Thursday, 29. September 2016
26.05.2015
 
 

Berghof oder Wolfsschanze in der Alpenfestung?

Willy Wimmer

Das hat es so auch noch nicht gegeben. Vom 7. bis 8. Juni 2015 treffen sich die Staats-und Regierungschefs in einer Art »Lagerhaltung« dort, wo Deutschland sehr schön ist. Die Alpen-Locations haben so ihren Reiz, wie wir aus der Vergangenheit wissen, und manchmal stehen sie für eine verhängnisvolle Entwicklung. Das wissen wir auch und nicht alles ist später Neuschwanstein.

 

Dieses Treffen, das den deutschen Steuerzahler hunderte von Millionen Euro kostet und dazu geführt hat, dass jede Tannenspitze verwanzt worden sein soll, hat eine Signalwirkung, die es in sich hat. Das alles sieht nach Kriegsrat aus und schon längst geht von diesen Treffen das von den Völkern erwartete Friedenszeichen nicht mehr aus. Kein Wunder, dass die Staats-und Regierungschefs sich einmauern und das auch vermutlich noch für das Zeichen ihres Ansehens und ihrer Machtfülle halten.

In diesen beiden letzten Jahren haben wir der Ereignisse gedacht, die uns mit den beiden Weltkriegen nicht nur Elend gebracht haben. Wenn wir wirklich darangehen würden, Grundlagen des friedlichen Zusammenlebens zu schaffen, müssten wir endlich darangehen, die Brandherde, die seit dem Ersten Weltkrieg in Europa bestehen, dadurch auszutreten, dass ein allgemein anerkanntes Regelwerk geschaffen wird. Wer sagt denn, dass wir das nicht schaffen, wie das vertraglich herbeigeführte Ende der atomaren Bedrohung am Ende des Kalten Krieges hätte zeigen können? Wir haben Erfolg gehabt.

 

Wenn wir uns allerdings die verbalen Rundumschläge zum Beispiel des Herrn Bundespräsidenten ansehen, dann stehen wir wieder auf der falschen Straßenseite. Nicht ein dichtes Netz von Verträgen und ein Ausgleich von Interessen wird lautstark gefordert. Das Auskämpfen von Konflikten wird gefordert und nicht die Almglocken für eine leistungsstarke Diplomatie geläutet.

 

Das Treffen in den Bergen müsste der Endpunkt einer amerikanischen Globalkontroll-und Beherrschungspolitik sein, die seit dem völkerrechtswidrigen Krieg gegen die Bundesrepublik Jugoslawien die Grundlagen für die europäische Friedensordnung mit der Charta von Paris des Jahres 1990 systematisch zerstört hat. Das war das schlimmste Signal, das man dem Globus geben konnte, denn alle Welt hatte darauf gehofft, dass Europa endlich einmal aus der Abfolge verhängnisvoller Kriege würde aussteigen können.

 

Da, wo man es in der Shanghai-Kooperationsgruppe versucht hat, war es nur gegen amerikanischen Widerstand und ohne jede amerikanische Beteiligung möglich. Seit 1999 steht Amerika in Europa wieder für Krieg, den es offenbar seit der Gründung des Deutschen Reiches im Jahre 1871 immer zu seinen vorrangigen Optionen gezählt hat und meist durch Dritte anzetteln ließ. Jetzt steht es sogar in Europa wieder für einen Weltkrieg, wenn die Dinge so weiterbetrieben werden, wie es derzeit geschieht.

 

Wenn die in der Alpenfestung versammelten Staats- und Regierungschefs es einigermaßen ehrlich mit den Völkern meinen sollten, die sie nun einmal vertreten, sollte sie das Ende der »westlichen Wertegemeinschaft« offiziell verkünden. »Freiheit von Furcht« lautete einmal die Hoffnung für alle Menschen. Diese Staats-und Regierungschefs stehen für den gewaltigsten Ausspäh- und damit Unterdrückungsapparat, den die Menschheit je gesehen hat.

 

Da soll man noch von Wertegemeinschaft sprechen, ohne sich übergeben zu müssen? Oder von einer gerechten Wirtschaftsordnung, wenn europäische Staaten nur dazu über Abkommen mit den USA herhalten müssen, zugunsten amerikanischer Großkonzerne ausgeplündert zu werden und die Steuereinnahmen für die amerikanische Regierung in den europäischen Kolonialgebieten zu
generieren?

 

Stattdessen spricht alles dafür, wenn sich hinter Gittern und Zäunen alles so aushecken lässt, dass wir es demnächst wieder mit einer »Politik der bedingungslosen Kapitulation« gegenüber der Russischen Föderation zu tun haben werden, einer »Alpen-Charta« sozusagen.

 

Nachdem es mit den hier nicht nur bei Herrn Claus Kleber im ZDF herumgereichten Pussy Riot Aktivistinnen nicht gereicht hat, den angestrebten Widerwillen gegen Moskau zu entfachen, darf man in Schloss Elmau darauf gespannt sein, was man aus der Moskauer Entscheidung macht, westlichen Einflussorganisationen das Handwerk zu legen.

 

Das hat gerade noch gefehlt, wenn demokratische Verhältnisse von denen gegen ein anderes Land in Stellung gebracht werden, die seit Jahr und Tag den Abbau genau dieser Rechte in ihren Staaten betreiben.

 

Noch hat es der Bürger gerne, wenn er sich sein eigenes Urteil bilden kann. Wenn er Geld dafür ausgeben will und die nötige Muße aufbringt, dann will er auch zwischen den Zeilen lesen, um dahinterzukommen, was die Mächtigen in der Alpenfestung so alles treiben.

 

Dann kann man ihn heutzutage vertrösten, wenn er in den eigenen Medien der staatstragenden Art nicht mehr fündig wird. Es gibt ja Russia Today, das sich wegen seiner differenzierten Weltsicht zu einer Säule unserer westlichen Presse-Restfreiheit gemausert hat.

 

Wer noch an die Rolle von CNN im Vorfeld des Kosovo-Krieges und den Einfluss der damaligen Frontfrau Christiane Amanpour zurückdenkt, der vermag das heutige Russia Today zu schätzen. Es mag ja sein, dass der Herrscher über die NSA-Selektoren und amerikanische Präsident Obama nach dem Muster seiner berühmten »Rosengarten-Rede« wieder über Russia Today herfällt. Man denkt sich in Deutschland dann seinen Teil.

 

Ob die in den Alpen versammelten Persönlichkeiten es wollen oder nicht. Das ist auch die Haltung der meisten Menschen gegenüber der Russischen Föderation und deren Präsidenten. Viele sind der Ansicht, dass sich die Welt in einem besseren Zustand befinden würde, wenn die Russische Föderation nicht für so lange von der politischen Bildfläche verschwunden gewesen wäre und es den Amerikanern dadurch ermöglicht hätte, eine Blutspur quer über den Globus zu ziehen.

 

»Frieden schaffen durch immer mehr Kriege«, das war nicht das Moskauer Motto. Man wird sich im »Gipfellager« gewaltig vertun, wenn man das verkennen sollte.

 

Da der ominöse Berghof nicht besonders weit weg ist, sollte man in dem Jahr, in dem an das Ende des Zweiten Weltkrieges gedacht wird, endlich die Konsequenzen daraus ziehen, dass nach dem schrecklichsten aller Kriege für die Menschen in der ehemaligen Sowjetunion wieder faschistische Sturmspitzen an den russischen Grenzen in Stellung gebracht werden. Auffallend ist, wer alles zu dieser Katastrophe schweigt.

 

 

 

 

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Leser-Kommentare (38) zu diesem Artikel

09.06.2015 | 21:54

Grauber

Es ist zwecklos, Herr Wimmer, Vernunft einzufordern und Sie wissen das doch sehr genau. Vasallen haben kein Mitspracherecht, ja nicht einmal das Recht auf eine eigene Meinung. Muckt jemand auf, dann macht er politisch nur den Abgang. Dennoch lese ich Ihre Polemik sehr gerne, sie erinnert an die gute, alte Zeit.


01.06.2015 | 18:03

Hans H

Die Würfel sind beim Bilderbergertreffen längst gefallen. Das ist dieses Jahr vor dem Gipfel und 2 Tage länger geschehen. So sehr ich auch suche es ist keine Teilnehmer Liste oder Themenliste im Netz zu finden. Sonst sickert immer etwas durch, doch dieses Jahr nicht. Das stinkt nach einer ganz großen Schweinerei! Der G7 Gipfel dient nur der Ablenkung.


31.05.2015 | 20:34

WachtamRheinbeiRhöndorf

Es ist eine fortwährende Schande, daß globalistische Diktatoren, freihlich formal nicht tödlich, sondern neokolonial mit den Mitteln der entfesselten Hochfinanz Länder und Gesellschaften zerstörend, in deutschen Gefilden ein illustress Treffen auf dem Territorium des wohl am Meisten geplünderten Volkes der industrialisierten Weltgeschichte abhalten dürfen. **Den Berghof hat man in einem faktisch vertretbaren und im Einklang mit der Siegerdoktrin stehenden Affekt planiert. Das...

Es ist eine fortwährende Schande, daß globalistische Diktatoren, freihlich formal nicht tödlich, sondern neokolonial mit den Mitteln der entfesselten Hochfinanz Länder und Gesellschaften zerstörend, in deutschen Gefilden ein illustress Treffen auf dem Territorium des wohl am Meisten geplünderten Volkes der industrialisierten Weltgeschichte abhalten dürfen. **Den Berghof hat man in einem faktisch vertretbaren und im Einklang mit der Siegerdoktrin stehenden Affekt planiert. Das Erfolgsmodell "Gästehaus am Kehlstein" zeigt, wie rational Ausländer mit objektiv verhandelter Geschichte umzugehen pflegen, wenn man sie nur nicht ohne Unterlass mit irrationalen Schuldkulten und verfälschenden Geständnissen spätgeborener Wichtigtuer oder stalinistischer Wendehälse belästigt. Die Wolfsschanze war ein OHL-Quartier auf formal völkerrechtlich baw deutschem Boden, mittlerweile ein Flohmarkt geschmackloser wie gefälschter Devotionalien der Nachfahren des Volkes, daß, wie sein Pendant im Westen, immer schon ein merkwürdig einseitig angelegtes Problem mit deutschen Außengrenzen hatte.** Was ich ausführen möchte ist somit der Umstand, daß diese (für normal Sozialisierte) historisierten Begrifflichkeiten sowohl militaristische Strahlkraft als auch ihren implizierten und politisch missbrauchten Schrecken gänzlich verloren haben. Zumal für Bonner Republikaner und aufgeklärte Menschen der neudeutschen Mitte. Wogegen diese G7-Bruderschaft, seit dem €-Skandal endgültig ein Schreckenskabinett neototalitärer Plünderer und in Personalunion Strippenzieher der antirepublikanischen EU-Marionetten Merkel, Gauck, Gabriel, Seehofer u.a., jeden AfDeutschland-Wähler unmittelbar an den bevorstehenden Untergang des Abendlandes erinnert und jeden westeuropäischen Patrioten zu der Ansicht bewegen muß, daß die Berlin-BRD zwar noch eine Reise, aber keinen staatsrechtlichen oder volkswirtschaftlichen Vortrag mehr wert sein könne; es sei denn, als abschreckendes Beispiel einer Verfallserscheinung einer parlamentarischen Parteiendiktatur im Endstadium.


29.05.2015 | 08:54

Realist

Diese so christliche Regierung redet jeden Tag von Sparen, aber plant für diesen Gipfel fast 400Mill. EURO Kosten für 2 Tage.Wofür?!? Die immensen Sicherheitsvorbereitungen zeigen, wie es wirklich in diesem Staat um Freiheit und Demokratie und Wirken für das Volk aussieht. Was müssen diese Vertreter "des Volkes" doch für eine Angst vor dem Volk haben!!! Traurig, aber wahr.


28.05.2015 | 09:31

treverxy

»In dem Jahr, an dem an das Ende des 2. WK gedacht wird«? Was ist das für ein Stuss!!! Es wird in jedem Jahr und an jedem Tag an den 2. WK gedacht. Lesen Sie keine Zeitung, schauen Sie kein Fernsehen, hören Sie kein Radio? Lieber Autor, so wird das nichts...


28.05.2015 | 00:14

Louis

Hier werde 360 Mi Euro für sinnloses Geschwätz zum Fenster rausgeschmissen. Die Kosten trägt der Steuerzahler und für inländische soziale Einrichtungen fehlt das Geld. Äuserst makaber. 17.000 Polizisten müssen unsere Volksverräter schützen.... Würden sie für das Wohl des Volkes entscheiden, müssten sie sich nicht schützen lassen

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