Wednesday, 27. July 2016
30.03.2011
 
 

Globale Hirnschmelze: Nach dem japanischen Reaktor-GAU Ernüchterung über die Folgen der Globalisierung

Udo Ulfkotte

In den vergangenen Tagen haben manche Menschen bestimmte Vorräte angelegt: Thunfisch in Dosen beispielsweise. Der kommt aus dem Pazifik. Und er wird in den kommenden Wochen garantiert nicht gesünder. Niemand behauptet, dass Thunfisch künftig ausverkauft oder aber extrem radioaktiv belastet sein wird. Aber gesünder wird der künftige Fang im Pazifik (unabhängig davon, wo er abgepackt wurde) eben garantiert auch nicht werden. Was dem Durchschnittsbürger der Thunfisch, sind der Industrie Rohstoffe, Ersatz- und Fertigteile für die Produktion. Und auf diesem Gebiet hat der GAU in Japan eben Folgen, die wir derzeit offenkundig noch nicht richtig wahrnehmen (wollen). In Deutschland kriegen wir jetzt wegen des Japan-GAUs erst mal Kurzarbeit. Die komplette Ernüchterung über Japan und die in diesem Zusammehang gut zu sehenden Folgen der Globalisierung steht uns in den kommenden Wochen aber wohl erst noch bevor. Mitte April werden die ersten radioaktiv kontaminierten Frachter aus Japan europäische Häfen anlaufen. Reedereien und Behörden tüfteln an Notfallplänen. Doch was tun? Die Ratlosigkeit ist nicht nur beim Thema Containerschiffe groß.

40 Kilometer von den havarierten japanischen Kernreaktoren entfernt steht in Onahama ein weltweit einzigartiges Werk für Farbpigmente, die metallischen Autolacken eine besondere Brillanz geben. Ford, Chrysler, Volkswagen, BMW, Toyota und General Motors – sie alle verwenden diese Lacke und werden nun nicht mehr beliefert. Bestimmten Autoherstellern gehen jene Farben aus, für die man nicht mal eben schnell irgendwo auf dem Weltmarkt Ersatz beschaffen kann. Wer seinen Blickwinkel allerdings nur auf die Produktion im unmittelbar betroffenen Erdbebengebiet verengt, der wird im wahrsten Sinne des Wortes Schiffbruch erleben. Die internationalen Containerschiffe fahren ja nun wegen der Radioaktivität auch die Bucht von Tokio nicht mehr an. Doch von dort werden 40 Prozent der japanischen Containerfracht exportiert. Ein Drittel des Bedarfs für Chips, die weltweit in Neufahrzeuge eingebaut werden, fällt auf absehbare Zeit aus. Der schwedische Autohersteller Volvo muss Fabriken schließen, weil Komponenten für Klimaanlagen und Navigationsgeräte nicht mehr geliefert werden können. Auch General Motors muss Werke schließen.

Doch es geht nicht nur um die Autoindustrie: Der Boeing-787 Dreamliner, eines der modernsten Passagierflugzeuge der Welt, kann nicht ausgeliefert werden. Fast die komplette Elektronik kommt ebenso wie die Komponenten für den Bau der Tragflächen aus Japan. Auch die japanische Fabrik, in der die Polymere für die Batterien des iPod hergstellt werden, ist geschlossen. Caterpillar muss die Produktion runterfahren. Auch Apple und Hewlett Packard beziehen ihre Chips ausschließlich aus Japan. Ebenso schlimm ist das Erdbeben für die französische, britische, amerikanische, niederländische und spanische Rüstungsindustrie: Sie können Exportaufträge nicht mehr ausführen und stehen vor Milliardenverlusten, weil die japanischen Präzisionschips fehlen. Die Musikindustrie trifft es ebenso – japanische Studioelektronik kann nicht mehr geliefert werden. Stark betroffen ist auch die Medizintechnik, ebenso die optische Industrie.

Die Deutsche Logistik-Zeitung warnt denn auch: Fehlende Chips bremsen Produktion aus. Weltweit zittern Konzerne vor der drohenden Knappheit von Elektronikbauteilen. Die Folge: Preise für japanische (Ersatz-) Teile explodieren.

Logistiker suchen derzeit unter Hochdruck nach Ersatzlieferanten. Doch die haben ihre Fabriken entweder im extrem erdbebengefährdeten kalifornischen Silicon Valley oder im Tsunami-gefährdeten Asien. Der Kernschmelze der Reaktoren könnte bei den Logistikern auf der Erkundungsreise die Hirnschmelze folgen. Denn sie werden feststellen müssen, dass es bei kurzfristiger Sichtweise durchaus billiger sein mag, teilweise fern der tatsächlichen Montagestätten Teile produzieren zu lassen. Auf lange Sicht aber stellt die Globalisierung garantiert einen Produktionsnachteil dar. Das dürfte nach dem GAU in Japan vielen klar werden.

 

P.S.: Ein Containerschiff braucht von Asien bis nach Europa etwa 30 Tage. So lange befindet es sich in der »Pipeline«. Der Lieferengpass für japanische Ersatz- und Bauteile wird also nicht überall schon jetzt sichtbar. Erst, wenn das letzte noch vor dem Tsunami vom 11. März ausgelaufene Schiff bei uns angekommen ist, wird der Nachteil der Just-in-Time-Philosophie in voller Breite sichtbar. Und dann heißt es Nachdenken darüber, ob wir das künftig alles auch weiterhin so wollen.

 

 


 

 

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