Zweiter Fall »Litwinenko«? Vergifteter Ex-KGB-Agent in Berlin
Udo Schulze
Gibt es in Europa einen zweiten »Fall Litwinenko«? Der ehemalige KGB-Spion hatte sich zum Kritiker der Politik unter Wladimir Putin gewandelt und war im November 2006 in London an einer radioaktiven Vergiftung gestorben. Zuvor hatte er Putin schwerer Verbrechen beschuldigt. Jetzt hat sich KOPP online gegenüber ein Mann geäußert, der behauptet, ebenfalls vom russischen Geheimdienst vergiftet worden zu sein. Victor Kalashnikov und seine Frau Marina, ebenfalls ehemalige KGB-Leute, halten sich derzeit in Berlin auf, um sich dort behandeln zu lassen. Auch sie hatten Kontakt zu Litwinenko.
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Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion hatte sich der Wissenschaftler vom KGB losgesagt und trat in die Dienste der Regierung unter Boris Jelzin ein. Doch immer wieder wurde er von »alten Kameraden«, die für den KGB-Nachfolger FSB arbeiten, angesprochen. Er sollte zurück zum Geheimdienst kommen, weil er über exzellente Kontakte nach Deutschland und Österreich verfüge. Diese nutzend, sollte er in der deutschen Ölindustrie Spione installieren. Immerhin war Kalashnikov in der Endphase des Kalten Krieges KGB-Resident in Wien und Brüssel. Zudem wertete er hochbrisante Stasi-Akten aus. Doch der Mann lehnte ab, arbeitete lieber als Journalist und
berichtete über seine Zeit als Agent. Kalashnikov zu KOPP online: »Ich hatte immer noch Kontakte zu russischen Botschaften in Europa. Vor Jahren waren wir zu einem Kaffeetrinken bei der Vertretung in Brüssel eingeladen. Wahrscheinlich wurde uns das Gift dort verabreicht.« Das Ehepaar litt in der Folge unter vorher nie gekannten Seh- und Koordinationsstörungen sowie Herz- und Kreislaufbeschwerden. Eine Untersuchung ergab schließlich den Verdacht auf eine schleichende Quecksilbervergiftung. Zusätzlich erhielten die Kalashnikovs immer wieder Drohungen von Unbekannten, wurden auf der Straße angesprochen oder auf Reisen auffällig beobachtet. Nachdem das Ehepaar Alexander Litwinenko kurz vor dessen Tod in London besucht und interviewt hatte, fühlte es sich noch stärker verfolgt und siedelte schließlich von Russland nach Polen über, um nach einer Behandlungsmöglichkeit der gesundheitlichen Schäden zu suchen. In Russland selbst, so der Ex-Agent, sei ein Klinikaufenthalt sofort dem KGB-Nachfolger SFB gemeldet worden. Unter Putin, der von dem Mord an Litwinenko gewusst haben soll, habe sich Russland im Gegensatz zu zahlreichen öffentlichen Bekundungen gegenüber der Sowjetzeit nur unzureichend gewandelt. Dort herrschten noch die gleichen Strukturen wie zu Zeiten der Diktatur und der Geheimdienst sei nach wie vor dominant, so Kalashnikov. Zudem verfolge Russland gegenüber dem Westen noch immer eine Politik des Kalten Krieges. Die wird inzwischen nicht mehr mittels militärischer Bedrohung, sondern auf weicherem Wege betrieben. So unterstützt Moskau immer stärker den Iran und bringt westliche Länder mit dem Verkauf von Gas in immer größere Abhängigkeiten.
Nachdem Marina Kalashnikov in Polen aufgrund katastrophaler Blutwerte im Krankenhaus behandelt werden musste, entschloss sich das Ehepaar zu einem Umzug nach Berlin, um sich an der dortigen Charite einem Test zu unterziehen. Victor Kalashnikov: »Die Untersuchung ergab erhöhte Quecksilberwerte in unserem Blut.« Inzwischen befasst sich auch das Landeskriminalamt Berlin mit dem Fall.
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