Wednesday, 1. June 2016
01.12.2015
 
 

Transportiert Bilal Erdoğan mit diesen Tankern IS-Erdöl?

Tyler Durden

Regelmäßige Leser sind mit Bilal Erdoğan, dem Sohn des türkischen Autokraten Recep Tayyip Erdoğan, bereits vertraut. Auch wenn sich Erdoğan senior als Präsident einer demokratischen Gesellschaft ausgibt, ist er in Wirklichkeit ein Despot. Erst vor wenigen Wochen gelang es ihm, ein für ihn ungünstiges Wahlergebnis zu »korrigieren«. Als die ersten Wahlen am 7. Juni dieses Jahres nicht das gewünschte Ergebnis brachten – Erdoğans regierende islamisch-konservative Partei für Gerechtigkeit und Aufschwung (AKP) verfehlte die angestrebte absolute Mehrheit deutlich –, erklärte er kurzerhand einen Krieg gegen die kurdische PKK. Zudem nutzte er bislang unaufgeklärte Terroranschläge dazu, die Wähler so einzuschüchtern, dass sie ihm bei der zweiten Wahl am 1. November 2015 die absolute Mehrheit bescherten.

 

Dabei richteten sich seine Maßnahmen innenpolitisch vor allem darauf, den Einfluss der prokurdischen Demokratischen Partei der Völker (HDP) zu verringern. Der HDP gelang es dennoch, die hohe Zehn-Prozent-Hürde knapp zu überspringen.

 

In den vergangenen zwei Monaten hat sich die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit zunehmend dem illegalen Erdölhandel der Terrormilizen des Islamischen Staates (IS) zugewandt. Dabei rückte die Frage, wie und an wen diese Gruppe eigentlich das gestohlene Erdöl verkaufen kann, immer mehr in den Mittelpunkt. In den vergangenen sieben Tagen nach dem Abschuss einer russischen Militärmaschine vom Typ SU-24 durch die Türkei hat Moskau sein Bestes getan, um die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit auf die Verbindungen zwischen dem IS und der Türkei zu lenken.

 

Es ist unter Experten und interessierten Zeitgenossen allgemein bekannt, dass Ankara Teil einer Allianz ist, zu der Riad, Doha und Washington gehören. Diese Allianz verfolgt das Ziel, die syrische Opposition finanziell und mit Waffen zu unterstützen. Umstritten ist das Ausmaß, mit dem das Bündnis den IS – und in geringerem Maße auch die Al-Nusra-Front – unterstützt.

 

Russlands Präsident Wladimir Putin hat Ankara öffentlich beschuldigt, die Türkei habe einen Jet, der an der Zerstörung Hunderter Erdöl-Tanklastzüge des Islamischen Staates beteiligt war, abgeschossen, um die Transportwege für das Erdöl des IS zu schützen.

 

Erdoğan seinerseits bestreitet natürlich alle Vorwürfe. Aber wie bereits dargelegt wäre es für die türkischen Schmuggler relativ einfach, Rohöl des IS und Erdöl aus der Autonomen Region Kurdistan im Nordirak, das von der dortigen kurdischen Regionalregierung in die Türkei verkauft wird, zu mischen.

 

Das wäre technisch gesehen illegal. Aber es könnte dazu dienen, die türkische Beteiligung am Erdölhandel mit dem IS zu vertuschen. Einige behaupten, Bilal Erdoğans Seetransportunternehmen, BMZ Group, zu der auch eine Reederei auf Malta gehört, sei an dem Transport des IS-Erdöls beteiligt.

 

Am vergangenen Freitag erklärte der syrische Informationsminister Omran Zoabi in diesem Zusammenhang:

»Das gesamte Erdöl wurde an ein Unternehmen geliefert, das dem Sohn Recep [Tayyip] Erdoğans gehört. Und darum begann auch die Türkei, sich Sorgen zu machen, als Russland mit Luftangriffen gegen die IS-Infrastruktur vorging und dabei mehr als 500 vollbeladene Erdöl-Tanklastzüge zerstörte. Das hat Erdoğan und seine Unternehmen stark getroffen. Neben Erdöl importieren sie auch Weizen und historische Artefakte.«

Auch wenn noch schlüssige, sozusagen gerichtsfeste Beweise für Bilals Verbindungen zum IS fehlen, kann man doch feststellen, dass sich der türkische Seehafen Ceyhan in Staatsbesitz befindet. Und angesichts der umfassenden Erfahrungen der Türkei beim Schmuggel mit kurdischem Erdöl liegt die Annahme nahe, dass ein täglicher Schmuggel von 40 000 oder mehr Barrel IS-Erdöl kein großes Problem darstellte.

 

Und angesichts der Tatsache, dass kurdisches Erdöl ähnlich wie das Erdöl des IS in technischer Hinsicht nirgendwo in irgendwelchen Dokumenten auftaucht, kann die Türkei bisher eine Beteiligung erst einmal abstreiten. (Es sei denn, das Erdöl wird aus Syrien direkt in die Türkei transportiert, was Putin offenbar andeuten will.)


Sollte Bilal Erdoğan tatsächlich am Transport gestohlenen Erdöls beteiligt sein (und man kann davon ausgehen, dass aus Sicht Bagdads kurdisches Erdöl, das unabhängig von der irakischen staatlichen Erdölverkaufsorganisation SOMO verkauft wird, grundsätzlich ebenso illegal wie IS-Erdöl ist), dann wäre es sinnvoll, die Bewegungen der Schiffe der BMZ Group einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.

 

Im Folgenden eine Liste der Schiffe, die nach bestätigten Angaben türkischer oder anderer regionaler Medien einmal bzw. immer noch Bilal Erdoğan gehören:

 

Die Bewegungen all dieser Schiffe kann man kostenfrei über marinetraffic.com verfolgen.

 

Aber lassen Sie sich dabei nicht von Erdoğan senior erwischen, denn sonst könnten Sie ähnlich wie der Cumhuriyet-Chefredakteur Can Dündar und sein Hauptstadt-Korrespondent Erdem Gül in einem türkischen Gefängnis landen und möglicherweise zu einer Gefängnisstrafe von bis zu 142 Jahren verurteilt werden.

 

 

 

 

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