Friday, 26. August 2016
23.02.2016
 
 

Saudia-Arabien will syrischen Rebellen Luftabwehrraketen liefern

Tyler Durden

Als am 30. September russische Kampflugzeuge vom syrischen Latakia aus erste Luftangriffe starteten, verschlechterte sich die Lage der syrischen Opposition massiv. Da die syrische Luftwaffe völlig veraltet und ständig auf Ersatzteile und intensive Wartung angewiesen war, stellte Russland eine der hochentwickeltsten und kampfstärksten Luftwaffen zur Verfügung, um gegen Rebellen zu kämpfen, die über keinerlei Luftverteidigungsfähigkeiten verfügten und Luftangriffen praktisch schutzlos ausgeliefert waren.

 

Ab Oktober begann das russische Verteidigungsministerium dann, einige Hundert Videoclips zu veröffentlichen, die russische Luftangriffe gegen verschiedene Ziele der Rebellengruppen und anderer Kämpfer dokumentierten. Auch der Kreml ging mit hochauflösenden Farbfotos und -filmen an die Öffentlichkeit. Sie zeigten Kampfflugzeuge vom Typ Suchoi-34 und Langstreckenbomber bei ihren Einsätzen über Syrien. Die Opposition konnte sich dagegen kaum zur Wehr setzen.

 

Einen Monat lang – etwa von Mitte November bis Mitte Dezember – schien es dann, als behielte Präsident Obama recht. Die Fanfarenklänge im Zusammenhang mit der ersten Welle russischer Luftangriffe waren verklungen, der Vormarsch nordwärts in Richtung Aleppo war zum Stillstand gekommen. Die Offensive hatte sich offenbar festgefahren. Aber dann kreisten die Hisbollah-Kämpfer überraschend Aleppo ein, und die russische Luftwaffe war zu einer »Politik der verbrannten Erde« übergegangen, was den Kampf der bewaffneten Opposition gegen iranische Kräfte angeht.

 

Als sich abzeichnete, dass die größte Stadt des Landes bald von den loyal zu Assad stehenden Kräften zurückerobert werden würde, begannen die Türkei und Saudi-Arabien, ihre Handlungsoptionen abzuwägen. Ein Einsatz von Bodentruppen seitens Ankaras und Riads wäre für die USA und den Westen ein Albtraum. Eine direkte Konfrontation mit iranischen Truppen wäre praktisch unvermeidlich. Und sollte ein russisches Kampfflugzeug saudische oder türkische Stellungen angreifen, stünde die Welt am Rande eines globalen Konflikts, der die Industrienationen potenziell in einen Krieg hineinziehen könnte.

 

Bisher ist weder die Türkei noch Saudi-Arabien in Syrien einmarschiert, auch wenn Ankara gegenwärtig Stellungen der syrischen Volksverteidigungskräfte in der Region um Azaz beschießt. Es will die dortigen Kurden daran hindern, ihren Geländegewinn zu konsolidieren. Aber nach Äußerungen des saudischen Außenministers Adel al-Dschubeir könnte Riads nächster Schritt darin bestehen, den Rebellen Boden-Luft-Raketen zur Verfügung zu stellen, damit sich diese gegen russische Luftangriffe verteidigen könnten.

 

In einem Interview mit dem saudischen Außenminister Adel al-Dschubeir fragte das Nachrichtenmagazin Der Spiegel in seiner Ausgabe vom 20.Februar 2016: »Sind Sie dafür, syrische Rebellen mit Boden-Luft-Raketen auszustatten?« Der Minister antwortete: »Ja. Wir glauben, dass die Lieferung von Boden-Luft-Raketen die Machtverhältnisse in Syrien verändern wird. Sie werden der gemäßigten Opposition ermöglichen, Hubschrauber und Flugzeuge des Regimes auszuschalten, die sie mit Chemiewaffen beschießen und bombardieren. Boden-Luft-Raketen würden die Machtverhältnisse so verändern, wie sie sich seinerzeit in Afghanistan verändert haben. Allerdings muss man bei dieser Frage sehr vorsichtig sein, denn diese Waffen dürfen nicht in die falschen Hände geraten.«

 

Der Verweis auf den Einsatz von Chemiewaffen ist eine offensichtliche Finte. Es gibt nur einen Grund, moderne Luftabwehrraketen an die Rebellen zu liefern: Man will ihnen die Möglichkeit geben, russische Kampfflugzeuge abzuschießen. Und die folgende Antwort al-Dschubeirs auf die Frage nach den Beziehungen des Königreichs zu Russland bestätigt diese Einschätzung auf ganzer Linie:

»Von unserem Dissens über Syrien abgesehen, sind unsere Beziehungen zu Russland sehr gut, und wir wollen sie weiter ausbauen. Etwa 20 Millionen russische Staatsbürger sind Muslime. Wie Russland streben wir danach, Extremismus und Terrorismus zu bekämpfen, und wir sind beide an stabilen Energiemärkten interessiert. Unsere Meinungsverschiedenheit über Syrien ist eher taktischer als strategischer Natur. Wir wollen beide ein geeintes, stabiles Syrien, in dem alle Syrer die gleichen Rechte genießen.«

Diese Behauptung ist sicherlich Unsinn. Syrien war bereits ein Staat, in dem die Bürger – etwas verkürzt gesagt – gleiche Rechte genossen. Das heißt nicht, dass Assad mit abweichenden Meinungen rücksichtsvoll und tolerant umging, wenn es seinen Machterhalt betraf. Aber im Vergleich mit anderen Ländern des Nahen Ostens, wo viele unterschiedliche religiöse Strömungen und Religionen nebeneinander leben, war die Lage in Syrien relativ stabil – bis Riad, Washington, Doha und Ankara beschlossen, sich die Ängste der verarmten Sunniten vor einem zu starken Einfluss des schiitischen Irans zunutze zu machen und sie aufzuhetzen.

 

Die Heuchelei und offensichtliche Absurdität dieser Äußerungen hat damit aber noch lange nicht ihren Höhepunkt erreicht. Dieses Interview gehört mit Abstand zu den ungeheuerlichsten Interviews der jüngsten Zeit, das mit einem saudischen Regierungsmitglied geführt wurde. Entscheidend ist aber, dass die Saudis offensichtlich bereit sind, den Rebellen Boden-Luft-Raketen zu liefern.

 

Es ist schwer zu beurteilen, ob die für heute angekündigte Feuerpause diese Pläne letztlich beeinflussen wird. Aber man sollte an Folgendes erinnern: Als die USA, die Türkei und die Saudis Flugabwehr-Lenkwaffen an die Opposition lieferten, um den Vormarsch gepanzerter Fahrzeuge der Regierungstruppen zu stoppen, endete das damit, dass die sogenannte Freie Syrische Armee (FSA) eine dieser Waffen einsetzte, um einen russischen Militärhubschrauber abzuschießen, der nach den Piloten des abgeschossenen russischen Kampfflugzeuges suchte.

 

Halten es die Saudis wirklich für eine gute Idee, die Rebellen in die Lage zu versetzen, die russische Luftwaffe zu beschießen? Und an welchem Punkt sind die sunnitischen Verbündeten Washingtons bereit, einzuräumen, dass dies möglicherweise ein gigantischer Fehler war, der Hunderttausenden Menschen das Leben kostete?

 

Aber am wichtigsten ist die Frage: Wann werden die USA und die NATO endlich zugeben, dass sie auf der falschen Seite der religiösen Kluft und daher auf der falschen Seite der Geschichte stehen?

 

Will das Pentagon wirklich bewaffnete sunnitische Extremisten, die die gleiche Ideologie wie der Islamische Staat und die Al-Nusra-Front vertreten, mit Waffen unterstützen, damit diese russische Kampfflugzeuge abschießen?

 

 

 

 

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