Sunday, 31. July 2016
10.11.2011
 
 

Droht Krieg wegen des iranischen Atomprogramms? Fakten, die Sie kennen sollten

Udo Ulfkotte

Die Islamische Republik Iran baut insgeheim eine Atombombe. Diese Nachricht aus den Reihen der Wiener Atombehörde IAEA spricht klare Worte. Der Bericht der internationalen Atom-Aufseher sorgt wieder einmal für neue Diskussionen darüber, ob und wann Israel oder andere Staaten das iranische Nuklearprogramm angreifen werden. Neben vielen Spekulationen gibt es Fakten, die man dazu unbedingt kennen sollte.

Überall auf der Welt gibt es Menschen, die hinter dem iranischen Nuklearprogramm stehen. Sie fragen sich, warum ein Staat wie Israel Nuklearwaffen hat und ein Staat wie Iran diese nicht haben sollte. Es ist also keineswegs so, als ob Teheran in der Welt nicht auch Unterstützer hätte. Von den obersten religiösen Führern in Ägypten bis nach Russland reicht die Liste jener, die Iran

unterstützen. Kairoer Muslimführer haben gar mit einem Dschihad (Heiligen Krieg) gedroht, wenn Israel oder ein anderes Land versuche, mit militärischer Gewalt zu verhindern, dass Teheran Nuklearmacht wird.

Unabhängig davon, ob man nun für oder gegen das iranische Nuklearprogramm ist, gibt es Tatsachen, die man kennen sollte – wenn man wissen will, wie es weitergeht:

Jedem Kriegsausbruch geht die Eskalationsstufe der psychologischen Kriegsführung voraus. In diesen befinden wir uns bei dieser Thematik seit Langem. Neu ist nur, dass die IAEA nun die diplomatische Zurückhaltung aufgegeben hat. In dieser Phase der Vorbereitung eines möglichen Kriegsszenarios sammelt jede Seite so viele Unterstützer wie möglich.

Der IAEA-Bericht über das iranische Nuklearprogramm ist bei näherer Betrachtung ein vernichtender Schlag für Israel. Er bedeutet im Klartext, dass eine israelische Geheimoperation gescheitert ist: Stuxnet. Der im Juni 2010 entdeckte Computerwurm sollte iranische Industrieanlagen und vor allem die iranische Nuklearindustrie treffen. Er stammte aus einem Mossad-Virenlabor und soll mit Hilfe eines großen deutschen Elektronikkonzerns verbreitet worden sein. Die Israelis hatten die verheerende Wirkung von Stuxnet in ihren Industrieanlagen (auch in der eigenen Nuklearindustrie) getestet – die Iraner drohten später, den deutschen Siemens-Konzern wegen Beihilfe zu verklagen.

Der IAEA-Bericht belegt nun, dass die Stuxnet-Geheimoperation offenkundig keinen dauerhaften Erfolg hatte, weil sie den Fortschritt am iranischen Nuklearprogramm nicht dauerhaft aufhalten konnte. Nun bleiben nur abermalige geheime elektronische Angriffe, Debatten über weitere Sanktionen gegen Iran oder aber Krieg.

Es ist eine Tatsache, dass präzise Militärschläge mit Raketen über iranischem Territorium nur in den nächsten vier Wochen und dann erst wieder etwa ab Mitte Februar 2012 geführt werden können. Der Grund dafür sind die jahrestypischen Wolkenfelder, die sich ab etwa Anfang Dezember bis etwa Mitte Februar über dem irakisch-iranischen Gebiet bilden. Zwar kann moderne Militärelektronik natürlich auch durch Wolken hindurch aufklären, aber Militärs wissen, dass die Präzision von Angriffen mit Raketen ohne diese Wolkendecke wesentlich höher ist. Einen Überraschungsangriff zur Weihnachtszeit wird es demnach ganz sicher nicht geben. Kein bisheriger Krieg im Nahen Osten, der von langer Hand geplant wurde und bei dem Präzisionswaffen zum Einsatz kamen, wurde in den Monaten Dezember oder Januar begonnen. In westlichen Medien derzeit gestreute Berichte, wonach die Israelis um Weihnachten herum angreifen würden, lesen sich vielleicht spannend, aber die Autoren scheinen sich mit der militärischen Realität nicht auszukennen.

Eine weitere Tatsache: Israel wird sich von ausländischem Druck nicht bei seinen Entscheidungen beeinflussen lassen. Weder die USA noch Russland (und schon gar nicht die Europäer) können wirksamen Druck auf Israel ausüben. Das Einzige, was israelische Politiker und Militärs interessiert, ist eine neutrale und verlässliche Antwort auf die Erfolgsaussichten einer militärischen Operation. Wenn die Analysten zum Schluss kommen, dass iranische Atomanlagen ebenso zuverlässig vernichtet werden können wie im Juni 1981 der irakische Atomreaktor Osirak, dann interessieren die Israelis bei diesen Planungen mögliche Vergeltungsmaßnahmen der Iraner oder anderer Staaten nicht. Im Klartext bedeutet das: Die Israelis werden zeitgleich die komplette iranische Luftwaffe, deren Rollfelder und auch alle Raketensilos angreifen und zerstören. Es geht also nicht nur um einige iranische Atomanlagen, sondern um eine gewaltige Militäraktion.

Klar ist ebenfalls, dass den Iranern danach nur wenige Druckmittel blieben, etwa die immer wieder angekündigte Sperrung der Straße von Hormuz am Eingang des Golfes für Öltransporte. Das wird den Ölpreis in die Höhe treiben, aber keineswegs für lange Zeit. Denn mit jedem Tag, den die Iraner die Straße von Hormuz für die internationale Schifffahrt sperren, schaden sie in erster Linie sich selbst. Durch dieses Nadelöhr muss eben nicht nur der Ölexport für die westliche Welt, sondern auch alle iranischen Importe. Mit der Sperrung dieser Route schneidet sich Iran also seine eigene Lebensader ab.

Iran weiß, dass die oben zitierte Unterstützung aus der arabischen Welt nach einem israelischen Angriff rein verbal sein wird. Die Sunniten der arabischen Welt werden einen israelischen Angriff verbal verurteilen, mehr nicht. Und Iran wird sich so verhalten müssen, wie Saddam Hussein 1981 nach dem Angriff auf den irakischen Reaktor Osirak. Man wird sich ärgern und fluchen – mehr nicht.

Das Risiko ist aus Sicht der Israelis somit durchaus beherrschbar. Nun geht es nur noch darum, ob die Analysten nach dem Fehlgriff mit Stuxnet ganz sicher sein können, das komplette Atomprogramm, die Luftwaffe und alle Raketenstellungen zerstören zu können. Denn die Luftkorridore für die israelische Luftwaffe sind längst eingerichtet. Saudi-Arabien hat - wie man aus den WikiLeaks-Dokumenten weiß - die Genehmigungen schon vor Jahren erteilt.

Eines aber ist ganz sicher: Ein israelischer Angriff würde überraschend kommen. Und nicht dann, wenn alle ihn erwarten - so wie derzeit.

 

 


 

 

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