Montag, 26. Juni 2017
15.02.2014
 
 

Israels geheimes Atomprogramm

Stephen Lendman

Das israelische Atomwaffenprogramm ist ein offenes Geheimnis. Es ist seit Jahren bekannt, wird aber in den etablierten Medien weitgehend totgeschwiegen. Sie geben vor, es existiere nichts Derartiges.

Aber israelische Atomwaffen existieren wirklich, und sie sind bedrohlich. Man stelle sich einmal vor, was es bedeutet, eine solche die Menschheit bedrohende Gefahr zu ignorieren und andererseits vorzugeben, das friedliche Atomprogramm des Iran stelle eine solche Bedrohung dar – damit einen regionalen Krieg oder sogar einen Weltkrieg zu riskieren.

 

Die in London erscheinende Tageszeitung The Guardian ist eine ernstzunehmende Establishment-Zeitung. In der Regel passt sie sich an, manchmal aber schert sie auch aus. So hat sie maßgeblich dazu beigetragen, die Enthüllungen Edward Snowdens an die Öffentlichkeit zu bringen. Sie informiert ihre Leser darüber, was diese wissen sollten. Am 15. Januar titelte sie: »Die Wahrheit über das geheime israelische Nukleararsenal«.

 

Amerikanische Establishmentmedien würden praktisch nie auf dieses Programm oder die israelischen chemischen und biologischen Waffen hinweisen. Aber diese Waffen werden ungehindert gegen Palästinenser und andere Gegner eingesetzt. Ärzte stellen Verletzungen fest, die sie so noch nie gesehen hatten. Aber die etablierten Medien ignorieren dies alles.

 

Das israelische Nuklearprogramm gehört zu den weltweit bestgehüteten, offenen Geheimnissen. Offiziell wird es immer noch nicht bestätigt. Aber es fällt immer schwerer, unbestreitbare Beweise zu widerlegen. Israel begann die Entwicklung seiner Nukleartechnologien schon vor Jahrzehnten und verbarg seine Aktivitäten, wie der Guardian schreibt, »tief im Wüstensand«. Es »setzte Technologien und Material ein, die ihm freundlich gesonnene Mächte zur Verfügung gestellt hatten oder die es auf die altmodische Art – über ein geheimes Agentennetzwerk – einfach gestohlen hatte.

 

Dies ist der Stoff »schockierender Thriller und die Art von Narrativ, die oft zur Charakterisierung der schlimmsten Befürchtungen« in Bezug auf das iranische Atomprogramm benutzt werden. Letzteres ist angeblich rein militärisch, das andere israelische dagegen dient friedlichen Zwecken. »Tatsächlich … glauben weder amerikanische noch britische Geheimdienste, dass Teheran die Entscheidung getroffen hat, eine Bombe zu bauen«, darüber hinaus wird das Programm weltweit sehr engmaschig überwacht.

 

Das israelische Atomprogramm hingegen ist völlig geheim. Es ist illegal. Der Iran erfüllt die Bestimmungen des Atomwaffensperrvertrags (NPT). Israel hat diesen Vertrag, der einen wirklichen Meilenstein [der Abrüstungsbemühungen] darstellt, nicht einmal unterzeichnet. Es will verhindern, dass auch nur das Geringste darüber enthüllt wird. Es will die Freiheit behalten, das Programm auszuweiten.

 

Israels offenes Geheimnis spiegelt eine »Meisterleistung an Ausreden und Tricks« wider, meinte der Guardian. Das Land verfügt über ein beträchtliches Arsenal und entsprechende Langstrecken-Trägersysteme. Israel droht, sein gesamtes Waffenarsenal im Bedrohungsfalle einzusetzen. Im Gaza und im Libanon hat Israel bereits chemische, biologische und radiologische Waffen eingesetzt. Es wird dies in zukünftigen Konflikten wieder tun.

 

Obwohl das israelische Atomwaffenprogramm allgemein bekannt ist, hält Israel an seiner Position fest, es offiziell weder zu bestätigen noch zu dementieren. Aber im Dezember letzten Jahres brach der frühere israelische Parlamentspräsident Avraham Burg mit dieser Doktrin. Israel verfüge über Atom- und Chemiewaffen, erklärte er. Die Politik, diesen Sachverhalt nicht offiziell einzugestehen, nannte er »überholt und kindisch« und setzte sich für eine »offene und unerschrockene öffentliche Diskussion« ein. Nur ein »regionaler Dialog auch mit dem Iran« könne dazu beitragen, das Ziel eines atomwaffenfreien Nahmittelostens zu erreichen. Burg gehörte auch dem Außen- und Verteidigungspolitischen Ausschuss der israelischen Knesset an und verfügt über direkte Kenntnisse des israelischen Atomwaffenprogramms. Die rechtsgerichtete Gruppe Rechtsforum für das Land Israel beschuldigte ihn daraufhin des »Landesverrats« und forderte die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens, da er ein wichtiges Staatsgeheimnis verraten habe. Dabei hat er lediglich öffentlich erklärt, was ohnehin schon fast allgemein bekannt ist. Die israelische Haltung in dieser Frage ergibt keinen Sinn.

 

Die westlichen Regierungen machen bei dieser israelischen Politik der »Undurchsichtigkeit« mit. Obama wird das Thema ebenso wenig wie andere amerikanische Regierungsvertreter oder die etablierten Medien aufgreifen. Sie geben vor, so etwas gäbe es nicht. Großbritannien schweigt ebenfalls. Als die britische Staatsministerin im Außenministerium, Sayeeda Hussain Baroness Warsi, im Oberhaus zu diesem Thema befragt wurde, antwortete sie zurückhaltend, aber ihre Antwort enthielt Akzente, die man nur selten hört. »Israel hat niemals erklärt, ein Atomwaffenprogramm zu betreiben. Wir sind regelmäßig mit der Regierung Israels im Zusammenhang mit einigen Fragen zu nuklearen Bereichen im Gespräch. Die Regierung Israels ist über unsere Haltung genau informiert. Wir ermutigen Israel, sich als Staat dem Atomwaffensperrvertrag anzuschließen«, sagte sie. Wie der Guardian weiter berichtet, haben vor allem die USA, Frankreich, Amerika, Deutschland, Großbritannien und Norwegen Israel heimlich beim Atomprogramm unterstützt. Die Rolle Südafrikas bleibt aber unerwähnt.

 

An diesem Projekt waren auch israelische Agenten beteiligt. Vor einem Monat räumte der Hollywood-Milliardär Arnon Milchan ein, ebenfalls beteiligt gewesen zu sein. Er ist in Israel geboren und unterstützt das israelische Atomprogramm seit Jahrzehnten. »Können Sie sich vorstellen, was es für einen knapp über 20 Jahre alten jungen Mann bedeutet, wenn sein Land ihm die Möglichkeit gibt, James Bond zu spielen? Toll. Diese Spannung! Das war einfach aufregend«, meinte er. Milchan war in 17 Ländern aktiv und arbeitete mit 30 Unternehmen zusammen. Er vermittelte Verträge im Umfang mehrerer Hundert Millionen Dollar. Manchmal sei es eine Herausforderung gewesen, sein Image als Waffenhändler zu überwinden, sagte er. Er habe teilweise die Leute überzeugen müssen, dass er seinen Lebensunterhalt nicht »mit dem Verkauf von Maschinengewehren und Tötungen« verdiente. Oft riskierte er sein Leben, um Israel zu unterstützen.

 

 

Der israelische Präsident Schimon Peres gehört zu den Architekten des geheimen Atomwaffenprogramms. Er war es auch, der Milchan rekrutierte. Der Schauspieler Ben Affleck bezeichnet Milchan als einen »sehr undurchsichtigen, exotischen Akteur in Hollywood«. Der Schauspieler Robert De Niro fragte ihn nach seinen geheimen Aktivitäten für Israel. »›Er sagte, er sei Israeli und natürlich würde er dies für sein Land tun‹, erzählte De Niro.« Milchan hatte wegen seiner Tätigkeit als Geheimagent keinerlei Skrupel und auch keine Bedenken wegen des israelischen Atomwaffenprogramms, das aus seiner Sicht keine Bedrohung darstellt. Er ignoriert dessen zerstörerisches Potenzial völlig. Israels erster Ministerpräsident David Ben-Gurion hatte diese Entwicklung insgeheim befohlen. Die Atomrüstung begann bereits kurz nach der Gründung des Staates Israel. Der spätere Knesset-Abgeordnete Ehud Avriel war lange Zeit in Europa für dieses Programm tätig und rekrutierte osteuropäische jüdische Wissenschaftler, zu denen auch Abraham Marcus Klingberg gehörte, der später zu einem der führenden israelischen Experten für chemische und biologische Waffen wurde und dem streng geheimen israelischen militärischem Forschungszentrum Zentrum für biologische Forschung als stellvertretender Direktor angehörte. Ernst David Bergmann war der Vater der israelischen Atombombe. Später leitete er die israelische Atomenergiekommission (IAEC).


In seiner Abschiedsrede vor der Behörde für Rüstungsentwicklung RAFAEL verteidigte Ben-Gurion seine Pläne und erklärte: »Nicht nur auf der Grundlage dessen, was ich heute gehört habe, bin ich überzeugt, dass unsere Wissenschaft uns die Waffen liefern kann, die notwendig sind, um unsere Feinde davon abzuhalten, Krieg gegen uns zu führen.« Peres und er waren die treibenden Kräfte hinter dem israelischen Programm für die Entwicklung atomarer, chemischer und biologischer Waffen.

Anfang der 1970er Jahre verfügte Israel über fortschrittliche Nukleartechnologien und Wissenschaftler auf Weltklasseniveau. Zudem verfügte das Land bereits über einige Dutzend einsatzbereiter Bomben und entsprechende Trägersysteme, die auch weit entfernte Ziele erreichen konnten. Frankreich und Südafrika gehörten dabei zu den wichtigsten Unterstützern Israels. Die USA steuerten im Rahmen von Präsident Eisenhowers Programm »Atome für den Frieden« einen Fünf-Megawatt-Reaktor bei. Damit machten sich die USA zum Komplizen dieser illegalen israelischen Machenschaften. Israelische Wissenschaftler wurden an amerikanischen Universitäten ausgebildet und hatten Zugang zu amerikanischen Waffen-Entwicklungslabors. Darüber fand ein erheblicher Technologietransfer statt, zu dem auch Hochleistungscomputer gehörten, die Israel in die Lage versetzten, hochentwickelte Atomwaffen und Trägersysteme zu entwickeln.

 

Der israelische Nukleartechniker Mordechai Vanunu war ein mutiger Whistleblower, bevor dieser Begriff als solcher überhaupt bekannt wurde. Er enthüllte die Existenz des geheimen Atomwaffenprogramms, weil diese Informationen seiner Ansicht nach allen zugänglich sein sollten. Er wurde ungerechterweise hart dafür bestraft. Israel zeigte seine ganze Rücksichtslosigkeit. Vanunu wurde 1986 zu 18 Jahren Gefängnis verurteilt, von denen er rund elf Jahre in Isolationshaft verbringen musste. Auch nach seiner Entlassung im April 2004 ist er ständig weiteren Schikanen ausgesetzt. Grundlegende Bürger- und Menschenrechte werden ihm verweigert. Vanunu darf das Land, dem er gerne den Rücken kehren würde, um endlich in Freiheit leben zu können, nicht verlassen.

 

Daniel Ellsberg bezeichnete Vanunu einmal als den »herausragenden Helden des Nuklearzeitalters«. Vanunu selbst meinte über sich, er sei »weder ein Verräter noch ein Spion. Ich wollte lediglich, dass die Weltöffentlichkeit weiß, was dort vorging«. Von 1988 bis 2004 wurde er in jedem Jahr für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen, und seine mutige Tat hat weltweite Anerkennung gefunden.

 

Israel verfügt über zerstörerische chemische und biologische Waffen. 1993 unterzeichnete das Land die Chemiewaffenkonvention, hat den Vertrag aber nie ratifiziert. Als Grund bringt es fadenscheinige Argumente vor. So behauptet es fälschlicherweise, es sei von feindlichen Nachbarn umgeben. Israels einzige Feinde sind die, die es selbst erfindet.

 

Auch die Biowaffenkonvention aus dem Jahr 1972 hat Israel nie unterzeichnet, weil es sich alle Wege im Bereich der ABC-Waffen offenhalten will. Zudem setzt das Land diese verbotenen Waffen (chemische, biologische und radiologische Waffen) in seinen militärischen Konflikten ein. Darüber hinaus werden neue monströse Waffen entwickelt und erprobt. Die Opfer können die Wirksamkeit dieser Waffen bestätigen. Ihre Leichen zeigen grässliche Wunden, Fehlbildungen und Zeichen der Einwirkung von Giften. Die offizielle Politik verbietet die Diskussion über alles, was im Zusammenhang mit den israelischen Atom-, Chemie- oder Biowaffenprogrammen steht. Eine Zuwiderhandlung wird als Verrat angesehen und verfolgt.

 

Die israelischen und auch die amerikanischen Waffenarsenale bedrohen den Weltfrieden. Beide Länder sind in dieser Frage Komplizen. Die Ereignisse, die alltäglich berichtet werden, sollten jeden Menschen beunruhigen. Kriegstreiber und Kriegsführer erhalten Friedenspreise. Menschen, die sich für Frieden einsetzen, werden verfolgt. Verbrechen dagegen belohnt. Permanenter Krieg ist offizielle amerikanische Politik. Israel ist ein hochgerüsteter, kriegsbereiter Staat. Beide Länder – die USA und Israel – bedrohen die Menschheit. Vielleicht wird sie die zweite Amtszeit Obamas nicht überleben.

 

 

 


 

 

 

Ergänzende Beiträge zu diesem Thema

Risse im Bündnis: Gehen die USA zu Israel auf Distanz?

Jonathan Cook

Das Verhältnis zwischen den USA und Israel muss schon in eine bizarre Schieflage geraten sein, wenn Washington den rechtsextremen israelischen Außenminister als »moderate Stimme im israelischen Kabinett« bezeichnet.  mehr …

Israel arbeitet zusammen mit Saudi-Arabien an einem nuklearen Notfallplan gegen den Iran

Redaktion

Der israelische Auslandsgeheimdienst Mossad arbeitet einem Artikel der Sunday Times zufolge mit saudischen Vertretern an einem Notfallplan, der auch einen Angriff auf die iranischen Nukleareinrichtungen beinhalten könnte, sollte das iranische Atomprogramm nach Ansicht beider Länder durch die Verhandlungen in Genf in der kommenden Woche nicht  mehr …

Die Ermordung Jassir Arafats wurde von der israelischen Regierung angeordnet: »Wir werden die angemessene Art und Weise und den angemessenen Zeitpunkt auswählen, Arafat zu töten«

Prof. Michel Chossudovsky

Die gerichtsmedizinischen und kriminaltechnischen Untersuchungen von Proben, die dem Leichnam Jassir Arafats von einer Gruppe Schweizer Wissenschaftler entnommen worden waren, haben erhebliche Spuren an radioaktivem Polonium-210 nachgewiesen. Arafats Leiche war bereits im November 2012 exhumiert worden. Die Proben wiesen »in den Rippenknochen, im  mehr …

Wer diesen Artikel gelesen hat, hat sich auch für diese Beiträge interessiert:

Was sollen unsere Kinder werden? Höhere Ansprüche bei immer weniger Arbeit

Markus Gärtner

Politik und Wirtschaft werden gerade von einer Automatisierungswelle überrollt, von deren Folgen viele noch gar keine Vorstellung haben. In Massen werden Berufe wie Bedienungen oder Buchhalter sehr schnell verschwinden. Wer sich darauf nicht schon jetzt vorbereitet, der hat schon verloren.  mehr …

Schockierende DNS-Befunde zu den »Nephilim«-Langschädelfunden in Peru

Michael Snyder

Wie können wir die Langschädel erklären, die einige Tausend Jahre alt sind und genetisches Material enthalten, das »bisher in keinem Menschen, Primaten oder Tier aufgetaucht ist«? Seit Monaten haben viele von uns gespannt auf die Ergebnisse des ersten DNS-Tests gewartet, der jemals an den berühmten Paracas-Schädeln vorgenommen wurde.  mehr …

Blick in die Morgendämmerung des Kosmos: Astronomen spüren vier ultraferne Galaxienhaufen auf

Andreas von Rétyi

Mithilfe kombinierter Daten zweier Weltraumsatelliten haben Astronomen nun ein einzigartiges kosmisches Quartett entdeckt – vier Ansammlungen von Galaxien in Entfernungen von bis zu zehn Milliarden Lichtjahren. Eine Reise in die Urzeit des Universums, zu den Anfängen der größten durch Schwerkraft verbundenen Strukturen.  mehr …

Die Ermordung Jassir Arafats wurde von der israelischen Regierung angeordnet: »Wir werden die angemessene Art und Weise und den angemessenen Zeitpunkt auswählen, Arafat zu töten«

Prof. Michel Chossudovsky

Die gerichtsmedizinischen und kriminaltechnischen Untersuchungen von Proben, die dem Leichnam Jassir Arafats von einer Gruppe Schweizer Wissenschaftler entnommen worden waren, haben erhebliche Spuren an radioaktivem Polonium-210 nachgewiesen. Arafats Leiche war bereits im November 2012 exhumiert worden. Die Proben wiesen »in den Rippenknochen, im  mehr …

Werbung

Newsletter-
anmeldung!
Hier erhalten Sie aktuelle Nachrichten und brisante Hintergrundanalysen
(Abmeldung jederzeit möglich)

KOPP EXKLUSIV – Jetzt bestellen

Brisante Hintergrundanalysen wöchentlich exklusiv nur bei uns.

Katalog – Jetzt kostenlos bestellen

Bestellen Sie unseren Katalog kostenlos und unverbindlich.