Thursday, 25. August 2016
11.07.2014
 
 

Beispiel Ukraine: Wie die Medien Geschichten erfinden

Stefan Müller

»Es war einmal...«, so beginnen viele Märchen. Seit jeher erzählen sich Menschen Geschichten − egal ob am Lagerfeuer, per Internet oder über die Titelseiten von Zeitungen. Einst waren diese Geschichten überlebenswichtig, nämlich, wenn es vielleicht darum ging, wie man gegen gewisse Raubtiere bestehen konnte. Trotzdem erzählt man sich auch heute noch Geschichten. Aber warum sind Geschichten so beliebt?

 

Geschichten haben einen entscheidenden Vorteil, denn sie sind besser als die Wirklichkeit: Es gibt den strahlenden Helden, den bösen Hexenmeister und die schöne Prinzessin. Die Realität hingegen spielt sich oftmals nicht in Schwarz und Weiß, sondern in nuancierten Grautönen ab. Was für den einen gut ist, muss für den anderen noch lange nicht gut sein, denn wir leben im Reich des Relativen. Ganz anders sehen das die Massenmedien, denn in den Storys der Zeitungen, Zeitschriften und Internetportale wimmelt es nur so von simplen Geschichten, denn die lassen sich auch am besten verkaufen – der Mensch will einfache Verhältnisse.

 

Nehmen wir doch einfach ein aktuelles Beispiel: Der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine. Russland gilt spätestens nach dem Kalten Krieg als »Reich des Bösen«, und der »böse Russe« ist auch in Deutschland ein geflügeltes Wort. Dem gegenüber steht die ehemalige Sowjetrepublik Ukraine. Die Ukraine ist irgendwie sympathisch, beim Nachdenken fallen die Klitschkos und die orangene Revolution ein. Von Beginn an gilt in diesem Konflikt also: Gut (Ukraine) gegen Böse (Russland). Aber stimmt das?

 

Schauen wir genauer hin: In der Ukraine wird der gewählte Präsident Wiktor Janukowytsch aus Amt und Land gejagt. Diesen Vorgang betrachten die Medien als vollkommen legitim, denn es handelte sich ja angeblich um den Willen des Volkes. Dass es während der angeblichen »Revolution« massive Ausschreitungen der so genannten »Freiheitskämpfer« gegen Andersdenkende gegeben hatte, war nur eine Randnotiz. Auch, dass die Demonstranten in Kiew von der US-Botschaft 25 Dollar dafür bezahlt bekamen, dass sie gegen die bestehende Regierung demonstrierten. Diese Informationen hätten schließlich auch nicht zur Story von der Vertreibung des bösen, russlandtreuen Präsidenten gepasst.

 

Als die Ausschreitungen innerhalb der Ukraine auch nach der Installation einer nicht legitimierten Regierung unter Arsenij Jazenjuk nicht abrissen, entschied sich Russland zu einer militärischen Antwort, um seine geopolitischen Interessen zu wahren und die Sicherheit der russischstämmigen Bevölkerungsgruppe in der Ukraine zu gewährleisten.

 

Spätestens an diesem Punkt sollte jedem selbstständig denkenden Betrachter klar werden, worum es in diesem Konflikt auch ging: Die Ukraine bekannte sich nun offen zur EU und damit auch zur NATO. Dies bedeutete im Klartext eine NATO-Osterweiterung bis zu den Toren des Kreml, bei gleichzeitigem Verlust des strategisch wichtigen Marinestützpunkts Sewastopol, der nichts anderes als der Hauptstützpunkt der russischen Schwarzmeerflotte war. Wie hätte Russland auf diese Entwicklung anders reagieren sollen?

 

Doch die Medien stellten diesen Sachverhalt auf den Kopf und sprachen anstelle dessen von Bestrebungen Wladimir Putins, eine Restauration der Sowjetunion vornehmen zu wollen. Auf diese Weise blieb Russland böse, die Ukraine mit EU und NATO gut.


Doch die Ukraine bekam dann doch noch Kratzer auf der glatten Oberfläche ab, denn es wurde bekannt, dass die junge Regierung Einheiten des Militärdienstleisters Academi gegen die eigene Bevölkerung einsetzte. Bei Academi handelt es sich um kein anderes »Unternehmen« als Blackwater. Blackwater war u.a. durch seine Operationen im Irak bekannt, bei der viele Zivilisten getötet wurden.


Auf die Spitze getrieben wird dieses Setting durch die Tatsache, dass die nicht legitimierte Regierung im März 2014 als erste Amtshandlung nichts Eiligeres zu tun hatte, als die Goldreserven der Ukraine (zirka 42 Tonnen) Richtung USA auszufliegen. Als Reaktion auf diese Amtshandlung wurden Kiew von Washington Hilfsgelder zur Verfügung gestellt.

 

Wurden die Academi-Söldner etwa direkt von diesen Geldern refinanziert? Wenn dem so sein sollte – wer ist dann eigentlich für den Einsatz der Söldnereinheiten gegen die Zivilbevölkerung der Ukraine verantwortlich?

 

Kann das positive Image der Ukraine auch gegen diese Tatsachen bestehen? Meiner Meinung nach wirft dies jedoch ein mehr als nur zwielichtiges Licht auf die angeblichen Bürgerrechtsaktivisten in der neu installierten Regierung.


Verfolgt man die weiteren Ereignisse, steht an dessen vorläufigem Ende (Stand: 17.06.2014) ein Gasstreit zwischen Russland und der Ukraine. Eine besondere Stilblüte ist wohl die Forderung des nun als Ministerpräsidenten inthronisierten Arsenij Jazenjuk, der einen Gaspreis von Russland einforderte, der noch unter dem Preis lag, den der kremltreue Janukowytsch hatte zahlen müssen. Außerdem wollte Jazenjuk das Recht erhalten, selber russisches Gas zu verkaufen. Dies kann nur als offene Ohrfeige in Putins Gesicht gewertet werden und resultiert aus dem Vertrauen der ukrainischen Administration auf NATO und EU. Selbst als Russland dem Preisvorschlag der EU-Kommission entsprechen wollte, schlug Jazenjuk dieses Angebot aus.

 

Letzte Woche kam es dann zu einem Lieferstopp für russisches Erdgas an die Ukraine. Erdgas gibt es für die Ukraine nun nur noch gegen Vorkasse, da die Ukraine Russland mehr als 1,4 Milliarden Euro schuldet. Dies kann sich auch auf die anderen Abnehmer (zu denen auch Deutschland zählt) von russischem Erdgas auswirken, denn 50 Prozent des Gases wird über Pipelines durch die Ukraine angeliefert. Eine Verringerung der Liefermenge bedeutet dann automatisch auch eine Steigerung des Erdgaspreises.

 

Was für ein Bild wirft das auf die Ukraine? Sollte sich so ein zukünftiger Partner der EU verhalten? Welches Licht wirft das auf EU und NATO?

Die Ukraine verhält sich sinnbildlich wie ein schmächtiger Halbstarker, der einem Muskelmann vor die Schienbeine tritt – im Wissen, dass seine »Gang« hinter der nächsten Straßenecke lauert und dem Muskelmann nötigenfalls eine Abreibung verpasst, wenn dieser sich provozieren lässt. Wie würden Sie sich fühlen, wenn Sie z.B. Getränkelieferant wären und es mit einem säumigen Kunden zu tun haben, der mit Ihnen auch noch nachträglich die Preise verhandeln möchte? Ist ein solcher Kunde seriös? Würden Sie ihm auch nur eine Kiste Bier ohne Vorkasse liefern?
In der Presse wird jedoch das gegenteilige Bild gezeichnet. Nach gängiger Meinung erpresst Russland sein Nachbarland. Wenn dies so sein sollte, dann wird jeder deutsche Verbraucher täglich mehrfach erpresst: z.B. beim Tanken oder im Supermarkt, denn dort muss er schließlich auch den fälligen Preis für eine Tankfüllung zahlen.

 

Dieses Beispiel habe ich zufällig ausgewählt und es ging mir keinesfalls darum, für Russland eine Lanze zu brechen. Russland handelt ebenso egoistisch wie es auch die Ukraine tut, weil dies das natürliche Verhalten von Nationalstaaten ist. Mir ging es lediglich um die Darstellung der Diskrepanz zwischen Realität und Nachrichtenmeldungen/Geschichten. Geschichten verkaufen sich besser, deshalb erzählen Medienunternehmen ausschließlich Vereinfachungen der Realität – denn auch diese Unternehmen haben vor allem Profite als Ziel ihres Handelns.


Wann immer Sie sich also beim Konsumieren einer Story emotional angesprochen fühlen, sind Sie Opfer eines besonders guten Geschichtenerzählers geworden. Kommunikation ist immer Manipulation, deshalb sollten Sie sich gut überlegen, wem Sie ihre Aufmerksamkeit schenken. Die Presse will immer verkaufen, aber es geht bei Information auch darum, Schafe wieder in die Herde oder die Bevölkerung in Formation zu bringen... Wie lange wollen Sie sich noch zum Schaf machen lassen?

 

 

 


 

 


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Leser-Kommentare (3) zu diesem Artikel

14.07.2014 | 03:34

yepp

@ Joseph Breitenbach.........In der Türkei sind U.S-Atombomben gebunkert, aus diesem Grund möchte die U.S.A dieses Land in den Nato-Reigen aufnehmen. Gegen dieses Vorhaben sträuben sich zum Leidwesen der U.S-Regierung vor allem Oesterreichische und Deutsche Bürger. Das erklärt auch die vielen Fehltritte die sich Erdogan erlauben darf.


13.07.2014 | 09:00

Livia

1. Das ist genau das Rezept einen geößeren Krieg anzuzetteln um dann als schlichtender Dritter siegreich eingreifen zu können! Vor 80 Jahren hat das schon einmal fünktioniert: Polen macht ein Bündnis mit England und stellt sich mit der Weltmacht im Rücken bei den Korridoverhandlungen stur! 2. Die Bezeichnugen "Gut" und "Böse" stehen stets für eine höchst unsachliche Diskussion, da die Definition dieser Begriffe jeder - und jeweils anders - vornehmen kann! Wer...

1. Das ist genau das Rezept einen geößeren Krieg anzuzetteln um dann als schlichtender Dritter siegreich eingreifen zu können! Vor 80 Jahren hat das schon einmal fünktioniert: Polen macht ein Bündnis mit England und stellt sich mit der Weltmacht im Rücken bei den Korridoverhandlungen stur! 2. Die Bezeichnugen "Gut" und "Böse" stehen stets für eine höchst unsachliche Diskussion, da die Definition dieser Begriffe jeder - und jeweils anders - vornehmen kann! Wer mit diesem Begriffen argumentiert nicht, sondern beeinflußt - oft genug mangels wirklicher Argumente. Monotheistische Religionsgemeinschaften haben uns seit 2000 Jahren so damit derat manipuliert, daß die Mehrheit der Menschen das garnichtmehr merkt und in Sinnverdrehung aller Tatsachen diese Nichtargumente für die wichtigsten Argumente überhaupt hält. Dahinter steht der Religionsgrundsatz: Du sollst glauben und nicht wissen! Wenn es "böse" ist, etwas zu hinterfragen kann man sich am ehesten darauf verlassen, daß es auch keiner macht! 3. Sollte sich die EU nicht nur einen Kopf wegen steigender Gaspreise machen, sondern vor allem zum Zweck der Friedenssicherung sich vom untergehenden Imperium verabschieden und der NATO schnellstend und geschlossen den Rücken kehren, militärisch einen schweizer Status von Neutralität einnehmen! Sonst kann es Westeuropa ergehen wie der römischen Provinz Gallien, die von den Rückzugs- und Untergangsgefechten des alten Weltreiches am Meisten abbekam - nur daß es diesmal keine Barbareneinfälle und Schlachten mit Schwertern und Bögen sind ... !


12.07.2014 | 15:36

Joseph Breitenbach

Betrifft "Beispiel Ukraine". Ein Bekenntnis zur EU bedeutet NICHT automatisch ein Bekenntnis zur NATO! Es gibt einige EU-Mitglieder, die nicht zugleich NATO-Mitglieder sind, nämlich Österreich, Republik Irland, Schweden, Finnland, Zypern, Malta. Und es gibt NATO-Mitglieder, die nicht in die EU wollen, zum Beispiel Norwegen, island und Grönland. Die Türkei ist in der NATO, aber ob sie in die EU will bzw. darf ist zur Zeit völlig ungeklärt.

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