Sonntag, 4. Dezember 2016
08.01.2016
 
 

Durchgesickerte Telefongespräche belegen: Gaddafi warnte Tony Blair vor Terroranschlägen in Europa

Tyler Durden

Libyen ist ähnlich wie Syrien ein Paradebeispiel dafür, warum der Westen besser beraten wäre, sich nicht in die Angelegenheiten souveräner Staaten einzumischen, um dort einen Regimewechsel herbeizuführen. »Diktatoren zu stürzen« macht sich auf den ersten Blick vielleicht gut, aber letztlich ist es praktisch unmöglich, vorherzusagen, welche Lage sich aus dem Machtvakuum ergibt, das die USA jedes Mal erzeugen, wenn Washington eine Regierung destabilisiert hat.

 

Nach dem Sturz Husseins und der Entmachtung der Baath-Partei ist der Irak durch religiöse Konflikte tief gespalten. Ein Syrien nach Assad würde vermutlich in noch blutigeren Auseinandersetzungen, in denen jeder gegen jeden kämpft, versinken. Und Libyen hat sich nach dem Sturz Gaddafis zu einem gescheiterten Staat mit zwei Regierungen entwickelt, von denen jede Legitimität beansprucht.

Situationen wie diese können leicht von Extremisten ausgenutzt werden, die von dem Chaos profitieren, indem sie Rohstoffe und andere Ressourcen in ihren Besitz bringen und damit letztlich politische Macht gewinnen.

 

So fielen am vergangenen Mittwoch etwa 50 Menschen einem Autobombenanschlag in Libyen zum Opfer, als ein Lastwagen voller Sprengstoff ein Ausbildungszentrum der Polizei angriff, in dem die Polizeischüler gerade eine morgendliche Versammlung abhielten.


»Der Bürgermeister der Stadt, Miftah Hamadi, erklärte, der Lastwagen sei explodiert, als sich etwa 400 Polizeischüler in den frühen Morgenstunden im Schulungszentrum in Zliten, einer zwischen der Hauptstadt Tripolis und dem Hafen von Misrata gelegenen Küstenstadt, versammelten«, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters.


»Die Explosion in Zliten war nach einem Anschlag im Februar vergangenen Jahres der schwerste Anschlag bisher. Damals waren drei Autobomben in der ostlibyschen Stadt Qubbah explodiert. Sie töteten 40 Menschen. Nach Ansicht der Behörden handelte es sich dabei um einen Racheakt für ägyptische Luftangriffe auf Ziele islamistischer Kämpfer.«


»Es war einfach schrecklich, die Explosion war so laut, dass man sie noch in einigen Kilometern Entfernung hören konnte«, berichtete Hamadi Reuters in einem Telefoninterview. »Bei allen Todesopfern handelt es sich um junge Männer, die erst am Anfang ihres Lebens standen.«


Dies war der schwerste Anschlag seit dem Sturz Gaddafis. Gegenwärtig kämpfen Milizen, die sich Ibrahim Dschadhran, dem früheren Chef der 22 000 Mann starken paramilitärischen Schutztruppe für die Erdölfelder und -einrichtungen, angeschlossen haben, und die Terrormiliz des Islamischen Staates (IS) um die Kontrolle über wichtige Erdölfelder und Häfen.

 

Die Präsenz des Islamischen Staates in Libyen hat sich im vergangenen Jahr enorm verstärkt, und der IS versucht nun möglicherweise, die aufgrund der russischen Luftangriffe in Syrien entstandenen Verluste an Einnahmen aus dem Erdöldiebstahl mit Verkäufen libyschen Rohöls auszugleichen.

 

Aber wer konnte diese Ereignisse, einschließlich des jüngsten Terroranschlags in Paris, schon vorhersehen, fragen Sie? Nun, einer schon: Muammar al-Gaddafi.


Wie die britische Tageszeitung The Telegraph am gestrigen Donnerstag berichtete, warnte Gaddafi Tony Blair, dass Dschihadisten eines Tages Europa angreifen würden, sollte seine Regierung stürzen. »Gaddafi äußerte seine düstere Warnung am 24. Februar 2011 – als Libyen bereits dabei war, im Bürgerkrieg zu versinken – in zwei verzweifelten Telefongesprächen mit dem damaligen britischen Premierminister Tony Blair«, schrieb die Zeitung, »Das erste Gespräch erfolgte um 11:15 Uhr. In ihm erklärte Gaddafi: ›Sie [die Dschihadisten] wollen das Mittelmeer kontrollieren und dann werden sie Europa angreifen.‹« Weiter hieß es im Telegraph:

»In einem zweiten Telefongespräch, das etwas mehr als vier Stunden später stattfand, warnte Gaddafi Blair: ›Ich werde das Volk bewaffnen und auf den Kampf vorbereiten müssen. Libyer werden sterben, und die Mittelmeerregion, Europa und die ganze Welt werden Schaden nehmen. Diese bewaffneten Gruppen nutzen die Situation [in Libyen] als Rechtfertigung – und wir sollten sie bekämpfen.‹«

Dann fuhr Gaddafi fort:

»Wir haben es hier mit einem Dschihad zu tun. Sie sind bewaffnet und terrorisieren die Menschen in den Straßen. Sobald man sie angreift, fliehen sie. Es ist [für den Westen] schwer, ein genaues Bild der Lage zu erhalten. Es gibt keine ausländischen Journalisten hier. Wir haben Reporter aus aller Welt aufgefordert, hierherzukommen und sich ein Bild der wahren Lage zu verschaffen. Es geht hier um bewaffnete Banden. Bisher wurde nicht entschieden, ihnen mit Gewalt entgegenzutreten. Ihre Familien wurden aufgefordert, sie zu überzeugen, die Waffen niederzulegen. … Das ganze System soll nach Nordafrika verlagert werden. Sie kontrollieren das Mittelmeer. Sie planen im Mittelmeer (unverständlich). Sie wollen die Kontrolle über die Mittelmeerregion übernehmen und dann werden sie Europa angreifen. Das muss der internationalen Gemeinschaft klargemacht werden. Reporter können hierherkommen, damit sie mit eigenen Augen sehen, dass dies die Wahrheit ist. Sie sind willkommen.« (Auszug aus dem Telefonat zwischen Oberst Gaddafi und dem damaligen britischen Premierminister Tony Blair aus dem Jahr 2011)

Blair versuchte in zwei Telefongesprächen mit Gaddafi darüber zu verhandeln, dass der Diktator Tripolis verlassen sollte, nachdem im Land Bürgerkrieg ausgebrochen sei. Drei Wochen später begann eine von der NATO angeführte Koalition, zu der auch England gehörte, mit Luftangriffen gegen Libyen, die letztlich zum Sturz Gaddafis führten. Der Diktator wurde im August gestürzt und durch einen Mob im Oktober ermordet. Hier ein weiterer Auszug aus den Gesprächsmitschnitten:

»(Tony Blair) ›Wenn der Revolutionsführer [Gaddafi] erklärt, er wolle die Gewalt beenden, muss man sich klarmachen, wie sich dies auf die restliche Welt auswirke. Ich bin daran interessiert, dass dies auf möglichst friedliche Weise geschieht. Wir müssen einen gangbaren Weg finden. Es wäre am besten, einen Prozess einzuleiten, der zu einer friedlichen Beilegung führt.‹

(Gaddafi) ›Libyer werden sterben, und die Mittelmeerregion, Europa und die Welt werden Schaden nehmen. Diese bewaffneten Gruppen benutzen die Lage [in Libyen] als Rechtfertigung – und wir sollten sie bekämpfen.‹«

Aber wir alle wissen, welche Antwort Gaddafi auf seine Warnungen erhielt.

 

Vergessen wir nicht, dass auch Baschar al-Assad Europa warnte, die Destabilisierung von Regierungen führe in die Katastrophe. »Wir haben damals erklärt, man dürfe das, was in Syrien geschieht, nicht auf die leichte Schulter nehmen«, erklärte Assad nach den jüngsten Anschlägen von Paris. »Leider haben die europäischen Regierungen das nicht beachtet.«

 

 

 

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