Sunday, 29. May 2016
12.12.2011
 
 

Weltweite Kriegsführung: Wo wird Obama als nächstes zuschlagen?

Richard Skaff

Im Rahmen einer Buchvorstellung im Commonwealth Club im kalifornischen San Francisco erklärte der frühere Vier-Sterne-General, NATO-Oberbefehlshaber, Politiker, »Falke« und Bewerber um die demokratische Präsidentschaftskandidatur des Jahres 2004 Wesley Clark in einer überraschend tiefgründigen Rede, die Neokonservativen hätten einen »politischen Putsch« unternommen und die Gestaltung der amerikanischen Politik an sich gerissen, dabei aber vergessen, den Rest des Landes davon zu unterrichten.

Clark berichtete weiter, er sei zehn Tage nach den Anschlägen vom 11. September im Pentagon mit Donald Rumsfeld zusammengetroffen. Am gleichen Tag habe er auch noch mit einem Offizier aus dem Vereinigten Generalstab gesprochen, der sehr daran interessiert war, ihm ein als geheim eingestuftes Memorandum aus dem Büro des Verteidigungsministeriums zu zeigen, in dem die Invasion und der Sturz von Regierungen in sieben Ländern (zusätzlich zu Afghanistan) im Nahen

und Mittleren Osten sowie in Afrika in einem Zeitraum von fünf Jahren gefordert wurde. Bei den Ländern, die in dieser Denkschrift aufgeführt waren, handelte es sich nach Angaben von Clark um den Sudan, Syrien, Libyen, den Libanon, den Irak, Somalia und den Iran.[1]

Clark brachte dieses geheime Memorandum noch mit einem weiteren Treffen in Verbindung, zu dem es bereits 1991 mit Paul Wolfowitz im Pentagon gekommen war, als Wolfowitz Staatssekretär für Verteidigungspolitik (und damit die Nummer drei im Pentagon) war und gerade die erste Invasion des Irak durch die USA im Rahmen der Operation Wüstensturm lief. Clarke berichtete weiter, Wolfowitz sei sehr unzufrieden damit gewesen, dass Saddam Hussein damals (1991) noch in Amt und Würden gelassen wurde. Aber, so sagte er General Clark angeblich, die Vereinigten Staaten hätten eine wichtige Lektion im Zusammenhang mit Operation Wüstensturm gelernt. Man habe erkannt, dass die USA durchaus ihre Militärmacht im Mittleren Osten einsetzen könnten, ohne dass die Russen intervenieren oder sie daran hindern würden. Zusätzlich meinte Wolfowitz hochtrabend zu Clark, sie hätten zehn Jahre Zeit, mit den Regimen in den alten sowjetischen Klientelstaaten wie Syrien, dem Irak, dem Iran und so weiter aufzuräumen, bevor eine andere Supermacht auftauchen und die alleinige Vormachtstellung der USA in Frage stellen würde.[2]

Clarks Rede aus dem Jahr 2007 wirkt deshalb so beunruhigend, weil sie deutlich macht, dass an den Plänen für eine Umgestaltung des Nahen und Mittleren Ostens bereits seit vielen Jahren gearbeitet wurde. Die Konzepte von Oded Yinon sind dabei, umgesetzt zu werden, und beim »arabischen Frühling« handelt es sich weniger um einen frühlingshaften Neuanfang als um den ersten verhängnisvollen Schritt in einer Entwicklung, die in die völlige Zerstörung der gesamten Region münden kann.

Eine quälende Frage wäre zum Beispiel, warum Russland niemals interveniert oder dem amerikanischen militärischen Eingreifen in der Region keinen Widerstand entgegengesetzt hat, wie Wolfowitz behauptet?

Eine mögliche Antwort könnte sein, dass das postsowjetische Russland zum »kranken und entkräfteten Mann« Eurasiens geworden war, der vom kapitalistischen Geld abhing und sich mit der Rolle eines Beobachters zufriedengeben musste, der mit den Knochen oder Kadavern abgespeist wird, die der Westen ihm vorwarf.

In einer unerwarteten und beinahe ironischen Wendung ergriff der angebliche »arabische Frühling« mehr als nur die sieben im Geheimmemorandum des Pentagon 2001 aufgeführten Länder und trug damit noch umfassender zur Neugestaltung der Grenzen jedes Landes in der Region bei. Der Friedensnobelpreisträger Präsident Obama scheint entschlossen, die von seinem Vorgänger begonnene Arbeit zum Ende zu bringen und den Nahen und Mittleren Osten sowie Nordafrika umzugestalten.

Als Folge davon wurde der ägyptische Machthaber Mubarak ebenso fallengelassen wie zuvor der Schah von Persien, nachdem dieser so viele Jahre lang loyal gegenüber seinem amerikanischen Herrn und Meister gewesen war. Ich bin sicher, dass die Regierung Obama und die Geheimdienste in Ägypten eine Scheinwahl inszenieren werden, bei der die Moslembruderschaft einen Erdrutschsieg erringen und damit Ägypten zu einem neuen extremistischen sunnitischen Staat machen wird, der die Macht und den Einfluss der Sunniten in der ganzen Region zementieren soll. Mit Rückendeckung des amerikanisch-saudischen Geldes soll Ägypten zum neuen Bollwerk gegen den extremistischen schiitischen iranischen Staat werden. Und wieder einmal werden sich die Saudis über die Zerstörung eines säkularen Staatswesens, das unter dem [bereits 1970] verstorbenen Gamal Abdel Nasser zur Wiege eines arabischen Nationalismus geworden war, freuen. Nicht zuletzt wurde Nasser von den Saudis angefeindet, weil sie ihn als Konkurrenten um die Vormachtstellung in der Region betrachteten.

Panarabismus ist eine Sache der Vergangenheit, während die Zukunft der Region vom Islamismus geprägt sein wird. Bei der Globalisierung und Balkanisierung von Nationen spielt Fundamentalismus eine entscheidende Rolle. Aus genau diesem Grund haben die USA und ihre Verbündeten über Jahre hinweg fundamentalistische Strömungen in den USA und im Ausland massiv finanziert, während sie über die Medien genau das Gegenteil verkündeten.

Die saudischen Hyänen werden nun angesichts des zu erwartenden Sieges der Moslembruderschaft, der ihr altes Bündnis mit den USA erneuern wird, da ihre korrupten Monarchien deren Wohlstand und Macht erhalten, ein triumphales Freudengeheul erschallen lassen. In der Rückschau erhält die folgende Bemerkung des früheren ägyptischen Machthabers Hosni Mubarak im Rahmen seines Frankreichbesuchs vom 18. bis 20. März 1998, wie sie von der  französischen Tageszeitung Paris-Match berichtet wurde, ironische Züge: »Sie sollten sich klar darüber sein, dass die Anschläge in Luxor (damit bezog er sich auf die Anschläge im oberägyptischen Luxor vom 17. November 1997) vor dem Hintergrund der derzeitigen Lage im Zusammenhang mit dem internationalen Terrorismus praktisch überall auf der Welt hätten stattfinden können. Und wir wissen bereits, was sie hervorgebracht hat: Die Überbleibsel des Krieges zwischen den Afghanen und der Sowjetunion – die angeblichen Mudschaheddin, die von der CIA und mit praktisch unerschöpflichen Drogengeldern finanziert wurden.« Zum ersten Mal wies Mubarak damals so ausdrücklich mit dem Finger in Richtung des »Großen Bruders« USA, der damals Ägypten jährlich mit zwei Milliarden Dollar Direkthilfe unterstützte.[3]

 

Ein kurzer geschichtlicher Rückblick

Der alte Pakt zwischen den USA und den Saudis wurde damals zwischen Präsident Franklin D. Roosevelt und König Ibn Saud an Bord der Jacht Quincy besiegelt und umfasste bereits einen Austausch Erdöl gegen Sicherheit und politischen Schutz. (Dieses Bündnis, das von 1945 bis 2005 hielt, sicherte den USA ein Monopol auf die Erschließung und Ausbeutung aller Erdöllagerstätten, die in Saudi-Arabien entdeckt worden waren. Im Gegenzug schützten die USA die Integrität des Königtums, gingen eine langfristige Partnerschaft in den Bereichen Wirtschaft, Finanzen und Handel ein und mischten sich nicht in die inneren Angelegenheiten des Landes ein.) Seit dieser Zeit benutzten die Amerikaner und Saudis Islamismus und andere Formen religiösen Fanatismus‘ als Mittel zur Eindämmung säkularer und fortschrittlicher Formen des arabischen Nationalismus. Am Ende sollte die Errichtung einer »Pax Americana« stehen, die von der »Libanonisierung« der Welt getragen wird. Diese »Welt«ordnung hat mafiaähnliche Verbindungen zwischen organisiertem Verbrechen und den großen Unternehmensnetzwerken des weltweiten Kapitalismus entstehen lassen, bei denen der rote Faden des islamischen Terrors nicht auf Religion, sondern Geld gründet.[4]

Dadurch erweisen sich Islamisten und Zionisten absurderweise als feindliche, aber komplementäre Gegenspieler und arbeiten auf das gleiche Ziel hin. So wird der Ton der Hamas zum Beispiel immer schärfer, während es der Likud einfacher hat, seine breit angelegte Politik der Siedlungsneugründungen in den besetzten Gebieten durch Emigranten aus der früheren Sowjetunion und anderen Regionen voranzutreiben und die Einkreisung sowie die »Befreiung« Ostjerusalems von den Arabern zu vollenden.[5]

 

Anmerkungen

[1] disclose.tv

[2] a.a.O.

[3] Richard Labeviere, Dollars for Terror: The U.S. and Islam, New York, 2000.

[4] a.a.O.

[5] a.a.O.

 

 


 

 

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