Mittwoch, 26. April 2017
19.07.2016
 
 

Führender türkischer Verantwortlicher für Kampf gegen Islamischen Staat wurde von hinten erschossen tot aufgefunden

Tyler Durden

Gegenwärtig glauben nur noch die Naivsten und Gutgläubigsten die offizielle Darstellung und Diskussion der Ereignisse im Zusammenhang mit dem gescheiterten Militärputsch in der Türkei vom vergangenen Freitag.

 

Für diese Behauptung haben wir zwei Gründe: Selbst der für die Verhandlungen mit der Türkei über einen möglichen EU-Beitritt verantwortliche EU-Kommissar, der Österreicher Johannes Hahn, erklärte einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters zufolge: »Man hat den Eindruck, als seien da vorab zumindest Vorbereitungen getroffen worden. Es waren Listen verfügbar, und das deutet darauf hin, dass [die Säuberungen] vorbereitet waren und in einem bestimmten Stadium ›abgearbeitet‹ wurden. Ich bin sehr besorgt. Genau so etwas hatten wir befürchtet.«

 

Er erläuterte nicht weiter, was genau er befürchtet hatte, aber das kann man sich angesichts der Entwicklungen der letzten Monate und Jahre in der Türkei schon denken. Zum Zweiten konnte man genau beobachten, wie die türkischen Medien unverhohlen das Narrativ änderten. Erdoğan war bis zum gestrigen Montagnachmittag nicht einmal in der Lage, die Verantwortlichen für den Putschversuch zu benennen. Zuerst beschuldigte er die USA, dann den nunmehr geschassten Luftwaffenchef, bevor er sich dann dazu entschied, seinen früheren Verbündeten und heutigen »Staatsfeind Nummer eins«, den im amerikanischen Bundesstaat Pennsylvania im Exil lebenden 77-jährigen islamischen Prediger Fethullah Gülen, zum zentralen Drahtzieher hinter dem Putschversuch zu erklären.

 

Wie zu erwarten war, übergingen die westlichen Medien bereitwillig diese »Veränderungen« in den Schuldzuweisungen und griffen diese Falschdarstellung auf und verbreiteten sie in der Öffentlichkeit, um die Illusion der offiziellen türkischen Darstellung der Ereignisse nicht zu erschüttern.

 

Ein Beispiel für diese Komplizenschaft ist das von CNN am Montag ausgestrahlte Interview, in dem Erdoğan schildert, wie er nur um Haaresbreite dem Tode entkommen sei, als die Putschisten sein Hotel in der Nähe von Marmaris stürmten, wo er sich am vergangenen Wochenende aufgehalten hatte.

 

Der türkische Präsident schilderte CNN, am Putsch beteiligte Soldaten hätten zwei seiner Leibwächter erschossen, als sie das Hotel am frühen Samstagmorgen gestürmt hätten. »Hätte ich mich dort noch weitere 5 bis 10 Minuten aufgehalten, wäre ich wahrscheinlich getötet oder zumindest gefangen genommen worden«, erklärte er im Fernsehsender über einen Dolmetscher, der vom Präsidialamt gestellt wurde.

 

Aber wie wir am Sonntag berichteten, hatten am Putsch beteiligte Piloten Erdoğans Flugzeug direkt im Visier, unternahmen aber nichts. Diese Untätigkeit veranlasste einen früheren, mit den Ereignissen vertrauten Offizier, zu der Bemerkung: »Es ist mir ein Rätsel, warum sie nicht geschossen haben.« Man muss sich die Absurdität der Ereignisse nur einmal vor Augen führen: Nur wenige Stunden bevor die beiden F-16-Kampfflugzeuge Erdoğans Flugzeug auf ihren Radarschirmen hatten und sich dennoch entschieden, den Diktator nicht zu töten, versuchten ebenfalls am »Putsch« beteiligte Soldaten, Erdoğan in seinem Anwesen aufzuspüren und hätten ihn auch fast erwischt, wenn er sich »noch 5 oder 10 Minuten länger dort aufgehalten« hätte. Und das alles Stunden nach Ausbruch des angeblichen Militärputsches.

 

Es liegt nun auf der Hand, dass selbst die Europäer diese Darstellung nicht mehr glauben. Die britische Tageszeitung The Guardian lieferte ein weiteres Beispiel für die von den Medien bewusst verbreiteten falschen Narrative. Ebenfalls am Montag veröffentlichte die Zeitung einen Artikel mit der Überschrift »Türkischer Regierungsvertreter erklärt: ›Militärputsch war gut vorbereitet und fast erfolgreich‹«, in dem u.a. das folgende Glanzstück journalistischer Fabulierkunst zu finden ist:

»Es war Mitternacht in der türkischen Hauptstadt, der Putschversuch lief bereits seit zweieinhalb Stunden, und die versammelten hochrangigen Minister, die sich in einem Konferenzraum im Gebäude des Ministerpräsidenten versammelt hatten, waren überzeugt, dass bald ihre letzte Stunde geschlagen habe. ›Die Putschisten werden wahrscheinlich gewinnen, und wir alle werden heute Nacht sterben‹, schilderte einer der Anwesenden die Äußerung eines Ministers, ›Wir wollen dem Tod ins Auge sehen. Wir werden Märtyrer dieses Kampfes sein.‹«

Welch ein Drama … Man hat fast den Eindruck, persönlich dieser gespenstischen Szene beizuwohnen. Und in diesem Stil geht es wenig überraschend weiter. Der Artikel von Kareem Shaheen ist zwar arm an Fakten, aber reich an blumigen Beschreibungen, an substanzlosen Deutungen sowie Hörensagen und weist viele weitere literarische Stilmittel auf, die eine gute – aber eben fiktive – Erzählung ausmachen. Hier noch ein weiteres Beispiel:

»Als die Türkei nach dem gescheiterten Putsch begann, die Scherben aufzusammeln, tauchten weitere Einzelheiten darüber auf, wie der Putsch begonnen hatte und wie knapp nur dieses militärische Eingreifen gescheitert war. Viele Beobachter haben diesen Putschversuch als amateurhaft bezeichnet, aber Berichte von Regierungsvertretern widersprechen dieser Einschätzung und beschreiben den Putsch, der aus ihrer Sicht beinahe erfolgreich verlaufen wäre, als gut organisiert.

So war etwa der Innenminister des Landes am Freitag, dem Tag des Putsches, zusammen mit anderen führenden Regierungsvertretern zu einem hochrangigen Treffen zu Sicherheitsfragen in Ankara eingeladen worden. Dieses Treffen war auf 17:00 Uhr am Nachmittag angesetzt. Wie sich später herausstellte, handelte es sich um ein Täuschungsmanöver. Tatsächlich sollte der Minister auf diesem Treffen verhaftet werden. Er nahm aber aus Termingründen nicht an diesem Treffen teil. Als der Putsch später begann, saß er auf dem Flughafen Esenboa in Ankara fest und organisierte dort einen Krisenstab, um die Kontrolle über die Ereignisse zurückzugewinnen, wobei er von einer Menschenmenge beschützt wurde, die sich dort versammelt hatte, um dem Putsch entgegenzutreten.«

Auch hier fehlt wieder jede Untermauerung durch Fakten. Offenbar ist sich der Verfasser des Artikels dieser Schwäche durchaus bewusst, lässt sich dann aber von seiner eigenen »Story« mitreißen:

»In diesen entscheidenden Stunden zwischen der Ansprache des Präsidenten und der Niederschlagung des Putsches etwa gegen 4:00 Uhr nachts tauchten viele Geschichten auf, die mit Sicherheit in die offizielle Mythologie der Ereignisse eingehen werden. Gegen 1:00 Uhr nachts hat nach Darstellung von Regierungsvertretern der Polizeichef der Stadt Bursa den örtlichen Armeekommandeur verhaftet, der im Besitz einer sechsseitigen Liste war, die die Namen von Richtern und Militärvertretern enthielt, die nach erfolgreichem Putsch in verschiedene Positionen in der Verwaltung berufen werden sollten. Andere Soldaten, die am Putschversuch beteiligt waren, besaßen Listen von sicheren Telefonverbindungen, über die sie Befehle erhielten.«

Warum um alles in der Welt sollte sich der Offizier widerstandslos festnehmen lassen, obwohl er wusste, dass ihm die Todesstrafe droht – wenn der Putsch tatsächlich real war, aber von Erdoğan niedergeschlagen wurde? Aber mit solchen Widersprüchen wollen wir uns nicht lange aufhalten.

 

Aber dann stießen wir auf ein schmerzliches Ereignis, das sich tatsächlich faktisch überprüfen lassen würde, mit anderen Worten: auf einen seltenen und daher besonders wertvollen Umstand, der möglicherweise ein bezeichnendes, anderes Licht auf die Ereignisse während der chaotischen Zustände im Zusammenhang mit dem inszenierten Putschversuch wirft:

Der führende Terrorbekämpfer der Türkei, der für das türkische Vorgehen gegen die Terrormiliz des Islamischen Staates (IS) verantwortlich war, befand sich auf dem Weg zu einem »Treffen« im Präsidentenpalast in Ankara. Später wurde er einem hochrangigen Regierungsvertreter zufolge mit auf den Rücken gefesselten Händen tot aufgefunden. Todesursache war ein Schuss in den Hinterkopf.

Und plötzlich ergeben die vielen einzelnen Puzzleteile ein Bild. Denn während das restliche Narrativ der Putschereignisse so offensichtlich manipuliert und praktisch an Ort und Stelle ausgedacht wurde, wirft der in aller Stille herbeigeführte Tod des führenden Verantwortlichen für den Kampf gegen den IS ein grelles Licht auf die Türkei, in der offenbar, wie bereits seit November letzten Jahres berichtet, Personen aus dem direkten familiären Umfeld des Präsidenten, insbesondere Erdoğans Sohn Bilal, direkt in die Finanzierung des IS über illegalen Erdölhandel verwickelt sind. Ausführliche Berichte dazu finden Sie unter anderem hier, hier und hier.

 

In den vergangenen 3 Tagen nach dem »Putschversuch« wurden bereits an die 20 000 Personen verhaftet und/oder ihres Amtes enthoben. Doch dies dürfte erst der Beginn der Säuberungen Erdoğans sein. Aber offenbar gab es einige »Problemfälle« und lose Enden, denen er sich noch Freitagnacht widmen musste. Dazu gehört sicherlich der Mann, der den IS im Namen der Türkei bekämpfen sollte – genau der Türkei, die den IS heimlich mit Waffen und Geld versorgte.

 

Wir warten gespannt darauf, was nun noch alles ans Tageslicht kommen wird, wenn letztlich enthüllt wird, wie Erdoğan versucht, seine »Probleme« loszuwerden.

 

 

 

 

 

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