Die Verteilung der Lunten geht weiter: Neue amerikanisch-südkoreanische Kriegsspiele im chinesischen Meer, Drohungen aus Pjöngjang, Fidel Castros Warnung vor einem Atomkrieg – und Peking ruft die USA deutlich zur Einhaltung der Geschäftsordnung auf.
Wang Xin Long
Vor rund drei Wochen erst ging das gemeinsame amerikanisch-südkoreanische Seemanöver zu Ende, und schon eine Woche später spielte Südkorea erneut Krieg in den Gewässern vor Nordkorea und China – diesmal allein. Und wieder eine Woche später feiern die neuen Freunde USA und Südkorea ihr Bündnis mit der Ankündigung, dass die beiden Länder über die nächsten Monate eine »ganze Serie« neuer Manöver im Japanischen und im Gelben Meer abhalten werden …

Zu diesem Zweck soll der amerikanische Flugzeugträger USS George Washington« auf Dauer in die Region – die Gewässer vor China und Nordkorea – entsendet werden. Dauerpräsenz also, wie bereits berichtet.Die Südkoreaner treten gegenüber den Nachbarn China und Nordkorea mittlerweile recht breitbeinig auf, scheinen sie sich doch der Unterstützung aus den USA sicher zu sein. Anders ist ihr Verhalten nicht zu erklären. Denn Südkorea ist – bei allem Respekt und in aller Freundschaft – im Vergleich zu den Staaten in der Nachbarschaft recht klein, sowohl was das Territorium als auch die Bevölkerungszahl angeht. Von den militärischen Kräfteverhältnissen ganz zu schweigen. Aber es sind genau diese Kräfteverhältnisse, die jetzt Grund zur Sorge geben. Denn in den letzten zehn, 20, vielleicht sogar 50 Jahren waren diese Verhältnisse geklärt, und somit praktisch im Gleichgewicht. Nachbarn mögen sich eben nicht immer, aber ein gewisser Respekt und vielleicht sogar eine kleine Portion Überlegenheit auf der einen oder anderen Seite wirken in solchen Beziehungen oft Wunder. Denn wenn die Überlegenheit in vernünftigen Händen ruht, hat eigentlich auch kaum jemand etwas zu befürchten. So weit war ja auch alles gut im Chinesischen Meer. Bis vor ungefähr einem Monat, als die Amerikaner sich bei den Südkoreanern zum Kriegspielen eingeladen hatten.
Und seitdem ist alles anders. Der Frieden in der Region ist derzeit gefährdet, wie es schon seit Jahrzehnten nicht mehr der Fall war. Aber mit dem politischen Schaden, den die Manöver angerichtet haben, ist es noch lange nicht vorbei. Nein, denn nun kommt die Ankündigung zu weiteren Manövern, und die Amerikaner setzen darüber hinaus auch noch alles mögliche daran, das gesamte multilaterale Regelwerk, welches die Basis für den Frieden in der Region darstellt, zu zerstören. Jahrelange diplomatische Arbeit wurde binnen weniger Wochen gekippt, und erneut Stabilität in
Volatilität verwandelt. Uncle Sam führt sein neues Hündchen an der Leine spazieren.Es darf also nicht verwundern, wenn sich die Volksrepublik genötigt sieht, über die Situation und die Verhältnisse aufzuklären. Die Regierung in Peking hat die USA jetzt offiziell aufgefordert, die souveränen nationalen Interessen Chinas zu achten und zu respektieren. Und zwar im Rahmen der wechselseitigen Beziehungen – und im Lichte der bisher stattgefundenen Annäherungen zwischen den beiden Ländern. Zur Erinnerung: Bereits im Mai diesen Jahres hatten in Peking hochrangige Gespräche über die Zusammenarbeit der beiden Nationen stattgefunden. China hatte anschließend die schlangestehenden Investoren durchgewunken, und die Amerikaner waren wenig später hocherfreut in ihre Heimat der wieder einmal unbegrenzten Möglichkeiten zurückgekehrt. Der chinesische Staatspräsident hatte damals aber nicht nur die Öffnung Chinas auf wirtschaftlichem Gebiet angekündigt, sondern er hatte die Forderung gestellt, man möge auch den gegenseitigen Respekt und das Verständnis füreinander ausbauen.
Die Amerikaner sind damals mit milliardenschweren Zusagen nach Hause gefahren, aber die letztgenannte Nachricht als solche scheint bei Ihnen irgendwie nicht angekommen zu sein. Denn heute, nur wenige Monate danach, schwimmen amerikanische Kriegsschiffe vor der Haustür Pekings. Und es sollen mehr werden. Deshalb hat Peking die Amerikaner jetzt deutlich zur Einhaltung der Geschäftsordnung aufgerufen. Hoffen wir, dass die Nachricht diesmal den Empfänger erreicht.
Es ist aber nicht nur die Volksrepublik, die derzeit etwas verstimmt auf die Friedensbemühungen der lieben Freunde aus Fernwest reagiert. Die Nordkoreaner sind da wesentlich direkter und auch offener: jegliche Verletztung der Landesgrenzen, sei es zu Lande, zu Wasser oder zur Luft, sollen sofort mit aller Härte und ohne Berücksichtigung der Umstände vergolten werden. Die Regierung in Pjöngjang wird nicht müde, dieses bekannt zu geben. Zu verlieren haben die Nordkoreaner recht wenig, denn das Land ist eines der ärmsten der Welt, und es hat ein veraltetes Regierungskommitee mit mehr Fragen als Antworten. Ein Neuanfang – wie auch immer er aussehen sollte – scheint willkommen zu sein. Insbesondere, wenn dieser aufgezwungen wird.
Das alles nehmen die USA derzeit kühl zur Kenntnis: Sie kümmern sich in altbekannter Manier um die eigenen nationalen Interessen, und wenig um den Rest der Welt.
So wie ja auch die nationalen Interessen in Afghanistan, im Irak oder bald auch im Iran vertreten werden. In diesem Kontext sind die Ereignisse rund um die chinesischen Gewässer auch zu sehen. Das hat nun auch der ehemalige kubanische Regierungschef Fidel Castro in einer Rede vor dem kubanischen Parlment zu Protokoll gegeben. Castro setzte die Ereignisse ins richtige Verhältnis und warnte, dass der bevorstehenden Überfall auf den Iran ganz leicht einen Atomkrieg auslösen könnte.Nach vier Jahren Politikabstinenz meldete sich Fidel Castro zu Wort, und sendete ein »Signal« an die USA. Schließlich ist Kuba ein »unsinkbarer Flugzeugträger« vor der Küste des amerikanischen Festlandes. Es ist ein roter Flugzeugträger, mit mächtigen Verbündeten im ganz fernen Asien.
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Quellen der Bilder:
http://www.navysite.de
http://www.ad-hoc-news.de
CCTV News
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