Monday, 26. September 2016
09.02.2011
 
 

Auf den (Sch)Leim gegangen: Das miese Doppelleben eines Helden der ägyptischen Revolution

Udo Ulfkotte

Jede Revolution hat ihre Helden, so auch die ägyptische. Deutsche Medien wie die Süddeutsche Zeitung umjubeln in diesen Tagen den Ägypter Naguib Sawiris, präsentieren den Milliardär als einen angeblichen Vordenker der künftigen Demokratie in Ägypten, der angeblich auf Seiten der demokratischen Revolutionäre steht. Der Mann spricht fließend die deutsche Sprache, ging auf eine deutsche Schule und studierte in Zürich. Viele deutsche Journalisten scheinen dem Milliardär blind zu vertrauen. Bereitwillig berichten sie, er gehöre dem »Rat der Weisen« an, der Ägypten auf den demokratischen Weg bringen solle. Dummerweise hat dieser umtriebige Herr Sawiris einige Freunde, die man besser ebenso wenig ins Rampenlicht rückt wie dessen eigenen Schattenseiten. Von Demokratie halten die Kumpane des Milliardärs Sawiris nämlich eher wenig – wie der stalinistische koreanische Diktator Kim-Jong-il. Sie haben richtig gelesen: Der skrupellose Milliardär Sawiris, der Mann aus dem ägyptischen »Rat der Weisen«, ist seit Jahren schon einer der größten Stützen der nordkoreanischen Diktatur. Diese Schattenseite des Medienlieblings Sawiris verschweigen deutsche Medien allerdings gern.

Alle deutschen Medien präsentieren den ägyptischen Milliardär Sawiris in diesen Tagen als lupenreinen »Demokraten«. Wie schön klingt es doch in unseren Ohren, wenn der Ägypter etwa in der Süddeutschen Zeitung von Demokratie im Nahen Osten spricht. Den Edel-Journalisten ist offenkundig nicht aufgefallen, dass der große Held auch eine eher weniger schöne Seite hat: Kaum zwei Wochen vor dem Interview in der Süddeutschen ließ der angeblich so große Demokrat sich mit Diktator Kim-Jong-il in Nordkorea feiern. Kim-Jong-il ehrte seinen Freund Naguib Sawiris in Pjöngjang mit einem Staatsempfang. Denn die der Familie Sawiris gehörende Orascom-Gruppe betreibt in Nordkorea unter dem Namen »Koryolink« das einzige Mobilfunknetz mit insgesamt 300.000 Kunden. Kim-Jong-il ist begeistert über das langjährige große Engagement der Familie Sawiris in der nordkoreanischen Diktatur. Immerhin haben die Nordkoreaner für »Koryolink« einen »Kill-switch«, können die Mobilkommunikation der Untertanen jederzeit auf Knopfdruck abschalten, wenn es für den Diktator mal ungemütlich wird. Das aber ist noch längst nicht alles: Die den Sawiris gehörende ägyptische Orascom-Gruppe baut für die nordkoreanische Diktatorenfamilie derzeit Vorzeigeobjekte, die am 15. April 2012 pünktlich zum 100. Geburtstag des 1994 verstorbenen stalinistischen Diktators Kim il-Sung fertig sein sollen. Im letzten stalinistischen Land der Welt, das zugleich das weltweit restriktivste politische System der Welt hat, ließ sich der von der Süddeutschen Zeitung per Demokratie-Interview geehrte skrupellose Sawiri Hand in Hand und glücklich lächelnd mit den übelsten Diktatoren der Gegenwart ablichten (siehe unser Titelbild). Die nordkoreanische Nachrichtenagentur nannte die Atmosphäre beim gemeinsamen Abendessen »herzlich« – Sawiris hat dem bislang öffentlich nicht widersprochen. Sawiris macht im bitterarmen Nordkorea gern Gewinne. Es war übrigens schon der vierte Besuch Sawiris in Nordkorea – 2007 war der erste. Die Sawiris betreiben in Nordkorea inzwischen viele Geschäfte – unterstützen den Aufbau des stalinistischen Systems mit Fabriken und sollen dort auch eine Bank eröffnet haben. Die Familie Sawiris ist (neben den Chinesen) einer der wenigen ausländischen Großinvestoren in Nordkorea. Sie haben richtig gelesen: Ägypten, vertreten durch die Sawiris, ist derzeit der größte nichtchinesische Investor im stalinistischen Nordkorea. Und genau jener Firmenboss wird von deutschen Medien wie der Süddeutschen Zeitung den Lesern als der große Vermittler für die demokratische Zukunft Ägyptens präsentiert.

Wahrscheinlich haben die Journalisten der Süddeutschen nicht die geringste Ahnung davon, wie eng die Beziehungen zwischen Nordkorea und Ägypten in Wahrheit sind. Da schaut man besser nicht genauer hin. Dann müsste man nämlich aufwachen und registrieren, dass die westliche Welt seit vielen Jahren schon von den Ägyptern um Diktator Mubarak mächtig betrogen worden ist: Während der Westen Jahr für Jahr Milliarden in das Land am Nil pumpte und glaubte, dort einen verlässlichen Verbündeten zu haben, hat Ägypten nämlich engste Militärkontakte zu Nordkorea unterhalten und beispielsweise insgeheim nordkoreanische Raketentechnologie importiert. Man kann das in diesen Tagen etwa bei der renommierten Times of Asia im Detail nachlesen. Dann versteht man auf einmal auch, warum Ägypten insgeheim nach Nuklearwaffen strebt und den Westen betrogen hat. Der Westen hat sich in Mubarak wohl so getäuscht wie die Süddeutsche im angeblichen »Demokraten« Sawiris.

Nun könnte man auf die Idee kommen, die Milliardärsfamilie der Sawiris sei wirklich erst ganz kurz und völlig unwissend bei den barbarischen Menschenrechtsverletzern in Nordkorea aktiv. Leider ist das nicht der Fall. Seit mehreren Jahrzehnten unterstützen die Sawiris das menschenverachtende Regime und helfen ihm beim Überleben. Die Süddeutsche Zeitung berichtet immer wieder wahrheitsgemäß über die Gulags der Arbeitssklaven in der Diktatur Nordkorea. Doch eine der größten Stützen des nordkoreanischen Regimes hofiert sie und verschweigt ihren Lesern dessen Doppelleben. Ist das Dummheit, Unfähigkeit oder Vorsatz? Man kann nur hoffen, dass den Lesern der Süddeutschen die Augen aufgehen und sie von der Chefredaktion eine Klärung verlangen. Immerhin ist da gerade ein Mitarbeiter einem üblen Zeitgenossen auf den (Sch)Leim gegangen.

 

 


 

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