Friday, 26. August 2016
17.01.2016
 
 

Die USA sind verzweifelt bemüht, Russland in Syrien als »Bösewicht« darzustellen

Tony Cartalucci

Aufmerksamen Lesern wird nicht entgangen sein, dass hier nicht von einem Anstieg der Zahlen ziviler Opfer, sondern vielmehr von einer Zunahme von Berichten über angebliche zivile Opfer die Rede ist.

 

Die USA kritisieren die Rolle Russlands in Syrien scharf, obwohl Washington und seine Verbündeten an erster Stelle für den Ausbruch des ganzen Konflikts verantwortlich sind. Das amerikanische Außenministerium verurteilte das militärische Vorgehen der Russen in Syrien, weil es »zunehmend zivile Opfer« fordere. Und in einem Bericht des US-Fernsehsenders CNN mit der Überschrift »USA werfen Russland ›wahllose Angriffe in Syrien‹ vor«, heißt es:

»Am Dienstag verschärften die USA ihre Kritik an russischen Luftangriffen in Syrien und warfen [Russland] ›wahllose Luftangriffe‹ vor, die Berichten zufolge Hunderte zivile Opfer gekostet und mehr als 100 000 Syrer vertrieben hätten.

›Wir erleben seit Beginn der russischen Luftangriffe einen deutlichen und beunruhigenden Anstieg von Berichten über zivile Opfer‹, erklärte ein Sprecher des amerikanischen Außenministeriums.«

Geht man genauer der Frage nach, um welche Berichte es eigentlich hier geht und wer die Organisationen oder Personen sind, die dahinterstecken, dann stellt sich heraus, dass diese jüngste Medienkampagne des Westens im Kern hinterhältig und unaufrichtig ist und damit reale Bemühungen um eine neutrale Schilderung der tatsächlichen Gegebenheiten und Hintergründe sowie einen wirklichen Einsatz für Menschenrechte diskreditiert.

 

In dem CNN-Artikel heißt es weiter: »Verschiedene Menschenrechtsorganisationen, darunter auch Amnesty International (AI), haben dem russischen Militär vorgeworfen, bei seinen Luftangriffen Zivilisten zu töten.« Und es ist insbesondere ein Bericht von Amnesty International, auf den CNN als Nachweis für die Richtigkeit der Äußerungen aus dem amerikanischen Außenamt verweist.

 

Der betreffende Bericht von AI trägt die Überschrift »Syrien: ›Zivile Einrichtungen wurden nicht beschädigt‹: Russische Stellungnahmen zu Angriffen in Syrien entlarvt«. Schon diese Überschrift lässt deutliche politische Motive erkennen. Aber im Methoden-Kapitel zeigt sich das wahre Ausmaß der Täuschung. Dort heißt es nämlich zur Vorgehensweise (Hervorhebungen vom Verfasser):

»Amnesty International hat zwischen September und Dezember 2015 mehr als 25 russische Angriffe in Syrien per Fernforschung untersucht. Dazu wurden per Telefon oder über das Internet 16 Augenzeugen der Angriffe und ihrer Folgen befragt, und es wurde mit zahlreichen syrischen Menschenrechtsaktivisten sowie Vertretern medizinischer Organisationen gesprochen, die die Arbeit in den Gebieten, die Ziel der Angriffe wurden, unterstützen.

[AI] erhielt und wertete audiovisuelles Bildmaterial aus, das im Zusammenhang mit diesen Angriffen und ihren Folgen in Beziehung steht, und holte fachlichen Rat von Waffenexperten zur Munition ein, die in dem Material zu sehen war. Es überprüfte Stellungnahmen, die vom russischen Verteidigungsministerium veröffentlicht worden waren, und entsprechende relevante Artikel in russischen und anderen Medien.

Darüber hinaus überprüfte [AI] Berichte syrischer und internationaler Menschenrechtsorganisationen, humanitärer Hilfsorganisationen, von UN-Behörden, von Militär- und Waffenexperten sowie Open-Source-Recherchenetzwerken

Der Bericht von Amnesty International beruht mit anderen Worten vollständig auf Hörensagen aus den Kreisen genau der Leute, die gegen die syrische Regierung kämpfen und/oder mit den bewaffneten terroristischen Organisationen verbunden sind, gegen die Russland, die syrischen Streitkräfte sowie angeblich sogar die USA und ihre Verbündeten in Syrien und der gesamten Region zu Felde ziehen.

 

In dem Bericht räumt die Organisation ein, dass sie mit dem in Misskredit geratenen Rami Abdulrahman (der eigentlich Osama Suleiman heißt) in Kontakt steht, einem in England lebenden, gegen die syrische Regierung arbeitenden »Aktivisten«, der seine Tätigkeit regelmäßig mit dem britischen Außenministerium abspricht. Amnesty International bezeichnet diese Ein-Mann-Show hochtrabend als »Syrische Bobachtungsstelle für Menschenrechte«.

 

Die New York Times schrieb im April 2013 unter der Überschrift »Ein sehr fleißiger Mann hinter der Stelle für Opferzahlen des syrischen Bürgerkrieges«:

»… trotz ihrer zentralen Rolle in dem grausamen Bürgerkrieg handelt es sich bei der hochtrabend als ›Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte‹ auftretenden Einrichtung praktisch um eine Eine-Mann-Show. Ihr Gründer, der 42-jährige Rami Abdulrahman, war vor 13 Jahren aus Syrien geflohen und arbeitet heute von einer ziegelroten Doppelhaushälfte in einem gewöhnlichen Wohngebiet in dieser tristen Industriestadt [gemeint ist das britische Coventry] aus.«

Und weiter enthüllte die Zeitung:

»Die Einnahmen aus zwei Bekleidungsgeschäften decken seine geringen Ausgaben für die Berichterstattung über den Konflikt. Hinzu kommen kleinere Zuschüsse seitens der Europäischen Union und eines europäischen Landes, dessen Name er aber nicht nennen wollte.«

Angesichts dieser verschiedenen Interessenkonflikte, darunter eine deutliche Voreingenommenheit gegenüber der syrischen Regierung und die finanzielle Unterstützung durch Regierungen, die auf einen Sturz der syrischen Regierung hinarbeiten, bleibt es ein Rätsel, wie Amnesty International die Informationen Abdulrahmans für glaubwürdig halten kann. Dass seine Informationen Amnesty International allerdings in die Hände spielen, ist dagegen in keiner Weise rätselhaft.

 

Amnesty International beruft sich auch auf die international tätige Menschenrechtsorganisation Physicians for Human Rights (PHR), die schon hinter früheren und gleichfalls fragwürdigen Vorwürfen steckte, die gegen das russische Vorgehen in Syrien erhoben wurden, und bei der es sich um eine vom amerikanischen Außenministerium finanzierte amerikanische Frontorganisation handelt. Damit erweisen sich die jüngsten Vorwürfe des amerikanischen Außenministeriums in Richtung Russland nicht nur als substanzlos, sondern beruhen auf selbst fabriziertem Material.

 

Auch den ebenfalls längst diskreditierten Eliot Higgins, einer zeitweise arbeitslosen britischen Couchpotato, die gegenwärtig offen als »Vertragsnehmer« westlicher Rüstungsunternehmen tätig und eindeutig an der Verbreitung einseitiger Propaganda beteiligt ist, listet Amnesty International als seriöse Quelle in ihrem Bericht auf.

 

In dem Methoden-Kapitel behauptet AI, man habe sogenannte »Open-Source-Recherchenetzwerke« »überprüft« – eine euphemistische Bezeichnung für Personen wie Higgins, die zu Hause vor dem Computer sitzen und sich YouTube-Videos ansehen, um daraus dann Schlussfolgerungen zu ziehen, die dazu geeignet sind, das Narrativ des Westens zu untermauern. Als weitere Quellen nennt AI in den Anmerkungen des Berichts »Zeugen, die es vorziehen, anonym zu bleiben«.

 

Missachtung des Eintretens für Menschenrechte

 

Stellen wir uns nur einmal eine Gerichtsverhandlung vor, in der die Anklagebehörde versucht, ihre Sicht der Dinge darzulegen. Aber alle Zeugen der Anklage sind entweder Polizisten oder »anonyme Zeugen«, die sich wie Polizisten anhören. Das ganze Verfahren würde als Farce eingestellt, und die Verantwortlichen müssten mit einer Anklage wegen »Missachtung des Gerichts« rechnen.

 

In ähnlicher Weise missachten Amnesty International und die politischen Interessen, die sich die doppelbödige Arbeit dieser Organisationen zunutze machen, das wirkliche Eintreten für Menschenrechte. Damit untergraben sie Prinzipien wie Gerechtigkeit und Verantwortlichkeit sowie die Würde des Einsatzes für Menschenrechte, weil sie sie vor den Karren ihrer eigenen politischen Ziele spannen.

 

Aber schwerer wiegt noch, dass sich gerade das amerikanische Außenministerium zum Kritiker des russischen militärischen Vorgehens aufschwingt und sich dabei auf die Aussagen derer stützt, die zum Netzwerk des US-Außenministeriums gehören, das es selbst aufgebaut hat, um so bewusst nur eine Sichtweise der Menschenrechtssituation auf irgendeinem Kriegsschauplatz zu präsentieren. Dabei haben sich die USA selbst aller Untaten schuldig gemacht, die sie nun Russland vorwerfen. Und das nicht nur in Syrien, sondern auch in Afghanistan, in Libyen, dem Irak und weit darüber hinaus.

 

Man sollte auch nicht vergessen, dass es die USA und ihre verschiedenen Verbündeten, insbesondere die Türkei und Saudi-Arabien, waren, die hinter den Kulissen zusammenarbeiteten, um den Konflikt in Syrien 2011 eskalieren zu lassen. Tatsächlich müssen sich die USA dem Vorwurf stellen, Terroristen und Waffen aus dem zerstörten Libyen nach Syrien weitergeleitet zu haben, damit diese dort ein weiteres Mal ihr Zerstörungswerk beginnen können.

 

Wenn man die Propagandalügen des Westens analysiert und aufdeckt und genau darlegt, wie und durch wen sie gesponnen wurden, trägt dies dazu bei, diese völlige Missachtung des Eintretens für Menschenrechte zu entlarven.

 

Das Eintreten für Menschenrechte ist tatsächlich eine sehr notwendige und wichtige Aufgabe. Es gibt legitime Beobachter und Forscher, die tatsächlich ernstlich bemüht sind, die Achtung der Menschenrechte voranzubringen. Aber der Missbrauch dieses Einsatzes ist für diejenigen, die am meisten von der Manipulation der öffentlichen Wahrnehmung zu gewinnen haben, so verlockend, dass das ernstgemeinte und tatsächliche Eintreten für Menschenrechte scheinbar in einem Meer von Lügen untergegangen zu sein scheint. Daran tragen auch diejenigen Schuld, die noch immer, insbesondere in den Massenmedien, unbefugt und unkontrolliert über erhebliche Macht und Einfluss verfügen.

 

Und da die Möglichkeiten des Westens, angesichts des erfolgreichen gemeinsamen russisch-syrischen militärischen Vorgehens die Fakten vor Ort zu verändern, weiter abnehmen werden, ist damit zu rechnen, dass dieser Missbrauch des Eintretens für die Menschenrechte noch weiter verstärkt und ausgeweitet werden wird.

 

 

 

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