Freitag, 2. Dezember 2016
15.02.2011
 
 

Der ägyptische Militärputsch im Tarnanstrich der Demokratie

Wolfgang Effenberger

Der ägyptische Verteidigungsminister Feldmarschall Hussein Tantawi (rechts) schreitet mit dem amerikanischen Verteidigungsminister William S. Cohen (links) am 18. Mai 1999 die Front ab. Zu diesem Zeitpunkt führen die USA und die NATO einen völkerrechtswidrigen Krieg gegen Jugoslawien. Nach Auskunft des US-Verteidigungsministeriums haben sich die Minister getroffen, um globale wie auch regionale Sicherheitsfragen beider Völker zu diskutieren. (Quelle: DoD Foto von R. D. Ward)

(Quelle: DoD Foto von R. D. Ward)

 

Hat das Volk mit Mubarak auch das Regime gestürzt?

Am Donnerstagabend, den 10. Februar 2011, waren mehr als eine Million Menschen auf den Tahrir-Platz geströmt, um Mubaraks Rücktrittsrede zu erwarten. Aber der ägyptische Führer erklärte im nationalen Fernsehen, dass er bleiben werde, um bis zum Ende seiner Amtszeit weiter Verantwortung zur Wahrung der Interessen der Ägypter zu übernehmen. Überhört wurde Mubaraks Versprechen, einige seiner Präsidentschaftsaufgaben seinem handverlesenen Vizepräsidenten, dem langjährigen Chef der Geheimpolizei und wichtigen Verbündeten der USA, Omar Suleiman, zu übertragen.

Schnell schlug die Enttäuschung der Menschen auf dem Platz der Befreiung in Wut um, während zugleich im Weißen Haus Ratlosigkeit herrschte.

Keine 24 Stunden später erklärte Vizepräsident Omar Suleiman im staatlichen Fernsehen, Mubarak sei zurückgetreten und habe die Führung des Landes in die Hände der Streitkräfte gelegt. Früher hätte man die dürre Mitteilung des Vizepräsidenten Omar Suleiman vom Freitag als Vollendung eines Militärputsches interpretiert – nun freute sich die westliche Welt. Und in Ägypten feierte die Opposition mit lautem Jubel und Siegesgesängen den vermeintlich von ihnen allein erzwungenen Rücktritt Mubaraks und skandierten: »Das Volk hat das Regime gestürzt«. Und Friedensnobelpreisträger Mohammed ElBaradei sagte laut BBC: »Das ist der schönste Tag meines Lebens.« (1) Der ehemalige Chef der UN-Atomenergiebehörde IAEA (1997-2009) und Mubarak-Gegner war eilig nach Ägypten zurückgekehrt und forderte am 27. Januar Staatspräsident Hosni Mubarak auf, sich aus der Politik zurückzuziehen. Als Alternative für eine Übergangsregierung bot er sich selbst an. (2) Tags darauf gab es Berichte, wonach er in Kairo unter Hausarrest gesetzt worden sei. (3) In einem am Folgetag mit al-Jazeera geführten Interview sagte er, er wisse nichts von einem Hausarrest. Die Proteste würden so lange andauern, bis der Präsident zurückgetreten sei. Tatsächlich sehen viele westliche Politiker und auch Anhänger des Protestes in ihm den richtigen Mann. ElBaradei ist Mitglied des Vorstands der Kuratoren (Crisis Group's Board of Trustees) der »International Crisis Group« (4) (ICG), die am 28. Januar eine Pressemitteilung veröffentlichte. Darin wird gegen die Entscheidung der ägyptischen Behörden protestiert, ElBaradei unter Hausarrest zu stellen.

 

Quelle: http://www.crisisgroup.org/

 

Die »International Crisis Group« ist eine undurchsichtige Nicht-Regierungs-Organisation (NGO), die in dem Ruf steht, mit der Geo-Strategie von Zbigniew Brzezinski zu operieren und dafür Geld vom Megaspekulanten George Soros zu erhalten. Das ist natürlich vereinfacht. Das Geld von über 15 Millionen Dollar kommt im Wesentlichen aus nationalen Haushalten sowie Stiftungen, wie der Carnegie, der Ford Foundation, der Bill & Melinda Gates Foundation sowie von George Soros’ Open Society Institute. Im Vorstand dieses elitären Zirkels sitzt der einflussreiche Globalist Zbigniew Brzezinski, während George Soros immerhin als Mitglied des »Executive Committee« von ICG ausgewiesen ist. Deutschland wird von Joschka Fischer vertreten. Es handelt sich um ein »durchsichtiges« Lenkungsgremium der globalen Elite. Der Organisation wird vorgeworfen, in einigen Konflikten parteilich zu sein, etwa in der 2007 erfolgten ultimativen Forderung an die EU, rasch die Unabhängigkeit des völkerrechtlich zu Serbien gehörenden Kosovo anzuerkennen – was von Serbien und Russland als Provokation betrachtet wurde.

Für ElBaradei spricht, dass er nicht immer die politischen Vorlagen aus den USA umsetzte, was häufig zu Problemen mit den amerikanischen Neo-Konservativen führte. Mit Hans Blix, seinem Vorgänger bei der IAEA, bezweifelte ElBaradei, dass der Irak Massenvernichtungswaffen unterhalte oder entsprechende Programme betriebe. Auch widersprach er der von Bush und Powell gemachten Behauptung, der Irak habe Uran aus Niger kaufen wollen. ElBaradai warnte auch stets vor einem militärischen Angriff auf den Iran. Zwar kritisierte er immer wieder den Iran, sein Atomwaffenprogramm den Inspektionen nicht ausreichend zu öffnen, verweigerte sich aber dem Druck der USA, die Existenz eines geheimen iranischen Atomwaffenprogramms zu bestätigen, und sprach sich für Verhandlungen mit dem Iran aus. ElBaradeis korrekte Haltung gegenüber den angeblichen irakischen Massenvernichtungswaffen erzürnte die Bush-Regierung so, dass sie massiv versuchte, seine Wiederwahl im Jahr 2005 zu verhindern. (5)

Heute projizieren die USA Mohammed ElBaradei als beliebten Präsidentschaftskandidaten eines demokratischen Ägypten. Doch vorher setzt man lieber auf Kontinuität. Und die kann nur von der in den USA geschulten Generalskaste des ägyptischen Militärs kommen. Das sieht ein besorgter ElBaradei ebenso. »Die Lage ist explosiv«, sagte er gegenüber CNN. Nun müsse die Armee Ägypten »retten«. (6) Für US-Präsident Barack Obama hatten die Ereignisse in Ägypten inzwischen eine historische Dimension erreicht. »Wir werden Zeugen, wie sich Geschichte entfaltet«, sagte er in Marquette im US-Staat Michigan. Die USA würden Ägypten weiterhin bei einem geordneten und echten Übergang zur Demokratie unterstützen. In einem Telefonat beriet sich US-Präsident Barack Obama mit dem saudiarabischen König Abdallah, einem seiner wichtigsten Verbündeten in der arabischen Region, über die Lage in Ägypten. Dabei habe Obama nochmals seine Forderung nach »unverzüglichen« Maßnahmen für einen geordneten Übergang bekräftigt, teilte das Weiße Haus mit. Und Saudi-Arabien sicherte noch Mubarak und Suleiman die Unterstützung zu.

 

Mit Saudi-Arabien in eine demokratische Zukunft?

 

Im absolutistischen saudischen Königreich ist das Wahabitentum als Staatsreligion im Artikel 23 der Verfassung verankert: »Der Staat schützt den islamischen Glauben, wendet die Schari'a an, gebietet, was recht ist und verbietet, was verwerflich ist. Er erfüllt die Pflicht, [die Menschen] zum Islam einzuladen.« (7)

Neben Pakistan gilt das saudische Königreich als weltweites Zentrum des islamischen Fundamentalismus. Da Demonstrationen generell verboten sind, bieten nur die Moscheen, private Versammlungen und das Internet die einzigen Gesprächsforen. Top-Terroristen wie Osama bin Laden stammen aus Saudi-Arabien, ebenso wie 15 der 19 Attentäter vom 11. September 2001. Im Gegensatz zu Afghanistan – aus dem keine Attentäter der Terroranschläge von 9/11 stammen – pflegt das Weiße Haus weiterhin die guten Beziehungen. Diese trüben weder eine undemokratische Regierungsform noch Menschenrechtsverletzungen und unmenschliche Bestrafungen.

Auf die Bevölkerungsdichte bezogen, nimmt Saudi-Arabien einen der ersten Plätze unter den Ländern ein, in denen die Todesstrafe vollzogen wird. Saudi-Arabien ist eines der Länder, das für Straftaten wie Mord, Vergewaltigung, Ehebruch, Hexerei, Koranschändung, Gotteslästerung und Glaubensabkehr vom Islam immer noch die Todesstrafe vorsieht. Dazu kommt eine Reihe sozialer und sexueller Vergehen (auch Homosexualität). Wer eines dieser Verbrechen begeht, wird nach dem Freitagsgebet öffentlich geköpft. Zur barbarischen Abschreckung werden die toten Körper zur Schau gestellt und eine Stunde liegen gelassen, damit alle Leute vorbeilaufen können. Ein neuer Tag und ein neuer Auftrag für den Scharfrichter. Die Christen in Saudi-Arabien – ca. 1 Million bei 27 Millionen Einwohnern – haben keinerlei Rechte, ihre Religion auszuüben. Ihnen ist es bei Strafe verboten, ein Kreuz aufzuhängen und vor ihm zu beten. Schon der Besitz einer Bibel kann bestraft werden. Sollte der Verdacht aufkommen, dass ein Christ einen Muslim zu bekehren versucht, muss er mit der Todesstrafe rechnen. Das gute Verhältnis zu den USA wird auch dadurch nicht getrübt, dass zwischen Saudi-Arabien und Israel seit 1948 offiziell Kriegszustand herrscht. (8)

 

US-Präsident Barack Obama und König Abdullah am 3. Juni 2009 in Riad

Quelle: www.saudiembassy.net/.../news06030902.aspx

 

Am 20. November 2010 segnete der US-Kongress ein Rekord-Waffengeschäft mit Saudi-Arabien ab. Dabei handelt es sich um 84 Kampfflugzeuge vom Typ Eagle15F der Firma Boeing. (9) Zudem sollen 72 dieser Maschinen, die bereits von saudischen Luftstreitkräften geflogen werden, repariert und modernisiert werden. In die Bestellliste wurden weiter 60 Boeing-Kampfhubschrauber vom Typ AH-64D sowie 70 Black-Hawk-Transporthubschrauber vom Typ UH-60 aufgenommen. Dazu ein breites Spektrum von Raketen, Bomben und Delivery-Systemen, sowie Zubehör wie Nachtsichtgeräte und Radarwarnsysteme. (10)

Nach Meinung von World Politics Review hat sich das Kräftegleichgewicht in der Region mittlerweile deutlich verschoben. Schon Mitte Dezember 2009 hatte US-General Petraeus mit der Aussage überrascht, dass allein die Luftwaffe der VAE es mit der iranischen aufnehmen könne. (11) Und Ägypten spielt in der Sicherheitsarchitektur für diese Region eine gewichtige Rolle.

So zählen zu den strategisch bedeutenden Zielen Washingtons die militärische Beherrschung wichtiger Seewege: an vorderster Stelle der Suezkanal. Er verbindet das Mittelmeer mit Südasien und dem Fernen Osten. Ein großer Teil von Chinas Industrieexporten nach Westeuropa geht über diesen strategischen Seeweg.

 

Collage Wolfgang Effenberger (Gelb eingefärbt zu CENTCOM gehörende Länder)

 

Allein drei Engpässe – der Suezkanal in Ägypten, Bab-el-Mandeb (Meerenge zwischen Djibouti und Jemen) und die Straße von Hormuz (zwischen Iran und Oman) – schnüren die wichtige Seeverbindung zwischen dem Indischen Ozean und dem Nahen Osten ein. Diese »Flaschenhälse« sind kritisch für den Welthandel, vor allem, »weil riesige Mengen Erdöl durch sie transportiert werden.« (12) Der Bedeutung angemessen liegen diese drei Engen im Bereich von CENTCOM.

 

 

Quelle: »Base Structure Review 2010« des US-Verteidigungsministeriums.

 

Die USA beherrschen nicht nur »sämtliche Ozeane und Meere, sie verfügen mittlerweile auch über die militärischen Mittel, die Küsten mit Amphibienfahrzeugen unter Kontrolle zu halten. [...] Amerikanische Armeeverbände stehen in den westlichen und östlichen Randgebieten des eurasischen Kontinents und kontrollieren außerdem den Persischen Golf« (13), so schrieb der Schüler des Geopolitikers Sir Halford Mackinder, Zbigniew Brzezinski, oberster außenpolitischer Berater Präsident Obamas, bereits 1997. Allein Zahl und Dislozierung von über 700 Militärstützpunkten weltweit sprechen für sich: Von den 716 größeren US-Liegenschaften jenseits der US-Grenzen befinden sich 87 in Südkorea und 123 in Japan – doch 235 in Deutschland. (14)

Wie von Brzezinski vorgeschlagen, streben die USA an, ihren Einfluss auf dem asiatischen Kontinent immer weiter auszudehnen.

Bei diesem Vorgang, so bringt es der vorgestrige strategische Denker Brzezinski mit zynischem Spott auf den Punkt: »... dienen der atlantischen Imperialmacht ihre Vasallen und Tributpflichtigen im amerikanischen Protektorat West- und Mitteleuropa als willige Koalitionäre.«

Das Interesse Washingtons dabei ist klar: In der Region mit den weltweit größten bekannten Vorräten an Erdöl und Erdgas üben die amerikanischen Streitkräfte für ihre Rolle als extraterritoriale Ordnungsmacht. In dieser Funktion sind die USA seit dem Ende des Ost-West-Konflikts konkurrenzlos. Nach dem Fall des Irak richten die USA heute ihre Aufmerksamkeit in erster Linie auf den noch verbliebenen sogenannten »Schurkenstaat« Iran. Koalitionspartner sind CENTCOM insbesondere darum willkommen, weil die Legitimität der amerikanischen Vorbereitungen auf den »Ernstfall« in dieser Region mit der Zahl der Staaten zu wachsen scheint, die den USA zur Seite stehen und damit signalisieren, dass sie deren Interessen teilen.

In dieser Hinsicht wurde Ägypten besondere Aufmerksamkeit zuteil. Bis in die siebziger Jahre war dieses strategisch so wichtige Land Partner der Sowjetunion. Erst nach dem Oktoberkrieg gegen Israel im Jahr 1973 wurden die sowjetischen Militärberater aus dem Land verwiesen und der Schulterschluss mit den USA gesucht. Mit Hilfe seines neuen amerikanischen Patrons konnte Ägypten dann nicht nur die 1967 im Sechstagekrieg an Israel verlorene Sinai-Halbinsel zurückerhalten, sondern auch externe Finanzhilfe – vor allem aus den USA und von internationalen Hilfsorganisationen – einwerben. Bereits 1978 lieferten die USA Kampfbomber an Ägypten und seit Abschluss des israelisch-ägyptischen Friedensvertrages von 1979 erhält das 80-Millionen-Einwohner-Land jährlich rund 1,3 Milliarden Dollar US-Militärhilfe im Jahr. (15) Dazu kommt eine Wirtschaftshilfe in Höhe von 700 Millionen Dollar sowie Vorzugspreise für Weizen.

 

 

Kann eine US-gestützte Militärdiktatur Ägypten retten?

Viele Demonstranten sind von der amerikanischen Doppelzüngigkeit verwirrt. Sie sehen in den Bemühungen der USA nur die Absicht, die US-gestützte Militärdiktatur in Ägypten zu retten. Doch nach dem Rücktritt des Präsidenten Hosni Mubarak wurden derartige Überlegungen noch von der Euphorie überlagert. Auf Panzern und deren Kanonenrohren sowie unten auf der Straße feierten Soldaten der ägyptischen Armee mit den Regimegegnern Arm in Arm die Absetzung ihres Staatschefs – obwohl sie ihrem obersten Kommandeur bis dahin treu ergeben waren. Das Militär wurde gefeiert, weil es mit seiner Zurückhaltung den Sieg der Demonstranten erst möglich gemacht zu haben scheint.

Andererseits hat das ägyptische Militär seit den Demonstrationen gegen das Mubarak-Regime verhaftet, gefoltert und Tausende vorerst verschwinden lassen. Laut Human Rights Watch wurden mindestens 302 Ägypter bei den Protesten getötet. Die überwiegende Mehrheit von ihnen durch die Hände der Sicherheitskräfte, regierungstreuer Schlägertrupps und des Militärs. Auch erlaubte das Militär den Pro-Mubarak-Schlägern – viele von ihnen Sicherheitskräfte in Zivil – die Demonstranten über den Zeitraum von drei Tagen mit Molotow-Cocktails, Eisenstangen, Fahrzeugen, Pferden und sogar Waffen anzugreifen. Eine unbekannte Zahl wurde dabei getötet und Dutzende bei diesen Angriffen verletzt. (16) Nun vereint dieses Militär nach dem Sturz Mubaraks alle Macht in Ägypten.

Neuer starker Mann ist nun der 75-jährige Feldmarschall Mohammed Hussein Tantawi. Der langjährige Weggefährte von Ex-Präsident Mubarak blickt auf eine 20-jährige Karriere als Chef der ägyptischen Streitkräfte zurück. Als Heeresoffizier stand er schon während der Suezkrise 1956, während des Sechs-Tage-Krieges 1967 sowie im Jom-Kippur-Krieg im Jahr 1973 in den Reihen des Militärs. Nun leitet er den mächtigen Militärrat und damit bis auf Weiteres die Geschicke Ägyptens.

Pikanterweise wartete die Enthüllungsplattform Wikileaks im Zuge der Veröffentlichung der US-Diplomatendepeschen mit einigen Details zu Tantawi auf. US-Diplomaten beschrieben ihn in ihren nach Washington gekabelten Memos als »charmant und taktvoll«, aber auch als »alt und dem Wandel abgeneigt«. Tantawi und Mubarak seien beide auf »die Stabilisierung des Regimes« aus und wollten den »Status quo bis ans Ende ihrer Tage« aufrechterhalten. Beiden mangele es an Energie und Visionen, »um die Dinge anders zu gestalten«. (17)

 

Am Tropf der USA

Bewusst nahm die Weltöffentlichkeit von Feldmarschall Tantawi Kenntnis, als er in der vergangenen Woche auf dem Kairoer Tahrir-Platz mit Armeekappe vor die Demonstranten trat. Der Minister gab sich volksnah und sprach in Dialekt zu den Regimegegnern. Mit eindringlichen Worten wies der General da noch die Rücktrittsforderungen an Mubarak zurück und warb für einen sanften Machtwechsel im Zuge der Wahl im September. Das wäre zu diesem Zeitpunkt auch noch im Interesse der USA gewesen. Pentagonchef Robert Gates hatte nach eigener Aussage zuletzt mehrfach mit seinem Amtskollegen Tantawi in Kairo telefoniert. Nach seinem Amtsantritt erklärte der Übergangspräsident, dass die Armee den »Willen des Volkes« achten werde. Dann müssten aber nicht nur die alten Gefährten Mubaraks allesamt weichen. Auch die von und in den USA geformte Generalskaste müsste von ihren Dienstposten entfernt werden. Nur dann wäre ein demokratischer Wandel in Freiheit und Würde möglich. Das dürften die amerikanischen globalen Sicherheitsinteressen aber nicht zulassen. Die Angst vor den Moslembrüdern und einem zweiten Iran scheint zu groß zu sein.

Noch vor wenigen Monaten malte die US-Antiterrorbehörde das Menetekel eines pan-islamischen Kalifats von Bin Ladens Gnaden.

 

 

Der »islamische Krisenbogen« (Aus dem Antiterrorismuskalender der US-Administration)

Aktualisiert durch Wolfgang Effenberger

 

Neben Washington geht auch in Jerusalem die Angst um, dass islamische Fundamentalisten in Ägypten oder aber auch der Iran den Demokratisierungsprozess für sich vereinnahmen könnten. Auch besteht die Sorge, dass der 1979 geschlossene Friedensvertrag Opfer der politischen Umwälzung wird. Die Armee bereitet sich auf mögliche Bedrohungen der Sicherheit Israels vor – auch an der 200 Kilometer langen Grenze zu Ägypten. (18)

Morgenluft wittert dagegen die im Gazastreifen herrschende islamische Hamas. Sie quittierte den Abgang Mubaraks mit Freudenschüssen und Hupkonzerten, denn 2007 folgte Mubarak der Linie des Westens und nicht dem Willen seiner Landsleute, als er wie Israel den Gazastreifen abriegeln ließ. Nun hoffen die Palästinenser auf eine neue ägyptische Führung, welche die Blockade des Gazastreifens beenden und die gemeinsame Grenze für immer öffnen wird. Dagegen setzt der emeritierte ägyptische Hochschullehrer Abdul Ruff, Experte für Staatsterrorismus und internationale Angelegenheiten, auf mehr westliche Toleranz und Ehrlichkeit. Er sieht den Terrorismus durch anti-islamische Kräfte verursacht und wirft dem Westen eine Null-Toleranz-Politik vor. Darunter würden vor allem die einfachen Muslime stark zu leiden haben.

Nun ist zu wünschen, dass die Protestierenden in Ägypten – dem Angel- und Orientierungspunkt der Weltgeschichte – endlich über das Schicksal ihres Landes selbst bestimmen können. Leider dürfte die Realität anders aussehen. Westliche Geheimdienste sowie Netze, denen die demokratische Legitimation fehlen, wie die International Crisis Group, das European Council on Foreign Relations, die Bilderberger, die Trilaterale Commission und das Open Society Institute von George Soros werden alles tun, damit die Revolution einen ihnen gefälligen Weg nimmt. Auch ist zu befürchten, dass sich die USA und mit ihr die Europäische Union genauso verhalten, wie sie es immer getan haben.

 

Anmerkungen

(1) »Mubarak erklärt Rücktritt« vom 11. Februar 2011, unter

http://www.gmx.net/themen/nachrichten/aufruhr-arabien/88786qg-mubarak-erklaert-ruecktritt

(2) »Al-Baradei bietet sich für Übergangsregierung an« vom 27. Januar, unter http://www.welt.de/politik/ausland/article12363158/Al-Baradei-bietet-sich-fuer-Uebergangsregierung-an.html

(3) »Al-Baradei offenbar in Kairo festgesetzt« vom 28. Januar 2011, unter http://www.welt.de/politik/ausland/article12370840/Al-Baradei-offenbar-in-Kairo-festgesetzt.html#

(4) Die Organisation wurde vom ehemaligen EU-Kommissar für Auslandsbeziehungen Chris Patten (Lord Patten of Barnes) 1995 gegründet. In Brüssel befindet sich der Hauptsitz der ICG, weitere Vertretungen befinden sich in Washington DC, New York, London und Moskau.

(5) Florian Rötzer: »Wenn ElBaradei an die Macht kommt, müsste Israel schnell Iran angreifen«

vom 02. Februar 2011, unter http://www.heise.de/tp/r4/artikel/34/34130/1.html

(6) Matthias Chapman: »Verwirrendes aus den USA: Suleiman ist jetzt de facto Präsident Ägyptens«

vom 11.02.2011, unter http://bazonline.ch/ausland/naher-osten-und-afrika/Ruecktritt-ist-sehr-wahrscheinlich/story/18708295

(7) www.shura.gov.sa »The Basic Law Of Government«, abgerufen am 5. Mai 2009

(8) www.focus.de, jba/Reuters/dpa, »Saudi-Arabien: Kein Händedruck mit Israelis«, 27. November 2007

(9) Ewen MacAskill: »US Congress notified over $60bn arms sale to Saudi Arabia. Obama administration intends to make biggest ever US arms deal with Saudis«, in The Guardian vom 21. Oktober 2010, unter http://www.guardian.co.uk/world/2010/oct/21/us-congress-notified-arms-sale-saudi-arabia/print

(10) Siehe Reuters-Analyse: »Saudi deal could be first of more Gulf U.S. arms pacts«

(11) International Institute for Strategic Studies (IISS), unter http://www.iiss.org/whats-new/iiss-in-the-press/press-coverage-2009/december-2009/regional-security-conference-focuses-on-irans-nukes/

(12) Amjed Jaaved »Ein neuer Brennpunkt der Rivalität«, Pakistan Observer, 1. Juli 2009

(13) Zibigniew Brzezinski: Die einzige Weltmacht. Amerikas Strategie der Vorherrschaft, Frankfurt a. M. 2001, S. 41

(14) Von den etwa 136.063 dauerhaft in Übersee stationierten US-Soldaten findet sich das größte Kontingent mit 54.120 Soldaten in der Bundesrepublik.

(15) Margret Johannsen: »Streitkräfte und Strategien« vom 06. November 1999, 19.30 Uhr, NDR 4

(16) Abdul Ruff: »Why Mubarak Hesitant to Quit?« Foreign Policy of Egypt (Part-5) vom 11. Februar 2010, unter http://altnews.asia/category/topic-categories/why-mubarak-hesitant-quitforeign-policy-egypt-part-5

(17) »General Tantawi: Nur Zwischenlösung oder doch Nachfolger?« vom 12. Februar 2011, unter http://www.focus.de/politik/ausland/general-tantawi-nur-zwischenloesung-oder-doch-nachfolger_aid_599224.html

(18) »Hamas feiert Mubaraks Ende« vom 12. Februar 2011, unter http://www.gmx.net/themen/nachrichten/aufruhr-arabien/9478fou-hamas-feiert-mubaraks-ende

 

 

 


 

 

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