Saturday, 25. June 2016
04.02.2011
 
 

Von der Revolution in Teheran zur Revolution in Ägypten: Die Geschichte wiederholt sich – doch dieses Mal mit atomarer Kraft

Udo Ulfkotte

Ältere Leser werden sich vielleicht noch an die iranische Revolution in Teheran 1978/79 erinnern. Und wenn deutsche Journalisten heute in die Iran-Archive ihrer Medien schauen, dann müssten sie in Zusammenhang mit der aktuellen Revolution in Ägypten eigentlich nur noch Datumsangaben, Ortsmarken und Namen austauschen; alles andere ist (bislang) völlig identisch: ein reicher Potentat, eine unzufriedene Bevölkerung, Armut, Arbeitslosigkeit und jede Menge Wut jener, die politisch entrechtet sind. Damals wie heute setzen die Journalisten große Hoffnung in die »Demokratisierung« der islamischen Welt. Damals wie heute sind sich die Geheimdienste allerdings einig, dass es von Tunesien bis Ägypten auch heute alles geben wird – nur keine Demokratie im westlichen Sinne. Im Gegenteil: Ägypten wird aus Sicht der Geheimdienste direkt vor den europäischen Haustüren noch gefährlicher als das implodierende Pakistan, das immer radikaler wird und über Atomwaffen verfügt.

Während die deutschsprachigen Journalisten gebannt auf die Entwicklung in Ägypten schauen, hat Pakistan gerade seinen 100. Atomsprengkopf gebaut. Pakistans Machthaber rüsten mit ungeheurem Tempo nuklear auf. Aber das islamistische Pakistan ist ja angeblich weit entfernt. Niemand kam in Zusammenhang mit den Revolutionswirren in Ägypten bislang auf die Idee, sich Gedanken über das ägyptische Nuklearprogramm zu machen. Wahrscheinlich wissen die meisten nicht einmal, dass Ägypten unter Mubarak (ebenso wie Tunesien unter Ben Ali) den Pakistanern auf nuklearem Gebiet seit 2006 nacheifert und ein Atomprogramm hat. Zuletzt 2009 durften die Ägypter ein deutsches Atomkraftwerk ausschlachten – man hat das unter den Journalisten inmitten der Revolutionswirren irgendwie verdrängt (die Deutschen hatten den Iranern ja kurz vor der islamischen Revolution Ende der siebziger Jahre auch noch das Kernkraftwerk Busheer verkauft). Seit wenigen Monaten bauen die Ägypter in el-Dabaa ihr erstes eigenes Kernkraftwerk. Von Mühlheim-Kärlich ging die deutsche Technologie direkt nach Ägypten. Auch die Südkoreaner helfen den Ägyptern auf atomarem Gebiet. Und seit 2005 haben auch die Amerikaner den Ägyptern acht Kernkraftwerke angeboten.

Nun haben die Ägypter allerdings den Atomwaffensperrvertrag unterzeichnet und sich dazu verpflichtet, keine Atomwaffen zu bauen. Doch seit 1996 schon ist bekannt, dass die Ägypter alles dransetzen wollen, um (ebenso wie das Nachbarland Israel), Nuklearwaffen zu produzieren. Mit dem Sturz Mubaraks müssen sich alle Regierungen der Welt fragen, was die Zusicherungen eines gestürzten Potentaten noch wert sind. Im Hinterkopf muss man dabei haben, dass der Vater der pakistanischen Atombombe, Abdul Qadeer Khan, engste Verbindungen zu ägyptischen Nuklearwissenschaftlern unterhielt (und auch zu Mubarak). Man hat das lange Zeit öffentlich dementiert. Irgendwie hat man das alles dem angeblich so netten Herrn Mubarak nicht zugetraut. Das war ja im Falle Pakistans nicht anders – bis die Pakistaner dann die Atombombe hatten. Inzwischen ist belegt, dass der pakistanische Vater der Atombombe sich in Ägypten mit Käufern seiner Atomwaffentechnologie getroffen hat – die Namen der Käufer wurden nie (öffentlich) genannt.

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) hat in den vergangenen Jahren mehrfach ihre Besorgnis über das ägyptische Nuklearprogramm geäußert, weil Kairo der IAEA immer wieder Daten über geheime Uranimporte vorenthalten hat. Der Verfasser der IAEA-Warnmeldungen war kein geringerer als Mohammed El-Baradei, also jener Mann, der »rein zufällig« in den vergangenen Tagen bei den Demonstrationen gegen Mubarak an vorderster Stelle marschierte. Mohammed El-Baradei weiß um das geheime ägyptische Atomwaffenprogramm. Und er ist ein getreuer Gefolgsmann des Westens. El-Baradei gilt heute als einer der künftigen Köpfe der ägyptischen Opposition. Auch die Islamisten von der Muslimbruderschaft unterstützen ihn.

Wenn Sie jetzt die Entwicklung mit jener in Iran 1978/79 vergleichen, dann wiederholt sich wohl wieder einmal das gleiche Spiel: Dort war damals Bani-Sadr die Gallionsfigur, die von den Islamisten »unterstützt« und zum ersten Ministerpräsidenten nach der islamischen Revolution gewählt wurde. Als der Islamist Chomeini Bani-Sadr nicht mehr brauchte, da jagte man ihn wie einen Hund aus dem Land. Die Mullahs errichteten dann jene Islamische Republik, die man heute wohl nicht mehr näher beschreiben muss.

Es wird nicht lange dauern, dann könnten in Ägypten die radikalislamistischen Muslimbrüder die Macht übernehmen. Denn die Vorgänge in Kairo sind ein getreues Abbild der Vorgänge damals in Teheran. Es gibt da nur einen wirklich winzigen Unterschied: Die ägyptischen Muslimbrüder, die sich ganz offen die Vernichtung des Westens auf die Fahnen geschrieben haben, werden dann wohl schnell Atomwaffen haben. Und deshalb sehen die europäischen Geheimdienste eine gewaltige Gefahr direkt vor den europäischen Haustüren heraufziehen – während die Medien sich noch auf die beginnende »Demokratisierung« Ägyptens freuen. Das war damals in Teheran bei den Journalisten allerdings nicht anders. Nur erinnern sollte man jene Medien besser nicht mehr daran, die damals den Sturz des Schahs bejubelten und sich auf die »Demokratisierung« Irans freuten. Der Westen hat Iran 1979 verloren. Und Ägypten wird er 2011 verlieren. Unterdessen hat die ägyptische Muslimbruderschaft gerade angekündigt, dass sie Krieg will – und den Staat Israel vernichten möchte. In Tunesien ist das übrigens nicht anders. Dort heißt die Muslimbruderschaft, die sich in Palästina »Hamas« nennt, En Nahda (»Wiedergeburt«). Und in Tunesien, wo die Muslimbrüder gerade die Macht übernehmen, brennen gerade die ersten Synagogen. Das passt irgendwie genausowenig in das idealtypische Bild der geplanten »Demokratisierung« Tunesiens und Ägyptens wie die neuerliche Jagd auf Christen in Ägypten. Und deshalb verschweigen es die meisten deutschen Journalisten lieber erst einmal. Wie so vieles. Wer nun auf den Ausbruch der Demokratie in Ägypten hofft, der möge vielleicht einmal über die Worte des langjährigen Vorsitzenden des Zentralrates der Muslime in Deutschland, Mitbürger Ayyub Köhler (FDP) nachdenken. Er schreibt über den Islam und die Demokratie: »Diese Staatsform ist dem Islam fremd.« (zitiert nach Axel Köhler: Islam: Leitbilder der Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung. Al-Kitab Verlag, Köln 1981, Seite 33). Wenn schon einer der ranghöchsten deutschen Muslim-Funktionäre ganz offen bekennt, dass Demokratie dem Islam fremd sei, was erwartet uns dann also im islamischen Ägypten als nächstes?

Man muss da allerdings nicht lange rätseln. Jene, die derzeit noch auf die »Demokratisierung« Ägyptens setzen, sollten vielleicht einmal die aktuellsten großen Umfragen aus jenen arabischen Ländern zur Hand nehmen, die kurz vor den Revolutionen von einem der größten Meinungsforschungsinstitute der Welt durchgeführt wurden: 85 Prozent der befragten Ägypter wünschen sich demnach einen größeren Einfluss des Islam auf die Politik in Ägypten, 59 Prozent sehen sich selbst als islamische Fundamentalisten und unglaubliche 20 Prozent stehen hinter Usama Bin Laden (der Stellvertreter Bin Ladens, Al Zawahiri, ist Ägypter und einer der früheren Führer der ägyptischen Muslimbruderschaft). Die von westlichen Medien noch immer verniedlichend »Oppositionsgruppe« genannte islamistische ägyptische Gruppe Muslimbruderschaft verkörpert all diese Ziele und tritt für einen streng islamischen Staat in Ägypten ein. Ende Januar 2011 haben die Amerikaner in der Kairoer US-Botschaft Geheimgespräche mit der ägyptischen Muslimbruderschaft über das künftige Schicksal Ägyptens geführt. Seither unterstützt Präsident Obama die islamistische Muslimbruderschaft und will sie an der neuen ägyptischen Regierung beteiligt sehen. Die ägyptische Muslimbruderschaft hat dann als erstes den Friedensvertrag mit Israel für nichtig erklärt - und spricht jetzt ganz offen vom Krieg, den sie im Nahen Osten wieder gegen Israel führen wolle. Deutsche Medien nennen die islamistische Muslimbruderschaft derweilen verharmlosend eine »Oppositionsgruppe«. Schlagen Sie einmal in den Archiven zur islamischen Revolution in Iran nach - das haben die deutschen Journalisten damals genauso mit den radikalen Islamisten gemacht und sie medial unterstützt. Bis sie irgendwann aufgewacht und auf die brutale Realität geknallt sind. Da aber war es zu spät. So wiederholt sich die Geschichte. Und dieses Mal mit atomarer Kraft.

 


 

Interesse an mehr Hintergrundinformationen?

 

Werfen Sie einen Blick hinter die Kulissen der Macht – und erfahren Sie, was die Massenmedien Ihnen verschweigen!

 

Lesen Sie weitere brisante Informationen im neuen KOPP Exklusiv. KOPP Exklusiv wird grundsätzlich nicht an die Presse verschickt und dient ausschließlich zu Ihrer persönlichen Information. Jede Ausgabe ist gründlich recherchiert, im Klartext geschrieben und setzt Maßstäbe für einen kritischen Informationsdienst, der nur unter ausgewählten Lesern zirkuliert und nur im Abonnement zu beziehen ist.

 

In der aktuellen Ausgabe finden sie unabhängige Hintergrundinformationen unter anderem zu folgenden Themen:

 

  • Ein Traum wird Realität: Umweltfreundliches preiswertes Benzin entwickelt
  • Niederlande rüsten von Windenergie auf Kernkraft um
  • Dreister Betrug an Rentnern: Versicherungsfremde Leistungen werden in erheblichem Umfang aus Rentenbeiträgen bezahlt
  • Behandlung online: Wie Krankenkassen den Arztbesuch einsparen wollen
  • Prostatakrebs: Was nützt der PSA-Test?
  • Insider-Handel? Klaus Wowereit und die Einflugschneise

 

 

Das alles und viele weitere Kurzberichte im neuen KOPP Exklusiv, fordern Sie noch heute Ihr Probeabonnement an!

Ergänzende Beiträge zu diesem Thema

Die Rolle der CIA in Ägypten: wer ist Omar Suleiman?

Redaktion

Omar Suleiman ist eine der Personen, die derzeit als mögliche Alternative für die Nachfolge des ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak ins Spiel gebracht werden. Nachdem Mubarak am 28. Januar sein Kabinett entlassen hatte, ernannte er Suleiman zum Vizepräsidenten. Doch wer ist dieser Omar Suleiman?  mehr …

WikiLeaks-Dokumente enthüllen: USA halfen seit Ende 2008 bei Vorbereitungen für den aktuellen Umsturzversuch in Ägypten

Udo Ulfkotte

Während sich die führenden deutschen Medienvertreter noch fragen, wie lange die USA den ägyptischen Präsidenten Mubarak wohl noch unterstützen werden, zeichnet ein Blick auf die WikiLeaks-Dokumente ein völlig anderes Bild: Die US-Botschaft in Kairo hat den Umsturz seit Ende 2008 vorbereitet und junge Ägypter in die USA geholt, um sie dort  mehr …

Bürgerkrieg in Tunesien – Springt der Funke der Unruhen von Nordafrika auf Europa über?

Udo Ulfkotte

Nach dem Umsturz in Tunesien gilt die einzige Sorge unserer Politiker und Medien offenkundig den Tunesien-Urlaubern. Man blendet dabei völlig aus, dass es zeitgleich auch in Algerien schwere Unruhen gibt. Und auch in Ägypten ist die Lage äußerst angespannt. Europäische Sicherheitsbehörden sind alarmiert. Denn die Unruhe kann jederzeit auf die  mehr …

Wer diesen Artikel gelesen hat, hat sich auch für diese Beiträge interessiert:

Til Schweiger über Sexual-Gewalttäter: »Deutsches Gutmenschentum kotzt mich an!«

Eva Herman

Deutschland streitet. Über Sexualverbrecher und Gewalttäter. Über den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte, der vor Kurzem entschied, dass eine nachträgliche Sicherungsverwahrung für Gewaltverbrecher nicht rechtens sei. Konsequenz: Mehrere Schwerverbrecher, Mörder, Vergewaltiger klagen sich frei. Die Länder Europas müssen ihnen jetzt Geld  mehr …

Heute breitet sich die Revolution in arabischen Staaten aus – morgen dann auch in Europa

Gerald Celente

Als die tunesische Regierung gestürzt wurde, beeilten sich die Massenmedien und ihre Experten, die von den Ereignissen aus heiterem Himmel überrascht wurden, das Offensichtliche zu behaupten: die Bürger anderer arabischer Nationen würden dadurch ermutigt, sich gegen ihre autokratischen und korrupten Regierungen zu wehren. Derzeit eskaliert in  mehr …

Niederlande rüsten von Windenergie auf Kernkraft um

Udo Ulfkotte

Die Niederlande gelten als die Erfinder umweltfreundlicher Windenergie. Sie haben nun einmal genauer nachgerechnet – und setzen künftig auf Kernkraft. Und zwar aus Gründen des Umweltschutzes.  mehr …

Tage des Zorns – wird sich die arabische Welt endlich aus dem kolonialen Kokon befreien?

Wolfgang Effenberger

Der Aufruf, den Hauptplatz der Kairoer Innenstadt mit einer Million Protestierenden zu füllen, wurde mit der größten Demonstration beantwortet. Zehntausende fluteten sternförmig in das Herz von Kairo, dem bedeutungsvollen Tahrir-Platz. Während das Hauptquartier der Arabischen Liga diesen Platz überragt, fällt ein geschwungenes Gebäude, die  mehr …

Geheimverträge zwischen Staat und Wirtschaft gefährden die Demokratie

Udo Schulze

Immer häufiger schließen Privatunternehmen und staatliche Institutionen untereinander Geheimverträge, in denen bestimmte Dienstleistungen geregelt sind. Diese zunehmende Praxis bereitet Beobachtern inzwischen ziemliche Kopfschmerzen. Sie befürchten eine deutliche Unterwanderung der Demokratie in Deutschland.  mehr …
Newsletter-
anmeldung!
Hier erhalten Sie aktuelle Nachrichten und brisante Hintergrundanalysen
(Abmeldung jederzeit möglich)

Werbung

KOPP EXKLUSIV – Jetzt bestellen

Brisante Hintergrundanalysen wöchentlich exklusiv nur bei uns.

Katalog – Jetzt kostenlos bestellen

Bestellen Sie unseren Katalog kostenlos und unverbindlich.