Friday, 30. September 2016
21.11.2010
 
 

QE2: US-Notenbank auf verlorenem Posten?

Ron Paul

Das bemerkenswerte Zusammentreffen der jüngsten Ereignisse hat die amerikanische Geld- und Währungspolitik sowie die weltweite Wirtschaftspolitik auf beispiellose, aber sehr willkommene Art und Weise in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gerückt.

Zuerst kündigte der Chef der amerikanischen Notenbank Federal Reserve (Fed), Ben Bernanke, vor Kurzem an, die Fed werde eine weitere Lockerung der Geldmarktpolitik (QE2) einleiten, indem sie Staatsobligationen im Wert 600 Mrd. Dollar kaufen werde. Dies bedeutet praktisch das Eingeständnis, dass die Märkte dabei sind, wegen unserer Verschwendung die Geduld zu verlieren, und daher die amerikanische Zentralbank in wahrstem Sinne als »Käufer der letzten Instanz« für amerikanische Staatsanleihen einspringen muss.

Dann deutete Weltbank-Präsident Robert Zoellick öffentlich an, Gold könnte durchaus eine hilfreiche Rolle im globalen Weltwährungssystem als Bezugsgröße gegenüber dem sehr viel volatileren Fiat-Geld spielen. Aus dem Munde eines neokonservativen Globalisten wie Robert Zoellock hört sich das wie Ketzerei an. Seine Aussage verweist auf eine offensichtliche, aber unausgesprochene Wahrheit, die für Politiker und Zentralbanker gleichermaßen mit einem Bannfluch belegt ist: Gold kann als … Geld gesehen werden!

Und zuletzt erntete der amerikanische Präsident Obama auf dem G-20-Gipfel in Südkorea in der vergangenen Woche mit seiner Vision der amerikanischen Wirtschaftspolitik nur unterkühlte Reaktionen. Obama hatte sich dafür eingesetzt, über eine anhaltende Abwertung des Dollar der Weltwirtschaft weiter Anreize zu geben, um so die amerikanischen Exporte zu stärken. Aber einige einflussreiche europäische und asiatische Finanzminister lehnten seine Herangehensweise kurzerhand ab, dies käme einem Währungskrieg gleich. Sie setzen in ihren jeweiligen Ländern auf eine drastische Sparpolitik und lehnen es ab, dass die USA ihre Sünden der Vergangenheit einfach zulasten der anderen durch eine Dollarabwertung »monetarisieren«.

Diese Ereignisse rückten die Federal Reserve mit einem Schlag in den Mittelpunkt des politischen und medialen Interesses. Die breite amerikanische Öffentlichkeit verlangt Antworten und Rechenschaft, und die Bürger üben Druck auf ihre politischen Vertreter in Washington aus, endlich die behagliche »Unabhängigkeit« der Fed von der Kontrolle durch den Kongress zu beenden.

In den 35 Jahren, in denen ich bis jetzt die Geld- und Währungspolitik untersucht und darüber gesprochen und geschrieben habe, habe ich noch nie erlebt, dass der Kongress oder die Finanzpresse der Federal Reserve so viel Aufmerksamkeit widmeten. Geld- und Währungspolitik wurden auf dem Capitol Hill immer als langweilig angesehen; als etwas, dass man den Hinterbänklern weitab vom Lärm und Glanz der Politik des Kongresses oder des Präsidenten überließ. Der Kongress hat die Chefs der Notenbank gerne sich selbst überlassen, ohne sie zu überwachen oder in die Verantwortung zu nehmen, so lange sie mitspielten und das wachsende Haushaltsdefizit vertuschten.

Es ist schon verblüffend, wie sich die weltweite wirtschaftliche Zusammenbruchskrise auf die politische und mediale Landschaft auswirkt. Innerhalb von nur knapp zwei Jahren wurde die Federal Reserve zu einem »heißen Thema« und zog Kritik wie ein Blitzableiter die Blitze an. Es ist einerseits zwar erfreulich, dass sich jetzt so viele vorher desinteressierte Politiker, Ökonomen, Talkshowgäste und Experten zusammentun und die Fed kritisieren, aber man muss sich schon die Frage stellen, ob sie wirklich verstehen, dass das Zentralbanksystem prinzipiell nicht mit unserer Verfassung und einer freien Marktwirtschaft in Einklang zu bringen ist.

Es reicht, mit anderen Worten, jetzt nicht aus, sich öffentlich über die jüngsten Maßnahmen der Federal Reserve zu empören oder die, verglichen mit seinen Vorgängern, relativ geringen Verdienste ihres Präsidenten Bernanke in Frage zu stellen. Um unseren Dollar und unsere Wirtschaft zurückzugewinnen, muss sich die amerikanische Bevölkerung gegen das Zentralbankensystem an sich wehren. Fiat-Währungen kann man nicht »reformieren« oder »irgendwie regeln«. Sie unterliegen grundsätzlich dem ruinösen Abwertungswillen der herrschenden politischen und wirtschaftlichen Klasse. Die Geschichte zeigt, dass dies für alle Nationen und alle Zeiten gilt.

 

 

 

 


 

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