
Das Bankett fand im Pekinger Nobelhotel Chateau Laffitte statt, der ersten Adresse in China. Bis zuletzt hatten aber erst eine Handvoll der eingeladenen Chinesen ihre Teilnahme zugesagt. Das mag nicht daran liegen, dass es in China keine Superreichen gibt, sondern an der Tatsache, dass jene, die etwas zu geben haben, dieses an die eigenen Nachfahren vermachen. Das Spenden als solches ist den Chinesen zwar nicht fremd, wie die Erdbeben- und Flutkatastrophen der letzten Jahre gezeigt hatten: die Menschen haben der leidenden Bevölkerung großzügig unter die Arme gegriffen. Aber der Gedanke, das Familienvermögen zum Wohle der Gemeinheit zu veräußern, ist für Chinesen traditionell unvorstellbar.
Ein weiterer Unterschied liegt in der Tatsache, dass Geld in den USA immer in der Nähe zur Politik steht. In China ist dies nicht der Fall. Es mag dort zwar auch Politiker geben, die über einen großen Wohlstand verfügen; das Großkapital als solches spielt aber in der Politik in Peking absolut keine Rolle. Ein Wahlkampf, wie er in den Vereinigten Staaten von Kartellen, Konzernen und Interessensvertretungen finanziell geführt wird, ist in China aufgrund der Unterschiede im politischen System schier undenkbar. Während die finanzkräftigen Männer und Frauen im Westen immer die Nähe zu Macht und Einfluss suchen, suchen die superreichen Chinesen ihr Seelenheil in einem vollklimatisierten Leben mit schnellen, schweren Fahrzeugen westlicher Bauart, endlosem Konsum, teuren Restaurants und Entspannung in den vielen Villen, die sie über China und die Welt verteilt besitzen.
Parallelen zwischen den Superreichen in Ost und West bestehen also, was das Konsumverhalten angeht. Der gravierende Unterschied liegt jedoch in deren Grundeinstellung zu Politik, Macht und der Beziehung zum Rest der Welt.
Aber wer weiß, vielleicht wird es den beiden Milliardären aus Fernwest gelingen, in der chinesischen Oberschicht bestimmte Begehrlichkeiten nach Macht und Anerkennung zu wecken. Immerhin hat das Ehepaar Gates – neben anderen Finanzgrößen – einen erheblichen Einfluss auf die Geschehnisse in der Welt. So hielt Melinda Gates auf dem erst kürzlich stattgefundenen Weltentwicklungskongress am 22. September eine Rede vor der UN-Vollversammlung; ein Vergnügen, für das normal Sterbliche schlichtweg nicht das nötige Kleingeld haben.

Aber der Einfluss kommt nicht von ungefähr. Schließlich hat sich die Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung, die auch über ein Büro in Peking verfügt, vornehmlich »humanitäre« Ziele gesetzt. Eines der Steckenpferde der Stiftung ist die Durchführung groß angelegter Impfkampagnen in Asien und Afrika. Koordiniert werden diese Kampagnen unter anderem von der Globalen Allianz für Impfstoffe und Immunisierung (Global Alliance for Vaccines and Immunisation, GAVI Alliance), die zu 75 Prozent von der Gates-Stiftung finanziert wird. Da liegt eine enge Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen und einschlägigen Konzernen doch auf der Hand. Wer sich der unabhängigen Nachrichten – so wie sie auf KOPP-Online verbreitet werden – bedient, weiß auch anhand des Beispiels H1N1, welche Konzerne und deren Berater hinter der Impfhysterie stecken und kräftig mitverdient haben.
Auch fördert die Gates-Stiftung den Bereich der Gentechnik, wie es heißt, um der Welt die Versorgung mit ausreichend Nahrungsmitteln zu sichern. Propagiert und umgesetzt werden die Gentechnikprogramme in Asien und Afrika unter der Schirmherrschaft der Allianz für eine grüne Revolution, deren Vorsitzender Kofi Annan ist. Gegründet wurde diese Allianz 2006 mit Geldern der Gates-Stiftung und der Rockefeller-Stiftung. Kurz darauf beteiligte sich auch Warren Buffett an der Gates-Stiftung und deren Projekten.
Wie beim Beispiel der Impfkampagnen sind auch bei den Gentechnik-Projekten die altbekannten Konzerne involviert. Ein Schelm, der bei so viel Philanthropie etwas Schlechtes denkt.
Wieder einmal schließt sich der Kreis zwischen Geld und Politik, Humanismus und Macht. Diese Männer und Frauen haben eben Visionen und Ziele für eine bessere Welt. Und sie haben das Geld, diese Ziele auch zu erreichen.
Ob es Warren Buffett und Bill Gates gelingen wird, die superreichen Chinesen für ihre Visionen und die Ziele ihrer einflussreichen NGOs zu begeistern, ist offen. Eines ist aber sicher: Geld ist immer auf der Suche nach Betätigung, und die menschliche Natur ist immer auf der Suche nach Macht. Jenes altbekannte Wechselspiel, das die Geschicke des Planeten seit Jahrhunderten bestimmt – und ihn zu dem gemacht hat, was er heute ist.
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