolf sowie andere haben umfangreiches Material zutage gefördert, das Tartan mit einer noch weitaus beunruhigenderen Operation in Verbindung bringt.

 

Margaret A. Lee aus der Region Northern Virginia wird auf verschiedenen Internetseiten dem Vorstand von Ntrepid neben Direktor Richard Helms, Finanzvorstand Wesley R. Husted und Präsident Micahel Martinka als Geschäftsführerin zugeordnet. Auch wenn sich unterschiedliche beteiligte Akteure sehr bemühen, diese Verbindung abzustreiten, bringen verschiedene Dokumente und andere schriftliche Belege Lee und ihre Mitstreiter direkt mit Abraxas – und damit auch mit Cubic und natürlich mit TrapWire – in Verbindung.

 

Nach Angaben der Regulierungsbehörde State Corporation Commission des amerikanischen Bundesstaates Virginia wurde das Unternehmen TrapWire Inc. am 7. März 2009 mit Margaret A. Lee als Bevollmächtigter ins Unternehmensregister eingetragen. Aus anderen öffentlich zugänglichen Quellen geht hervor, dass Wesley Husted zumindest bei einer Gelegenheit als Finanzvorstand für das Unternehmen TrapWire mit Richard Helms als Vorstandschef tätig war.

 

Verschiedene Quellen haben seitdem behauptet, Richard Helms, der 1966 nach einer langen Karriere in der CIA zum Chef des Geheimdienstes ernannt wurde, verfüge über enge Verbindungen zu TrapWire, aber auch die anderen Verbindungen seien aufrechterhalten worden.

 

Frühere Recherchen zu TrapWire hatten ergeben, dass der Mutterkonzern von TrapWire, die Cubic Corporation, 2010 im Zuge einer Firmenfusion in den Besitz eines Programms mit der Bezeichnung Anonymizer gekommen war, das es ermöglicht, im Internet seine Identität zu verbergen. Zugleich kontrolliert Cubic das Fahrkartensystem eines der größten Unternehmen des Öffentlichen Personenverkehrs weltweit. Aus den aktuellsten Nachforschungen ergab sich, dass der Einfluss von Cubic noch weit darüber hinausgeht. Über seinen Unternehmensbereich Ntrepid ist Cubic maßgeblich an Überwachungsaktivitäten beteiligt, die sich unter Einsatz von FBI-Informanten gegen politische Aktivisten richten, um diese mit Verbrechen in ganz Amerika in Verbindung bringen zu können.

 

Ob das Überwaschungssystem TrapWire jetzt direkt an solchen Operationen beteiligt war oder ist, bleibt noch offen, aber Cubic seinerseits behauptet weiterhin, mit dem Überwachungsnetzwerk nichts zu tun zu haben. In der letzten Woche behauptete Cubic in einer Pressemitteilung: »Die Abraxas Corporation stand und steht in keinerlei Verbindung zu dem Unternehmen Abraxas Applications, das heute unter dem Namen TrapWire firmiert … Abraxas Corp., ein Technologieunternehmen, das im Bereich der Risikominimierung tätig ist, hat ein Softwareunternehmen aufgebaut, das sich zentral mit der Vermarktung eines neuen Produkts beschäftigt. Dieses ausgegliederte Unternehmen mit Namen Abraxas Applications wird [die Software] TrapWire vertreiben, die in der Lage ist, durch die Analyse von Sicherheitsberichten und die Auswertung von Videoüberwachungsmaterial Angriffe auf wichtige Infrastruktur vorherzusagen«.

 

Bereits 2007 kam ein Artikel im Washington Business Journal zu dem Schluss, bei diesen beiden Firmen handele es sich praktisch um ein und dasselbe Unternehmen. Und ein Jahr zuvor hatte die gleiche Zeitschrift enthüllt, dass Abraxas damals den Softwarehersteller Dauntless übernommen hatte. Mitarbeiter des Internet-Informationsdienstes DarkerNet haben später Verbindungen zwischen Lee, Husted und Helms und dem Abraxas-Dauntless-Vorstand nachweisen können.

 

Justin Ferguson, der vor zwei Wochen als erster auf TrapWire aufmerksam gemacht hatte, hob hervor, Lee, Helms und Husted würden in den Unterlagen im Zusammenhang mit der Registrierung des Unternehmens Abraxas Dauntless in Virginia im Dezember 2011 und ebenso in den Unterlagen im Zusammenhang mit der Eintragung von TrapWire Inc. vom September 2011sowie dem letzten Jahresbericht des Unternehmens Ntrepid für das Handelsregister des Bundesstaates Florida aufgeführt.

 

In einem Gespräch mit Barrett Brown vom Project PM stritt der Kommunikationsleiter von Cubic, Tim Hall, diese Verbindungen allerdings erneut ab: »Es gibt keine wie auch immer geartete Verbindung zwischen Abraxas Applications, TrapWire und Ntrepid.« Brown sagte dazu, er sei im Besitz der Steuererklärung von Cubic aus dem Jahr 2010, aus der eindeutig hervorgehe, dass Ntrepid und Abraxas alleiniges Eigentum von Cubic seien.

 

Aus Unterlagen zu Handelsmarken, die im Internet öffentlich zugänglich sind, geht hervor, dass Abraxas Corp. sich TrapWire als Markenzeichen erstmals 2004 sichern ließ und im Januar 2007 einen entsprechenden Eintrag ins Markenregister erhielt.

 

 


 

 

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