Saturday, 25. June 2016
26.05.2011
 
 

USA und Pakistan fast im offenen Krieg. Chinesisches Ultimatum an die Adresse Washingtons: kein Angriff!

Webster G. Tarpley

China hat die Vereinigten Staaten offiziell wissen lassen, dass ein von Washington geplanter Angriff auf Pakistan als Akt der Aggression gegen Peking ausgelegt werden wird. Diese unverblümte Warnung ist das erste seit 50 Jahren – den sowjetischen Warnungen während der Berlin-Krise von 1958 bis 1961 – bekannt gewordene strategische Ultimatum, das den Vereinigten Staaten gestellt wird. Es ist ein Anzeichen dafür, dass sich die Konfrontation zwischen den USA und Pakistan zu einem allgemeinen Krieg auszuweiten droht.

»Ein Angriff auf Pakistan würde als Angriff auf China ausgelegt«

Als Antwort auf Berichte, denen zufolge China nach der Aktion gegen bin Laden die USA zur Achtung der Souveränität Pakistans aufgerufen habe, erhob Jiang Yu, der Sprecher des chinesischen Außenministeriums, bei der Pressekonferenz vom 19. Mai, die kategorische Forderung Pekings, »die Souveränität und territoriale Integrität Pakistans zu respektieren«. Die Times of India meldete unter Berufung auf diplomatische Quellen aus Pakistan, China habe »unmissverständlich gewarnt, dass ein Angriff auf Pakistan als Angriff auf China ausgelegt werde«. Dieses Ultimatum wurde dem Vernehmen nach am 9. Mai im Rahmen des amerikanisch-chinesischen Strategie-Dialogs und der Wirtschaftsgespräche in Washington geäußert. Die Leiter der chinesischen Delegation waren Vize-Ministerpräsident Wang Qishan und Staatsrat Bai Bingguo. (1) China stützt sich bei diesen Warnungen unausgesprochen auf die Atomraketen, über die das Land verfügt, darunter schätzungsweise 66 Interkontinentalraketen, von denen zumindest einige die Vereinigten Staaten treffen können. Dazu kommen 118 Mittelstreckenraketen, 36 U-Boot-gestützte Raketen sowie zahlreiche Systeme geringerer Reichweite.

Beobachter aus der Region betrachten die Unterstützung Chinas als entscheidend wichtig für Pakistan, das sonst Gefahr läuft, zwischen den USA und Indien in die Zange genommen zu werden. »Bei anhaltendem Druck der USA und Indiens kann sich Pakistan darauf berufen: ›Wir haben die Unterstützung Chinas. Meint nicht, wir wären isoliert, uns steht eine potenzielle Supermacht zur Seite‹«, erklärte der pakistanische Politikanalyst und pensionierte General Talat Masood gegenüber der französischen Presseagentur AFP. (2)

Zur selben Zeit, als das chinesische Ultimatum geäußert wurde, weilte der pakistanische Premierministers Gilani zu einem Besuch in Peking. Bei der Gelegenheit gab die gastgebende Regierung die umgehende und kostenlose Lieferung von 50 hochmodernen JF-17-Kampfflugzeugen an Pakistan bekannt. (3) Gilani hatte vor seiner Abreise die Wichtigkeit der chinesisch-pakistanischen Allianz unterstrichen, als er sagte: »Wir sind stolz darauf, China als unseren besten und vertrauten Freund an unserer Seite zu wissen. Und China wird Pakistan immer und zu allen Zeiten an seiner Seite finden … Wenn wir davon sprechen, dass wir diese Freundschaft höher schätzen als den Himalaja und tiefer als die Ozeane, so ist der Charakter unserer Beziehungen damit zutreffend beschrieben.« (4) US-amerikanische Sprecher, wie beispielsweise der Republikaner Risch, Senator aus Idaho, antworteten mit einigem Gezeter auf diese Äußerungen.

Die bis dahin schwelende strategische Krise zwischen den Vereinigten Staaten und Pakistan kam am 1. Mai mit der einseitigen, nicht autorisierten Razzia auf einem Anwesen in Abbottabad, bei der das Phantom Osama getötet worden sein soll, voll zum Ausbruch; die Aktion war eindeutig eine Verletzung der nationalen Souveränität des Staates Pakistan. Die Wahl des Zeitpunkts für diese militärische Schaunummer, die darauf abzielte, die Spannungen zwischen beiden Ländern weiter anzufachen, hatte weniger mit einem angeblichen weltweiten Krieg gegen den Terrorismus zu tun, als vielmehr mit dem Besuch des saudi-arabischen Sicherheitschefs Prinz Bandar Ende März in Pakistan. Das Ergebnis dieses Besuchs war eine De-facto-Allianz zwischen Islamabad und Riad: Pakistan versprach die Entsendung von Truppen zur Unterstützung bei der Niederschlagung einer von den USA gesteuerten Farbenrevolution im Königreich Saudi-Arabien und sicherte den Saudis die Ausweitung des Atomschirms zu, sodass diese weniger der Erpressung USA anheimfallen, das Königreich mit seinem Ölreichtum der Gnade Teherans zu überlassen. Was immer man von den Regimes halten mag, ein gemeinsames Vorgehen Pakistans und Saudi-Arabiens, sich von dem US-Imperium zu lösen, würde dem maroden US-Imperium in ganz Südasien einen tödlichen Schlag versetzen.

Bezüglich der Behauptungen der USA über die angeblich gegen bin Laden gerichtete Razzia vom 1. Mai gibt es zahlreiche unüberbrückbare Widersprüche, die sich zudem von Tag zu Tag verändern. Eine Analyse dieser Geschichte sollte man wohl am besten den Literatur- und Theaterkritikern überlassen. Fest steht bei der ganzen Sache lediglich, dass Pakistan zum vorrangigen Ziel der USA geworden ist – wodurch die pakistanfeindliche Politik der USA, die seit Obamas berüchtigter West-Point-Rede vom Dezember 2009 verfolgt wird, weiter intensiviert wird.

 

Gilani: volle Vergeltung zur Verteidigung der strategischen Anlagen Pakistans

Die chinesische Warnung an die Adresse Washingtons folgte unmittelbar auf Gilanis Erklärung vor dem pakistanischen Parlament: »Keiner sollte falsche Schlussfolgerungen ziehen. Jeglicher Angriff auf Pakistans strategische Anlagen, ob offen oder verdeckt, wird eine unmissverständliche Antwort zur Folge haben … Pakistan behält sich das Recht auf einen umfassenden Vergeltungsschlag vor. Niemand sollte die Entschlossenheit und die Fähigkeit unseres Landes und unserer Streitkräfte unterschätzen, unser heiliges Vaterland zu verteidigen.« (5) Eine Warnung vor einem Vergeltungsschlag durch eine Atommacht wie Pakistan muss ernstgenommen werden, selbst von den hartgesottenen Aggressoren des Obama-Regimes.

Bei den von Gilani erwähnten strategischen Anlagen handelt es sich um die pakistanischen Atomstreitkräfte, das wichtigste Element der Abschreckungsstrategie des Landes gegen eine mögliche Aggression durch Indien, die im Rahmen der indisch-amerikanischen atomaren Kooperation von Washington angestachelt wird. Die US-Streitkräfte in Afghanistan haben ihre ausgedehnte Planung für den Versuch, die pakistanischen Atombomben und Atomsprengköpfe auszuschalten, nicht verbergen können. Laut einem Bericht in Fox News aus dem Jahr 2009 verfolgen »die USA einen detaillierten Plan zur Infiltrierung Pakistans und Sicherung des mobilen Arsenals atomarer Sprengköpfe für den Fall, dass das Land unter die Kontrolle der Taliban, al-Qaidas oder anderer islamischer Extremisten zu fallen droht«. Dieser Plan war von General Stanley McChrystal während dessen Amtszeit als Chef der US Joint Special Operations Command (JSOC) in Fort Bragg, North Carolina, entwickelt worden. Das JSOC, das Berichten zufolge an der bin-Laden-Operation beteiligt war, setzt sich zusammen aus der Army Delta Force, den Navy SEAL und »einem mit Hightech ausgestatteten Sonderkommando namens Task Force Orange«. »Kleine Einheiten könnten [Pakistans Atomraketen] erobern, sie funktionsunfähig machen und an einem sicheren Ort zusammenziehen«, so behauptete eine von Fox zitierte Quelle. (6)

 

Obama hat bereits in einen heimlichen Angriff auf pakistanische Atomraketen eingewilligt

Laut einem Bericht im Sunday Express aus London hat Obama bereits ein aggressives Vorgehen genehmigt, das folgendermaßen ablaufen könnte: »US-Truppen kommen in Pakistan in dem Fall zum Einsatz, dass die Atomanlagen des Landes von Terroristen bedroht werden, die den Tod Osama bin Ladens rächen wollen … Der Plan, der ohne Zustimmung von Präsident Zaradari in die Tat umgesetzt würde, hat aufseiten pakistanischer Vertreter bereits für Verärgerung gesorgt … Barack Obama würde zum Schutz wichtiger Atomanlagen den Einsatz von Fallschirmspringern anordnen. Zu diesen Anlagen zählt das zentrale Hauptquartier der Streitkräfte in Sargodha, die Heimatbasis der F-16-Kampfflugzeuge, die Atomraketen transportieren können, sowie von mindestens 80 Raketen.« Nach Aussage eines US-Vertreters gibt es »grünes Licht für diesen Plan, der Präsident hat bereits seine Bereitschaft zu erkennen gegeben, Truppen nach Pakistan zu entsenden, wenn er überzeugt ist, dass es die nationale Sicherheit erfordert.« (7)

Die extreme Spannung in Bezug auf diese Frage unterstreicht, welches Spiel mit dem Feuer hier getrieben wird, sie zeigt auch Obamas törichtes Vorgehen bei dem einseitigen Einsatz am 1. Mai, den Pakistan auch als den lang erwarteten Angriff auf seine Atomstreitkräfte hätte auslegen können. Laut New York Times war sich Obama darüber im Klaren, dass er einen sofortigen Krieg mit Pakistan riskierte, er »bestand darauf, dass das Sonderkommando, das in der vergangenen Woche Obama bin Laden stellte, groß genug sei, um sich notfalls den Rückweg aus Pakistan freizukämpfen, falls es auf Widerstand feindseliger lokaler Polizeioffiziere oder Soldaten treffen sollte«.

 

Es wird bereits geschossen

Die Schusswechsel zwischen amerikanischen und pakistanischen Truppen eskalierten am 17. Mai, einem Dienstag, als ein amerikanischer NATO-Hubschrauber in Waziristan in den pakistanischen Luftraum eindrang. Die pakistanischen Streitkräfte zeigten sich alarmbereit und eröffneten umgehend das Feuer, das vom US-Hubschrauber erwidert wurde. Zwei auf einem pakistanischen Kontrollposten an der Grenze in der Region Datta Khel stationierte Soldaten wurden verwundet. (8)

Offenbar als pakistanische Vergeltung für diese Grenzverletzung kam es am Freitag, dem 20. Mai, zur Explosion eine Autobombe neben einem Konvoi aus zwei Fahrzeugen des US-Konsulats, wobei jedoch keine amerikanischen Opfer zu beklagen waren. Ein pakistanischer Passant kam ums Leben, mehrere wurden verletzt. Zu weiteren Akten von geheimdienstlicher Kriegsführung zählt ein Bericht des Fernsehsenders Ary One, in dessen Verlauf der CIA-Stationschef in Islamabad namentlich genannt wurde; er war der zweite führende US-Resident, der innerhalb eines halben Jahres enttarnt wurde.

 

US-Gesandter Grossman weist pakistanische Forderung nach Beendignug der Grenzverletzungen zurück

Am 19. Mai lehnte es der amerikanische Sondergesandte für Afghanistan und Pakistan, Marc Grossman, der Nachfolger des verstorbenen Richard Holbrooke, ab, der pakistanischen Forderung nachzukommen und zu garantieren, dass es in Pakistan zukünftig keine einseitigen Aktionen wie in Abbottabad mehr geben werde. (9) Seine Weigerung, eine solche Erklärung abzugeben, begründete Grossman damit, dass pakistanische Vertreter in den vergangenen Jahren nie verlangt hätten, die Grenzen zu respektieren. (10)

Inmitten dieser strategischen Krise setzt Indien seine geplanten, der Natur der Sache nach provokativen Manöver gegen Pakistan fort. Dabei handelt es sich um die Übung Vijayee Bhava (zu Deutsch: »Sei siegreich«), die in der Thar-Wüste in Nord-Rajastan abgehalten wird. Diese Übung für einen atomar-biologisch-chemischen Blitzkrieg bezieht das Second Armored Corps ein, das »als wichtigste der drei großen Kampfeinheiten der indischen Streitkräfte gilt, die die Aufgabe haben, Pakistan in einem Krieg in zwei Teile zu zerschlagen« (11).

 

The Nation: Die Pseudo-Taliban-Countergang von CIA, RAW und Mossad

Eine Möglichkeit, die Provokation zu liefern, mit der ein amerikanisch-indischer Angriff auf Pakistan gerechtfertigt werden könnte, bestünde darin, die Zahl der Terroranschläge zu erhöhen, für die man sogenannten Taliban verantwortlich machen kann. Nach Berichten der Mainstream-Medien in Pakistan haben die CIA, der israelische Mossad und der indische Auslandsgeheimdienst RAW (Research and Analysis Wing) in Form einer terroristischen »Countergang« ihre eigene Taliban-Version geschaffen, die sie kontrollieren und leiten. Laut einem Bericht »haben Agenten der Central Intelligence Agency (CIA) die Netzwerke von Taliban und al-Qaida infiltriert und mit der der Tehrik-e-Taliban Pakistan (TTP) ihre eigene Gruppierung zur Destabilisierung Pakistans geschaffen«. Der frühere Regionalkommandeur des pakistanischen Geheimdienstes Inter-Service Intelligence (ISI) für die Region Punjab, Ex-Brigadegeneral Aslam Ghuman, kommentierte: »Während meines Besuchs in den USA habe ich erfahren, dass der israelische Spionagedienst Mossad mit heimlicher Zustimmung des indischen Geheimdiensts RAW und unter direkter Aufsicht der CIA geplant hat, Pakistan um jeden Preis zu destabilisierenn.« (12) War diese Countergang für den doppelten Bombenanschlag in Waziristan in der vergangenen Woche verantwortlich, bei dem 80 Polizisten ums Leben kamen?

Demselben Bericht zufolge hat der russische Geheimdienst enthüllt, dass »der CIA-Vertragspartner Raymond Davis und seine Leute al-Qaida-Agenten mit chemischen, atomaren und biologischen Waffen versorgt haben sollen, damit Angriffe auf US-Einrichtungen gerichtet werden, für die dann Pakistan verantwortlich gemacht wird …«. Davis, selbst JSOC-Veteran, wurde wegen Mordes an zwei ISI-Agenten verhaftet, nach fadenscheinigen Protesten des State Department später von der pakistanischen Regierung jedoch wieder auf freien Fuß gesetzt.

 

CIA: Der neue al-Qaida-Chef lebt in Waziristan

Wenn die USA einen weiteren Vorwand für erneute Razzien benötigen, so können sie sich ohne Schwierigkeit auf die angebliche Anwesenheit von Saif al-Adel in Waziristan berufen. Al-Adel wird von der CIA als wahrscheinlicher Nachfolger von al-Qaida-Chef bin Laden gehandelt. (13) Es kommt Obamas aggressiven Absichten zweifellos gelegen, dass Saif al-Adel angeblich so nahe der am heißesten umkämpften Grenze lebt und nicht in irgendeinem namenlosen Dorf im Hinterland.

Unmittelbar nach der nicht autorisierten Razzia vom 1. Mai hat Pakistans Armeechef General Kayani seine eigene Warnung herausgegeben: ähnliche »Missgeschicke« dürften sich nicht wiederholen; gleichzeitig kündigte er die Verringerung der amerikanischen Präsenz in Pakistan an. Nach Schätzung einer Quelle beim Geheimdienst ISI halten sich zurzeit rund 7.000 CIA-Agenten im Land auf, viele davon ohne Wissen der pakistanischen Regierung. Der Informationsaustausch zwischen den Geheimdiensten der USA und Pakistans ist Berichten zufolge stark zurückgegangen. Als Antwort auf Kayanis Schritt hat die als WikiLeaks bekannte »Limited-Hangout-Operation« der CIA erneut ihr wahres Gesicht gezeigt, als sie den Versuch unternahm, den pakistanischen Befehlshaber anhand von dubiosen US-Telegrammen zu diskreditieren, denen zufolge er in den vergangenen Jahren gefordert hatte, die Angriffe mit unbemannten Predator-Drohnen nicht etwa zu verringern, sondern vielmehr auszuweiten.

Besonders seit Obama West-Point-Rede hat die CIA Angriffe mit Predator-Drohnen dazu benutzt, um Zivilisten zu töten und auf diese Weise einen Bürgerkrieg in Pakistan zu entfachen, der zu einer Aufsplitterung des Landes entlang ethnischer Grenzen im Punjab, Sind, Belutschistan und Pashtunistan führen soll. Geopolitisch betrachtet soll Pakistan dadurch als möglicher Energiekorridor zwischen dem Iran und China ausgeschaltet werden. Selig Harrison ist mittlerweile zum führenden amerikanischen Verfechter für eine Loslösung Belutschistans von Pakistan geworden.

Seit dem 1. Mai sind Berichten zufolge in Pakistan 42 Zivilisten bei sechs Angriffen mit Predator-Drohnen ums Leben gekommen, infolgedessen entflammte in der Öffentlichkeit anti-amerikanischer Hass. Als Reaktion votierte das pakistanische Parlament am 14. Mai geschlossen für die Forderung nach Beendigung der amerikanischen Raketenangriffe, die Regierung wurde aufgefordert, die Versorgungslinien nach Afghanistan zu kappen, falls die Angriffe fortgesetzt würden. (14) Da über den Verbindungsweg von Karachi zum Khyberpass mehr als zwei Drittel der für die Invasion nach Afghanistan benötigten Versorgungsgüter transportiert werden, würde eine solche Unterbrechung bei den NATO-Streitkräften zu einem Chaos führen. All dies zeigt den Irrsinn, einen Krieg mit dem Land zu provozieren, durch das die eigenen Versorgungslinien verlaufen.

 

USA wollen Taliban-Chef Mullah Omar gegen Pakistan einsetzen

Bereits im Februar hat das State Department alle Vorbedingungen für Verhandlungen mit den Taliban fallen lassen; laut Washington Post führen die USA jetzt Gespräche mit Gesandten Mullah Omars, dem legendären einäugigen Führer der Quetta Shura, des Führungsrats der Taliban. Wie es aussieht, bieten die USA den Taliban eine Allianz gegen Pakistan an. Der US-Gesandte Grossman ist Pakistan nicht freundlich gesonnen, seine Haltung den Taliban gegenüber hat ihm hingegen den Spitznamen »Mr. Versöhnung« eingebracht. (15) Im Gegensatz dazu sind die USA angeblich entschlossen, den Chef des Haqqani-Netzwerks mit einer ähnlichen Razzia wie im Fall Bin Laden zu töten. Pakistan seinerseits ist entschlossen, die Haqqani als Verbündete zu behalten.

Steht China Pakistan zur Seite, so könnte man auch davon sprechen, dass Russland China zur Seite steht. Im Hinblick auf das bevorstehende Treffen der Shanghai Cooperation Organization am 15. Juni hat Chinas Präsident Hu die chinesisch-russischen Beziehungen als »so gut, wie nie zuvor« und »von offensichtlich strategischer Bedeutung« gepriesen. Bei einer Pressekonferenz sah sich der russische Präsident Medwedew in der vergangenen Woche zu dem indirekten Zugeständnis veranlasst, dass Obamas viel gepriesener »Reset« mit Russland wenig bewirkt habe, da der START-Vertrag angesichts des US-Raketenprogramms in Rumänien und anderen Ländern Osteuropas, das sich so offensichtlich gegen Russland richtet, von zweifelhaftem Wert sei, sodass sich ein »neuer  Kalter Krieg« abzuzeichnen beginne. Nach dem NATO-Angriff auf Libyen werde es keine UN-Resolution gegen Syrien geben, erklärte Medwedew. Putin hat Recht behalten; Medwedew versucht jetzt, Putin nachzuahmen, um seine Chance zu wahren, im Amt bleiben zu können.

 

Erleben wir einen neuen Juli 1914?

Die Krise, die zum Ersten Weltkrieg geführt hat, begann am 28. Juni 1914 mit den Morden in Sarajewo, doch die erste offizielle Kriegserklärung erfolgte erst am 1. August. Im dazwischenliegenden Monat Juli 1914 lebte die Öffentlichkeit in Europa im Zustand einer traumähnlichen Trance, im Wunderland einer elegischen Illusion, an der sie selbst dann noch festhielt, als sich die tödliche Krise immer weiter zuspitzte. Etwas Ähnliches beobachten wir heute. Viele Amerikaner sind voller Stolz davon überzeugt, der angebliche Tod bin Ladens bedeute das Ende des Krieges gegen den Terrorismus und des Krieges in Afghanistan. Stattdessen ist mit der bin-Laden-Aktion eine neue Gefährdungslage eingeläutet worden. Kräfte, die früher den Irak-Krieg abgelehnt haben – von MSNBC bis hin zu vielen Linksliberalen aus der Friedensbewegung – unterstützen heute entweder Obamas blutige Einmischung in Libyen oder feiern ihn wegen seines angeblichen Erfolgs über bin Laden sogar als effektiveren Kriegstreiber als Bush und Cheney. Die Wirklichkeit sieht anders aus: Wenn es je geboten war, gegen einen neuen, noch größeren Krieg auf die Straße zu gehen, dann jetzt.

 

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(1) http://economictimes.indiatimes.com/news/politics/nation/china-asks-us-to-respect-paks-sovereignty-independence/articleshow/8454577.cms

(2) »China-Pakistan alliance strengthened post bin Laden«, AFP, 15. Mai 2011, http://www.sundaytimes.lk/index.php/analysis/7546-china-pakistan-alliance-strengthened-post-bin-laden

(3) http://www.nytimes.com/2011/05/20/world/asia/20pakistan.html?_r=3

(4) http://www.upi.com/Top_News/World-News/2011/05/08/Gilani-China-best-most-trusted-friend/UPI-96101304911435/

(5) http://www.nypost.com/p/news/international/pakistani_pm_regrets_unilateral_GAOWNTpBXGJaJtwzWaZu0K?CMP=OTC-rss&FEEDNAME=

(6) Rowan Scarborough, »U.S. Has Plan to Secure Pakistan Nukes if Country Falls to Taliban«, Fox News, 14. Mai 2009

(7) »US ›To Protect Pakistan‹«, London Sunday Express, 15. Mai 2011, http://www.express.co.uk/posts/view/246717/US-to-protect-Pakistan-

(8) http://www.reuters.com/article/2011/05/17/us-pakistan-nato-idUSTRE74G0PS20110517

(9) »US refuses to assure it will not act unilaterally«, http://thenews.jang.com.pk/NewsDetail.aspx?ID=15758

(10) »No US assurance on unilateral ops«, http://nation.com.pk/pakistan-news-newspaper-daily-english-online/Politics/20-May-2011/No-US-assurance-on-unilateral-ops

(11) »Getting leaner and meaner? Army practices blitzkrieg to strike hard at enemy«, Times of India, 10. Mai 2011, http://articles.timesofindia.indiatimes.com/2011-05-10/india/29527731_1_three-strike-corps-army-and-iaf-transformational

(12) »CIA has created own Taliban to wreak terror havoc on Pakistan, claims Pak paper«, ANI, 12. Mai, http://my.news.yahoo.com/cia-created-own-taliban-wreak-terror-havoc-pakistan-091621821.html

(13) »New al-Qaeda chief in North Waziristan«, 19. Mai 2011

(14) http://www.msnbc.msn.com/id/43033985/ns/world_news-south_and_central_asia/

(15) http://www.telegraph.co.uk/news/worldnews/asia/afghanistan/8519535/US-steps-up-face-to-face-peace-talks-with-Taliban.html

 

 


 

 

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