Thursday, 1. September 2016
09.02.2011
 
 

Und dann hat´s Bumm gemacht: Warum uns die Revolutionen in Nordafrika teuer zu stehen kommen werden

Udo Ulfkotte

Als der Londoner Economist am 29. Dezember 2010 für das Jahr 2011 den schlimmsten Nahost-Krieg aller Zeiten prognostizierte, da war die Öffentlichkeit mit der Weltwirtschaftskrise, dem Euro und politischem Kleinkrieg beschäftigt. Seit vielen Monaten schon bewegt sich der Nahe Osten vom Friedensprozess unmerklich in Richtung Kriegsprozess. Die Großdemonstrationen und revolutionären Bestrebungen im Nahen Osten beschleunigen diesen Prozess nur noch. Alle Beteiligten wollen offenkundig Krieg. Doch schon vor diesem kommenden großen Nahost-Krieg werden wir nun erst einmal Flüchtlingsströme aus dem Nahen Osten bekommen. Das sagt kein Rechtsextremist, sondern NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen.

Millionen Menschen in aller Welt freuen sich über die anhaltenden Demonstrationen gegen Diktatoren in arabischen Ländern. Die wenigen, die derzeit mahnend ihre Stimmen erheben, erscheinen da als üble Spielverderber. Völlig unaufgeregt hat NATO-Generaklsekretär Anders Fogh Rasmussen gerade erst in Brüssel mitgeteilt, dass auf Europa wohl nun erst einmal Flüchtlingsströme aus dem Nahen Osten zukommen werden. Vor allem die illegale Migration wird gewaltig zunehmen. Völlig unabhängig davon, ob in Ländern wie Ägypten nun künftig demokratische oder diktatorische Zustände herrschen werden, wird eine jede neue Regierung die Wünsche und Sehnsüchte der Heerscharen junger Ägypter keinesfalls auch nur ansatzweise erfüllen können: Mehr als 75.000 junge Ägypter kommen (wegen der hohen Geburtenrate) derzeit Monat für Monat (!) neu auf den Arbeitsmarkt. Selbst, wenn man alle älteren Angestellten sofort entlassen und durch junge arbeitslose Ägypter ersetzen würde, reichte das nicht aus, um alle unzufriedenen Jugendlichen mit einem Arbeitsplatz glücklich zu machen. Vier junge Ägypter kommen derzeit auf einen Arbeitsplatz! Und die Lage wird von Tag zu Tag schlimmer und nicht etwa besser. Der Soziologieprofessor Gunnar Heinsohn spricht vom »großen Töten«, das in Ländern wie Ägypten zwangsläufig bald kommen wird.

Die aus dem Nahen Osten in den EU-Staaten erwarteten Flüchtlinge treffen hier vor unseren Haustüren auf eine Lage, die wirtschaftlich gesehen nicht anders ist als in ihren Heimatländern. Die revolutionäre Stimmung, die viele derzeit in Europa noch an den Fernsehschirmen bejubeln, steht dann direkt vor unseren Haustüren. Denn von Mai 2011 an kommen ja – wie wir gerade erst beschrieben haben, auch mehr als eine Millionen Polen, Spanier und andere Bürger nach Zentraleuropa, die beispielsweise die deutsche Bundesregierung zum Verlassen ihrer Heimatländer aufgefordert hat, weil wir angeblich unbedingt mehr Arbeitskräfte brauchen.

Parallel zu dieser Entwicklung wird dummerweise die Eurokrise zurückkehren. Und die Banken werden weitere Milliardenverluste einfahren. Am Rande sei erwähnt, dass deutsche Banken allein in Ägypten gerade mit Ausfällen in Höhe von 2,5 Milliarden Dollar, also 1,8 Milliarden Euro rechnen. Aber das stört natürlich niemanden – es zahlt ja dann der Steuerzahler, also SIE!

Unterdessen hat der Proteststurm in der arabischen Welt auch den Irak erreicht – auch dort begehren nun Demonstranten bei Massenprotesten gegen die (prowestliche) Regierung auf. Überall haben die Demonstrationen die gleichen Ursachen: Massen von arbeitslosen jungen Männern, die keine Zukunft haben. Früher haben Regierungen solche Probleme ganz einfach gelöst: Man hat die jungen Männer in Kriegen aufeinander gehetzt. Was also wird nun im Nahen Osten geschehen?

Schon am 13. Januar 2011 (vor den arabischen Revolutionen und Massenprotesten) haben die Amerikaner mit israelischen Generälen über einen möglichen neuen Nahost-Krieg gesprochen. Es ging um die Frage, wie Israel auf die Stationierung einer immer größeren Zahl von Raketen im Gaza-Streifen und im Libanon reagieren soll, deren Zahl inzwischen auf mehr als 50.000 geschätzt wird. Einen Tag zuvor hatte der israelische Militärsender IDF Radio die Bevölkerung mit der Ansprache eines Generals auf die erwartete große Zahl getöteter Zivilisten beim absehbaren nächsten Nahost-Krieg vorbereitet. Die Amerikaner drängten die Israelis bei den geheimen Gesprächen noch auf militärische Zurückhaltung.

Völlig unabhängig davon, ob man als Beobachter nun auf der Seite Israels oder anderer Staaten steht, ist es eine nicht zu leugnende Tatsache, dass sich die Hizbullah im Libanon und auch die Palästinenser seit Langem schon auf einen neuen Krieg vorbereiten. Ein neuer Libanon-Krieg – darin sind sich die Beobachter einig – würde dieses Mal den ganzen Nahen Osten zu einem militärischen Pulverfass machen und die Bevölkerungen aller nun unruhigen Nahost-Staaten mit einbeziehen. Der Londoner Economist hat am 29. Dezember 2010 für dieses Jahr den schlimmsten Nahost-Krieg aller Zeiten prognostiziert. Wenn er tatsächlich kommt, werden europäische Banken mehr als nur einige Milliarden in Nahost verlieren. Viele junge Männer werden ihr Leben verlieren. Und noch mehr werden Zuflucht in Europa suchen.

Auf der anderen Seite würde es aber auch viele »Gewinner« geben: Die amerikanische Regierung könnte (für eine ganze Zeit) von ihrem drohenden Staatsbankrott ablenken, die Europäer von den in der EU bevorstehenden Staatsbankrotten und die arabischen Diktatoren von der Unzufriedenheit der arbeitslosen Bevölkerungsmassen. Und die Israelis hätten eine Handhabe, um gegen Zehntausende auf ihr Land gerichtete Raketen im Libanon und Gaza-Streifen vorzugehen. Wessen Interessen werden sich also in den nächsten Monaten durchsetzen? Egal, wie es ausgeht: Am Ende werden wir alle (wieder einmal) einen hohen Preis dafür bezahlen müssen.

Sie glauben das alles nicht? Vielleicht schauen Sie einmal kurz in italienischen Zeitungen nach. In Süditalien kommen gerade viele Flüchtlinge aus Nordafrika mit Booten an, die nun politisches Asyl in Europa beantragen und behaupten, Gefolgsleute gestürzter oder bedrängter Diktatoren zu sein. Die müssen wir doch schließlich jetzt auch alle aufnehmen, oder?

 


 

 

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