Donnerstag, 8. Dezember 2016
04.09.2011
 
 

Wer wird das libysche Erdöl kontrollieren?

Redaktion

Auf einem Treffen französischer Diplomaten aus aller Welt am Mittwoch, dem 31. August, lobte der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy die Unterstützung der libyschen Rebellen durch das NATO-Bündnis als »unverzichtbares Instrument« und wichtigstes Ergebnis des Kriegs, auch wenn sich Washington entschieden habe, in den Hintergrund zu treten. »Zum ersten Mal stellte die NATO ihre Dienste einer Koalition zur Verfügung, die aus zwei entschlossenen europäischen Ländern bestand – Frankreich und Großbritannien«, bemerkte er in einem Tonfall, der seinen Stolz darüber, Frankreich mit der Entscheidung, sich dem militärischen Vorgehen der NATO in Libyen, die auf den Sturz Muammar al-Gaddafis abzielte, anzuschließen, wieder zu seiner früheren imperialen Größe zurückzuführen, nicht verhehlen konnte.

Die Prahlerei des französischen Präsidenten Sarkozy über einen erfolgreichen europäischen Krieg ist nur zum Teil berechtigt. Auch wenn Amerika die Führung an England und Frankreich abgetreten hatte, wäre keines dieser Länder ohne amerikanische Aufklärungssatelliten, Spionageflugzeuge und US-Nachschub in der Lage gewesen, Tripolis zu erobern, und Gaddafi hielte sich immer noch in Bab al-Aziziya versteckt.

Aber obwohl der Krieg noch nicht vorüber ist, kann Sarkozy die Pose eines Siegers einnehmen, da er ein Schreiben der Rebellen erhalten hat, in dem diese Frankreich einen bevorzugten Zugang zu 35 Prozent des libyschen Erdöls versprechen. Vor dem Krieg produzierte Libyen täglich 1,6 Millionen Barrel (1 Barrel = 158,99 l), etwa 255 Millionen Liter. Die Erdölreserven des Landes werden auf 44 Milliarden Barrel geschätzt und sind damit die größten Afrikas. Das tägliche Förderpotenzial liegt weitaus höher als in der Vorkriegszeit. Mit der Zusicherung der Rebellen sichert sich Frankeich den Zugriff auf 15 Milliarden Barrel Erdöl und stößt damit mit einem Schlag in die Oberliga der Erdölmächte vor, wo es dann auf einer Stufe mit den Vereinigten Arabischen  Emiraten und Kuwait stünde, die über vergleichbare Reservekapazitäten verfügen.

 

Aber Versprechen der Rebellen stehen nur auf dem Papier, solange der Krieg nicht vorbei ist

Möglicherweise haben die libyschen Rebellen auch dem britischen Premierminister David Cameron, Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi und dem Machthaber von Katar, dem Emir Hamad bin Chalifa Al Thani Anteile am libyschen Erdölschatz zugesichert. Al Thanis Luftwaffe und seine Spezialeinheiten waren bereits unmittelbar nach Beginn des NATO-Einsatzes in der dritten Märzwoche beteiligt.

Internationale Finanz- und Erdölkreise berichten, Großbritannien, Doha und Italien müssten sich mit kleineren Anteilen am libyschen Erdölreichtum als Frankreich zufriedengeben – wahrscheinlich bewegt sich ihr Anteil in der Größenordnung von jeweils nur sechs bis acht Milliarden Barrel. Aber selbst diese Mengen würden London und Rom wesentlich dabei unterstützen, sich aus ihrer wirtschaftlichen Krisensituation herauszuarbeiten und sich neue Kreditlinien bei den internationalen Banken zu eröffnen, um dann in die Erschließung und Ausbeutung der libyschen Erdölreserven zu investieren. Auch die Position Katars als Energieproduzent wäre gestärkt und verbessert. Das Emirat ist derzeit der größte Produzent von Flüssigerdgas und verkauft jährlich weltweit 42 Millionen Tonnen.

Diese Zahlen legen nahe, dass den Ländern, die sich an der Erschließung und Ausbeutung der libyschen Erdölreserven beteiligen, eine rosige Zukunft und ungeheure finanzielle Gewinne bevorstehen, aber die Wirklichkeit könnte ganz anders aussehen.

Insiderquellen erläutern dazu:

  1. Solange in Libyen Krieg herrscht, besteht keine Gewissheit darüber, wer letztlich die Macht in Tripolis innehaben wird. Die Zusicherungen der Rebellen gegenüber ihren NATO-Helfern können vielleicht nie erfüllt werden.

 

Zudem sind 60 Prozent der versprochenen libyschen Erdölreserven unter dem Sand in den Steppen- und Wüstengebieten im Süden Libyens begraben, die immer noch von Muammar al-Gaddafi und seinen Anhängern kontrolliert werden.

 

Vielleicht stellen die USA den Europäern Erdöltechnologien zur Verfügung – aber das wird seinen Preis haben

  1. Auch wenn der französische Erdölkonzern Total erhebliche Erfahrungen mit der Erschließung von Erdölquellen in Afrika besitzt, verfügt das Unternehmen nicht über die hochentwickelten Technologien, die für die Erdölbohrungen und die Förderung großer Mengen erforderlich sind. Nur die USA verfügen über diese Technologien und die notwendigen finanziellen Mittel.
  2. Die gleiche Schwäche gilt auch für den italienischen Erdölkonzern ENI, der fast täglich in telefonischem Kontakt mit der Rebellenführung steht, um sich seinen Platz im Nachkriegs-Libyen zu sichern, sowie für den britischen Erdölkonzern BP, das britisch-niederländische Unternehmen Shell und Qatar Petroleum.
  3. Es wird jetzt an Frankreich, England, Italien und Katar liegen, darüber zu entscheiden, wo kurzfristig mit neuen Explorationen für Bohrungen begonnen werden soll und welche Regionen man für die Zukunft aufsparen will. Diese Entscheidungen werden davon abhängen, welche Investitionssummen zur Verfügung stehen, ob die Gewinnerwartungen auf der Grundlage zukünftiger Erdölpreise die riesigen Investitionen rechtfertigen und wie hoch die Kreditkosten sein werden.
  4. Gut informierte Quellen weisen darauf hin, dass die Regierung Obama an ihrer Entscheidung, im Falle Libyens die Führungsrolle abzugeben, festhält. Dies betrifft sowohl die militärischen Aspekte des NATO-Einsatzes als auch die Aufteilung der Erdöl-Ausbeute unter den Beteiligten.

Die USA werden ohne Zweifel der Nutzung ihrer hochentwickelten Explorations- und Fördertechnologien durch Frankreich, England und Italien zustimmen und auch finanzielle Hilfe nicht verwehren, damit das Erdöl gefördert werden kann. Aber sie werden dafür einen erheblichen Anteil an den Erträgen fordern. Auf diese Weise werden die USA von der libyschen Erdöl-»Goldgrube« profitieren, ohne dabei beim Militäreinsatz Kopf und Kragen zu riskieren oder Verantwortung für die Zukunft Libyens übernehmen zu müssen.

 

Quelle: DEBKA

 

 


 

 

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