Sonntag, 4. Dezember 2016
29.12.2015
 
 

China wird 2016 die wirtschaftlichen Pläne der USA durchkreuzen

Thomas Trepnau

Vor wenigen Tagen kletterte der Dollar auf ein Viereinhalb-Jahres-Hoch von 6,4665  chinesischen Yuan. Die Abwertung des Yuan wird als Beleg für die schwächelnde Konjunktur der Volksrepublik gesehen. Nach jahrelangem Turbowachstum steuert das Reich der Mitte 2015 auf den schwächsten Zuwachs in einem Vierteljahrhundert zu. Die Regierung peilt ein Plus von sieben Prozent an. In den kommenden Jahren soll das Wachstum dann bei 6,5 Prozent liegen. Die Commerzbank sieht den Zuwachs allerdings schon jetzt nicht über fünf Prozent.

 

 

 

Laut Daily Reckoning befindet sich »Chinas Wirtschaftsmodell eines export- und investitionsgetriebenen Wachstums in einer Krise«. In fast allen Industriezweigen existieren kolossale Überkapazitäten. Trotz sinkender Produktpreise finden sich nicht mehr genügend Abnehmer. Kredite für unrentable Unternehmen drohen faul zu werden.

 

Kein Wunder, dass China immer weniger Rohstoffe importiert. Wegen des weltweiten Überangebots fiel der Preis für ein Barrel Nordsee-Öl (Brent) Mitte Dezember um 5,2 Prozent auf ein Sieben-Jahres-Tief von 37,67 Dollar.

 

Ein Grund für die erneuten Verkäufe am Ölmarkt war eine Prognose der Internationalen Energieagentur (IEA). Sie geht davon aus, dass die OPEC-Staaten ihre Ölförderung 2016 um 1,6 auf 31,3 Millionen Barrel pro Tag anheben werden. Randvolle Supertanker stauen sich seit Wochen vor der texanischen Küste.

 

Drei Dieseltanker, auf ihrem Weg vom Golf nach Europa, drehten unverrichteter Dinge mit der vollen Ladung kurz vor Portugal vor einigen Tagen wieder um. Volle Diesel- und Heizöllager und schwache Nachfrage sind der Grund dafür.

 

Viele Investoren vermuten, dass vor allem China die Nachfrage wegen der absackenden Konjunktur drosseln wird. Allein im November importierte China 20 Prozent weniger an Gütern und Waren als ein Jahr zuvor.

 

Laut dem Institute of International Finance (IIF) wurden im laufenden Jahr 500 Milliarden US-Dollar aus China abgezogen. Das war ein Rekord. Anleger fürchten, dass die chinesische Wachstumsdelle die Weltwirtschaft aus dem Tritt bringt. Einige Schwellenländer schmieren schon ab. Die Wechselkurse ihrer Währungen reißt es gleich mit nach unten.

 

Zu dumm, dass sich viele dieser Länder in den letzten Jahren gewaltig in Dollar verschuldet haben. Der sinkende Wert der heimischen Währungen im Verhältnis zum Dollar erschwert die Rückzahlung der Kredite. Ausländische Kreditgeber bekommen es mit der Angst zu tun und holen reihenweise ihr Geld zurück. Das verschärft die Situation in den Schwellenländern. Ein Kapital-Infarkt bahnt sich an.

 

Inmitten dieser Gemengelage, dem glatten Gegenteil einer soliden Weltkonjunktur, erhöhte am Mittwoch die Fed, nach monatelanger Ankündigung, die Zinsen. Trotz der üblichen Notenbanker-Sprüche über einen »erheblich verbesserten Arbeitsmarkt« und »Zuversicht hinsichtlich der Inflationsziele« hat es nur zu einem winzigen Zinsschritt von 0,25 Prozent gereicht.

 

Die USA stehen zwar besser da als die Euro-Zone, aber die wirtschaftlichen Risiken sind auch dort noch lange nicht vom Tisch. So hat der als Konjunkturindikator dienende Dow Jones Transport Index den Aufwärtstrend seit August deutlich nach unten durchbrochen. Das ist ein meist untrügliches Zeichen für bevorstehende Spannungen und eine schlaffe Konjunktur.

 

Wie ich am 04.12.2015 in meinem Beitrag »Milliardendeal in der Pharmabranche zeigt: Internationale Konzerne drücken sich weiter vor Steuern« beschrieben habe, verbessern Unternehmen wie Pfizer/Allergan den Profit nicht mehr durch inneres Wachstum, sondern nur mittels aggressiver Maßnahmen zur Steuervermeidung.

 

Im Klartext: Der Stoff für weitere Börsenträume ist ausgegangen. Wirtschaft und Börse drohen 2016 schlechter zu laufen, als die meisten heute erwarten.

 

Auch die unmissverständliche Drohung Chinas, den Yuan gegenüber dem Dollar abzuwerten, sitzt der amerikanischen Notenbank im Genick.

 

Die US-Regierung wünscht sich eine Aufwertung des Yuans, damit Chinas Handelsüberschuss nicht noch mehr zunimmt. Mit der Yuan-Abwertung verspricht sich China noch mehr Exportvorteile, als es schon hat. China würde zusätzlich die von Notenbankern verhasste Deflation, also sinkende Preise, in die USA exportieren.

 

Die Vereinigten Staaten kaufen jährlich Güter im Wert von 500 Milliarden Dollar in China ein. Dies kann der Fed einen gewaltigen Strich durch die Rechnung machen, wenn sie es mit der angeblichen Zinswende ernst meint.

 

Der Yuan ist noch immer an den US-Dollar gekoppelt. Eine Dollar-Aufwertung zöge auch den Yuan mit nach oben. Das würde sich die chinesische Regierung wiederum nicht gefallen lassen. Steigt der Außenwert des Yuan, bremst das den chinesischen Export in den Euro-Raum und nach Japan. Am Export hängen in China zu viele Arbeitsplätze. Deshalb dürfte die chinesische Regierung flott mit einer Abwertung der heimischen Währung gegensteuern.

 

Die Zinsanhebung der Fed dürfte den Zweck haben, Spielraum für eine erneute Absenkung schon im ersten Vierteljahr des nächsten Jahres zu schaffen. Nach dem Auslaufen der geldpolitischen Lockerungsmaßnahmen QE 1 und QE 2 sind die Vermögenspreise in Amerika jedesmal gesunken. Sobald das aktuell noch laufende QE 3 endet, wird das wieder geschehen. Das kann die amerikanische Notenbank aus Angst vor einer Rezession nicht zulassen.

 

Das Jahr 2016 wird eine dicke Überraschung bringen. Es wird zeigen, dass nicht nur eine Zinssenkung, sondern auch eine weitere QE-Runde, dann QE4, von den Mitgliedern der amerikanischen Notenbank eingeläutet wird. Die nächste Finanzkrise nimmt dann NOCH gewaltigere Ausmaße an.

 

 

 

 

 


 

»Mit ihrer Politik öffnen die USA dem Dritten Weltkrieg Tür und Tor!«

Die Europäer müssen die NATO abschaffen, wenn die Welt und die Europäer selbst überleben wollen - mancher reibt sich angesichts dieser Aussage jetzt vielleicht verwundert die Augen, denn diese Erkenntnis stammt nicht etwa von einem Altlinken, sondern von Dr. Paul Craig Roberts, einem amerikanischen Wirtschaftswissenschaftler, der einst als Staatssekretär für Wirtschaftspolitik im US-Finanzministerium unter Präsident Ronald Reagan diente.
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