Wednesday, 31. August 2016
18.03.2016
 
 

Russland und der Sieg

Thierry Meyssan

Die Ankündigung des teilweisen Rückzugs der russischen Armee aus Syrien hat sehr viele Kommentare ausgelöst, die mehr Vorurteile der einen und der anderen darstellen,als die Wirklichkeit. Die Tatsachen bezeugen nicht nur, dass die Meinungsverschiedenheiten zwischen Moskau und Damaskus behoben wurden, beobachtet Thierry Meyssan, sondern Russland – dem es gelang, den Westen in das Anti-Terror-Lager einzuschließen –, beabsichtigt auch, dass die Syrer selbst ihr Hoheitsgebiet befreien.

 

Die Ankündigung durch den russischen Präsidenten des »Rückzugs« des wichtigsten Militärkontingents hat eine neue Desinformations-Kampagne verursacht. Laut der Western- und Golfpresse sei Wladimir Putin durch die Unnachgiebigkeit von Präsident Baschar al-Assad »irritiert« und habe beschlossen, Syrien zu verlassen, damit er seine Aufgaben selbst bewältige.

 

Die gleichen Kommentatoren fügen hinzu, da er keine Verbündeten mehr habe, müsse er in Genf mehr Zugeständnisse machen und müsse akzeptieren, Syrien zu verlassen. Moskau habe Washington für den fünf Jahre langen »Bürgerkrieg« ein schönes Geschenk gemacht.

 

All das ist jedoch absurd.

 

1. Die russische militärische Intervention wurde schon im Jahr 2012 durch General Hassan Tourekmani ausgehandelt. Sie trat erst drei Jahre später ein, da Moskau die Entwicklung seiner neuen Waffen zu Ende führen wollte, bevor es sich entfaltete. Die russischen Truppen haben im Juli 2015 begonnen, sich zu engagieren, und wir waren die ersten, die es sofort angekündigt haben, bevor die israelische Presse es übernahm und dann die internationalen Medien die Nachricht bekanntgaben.

 

Es wurde vereinbart, dass die Bombardierung nach der Sitzung des Sicherheitsrates, welche am Rande der Generalversammlung der Vereinten Nationen stattfinden würde, beginnen sollte und bis zur orthodoxen Weihnacht am 6. Januar 2016 dauern würde. Es wurde auch geplant, dass nach der Rückkehr des Friedens eine OVKS-Kraft bereitgestellt werde, um über den Frieden zu wachen; was bis jetzt nicht stattfinden konnte.

 

2. Angesichts der Schwierigkeiten des Weißen Hauses, seine Verbündeten zu kontrollieren, ist die Bombardierungskampagne bis zur Wiederaufnahme der Genfer Verhandlungen verlängert worden, die endlich auf den 15. März angesetzt wurden. Es versteht sich von selbst, dass Russland dieses Datum nie als einen Pseudo-Revolutions-Geburtstag angenommen hat.

 

Alles begann am 12. Dezember 2003 mit der Bekanntgabe von Bushs Kriegserklärung (Syria Accountability Act) und ging dann weiter von Jahr zu Jahr (Gipfel der Arabischen Liga in Tunis 2004 über die erzwungene »Demokratisierung« des Libanon und Syriens, die Ermordung von Rafik Hariri im Jahr 2005 und die Anklage gegen den Präsidenten Lahoud und al-Assad als Drahtzieher, die Invasion des Libanon im Jahr 2006, um die Intervention von Syrien zu provozieren, die Erstellung der Front der nationalen Rettung durch die Muslimbruderschaft 2007, die Zerstörung der Kommunikationsmittel und der Versorgung der Hisbollah 2008 usw.), bis zum Beginn der Feindseligkeiten auf syrischem Gebiet im Jahr 2011, bis heute.

 

3. Russland begann ganz offen den Rückzug seines Kontingents. Flugpläne wurden regelrecht vier Tage im Voraus hinterlegt für alle Frachter, um Mann und Ausrüstung abzuziehen. Das Datum selbst war keine Überraschung. Der jordanische Stabschef, General Mischal al-Zaben, wurde in Moskau im Januar von dem russischen Verteidigungsminister Sergei Schoigu und seinem syrischen Amtskollegen General Fahd Jassem al-Freij darüber informiert. Es ist daher lächerlich,

diese Entscheidung mit angeblichen Unstimmigkeiten zu verknüpfen, die in den letzten Tagen eingetreten wären.

 

 

Die politischen Meinungsverschiedenheiten sind gelöst worden. Die erste war anlässlich des russischen Vorschlags eines föderalen Systems – sowohl von Damaskus als auch von Riad zurückgewiesen –, das an die sowjetische Erfahrung erinnert.

 

Die Minderheiten im Nahen Osten, im Gegensatz zu denen der ehemaligen UdSSR, sind doch vermischt und sprechen die gleiche Sprache. Die zweite Meinungsverschiedenheit betraf die legislativen Wahlen vom 13. April, die die Russen aufschieben wollten, um sie in die Genfer Verhandlungen einzuschließen, weil sich Damaskus weigerte, gegen die Verfassung zu verstoßen.

 

4. Auf militärischer Ebene zieht sich die russische Armee von dem Schlachtfeld zurück, aber nicht vom Hauptquartier. Es ist nicht mehr notwendig, Flugzeuge anzuhäufen, denn es gibt kaum mehr Ziele zu bombardieren: Die von Dschihadisten erbauten Befestigungsanlagen und ihre Transportmittel für das gestohlene Öl wurden zerstört. Jedoch werden die Flugabwehrraketen S-400 und Panzir-S2 nicht abgezogen. Die Lieferung von Waffen und Munition sowie der Zugang zu russischen Satelliten-Infos gehen weiter. Russland hat die Ausrüstung erneuert und die Soldaten der syrischen arabischen Armee ausgebildet, die seit zehn Jahren unter Embargo gestellt war.

 

Von jetzt an ist diese nicht mehr einfach nur in der Lage, die Zivilbevölkerung gegen Dschihadisten zu verteidigen, sondern auch die besetzten Gebiete zu befreien, was sie auch zu tun begonnen hat. Die russische Hilfe ist also eine Unterstützung aus der Luft – und nicht mehr eine einfache Bombardierung – für Bodentruppen, wie es am Mittwoch bei Palmyra gesehen wurde.

 

Nach einer Investition von Hunderten Milliarden Rubel in Syrien zieht sich Russland nicht aus dem Nahen Osten zu einem Zeitpunkt zurück, wo die Türkei, Saudi-Arabien und der Libanon am Rande des Bürgerkriegs stehen. Es überlässt den Syrern den Ruhm ihres Sieges.

 




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