Wednesday, 27. July 2016
21.05.2014
 
 

Warum die wirklich Regierenden Frieden hassen

Ron Paul

Eine der lapidarsten Erklärungen dazu, wie es Regierungen immer wieder gelingt, ihre Bevölkerung für die Unterstützung eines Krieges zu gewinnen, stammt von Hermann Göring aus der Zeit der Nürnberger Prozesse nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs.

»Nun, natürlich, das Volk will keinen Krieg. Warum sollte auch irgendein armer Landarbeiter im Krieg sein Leben aufs Spiel setzen wollen, wenn das Beste ist, was er dabei herausholen kann, dass er mit heilen Knochen zurückkommt? Natürlich, das einfache Volk will keinen Krieg; weder in Russland, noch in England, noch in Amerika, und ebenso wenig in Deutschland. Das ist klar.

Aber schließlich sind es die Führer eines Landes, die die Politik bestimmen, und es ist immer leicht, das Volk zum Mitmachen zu bringen, ob es sich nun um eine Demokratie, eine faschistische Diktatur, um ein Parlament oder eine kommunistische Diktatur handelt...

Das Volk kann mit oder ohne Stimmrecht immer dazu gebracht werden, den Befehlen der Führer zu folgen. Das ist ganz einfach. Man braucht nichts zu tun, als dem Volk zu sagen, es würde angegriffen, und den Pazifisten ihren Mangel an Patriotismus vorzuwerfen und zu behaupten, sie brächten das Land in Gefahr. Diese Methode funktioniert in jedem Land.« (Hermann Göring, am 18. April 1946 abends in seiner Zelle; zitiert nach G.M. Gilbert, Nürnberger Tagebuch, Frankfurt 1962, S. 455.)

Es ist schon erschreckend, dass ein verurteilter Nazi-Kriegsverbrecher eine solche grundlegende Wahrheit ausspricht!

 

Es sollte schwieriger sein, insbesondere dann Unterstützung für einen Krieg zu mobilisieren, wenn am Ende so viel Bedauern und Reue stehen. In den vergangenen 60 Jahren hatte die amerikanische Bevölkerung wenig zu sagen, wenn es um die Entscheidung ging, ob ein Krieg zu führen sei.

Wir haben zugelassen, dass eine ganze Reihe von Präsidenten sowie die Vereinten Nationen letztlich entschieden haben, wann und ob wir in den Krieg zogen, ohne dass eine ausdrückliche Kriegserklärung des Kongresses vorlag, wie es die Verfassung verlangt.

 

Seit 1945 war unser Land an mehr als 70 offenen oder verdeckten militärischen Auslandseinsätzen beteiligt. In zahlreichen Fällen haben wir beiden Seiten eines Konflikts Waffen und Geldmittel zur Verfügung gestellt. Es ist für unsere so genannten Verbündeten keinesfalls ungewöhnlich, sich gegen uns zu wenden und die von uns gelieferten Waffen gegen amerikanische Soldaten einzusetzen. In den letzten Jahrzehnten waren wir sowohl Verbündete und Feinde von Saddam Hussein, Osama bin Laden und den Islamisten im Iran. Wohin hat uns all das geführt?

 

Die Verluste und Folgeschäden an Menschenleben und Verletzungen, die Verschwendung an Steuergeldern, die Inflation und Haushaltsdefizite, die sich aus dieser unserer dummen und absurden Politik ergeben, werden noch viele kommende Generationen belasten.

 

Damit sich die menschliche Zivilisation weiter entwickeln kann, müssen wir die Zahl der Kriege verringern. Vor allem zwei Bedingungen müssen erfüllt sein, damit wir hoffen können, dieses Ziel zu erreichen:

  1. Alle Angehörigen der Streitkräfte (einschließlich der verdeckt paramilitärisch operierenden Einheiten) weltweit müssen sich weigern, Offensivkriege über ihre Landesgrenzen hinaus zu beginnen. Dies muss für jeden einzelnen Soldaten oder jede einzelne Soldatin zu einer Frage der persönlichen Ehre werden. Die Schweiz ist ein Beispiel für ein Land, das zwar bereit und in der Lage ist, sich zu verteidigen, sich aber bisher beharrlich geweigert hat, Truppen ins Ausland zu entsenden.

  2. Die wahre Natur des Krieges muss offen gelegt werden, und seine Verherrlichung muss aufhören. Anstatt Kriegshelden mit Paraden und Orden für Kriege zu belohnen, die nicht für die wirkliche Verteidigung unseres Landes geführt wurden, sollten wir uns ehrlicher der realen Folgen des Krieges bewusst werden: Tod, Zerstörung, schreckliche Verwundungen und Behinderungen, zivile Opfer, wirtschaftliche Kosten und der Verlust der Freiheit im eigenen Land.

Die neokonservative Ideologie, Krieg sei an sich patriotisch, zeitige vorteilhafte und nutzbringende Folgen, sei männlich und für den menschlichen Fortschritt erforderlich, muss widerlegt werden. Diese Kriegsbefürworter haben niemals ihre eigenen Kinder in den Kampf geschickt. Einige sind überzeugt, Wirtschaftssanktionen und Blockaden seien akzeptable Alternativen zu einer Invasion und Besetzung. Aber auch hier handelt es sich um kriegerische Akte, und diejenigen, die diesen Maßnahmen unterworfen sind, geben in der Regel diesem Druck nicht nach. Viel wahrscheinlicher bleiben sie erbitterte Feinde und greifen auf das Mittel des Terrorismus zurück, wenn sie nicht in der Lage sind, uns mit konventionellen militärischen Mitteln entgegenzutreten.

 

Inflation, Sanktionen und die Drohung mit militärischer Gewalt stören den internationalen Handel massiv und schaden der normalen Bevölkerung in den betroffenen Ländern, während die Machthaber selbst, gegen die sich diese Maßnahmen eigentlich richten sollen, in der Regel kaum von ihnen betroffen sind. Unser kriegslüsternes Auftreten fördert Protektionismus, autoritären Regierungsstil, einen militanten Nationalismus und Isolationismus, der einen Alleingang bevorzugt. Unsere Regierung predigt Freihandel und freien Handelsverkehr, verurteilt aber alle diejenigen, die sich für eine Einschränkung des Einsatzes unseres Militärs weltweit einsetzen.

 

Wir weigern uns, zur Kenntnis zu nehmen, wie sehr wir uns isoliert haben. Wir haben nur wenige loyale Verbündete, und während die UN nur unserem Willen folgen, wenn wir die nötigen Stimmen kaufen, wächst die Zahl unserer Feinde. Eine Milliarde Muslime auf der ganzen Welt betrachten die USA gegenwärtig als Ausgestoßene.

 

Unsere Streitkräfte werden öfter dazu eingesetzt, private Wirtschafts- und Finanzinteressen, wie etwa Erdöl und andere Rohstoffe im Ausland, als unsere eigenen Grenzen zu schützen.

 

Im Zentrum unserer Verteidigungspolitik steht nicht länger der Schutz vor realen äußeren Bedrohungen, da die Globalisten innerhalb und außerhalb unserer Regierung sehr einflussreich geworden sind. Die Rüstungsindustrie hat zwar niemals ausdrücklich das Töten von Menschen befürwortet, um ihre Profite zu steigern, aber sie ist der große Nutznießer einer Politik endloser Kriege und ewiger Feinde. Einige fordern gegenüber namenlosen Terroristen eine Rückkehr zu den Strategien des Kalten Krieges, wie sie gegen die Sowjetunion eingesetzt wurden – denn das ist immer gut fürs Geschäft!

 

Viele Neokonservative scheuen nicht einmal vor solchen absurden Gedankengängen zurück:

»Auf diese Weise vergrößert Frieden die Gefahr für uns, indem er dazu führt, dass Disziplin vernachlässigt wird, einige unserer schlimmsten Instinkte geweckt und wir einiger unserer besten Führer beraubt werden.

Der große preußische General Helmuth von Moltke wusste, wovon er sprach, als er einem Freund schrieb: ›Der ewige Friede ist ein Traum, und nicht einmal ein schöner, und der Krieg ist ein Glied in Gottes Weltordnung… Ohne den Krieg würde die Welt im Materialismus versumpfen.‹ Und wie gewöhnlich ist Machiavelli bis ins kleinste Detail hinein genau: Frieden untergräbt nicht nur die Disziplin und räumt damit den zerstörerischen Lastern größeren Einfluss ein.

Sollten wir tatsächlich einen anhaltenden Friedenszustand erreichen, würde ›Trägheit (das Staatswesen) entweder verweichlichen oder aber seine Einheit zerstören; und zwei Dinge gleichzeitig oder jedes für sich könnten dann Ursache seines Untergangs werden‹. Das ist Machiavellis Version eines Themas, das auch Mitterrand aufgegriffen hat: Die Abwesenheit von Bewegung ist der Beginn der Niederlage.« (Michael Ledeen, Machiavelli on Modern Leadership.)

Leute wie Ledeen, die das »Prinzip des ewigen Kampfes« befürworten und hoch schätzen, sind im allgemeinen auch Globalisten, die Prinzipien wie nationale Souveränität und Realitäten wie Grenzen ablehnen. Die wirkliche Verteidigung eines Landes ist für sie nur von geringem Interesse.

 

Darum werden auch Militärstützpunkte in den Vereinigten Staaten ungeachtet ihres strategischen Wertes geschlossen, während zahlreiche neue Militärbasen am Persischen Golf errichtet werden, auch wenn sie von unseren Feinden als Provokation betrachtet und zur Rechtfertigung eines Dschihads gegen uns benutzt werden. Der neue Kalte Krieg rechtfertigt eben alles.

 

Krieg und die Drohung mit Krieg sind die besten Helfershelfer korrupter und ineffizienter Regierungen, die aber aufgrund ihres Allmachtanspruchs dennoch glauben, sich überall einmischen zu müssen (»Big Government«).

 

Liberale befürworten und unterstützen die Sozialprogramme solcher Regierungen, und die Konservativen unterstützen deren Kriegspolitik, womit zwei wichtige Interessengruppen befriedigt sind. Und wenn es dann hart auf hart kommt, arbeiten diese beiden Gruppen zusammen und unterstützen Big Government auf ganzer Linie – immer zulasten der persönlichen Freiheit des Einzelnen.

 

Beide Seiten geben zwar Lippenbekenntnisse zur Freiheit ab, aber keine von ihnen widersetzt sich dem Wohlfahrts- und dem Kriegsstaat und dessen Versprechen unbegrenzter Ansprüche und endloser Kriege.

 

 

 

 


 

 

 

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