Sunday, 28. August 2016
26.07.2010
 
 

Kriegsspiele vor Pekings Haustür: Das amerikanisch-südkoreanische Seemanöver und die möglichen Folgen

Wang Xin Long

Wenn diese Woche die Alarmsirenen zum Atomkrieg heulen, wundern Sie sich bitte nicht, denn es war absehbar. Und wenn Sie sich fragen »Was haben wir nur falsch gemacht?«, sollte die Antwort lauten: alles! Denn richtig wäre es gewesen, den Amerikanern schon vor Jahrzehnten klarzumachen, dass ihre auf Expansion und Annexion ausgerichtete Außenpolitik in einer zivilisierten Welt keinen Platz hat. Richtig wäre es auch gewesen, die Welt nicht weiter in eine mediale und politische – aber auch wirtschaftliche – Schieflage abrutschen zu lassen. Nämlich genau das Gegenteil dessen, was gut und richtig ist, setzt sich heute in der Welt durch.

Am Sonntag, den 25. Juli, begann im Ostchinesischen Meer ein militärisches Joint Venture, ein gemeinsames Seemanöver zwischen Südkorea und den Vereinigten Staaten von Amerika. Direkt vor der Haustür der Republik Korea und der Volksrepublik China. Ein amerikanischer Flugzeugträger, die USS George Washington, sowie weitere 20 Kriegsschiffe und mehr als 200 Kampfflugzeuge werden an der Übung teilnehmen. Insgesamt 8.000 Soldaten kommen bei dem bis Mittwoch dauernden Manöver zum Einsatz.

Das Manöver soll ein Signal in Richtung der Regierung Nordkoreas senden. Ein Signal, weil man den Nordkoreanern unterstellt, sie hätten am 26. März dieses Jahres die südkoreanische Korvette Cheonan mit einem Torpedo vor der Küste Südkoreas versenkt. Die westlichen Medien wurden nicht müde, die Version eines nordkoreanischen Torpedoangriffes zu verbreiten und zu untermauern. Da half es auch nichts, dass die Nordkoreaner sofort nach dem Zwischenfall eine Beteiligung an demselben bestritten. Auch die Untersuchungsergebnisse, die eine Beteiligung Nordkoreas, ja sogar einen Torpedoangriff selbst als Ursache des Untergangs der Korvette ausschließen, halfen wenig. Im Gegenteil, jene unabhängigen Ermittler, die aufgrund ihrer akribischen Suche nach den tatsächlichen Umständen zu der Überzeugung gelangten, dass die Nordkoreaner keine Schuld trifft, wurden kriminalisiert, mit Verleumdungsklagen überschüttet und geächtet. Wohlgemerkt: Nicht im bösen kommunistischen Nordkorea, sondern im »demokratischen« Südkorea wurden die Kritiker mundtot gemacht. Schließlich half es auch nichts, dass sogar die Vereinten Nationen sich in diesem Falle zu keiner Resolution durchringen konnten. Die UN hat Nordkorea nicht einmal eindeutig für den Untergang der Cheonan verantwortlich gemacht, sondern lediglich die Attacke in einem sogenannten »Presidential Statement« verurteilt. Die Volksrepublik China hat sich dieser Verurteilung übrigens angeschlossen.

Aber wie gesagt, es half alles nichts. Die Amerikaner haben sich eingeschaltet, wollen nun demonstrativ dem lieben »Verbündeten«, der Republik Korea, zu Hilfe eilen. Das Schema ist doch bekannt: Da fällt irgendwo in der Welt ein Sack Reis um, ohne die Amerikaner vorher um Erlaubnis zu fragen, und schon hat man einen casus belli. Seien es Massenvernichtungswaffen im ehemaligen Irak, ein ominöses Atomprogramm im Iran oder eben der Untergang irgendeines Kriegsschiffes – die Weltpolizei ist immer vor Ort, wenn es darum geht, Stärke und Präsenz zu zeigen.

Dass die südkoreanische Korvette untergegangen ist, ist Fakt. Dass es die Nordkoreaner gewesen sein sollen, ist Spekulation. Und jene Fakten und Argumente, die diese Spekulationen entkräften, werden unterdrückt. Aber auch das spielt keine Rolle. Die Amerikaner hatten ja auch keine Probleme damit, lapidar festzustellen, dass es keine Massenvernichtungswaffen im Irak gab. Allerdings erst, nachdem man den souveränen Staat überfallen, Zigtausende Männer, Frauen und Kinder umgebracht und sich die Ölquellen des Landes gesichert hatte. Das Morden im Irak geht übrigens weiter. So einfach ist das!

So einfach ist es aber bei dem gemeinsamen amerikanisch-südkoreanischen Manöver diesmal leider nicht. Zu viele geopolitische Komponenten stehen derzeit im Wechselspiel, und der Zeitpunkt des Manövers scheint wohl überlegt zu sein. Schließlich sieht die Weltgemeinschaft einem Krieg gegen den Iran entgegen. Die Vorbereitungen laufen hierfür auf Hochtouren. Weil man davon in den Systemmedien nichts mehr hört, dürfen wir getrost davon ausgehen, dass ein bewaffneter Konflikt im Nahen Osten wahrscheinlicher ist denn je. Obendrein ist auch bekannt, dass die Volksrepublik nie einen Hehl daraus gemacht hat, dass man den Iran als das anerkennt, was er ist: ein souveräner Staat, mit einem Recht auf ein eigenes Atomprogramm.

China hat zwar bisher alle UN-Sanktionen gegen den Iran mitgetragen. Wer aber zwischen den Zeilen lesen kann, wird wissen, dass für die Regierung in Peking nun das Ende der Fahnenstange erreicht ist, und die USA im Falle Iran aus dem Reich der Mitte keine weitere Rückendeckung erwarten können. Die außenpolitische Leitlinie der Amerikaner ist aber auch bekannt, frei nach dem Motto: »Wer nicht mit uns ist, ist gegen uns.« Dieser Logik folgend kann es für die USA auf die Verweigerung Chinas nur eine Konsequenz geben, und zwar die des lauten und deutlichen Säbelrasselns. Weil die Stunde des Angriffs auf den Iran offensichtlich bald zu schlagen scheint, lädt man sich kurzerhand zu einem kleinen Stelldichein nach Südkorea ein, um vor Ort mit neuester Bewaffnung ein wenig Krieg zu spielen. Da man sich offenbar aber noch nicht so richtig auf die Zeitschiene für den Überfall auf den Iran festlegen kann, wird freundlichst angekündigt, dass in den nächsten Monaten mit weiteren Manövern dieser Art am selben Ort zu rechnen ist. Dauerpräsenz also. Auch dieses Schema kennen wir schon zur Genüge.

 

Selbstverständlich hat die Volksrepublik gegen das Manöver schon lange im Vorfeld protestiert. Aber auch das half nichts. Die USA setzen sich wieder einmal über die berechtigten Sicherheitsinteressen aller Beteiligten hinweg, rollen ein weiteres Pulverfass in irgendeine Ecke der Welt, und stecken die Lunte ins Loch. Uncle Sam stellt sich mit einer fetten Zigarre daneben und grinst. Das kann aber bedeuten, dass uns allen das Lächeln bald vergehen wird. Die Regierung in Peking hat nämlich unmissverständlich klar gemacht, dass die militärische Präsenz der Amerikaner in den Gewässern rund um die koreanische Insel unerwünscht ist und zu einer erheblichen Destabilisierung in der Region führen kann. Nordkorea hat bekannt gegeben, dass das Land auf die Antastung seiner Souveränität reagieren wird – und zwar mit greifbaren Mitteln (physical response).

Aber auch das hat nichts geholfen. Den USA scheint das alles egal zu sein. Es ist also doch alles ganz einfach!

Bild (1): Xinhuanet

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