Mittwoch, 7. Dezember 2016
20.08.2010
 
 

Iran-Krise: Israel drängt USA zum Angriff

Udo Schulze

Sieben lange Jahre Krieg, allein 4.400 gefallene US-Soldaten und ein in die Steinzeit zurückgebombtes Land: Was die Amerikaner bei ihrem derzeit laufenden Rückzug aus dem Irak hinterlassen, ist nicht gerade das, was man Stabilität nennt. Dennoch könnte die Welt aufatmen, denn immerhin gibt es damit einen Krieg weniger. Doch die Freude über den US-Abzug muss zwangsläufig verhalten bleiben: Viele Beobachter sehen darin den Beginn eines neuen Krieges – gegen den Iran.

Verdächtig heimlich haben sich die Amerikaner nach Angaben der Wochenzeitung Die Zeit dieser Tage mit 14.000 Mann aus dem Irak herausgeschlichen. Ohne Flugzeuge oder Hubschrauber zu benutzen. Reportern wurde ein Schweigegelübde abgenommen. Sie durften über den Rückzug zunächst nicht berichten. Offizieller Grund: Die Truppen sollten nicht gefährdet werden. Aber vielleicht durfte ja einfach niemand erfahren, dass die Soldaten möglicherweise von einem Krieg in den anderen ziehen – vom Irak in den Iran mit Zwischenstation Kuwait. Die Zeichen jedenfalls sind eindeutig. Merkwürdig erscheint dabei die Tatsache, dass die US-Truppen den Irak zwei Wochen vor dem eigentlichen Rückzugstermin verlassen. Während große Truppenkontingente innerhalb des Nahen Ostens verlegt werden, laufen auch die Propagandamaschinen sowohl auf amerikanisch-israelischer Seite als auch auf iranischer auf Hochtouren. So propagiert Israel seit Neuestem den Slogan »Abschreckung statt Diplomatie« und fordert von den USA ganz offen einen militärischen Schlag gegen den Iran und dessen Atomprogramm. Gespräche waren offenbar gestern, heute zählt die harte Hand. Israel scheint entschlossen zu sein, den Bau einer iranischen Atombombe jetzt auch mit Gewalt verhindern zu wollen – und benötigt dafür die Amerikaner. Die ließen sich auch nicht lange bitten und bestätigten durch Präsident Barack Obama persönlich: Ein möglicher Angriff auf den Iran ist noch nicht vom Tisch.

Deutlicher wurde in diesem Zusammenhang John Bolton, früherer UN-Botschafter der USA. Er gab den Israelis die Prognose, Iran nur noch bis zum 25. August ohne größere Folgen angreifen zu können. Danach sei der erste Atomreaktor durch Teheran hochgefahren und die Produktion von Nuklearbomben nicht mehr aufzuhalten. Eine Bombardierung würde gleichsam die atomare Verseuchung großer Gebiete im Nahen Osten zur Folge haben, also auch Israel selbst schädigen.

Nach Angaben der Deutschen Presse Agentur (dpa) warnte jetzt Irans oberster Führer, Ayatollah Ali Chamene'i, die USA im Atomstreit mit seinem Land vor »Dummheiten«. Ein möglicher US-Militärschlag gegen Nuklearanlagen im Iran würde »heftige Reaktionen« hervorrufen, die sich nicht nur auf die Region am Persischen Golf beschränken würden. Das sagte Chamene'i im Beisein von Irans Präsidenten Ahmadinedschad. Gespräche mit den Amerikanern, so Chamene'i, könnten nicht stattfinden, weil die USA unaufrichtig seien. Droht der Mann mit dem Dritten Weltkrieg? Besorgt über solche Äußerungen sind inzwischen Beobachter rund um den Erdball, zudem sich auch noch ein Konflikt zwischen den USA und der nicht nur geostrategisch wichtigen Volksrepublik China anzubahnen scheint. Amerika, traditionell mit dem chinesischen Nachbarn Taiwan verbündet, will das »Reich der Mitte« offensichtlich binden, indem es Taiwan hochrüstet und diese Maßnahme mit einer angeblich »schleichenden Aufrüstung chinesischer Streitkräfte« begründet. Immerhin verfüge China mittlerweile über 1.150 Kurzstreckenraketen, mit denen Taiwan beschossen werden könne. Der wahre Hintergrund dürfte allerdings eher strategischer Natur sein. Sollte China in einer Auseinandersetzung mit Taiwan stehen, wäre es für eine mögliche Beteiligung an einem Nahostkrieg zunächst einmal blockiert.

Bliebe noch Russland als – aus amerikanischer Sicht – Unsicherheitsfaktor. Immerhin arbeiten Russland und der Iran bereits seit Jahren auf dem zivilen Sektor der Nuklearforschung zusammen und haben gerade das erste Atomkraftwerk in der Nähe von Teheran eingeweiht. Ab dem 21. August 2010 will Moskau das AKW mit nuklearem Brennstoff ausrüsten, womit sich wieder der Kreis zu John Bolton schließt, der die Israelis bis zum 25. August zu einem Angriff drängt.

Noch brennt die bereits ausgelegte Lunte nicht. Dieser Ansicht ist auch der ehemalige kubanische Staatschef Fidel Castro, der sich auch in den zurückliegenden Wochen mit offenen Briefen zu einem drohenden Atomkrieg in der Nahostregion äußerte. Nach einem Bericht der Financial Times Deutschland sieht Castro nach der Lektüre des im KOPP Verlag erschienenen Enthüllungsbuches Die wahre Geschichte der Bilderberger genau diese Gruppe hinter den Kriegsvorbereitungen. Die Bilderberger, benannt nach einem niederländischen Hotel, in dem sie sich 1954 zum ersten Mal trafen, sind eine im Verborgenen agierende internationale Gruppe aus hohen Militärs, Managern und Politikern, unter denen sich auch der Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, befindet. Die vom niederländischen Königshaus ins Leben gerufene Vereinigung berät in regelmäßigen Abständen unter größter Geheimhaltung. Keines der Mitglieder gibt die Inhalte der Konferenzen preis und fühlt sich der Globalisierung in sämtlichen Lebensbereichen verpflichtet. Zudem stammen die meisten Angehörigen der Gruppe aus NATO-Staaten und sind von Beginn an mit militärischen Traditionen verbunden: Das Hotel Bilderberg befindet sich in dem niederländischen Ort Oosterbeek unweit der deutschen Grenze. Hier fanden 1944 die verlustreichen Kämpfe um die Brücke von Arnheim statt.

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