Die ersten Zeichen: Die Sintflut in China?
Wang Xin Long
Seit 8. Juli haben ununterbrochene starke Regenfälle im Süden Chinas zu einer Flutkatastrophe geführt. Die Anrainer-Provinzen des Yangtze Flussdeltas, ChongQing, Hubei, Anhui, Hunan und JiangXi sind besonders betroffen.

Bisher wurden rund 50 Menschen getötet, hunderte gelten als vermisst. Mehr als 18 Millionen Menschen sind von den Fluten betroffen, und allein in der Provinz Qinghai mussten Zehntausende vom Militär evakuiert werden. Insgesamt wurden fast 800.000 Menschen vor den Fluten in Sicherheit gebracht.
Ganze Dörfer wurden weggeschwemmt, fast 40.000 Häuser sind zerstört, und Zigtausende Menschen durch Erdrutsche von der Außenwelt abgeschnitten. Das ganze Ausmaß der Katastrophe wird sich erst zeigen, wenn die Regenfälle nachlassen, denn es wurden mehr als 700 Dämme und Frischwasserreservoirs überflutet. Die Zahl der überfluteten Reservoirs steigt rapide an – am Sonntag war nur von ca. 500 betroffenen Reservoirs die Rede. Dieses kann sehr bald zu Trinkwasserknappheit und Seuchengefahr für Millionen von Menschen führen!
Jetzt kommt die Meldung aus Zentralchina, dass auch dort mehrere Dämme zu brechen drohen. In der Provinz Anhui wurden Dämme überflutet oder bereits durchbrochen. Auch hier sind Millionen Menschen direkt oder indirekt von den Fluten betroffen; mehr als 8.000 Anwohner mussten bereits vom Militär in Sicherheit gebracht werden. Zum ersten Mal in der Geschichte Chinas soll nun ein funktionsfähiger Damm gesprengt werden. In Nähe der Stadt Tongcheng (Provinz Anhui) droht ein Deich zu brechen, und die weitere Region unter Wasser zu setzen. Deshalb haben sich die Behörden zu einer Sprengung des Deiches flussabwärts entschlossen, um den Untergang weiterer zigtausender Häuser und eine panikartige Flucht der Anwohner zu verhindern.
In Golmud (Provinz Qinghai) arbeiten derzeit hunderte Polizisten und Militärs verzweifelt an der Schaffung eines Drainagekanals an einem der dortigen Dämme. Dieser droht ebenfalls zu brechen, und würde in diesem Falle eine mehr als 200.000 Einwohner zählende Stadt wegspülen.
Auch wenn die Medien von geordneten Hilfs- und Rettungsaktionen berichten: in den betroffenen Gebieten herrscht das blanke Chaos, und es spielen sich dramatische Rettungsaktionen ab. Die Rettungskräfte arbeiten unter höchster Gefahr für das eigene Leben, bis zur Erschöpfung und darüber hinaus. Die Verzweiflung ist groß, auch wenn man es nicht zugeben will. Auf europäische Verhältnisse übertragen, kann man sich ruhigen Gewissens der Metapher der Apokalypse bedienen. Mit dem was in den letzten Tagen in China geschieht, wird offenbar, wie fehlbar der Mensch letztendlich ist – und wie schnell und leidenschaftslos er vom Angesicht des Planeten Erde weggewischt werden kann.
Auch nach den Fluten werden die Schäden weiter zunehmen, denn es wurden fast eine Million Hektar Agrarprodukte von den Fluten vernichtet; diese werden eine erhebliche Lücke in der Versorgung mit Lebensmitteln erzeugen. Der Gesamtschaden an landwirtschaftlichen Erzeugnissen, beläuft sich bereits heute auf umgerechnet über 1.6 Milliarden Dollar. Eine dringend nötige Wetteränderung ist aber nicht in Sicht: es werden weitere Regenfälle in den betroffenen Regionen und auch im Rest der Volksrepublik erwartet.
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