Saturday, 1. October 2016
26.03.2011
 
 

USA im Netz der Lügen: Waffenlieferungen für Al Qaida Kämpfer in Libyen

Udo Ulfkotte

Seit vielen Monaten hören wir nichts mehr vom angeblich gefährlichsten Mann der Welt: Usama Bin Laden. Die Naturkatastrophen in Pakistan, Australien, Neuseeland und Japan sowie die revolutionären Umwälzungen in arabischen und nordafrikanischen Staaten haben unsere Aufmerksamkeit abgelenkt. Mitunter gab es Terrorwarnungen in westlichen Staaten, die sich dann als blinder Alarm herausgestellt haben. In diesen Tagen gibt es erstaunlicherweise keine Terrorwarnung. Dabei haben gleich drei westliche Geheimdienste die Spuren Bin Ladens zum ersten Mal seit dessen Flucht aus den Tora-Bora-Höhlen Ende 2001 wieder aufgenommen. Dieses Mal gibt es keine Pressemitteilungen. Dieses Mal ist alles anders. Dieses Mal verbündet sich Bin Laden mit einer Gruppe, die bei den Revolutionen in der arabischen Welt wie ein Phönix aus der Asche steigt. Und dieses Mal will der amerikanische Präsident Obama Bin Ladens Kämpfer sogar mit direkten Waffenlieferungen unterstützen. Ein Scherz? Eine wilde Verschwörungstheorie? Nein - keineswegs. Prüfen Sie es einfach per Mausklick nach. Dann werden Sie schnell erkennen, wie uns Politiker an der Nase herumführen und was Sie von der Entwicklung in Libyen zu halten haben.

Updaten vom 26. März 2011 um 19.40 Uhr: Inzwischen wurde bekannt, dass Al-Qaida-Kämpfer in Libyen mehr als hundert Boden-Luft-Raketen aus Munitionsdepots der Regierungstruppen erbeutet haben, mit denen man vom Boden aus mühelos zivile Flugzeuge abschießen kann. Diese sollen sie mittlerweile außer Landes gebracht haben.

In diesen Tagen findet man in europäischen Zeitungen immer häufiger Sätze wie diesen: "Die Träger der Revolution in Nordafrika und Nahost sind Jugendliche, die in kein westliches Vorurteilsmuster passen. Sie eint Frust, Facebook und Rap - Religion ist für sie Privatsache." Es handelt sich dabei um Propaganda, die an westlichen-Journalisten-Schreibtischen dem Wunschdenken der Verfasser entspungen ist. Ein Blick hinter die Kulissen zeigt ein völlig anderes Bild. Und danach liefern jene USA, die die Mär von den Facebook-Revolutionären verbreiten, hinter den Kulissen jetzt Waffen an Al-Quaida-Kämpfer, die sich in vielen arabischen Städten mit Aufständischen verbündet haben. Doch der Reihe nach.

Asadabad ist die Hauptstadt der afghanischen Provinz Kunar. Diese 420.000 Einwohner zählende Provinz liegt im nordöstlichen Teil Afghanistans und grenzt im Osten an Pakistan. Benannt ist die Provinz nach dem am Hindukusch entspringenden Fluss Kunar, der sich in ein schwer zugängliches Bergtal tief eingegraben hat. Der Opiumanbau ist die Haupteinkunftsquelle der Bewohner. Kunar ist eine der verschlafensten 34 afghanischen Provinzen. Doch in diesen Tagen gibt es erstaunliche Neuigkeiten aus einem Bergdorf nahe der Stadt Asadabad. Gulbudin Hekmatyar, legendärer Führer der islamischen Terrorgruppe Hizb-i-Islami Afghani (»Afghanische Partei des Islam«), hat sich dort in einem Lager der Aufständischen mit Bin Laden getroffen.

Es gibt immer wieder mal Gerüchte über angebliche Treffen von Bin Laden in irgendwelchen afghanischen oder pakistanischen Bergdörfern. Aber nie haben westliche Geheimdienste solche Treffen bestätigt. In diesem Falle gibt es erstaunlicherweise gleich drei übereinstimmende Berichte. Sie stammen aus pakistanischen, afghanischen und amerikanischen Quellen. Danach haben Hekmatyar und die NATO unlängst (unabhängig von Bin Laden) einen begrenzten Waffenstillstand vereinbart. Weder die Hizb-i-Islami Afghani noch die NATO werden demnach im Norden Afghanistans eine große Frühjahrsoffensive beginnen. Und wenn, dann soll es sich um die Bekämpfung rein virtueller Gegner handeln. Sowohl die NATO als auch die afghanischen Kämpfer sind inzwischen kriegsmüde. Nur noch die Falken in den USA wollen noch eine dauerhafte Militärpräsenz in Afghanistan.

Nach den bekannt gewordenen Vereinbarungen soll sich Bin Laden nun in der Provinz Kunar mit Hekmatyar getroffen haben, um eine Strategie abzustimmen, die ihnen beiden mehr Einfluss auf die revolutionären Bestrebungen in der arabischen Welt verspricht. Die vom Westen so gefürchteten Terroranschläge sind demnach derzeit in den Hintergrund getreten. Vorrangig ist eine Strategie, bei der die neuen Elitekämpfer Bin Ladens der Gruppe Lashkar al-Zil (»Schattenarmee«) in jene Staaten geschickt werden sollen, in denen die Bevölkerung einen Machtwechsel von den Herrschenden einfordert: in den Jemen, nach Syrien, Libyen, Oman, Bahrain, Saudi-Arabien, Jordanien und viele andere islamische Staaten. Wenn der libysche Diktator Gaddafi in diesen Tagen vor Bin Laden warnt, dann mag er in vielen seiner Aussagen verrückt erscheinen. Aber in Hinblick auf Bin Laden treffen Gaddafis Äußerungen zu. Menschen wie Bin Laden und Hekmatyar streben tatsächlich danach, aus Ländern wie Libyen Stützpunkte zu machen, von denen aus sie weitere diktatorische Regime in der Region stürzen können. Gaddafi sagte, wenn er gestürzt werde, dann könnten die Anhänger Bin Ladens möglicherweise bald am südlichen Mittelmeer Fuß fassen und direkt vor den Türen der Europäer stehen.

Man muss immer im Hinterkopf haben, dass die Amerikaner schon in der ersten Hälfte der 1990er-Jahre Bin Laden als potenziellen Umstürzler im Visier hatten. Das hört man in Washington und in westlichen Hauptstädten heute nicht mehr gern. Ebenso verdrängt man derzeit, dass Bin Laden und Hekmatyar gerade erst erklärt haben, sie würden nun mit den Vertretern der Muslimbruderschaft in den von Unruhen betroffenen Ländern Gespräche über eine Zusammenarbeit führen. Erstaunlicherweise unterstützt der amerikanische Präsident Obama diese islamistische Muslimbruderschaft. Vertreter der Muslimbruderschaft wurden von Obama erst unlängst ins Weiße Haus eingeladen. Die Muslimbruderschaft ist in allen arabischen Ländern (auch in Ägypten und Libyen) auf dem Vormarsch. Sie ist dort nun die bestimmende Kraft hinter den Kulissen. In Ägypten etwa ist vom Geist der Revolution, den westliche Medien noch vor wenigen Wochen euphorisch gefeiert hatten, nichts mehr übrig. Im Gegenteil: Frauen, die in Kairo in diesen Tagen für Frauenrechte demonstrieren, werden jetzt schlimmer behandelt als unter Diktator Mubarak. Sie werden öffentlich (!) geschlagen. Und man zwingt sie zu "Jungfräulichkeitstests".

In Libyen sieht es nicht viel besser aus. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel begrüßte die Übernahme der libyschen Stadt Bengasi durch libysche Rebellen. Und was ist nun passiert? Es gibt jetzt Anti-Merkel-Sprechchöre libyscher Rebellen in Bengasi (Spiegel-Ticker vom 25. März um 14.52 Uhr). Damit hatte die deutsche Bundeskanzlerin wohl kaum gerechnet.

Von der Entwicklung profitiert überall die Muslimbruderschaft. Sie verbündet sich gerade mit Bin Laden. Darüber hinaus hat Al Qaida gerade erst erklärt, die Rebellen in Libyen zu unterstützen. Wollen die Amerikaner wieder einmal behaupten, sie bekämen von alledem nichts mit? Vielleicht sollten sie dann einmal die renommierte Asia Times lesen. Die ist unverdächtig, Verschwörungstheorien zu verbreiten. Und auch sie berichtet in diesen Tagen darüber, dass die Amerikaner derzeit Bin Ladens Treffen (etwa mit Hekmatyar) beobachten – und nichts unternehmen. Warum nur? Es gibt viele Dinge, die der Öffentlichkeit in diesen Tagen vorenthalten werden. Ein Beispiel: Russische Geheimdienste behaupten öffentlich, die NATO bereite gerade eine Bodenoffensive für Libyen vor, um dort die Rebellen zu unterstützen. Beginn: Ende April 2011. Auch das kann man ganz offen nachlesen.

Der amerikanische Präsident Obama will die libyschen Rebellen zuvor mit Waffen beliefern. Das ist unstrittig. Und ebenso unstrittig ist es, dass die libyschen Rebellen direkte Kontakte zu Al Qaida unterhalten. Ihr Führer - Abdel-Hakim al-Hasidi - ist sogar stolz darauf, direkte Kontakte zu Al Qaida zu unterhalten. Kämpfer von Bin Laden kämpfen jetzt ganz offiziell zusammen mit den libyschen Rebellen. Und US-Präsident Obama will diese NATO-Waffenbrüder (alle libyschen Rebellen) mit Waffen unterstützen. Finden Sie das noch normal? Der Kampf gegen den Terror führt sich damit jedenfalls selbst ad absurdum. In Afghanistan bekämpft der Westen (offiziell) Gruppen wie Al Qaida. Und in Libyen will er ihnen Waffen liefern. Man nennt das wohl Realpolitik.

 

 


 

 

 

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