Thursday, 25. August 2016
27.11.2015
 
 

Jimmy Carter: Pate des islamischen Terrors

Wolfgang Effenberger

»Wer sagt, der Westen sei schuld [am islamischen Terror W.E.], hat verloren« (1), so die gedanken- und verantwortungslose Vereinfachung des Welt-Chefkommentators, Torsten Krauel. Wer sich darauf einlasse, habe verloren und sei verloren, denn das Weltbild der Terroristen und vieler ihrer Sympathisanten sei »ein Sud aus Selbstmitleid, Verdrängung, Größenwahn und bis zur Unkenntlichkeit verdrehter historischer Zusammenhänge«. Herrn Krauel scheinen die historischen Zusammenhänge aber leider auch nicht wirklich bekannt zu sein.

 

Natürlich können an dieser Stelle nicht alle kolonialzeitlichen Verfehlungen der Europäer im nordafrikanisch-arabischen Raum aufgelistet werden. Ein Teil des virulenten Konflikts dürfte auf die von Briten und Engländern nach dem Ersten Weltkrieg willkürlich gezogenen Grenzen zurückgehen. Noch relativ frisch ist die Erinnerung an Frankreichs blutigen Algerienkrieg, aber auch an den Sturz des ersten demokratisch gewählten iranischen Premierministers Mohammed Mossadegh durch den US-amerikanischen Geheimdienst CIA. All diese Eingriffe seitens Europas oder der USA haben die arabischen Staaten bis zum 3. Juli 1979 recht stoisch ertragen.

 

An diesem Tag jedoch unterschrieb US-Präsident Carter eine Direktive zur geheimen Unterstützung der Opposition der prosowjetischen Regierung in Kabul. Dazu sollten islamische Desperados aus Saudi-Arabien – unter ihnen auch Osama bin Laden – angeheuert und in Afghanistan infiltriert werden.

 

Sicherheitsberater Brzeziński erklärte seinem Präsidenten, dass diese Hilfe eine militärische Intervention der Sowjets nach sich ziehen würde. Als am 24. Dezember 1979 sowjetische Truppen die Grenze nach Afghanistan überschritten, schrieb Brzeziński an Carter: »We now have the opportunity of giving to the USSR its Vietnam war.« (2)

 

Auf die Frage des »Counterpunch«, ob er nicht bereue, den islamischen Fundamentalismus unterstützt und künftige Terroristen mit Waffen und Knowhow versorgt zu haben, verwies Brzeziński auf die weltgeschichtliche Bedeutung seines Handelns: Den Zusammenbruch des Sowjetreiches. Bei der Befreiung Zentraleuropas und der Beendigung des Kalten Krieges würden einige fanatisierte Muslime nicht ins Gewicht fallen.

 

Nur wenige Monate vor dem folgeträchtigen 3. Juli 1979 war der Schah aus dem Iran geflohen. Er hatte es gewagt, die US-Administration zu kritisieren und mit der OPEC zum eigenen Vorteil zusammenzuarbeiten. Das rief die CIA auf den Plan. Sie unterstützte Exiliraner und brachte den im Pariser Exil lebenden Ayatollah Khomeini mit seinem Revolutionsrat an die Macht. (3)

 

Das erwies sich bald als großer Fehler, der umgehend revidiert werden musste. Nur wenige Monate später formulierte Carter mit Hilfe seines Beraters Zbigniew Brzeziński eine Doktrin: »Jeder Versuch einer fremden Macht, die Kontrolle über die Region am Persischen Golf zu erlangen, wird als Angriff auf die lebenswichtigen Interessen der USA angesehen. Jeglicher Angriff dieser Art wird mit allen Mitteln zurückgeschlagen, auch mit militärischen.« (4)

 

Diese Doktrin liefert die theoretische Grundlage für den Ersten Irakkrieg (1980‒1988) und alle folgenden Kriege in der Region. In den acht Jahren des Ersten Irakkriegs sprudelten die Gewinne der Waffenexporteure. In den Irak lieferte vor allem die Bundesrepublik Deutschland und die Vereinigten Staaten, die zusammen mit Israel auch den Iran belieferten. 1983 gründeten die USA in dieser konfliktträchtigen Region das zentrale Regionalkommandozentrum der US-Streitkräfte für den Nahen Osten, Ost-Afrika und Zentral-Asien (US-CENTCOM).

 

Saddam Hussein begrüßt am 20.12.1983 Donald Rumsfeld, der als Gesandter der US-Regierung den irakischen Diktator Saddam Hussein im Krieg gegen Iran (1980‒1988) unterstützte.

 

Im Golf operierende US-Kriegsschiffe peilten am 15. Juli 1987 gegen 11:00 Uhr Ortszeit zwei auf dem Flug nach Mekka befindliche iranische Passagiermaschinen ‒ Iran-Air-Flug 1251 und 1253 – an. Es folgten mehrere Abschuss-Warnungen. Der Iran wertete dies als »eklatanten Verstoß gegen das Völkerrecht«. (5) Ein Jahr später wiederholte sich der Vorfall: Am 3. Juli 1988 hielt sich der US-Kreuzer der Aegis-Klasse USS Vincennes in iranischen Hoheitsgewässern auf. Gegen Mittag wurde der in 10 000 Metern nach Mekka fliegende Airbus (Iran-Air-Flug 655) angeblich als iranische F-14 Tomcat identifiziert und von Captain Rogers zum Abschuss freigegeben. Alle 275 Pilger und 15 Besatzungsmitglieder an Bord kamen um.

 

In der westlichen Welt gab es weder einen Aufschrei, noch eine Gedenkminute. Dafür wurde Captain Rogers von George W. Bush mit dem Legion-of-Merit-Orden »für außerordentliche Pflichterfüllung im Einsatz« ausgezeichnet. Auf eine Entschuldigung der USA wartet der Iran noch heute.

Am 20. August 1988 endete dieser Krieg. Die Bilanz war erschreckend: Quellen gehen von bis zu maximal 375 000 Toten beim Irak und maximal 500 000 Toten beim Iran aus. Die beträchtlichen Schäden an der Infrastruktur und der Industrie wurden für den Irak mit 452 und für den Iran mit 644 Milliarden US-Dollar beziffert.

 

In der US-Sendung 60 Minutes antwortete US-Außenministerin Madeleine Albright auf die Frage: »Eine halbe Million Kinder sollen im Irak mittlerweile gestorben sein. Das sind mehr Kinder, als in Hiroshima gestorben sind. Ist das den Preis wert?« Die zynische Antwort: »Ich denke, das ist eine sehr harte Wahl, aber der Preis – wir glauben, dass es den Preis wert ist.« (6)

 

Der Krieg war für den Irak wie den Iran ein Desaster. Um seine Führungsrolle im arabischen Raum zu untermauern, musste der Sunnit Saddam Hussein wenigstens eine Trophäe erobern. Eine Woche vor der irakischen Invasion in Kuwait am 2.8.1990 bestellte Hussein US-Botschafterin April Glaspie ein, die ihm versicherte: »Ich weiß, dass Sie Gelder benötigen. Wir verstehen das, und wir glauben, dass sie die Gelegenheit erhalten sollten, ihr Land wieder aufzubauen (...). Wir haben keine Meinung zu innerarabischen Konflikten, auch nicht zu ihren Grenzstreitigkeiten mit Kuwait.« (7)

 

Während die irakischen Panzer Richtung Kuwait rollten, ließ Bush-Vater nun die Saudis wissen, dass Hussein auch ihr Land bedrohe. Die sunnitischen Herrscher in Riad unter der Herrschaft des Sunniten aus Bagdad? Das galt es auf jeden Fall zu verhindern! Zugleich rüstete die PR-Agentur Hill & Knowlton die Propangadafront auf und setzte die sogenannte »Brutkastenlüge« in die Welt.

 

Am 10. Oktober 1990 gab eine 15-jährige Hilfskrankenschwester aus Kuwait unter Tränen vor einem informellen Menschenrechtskomitee des US-Kongresses eine Erklärung ab: »Ich habe gesehen, wie die irakischen Soldaten mit Gewehren in das Krankenhaus kamen …, die Säuglinge aus den Brutkästen nahmen, die Brutkästen mitnahmen und die Kinder auf dem kalten Boden liegen ließen, wo sie starben.« (8) Sie gab lediglich ihren Vornamen »Nayirah« an und verschwieg, dass sie die Tochter des damaligen kuwaitischen Botschafters in den USA war. (9)

 

Die westliche Welt fiel auf die Propaganda herein und war empört. Die irakischen Barbaren mussten gestoppt werden! Wenig später begann die Operation »Desert Storm« ‒ und damit der erste Krieg der USA gegen den Irak, in dem erstmals auch panzerbrechende Uranmunition eingesetzt wurde. (10) In den Jahren danach stellte der deutsche Leiter des Kinderkrankenhauses von Basra, Prof. Dr. Siegwart Horst Günther, verstärkt Missbildungen infolge von Gendefekten fest.

 

 

Ab 2003 drehte Frieder Wagner darüber die Dokumentation Der Arzt und die verstrahlten Kinder von Basra, die in der WDR-Reihe Die Story ausgestrahlt wurde und erhielt dafür den Europäischen Fernsehpreis. Es folgte der mit eigenen Mitteln finanzierte 93-minütige Kinodokumentarfilm Deadly Dust – Todesstaub, die wohl umfangreichste filmische Dokumentation über den Einsatz von Uranmunition und deren Folgen. Seither hat Wagner keinen Auftrag mehr bekommen, und für Todesstaub findet sich bis heute kein Filmverleih. (11)

 

Nur 27 Tage nach den Terroranschlägen vom 11.September 2001 mit über 3000 Todesopfern ließ Bush Junior (zum Vergleich: 1914 erklärten Österreich-Ungarn 30 Tage nach dem Attentat von Sarajewo Serbien den Krieg) ohne Kriegserklärung Afghanistan angreifen, obwohl hier im Gegensatz zu 1914 aus dem angegriffenen Land gar keine Attentäter kamen. Zur Verteidigung »westlicher Werte« verbündeten sich die USA mit einem zwielichtigen Despoten, dem Warlord Raschid Dostum. Nach dem Fall von Kunduz im November 2001 ergaben sich an die 8000 Taliban US-Soldaten und den Kämpfern von General Abdul Raschid Dostum.

 

Nach Augenzeugenberichten wurde ein Drittel von ihnen gefoltert und ermordet. Ein weiteres Drittel wurde in geschlossenen Containern ‒ mit je 200 bis 300 Gefangenen – ohne jegliche Luftzufuhr nach Schiberghan gekarrt. Die Gefangenen, die nicht im Container erstickten, wurden anschließend liquidiert. Allein die Opfer dieses Kriegsverbrechens entsprechen annähernd den Opfern von 9/11. Bis heute haben die US-Behörden jegliche Aufklärung verhindert. Warlord Dostum muss nicht befürchten, sich vor einem Gericht verantworten zu müssen. Wo bleibt der Aufschrei der westlichen Welt? (12)

 

Nur ein Jahr später sollte die Kriegsfackel in den Irak geworfen werden. Auch hier stand am Anfang eine Lüge! Am 5. Februar 2003 trat der damalige US-Außenminister Colin Powell vor den UN-Sicherheitsrat und plädierte vor diesem dafür, Saddam Hussein zu stürzen, da sich in seinem Besitz Massenvernichtungswaffen befinden würden. Das stellte sich später jedoch als unhaltbar heraus; Powell fühlte sich deswegen »furchtbar« und empfand es als »Schandfleck meiner Karriere«. (13)

 

Auch dieser Krieg kostete viele Menschen das Leben ‒ je nach Quelle schwanken die Zahlen zwischen weniger als 100 000 und mehr als 1 000 000 Menschen. Das Land wurde zerrissen, und die Bevölkerung leidet bis heute. Unvergessen sind die zynischen, menschenverachtenden Folterbilder aus Abu Ghuraib und anderen Gefängnissen.

 

Abu-Ghuraib-Folterskandal: Posieren mit nackten, zu einer Pyramide gehäuften Gefangenen.

 

In diesem Krieg gingen erstrangige Zeugnisse der jahrtausendealten Kulturgeschichte des Zweistromlandes verloren oder wurden beschädigt, nicht zuletzt deshalb, weil die Invasionstruppen die unverzügliche Sicherung der Kulturinstitute versäumten. Dazu beschädigten Kettenfahrzeuge der Alliierten antike Ruinenfelder und unter Denkmalschutz stehende Gebäude.

 

Am 21. Juni 2005 urteilte der 2. Wehrdienstsenat unter Punkt 6 und 7:

»Gegen den am 20. März 2003 von den USA und vom Vereinigten Königreich (UK) begonnenen Krieg gegen den Irak bestanden und bestehen gravierende rechtliche Bedenken im Hinblick auf das Gewaltverbot der UN-Charta und das sonstige geltende Völkerrecht. Für den Krieg konnten sich die Regierungen der USA und des UK weder auf sie ermächtigende Beschlüsse des UN-Sicherheitsrates noch auf das in Art. 51 UN-Charta gewährleistete Selbstverteidigungsrecht stützen.

Weder der NATO-Vertrag, das NATO-Truppenstatut, das Zusatzabkommen zum NATO-Truppenstatut noch der Aufenthaltsvertrag sehen eine Verpflichtung der Bundesrepublik Deutschland vor, entgegen der UN-Charta und dem geltenden Völkerrecht völkerrechtswidrige Handlungen von NATO-Partnern zu unterstützen.« (14)

Anfang Juni 2009 weckte der Nachfolger von Bush (jun.) in Kairo trügerische Hoffnungen. »As-salaam alaikum«, so begann US-Präsident Barack Obama vielversprechend: »Wir kommen zusammen in einer Zeit großer Spannung zwischen den Vereinigten Staaten und Muslimen auf der ganzen Welt ‒ einer Spannung mit Wurzeln in historischen Kräften … Der Heilige Koran lehrt, dass wer einen Unschuldigen tötet, die ganze Menschheit tötet, und dass wer einen Menschen rettet, die ganze Menschheit rettet. Der anhaltende Glaube von mehr als einer Milliarde Menschen ist so viel größer als der engstirnige Hass einer kleinen Gruppe. Der Islam ist nicht Teil des Problems bei der Bekämpfung des gewaltsamen Extremismus, sondern ein wichtiger Teil zur Förderung des Friedens ... Ich habe unmissverständlich jede Anwendung von Folter durch die Vereinigten Staaten verboten und ich habe angeordnet, das Gefängnis in Guantánamo Bay bis zum nächsten Frühjahr zu schließen ... Es gibt keinen Zweifel: Die Lage des palästinensischen Volkes ist untragbar. Amerika wird dem legitimen Streben der Palästinenser nach Würde, Chancen und einem eigenen Staat nicht den Rücken kehren …« (15).

 

Wenn wir heute zurückschauen, wird niemand leugnen können, dass die islamische Welt von Obama fürchterlich getäuscht worden ist. Zur gleichen Zeit liefen die Vorbereitungen für einen »Regime Change« im Iran. Mohamed El Baradei, ehemaliger Direktor der Internationalen Atomenergieagentur in Wien, sagte aus, dass es den Amerikanern und Europäern nicht um einen Kompromiss mit der Regierung in Teheran, sondern um einen Regimewechsel ging. »Dafür war ihnen so ziemlich jedes Mittel recht.« (16)

 

Nun, die demokratischen Wahlen im Iran lösten dieses Problem von ganz allein. Dafür hatte ein anderer Despot den Unwillen des Westens erregt. In einem gemeinsamen Appell erklärten am 15. April 2011 u.a. in den Zeitungen Washington Post, Times und Le Figaro US-Präsident Barack Obama, der britische Premier David Cameron und Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy ihre Entschlossenheit, Muhammar Gaddafi mit aller Macht zu verjagen.

 

Warum? Im Länderterrorismusbericht für das Jahr 2010 – erschienen im August 2011(!) – wurde Libyen noch als zuverlässiger Partner im Kampf gegen den Terrorismus gelobt! Und nun begannen in Bengasi zwei ehemalige Guantánamo-Gefangene, mit Hilfe des Westens den Bürgerkrieg gegen Gaddafi zu führen. Gaddafi und dessen Familienmitglieder müssten »definitiv« gehen, sonst drohe Libyen zu einem »Zufluchtsort für Extremisten« und einem »gescheiterten Staat« zu werden, so die Protagonisten des Krieges.

 

Das UN-Mandat für den Libyen-Einsatz umfasse zwar nicht den Sturz Gaddafis, schrieben die Staats- und Regierungschefs. Es sei jedoch undenkbar, dass »jemand, der versucht hat, sein eigenes Volk zu massakrieren, an dessen zukünftiger Regierung beteiligt ist«. Am Ende ihres Briefes griffen die drei Herren tief in die Propagandakiste: »Seine Raketen und Geschosse regneten auf wehrlose Zivilisten herab. Die Stadt Misrata erleidet eine mittelalterliche Belagerung.« (17)

 

Am 20. Oktober 2011 hatte der Westen sein Ziel erreicht. Der Diktator, dem sich die westlichen Regierungschefs anbiederten, »Und zwar alle, ohne Ausnahme, nicht wahr: Sarkozy, Schröder und Blair und die Amerikaner« (Scholl-Latour), war ermordet worden. Der Arabien-Experte Peter Scholl-Latour führte in Welt online weiter aus, dass der libysche Diktator »im Zeichen der Demokratie« gepfählt und zu Tode gefoltert worden sei. (18)

 

Nach den weltlichen (säkularen) Regierungen Afghanistans und des Iraks war nun auch Libyen durch die USA erfolgreich gestürzt, die Länder waren destabilisiert und ihre Bevölkerung ohne jegliche Perspektive. Dieses Rezept sollte nun auch auf Syrien angewandt werden.

 

Die USA schürten religiöse Spannungen und die Unzufriedenheit in der syrischen Bevölkerung und lösten erfolgreich Proteste gegen Präsident Baschar al-Assad aus. Er gehört der schiitischen/alawitischen Religionsgemeinschaft an und soll nach dem Willen der USA und dem sunnitisch/wahabitischen Herrscherhaus von Saudi-Arabien »in die Wüste geschickt« werden.

 

Wie bei all den vorangegangenen Kriegen geht es um Öl, Gas und Marktzugänge. Assad steht dem Plan der Saudis im Weg, Russland im Gasgeschäft zu konkurrieren. Saudi-Arabien will mit Katar eine Pipeline vom Golf bis in die Türkei bauen. Neben der Kontrolle des europäischen Energiemarkts geht es auch um die Erhaltung der Weltreservewährung US-Dollar.

 

Alles in allem schmutzige Deals, an denen der Reichtum einiger weniger hängt. Die sind leider bereit, für ihre globalen Interessen den Tod vieler Menschen in Kauf zu nehmen. Leider finden sich immer wieder Verführbare, die sich für diese Interessen unter den unterschiedlichsten Argumenten instrumentalisieren lassen. So auch die Kämpfer des Islamischen Staates, die aus der al-Qaida hervorgegangen sind und vor allem von Saudi-Arabien unterstützt und finanziert werden. Insgesamt 40 Staaten, darunter einige aus dem Kreis der G20, hätten die Terror-Miliz IS finanziell unterstützt. (19) Nun müsse eine breite Koalition dem Spuk ein Ende bereiten (20), meinte Putin nach dem G20-Gipfel.

 

Putin hat zwar die USA nicht namentlich erwähnt, doch ein über Wikileaks öffentlich gewordener Geheimdienstbericht des Verteidigungsministeriums der Vereinigten Staaten (21) (englisch: United States Department of Defense DoD) der USA beweist, dass der Westen 2012 den Aufbau des Islamischen Staates bewusst in Kauf genommen hat, um die Regierung Assad in Syrien zu stürzen.

 

Nach diesem Report wollten die oppositionellen Kräfte, die USA, die Saudis, Jordanien, Katar und andere sogar, dass ultrakonservative islamische Fundamentalisten (u.a. Salafisten) den Osten Syriens übernehmen, um Assad zu isolieren und sein Regime zu beseitigen. Hier wird auch die ewige Angst der Sunniten vor einer vitalen, sich von Teheran über Damaskus und Beirut erstreckenden Sichel eines schiitischen Halbmonds spürbar.

 

Ähnlich wie Putin sieht das IS-Problem auch der ehemalige US-Geheimdienstmann Ray McGovern. Seiner Meinung nach wollen die USA die Krise weiter am Köcheln halten, um Syrien als Machtfaktor in der Region auszuschalten. Eine Lösung könne es aber nur geben, wenn die betroffenen Länder an einen Tisch zusammengerufen würden und dem westlichen Alliierten Saudi Arabien die Unterstützung des IS untersagt werde. McGovern sieht als eigentlichen Auslöser des Chaos im Nahen Osten und damit auch der Flüchtlingskatastrophe die Irak-Invasion der USA 2003. Darüber würde man aber in Deutschland nicht sprechen. »Wenn Deutschland nicht will, dass immer mehr Flüchtlinge kommen, dann muss die Bundesregierung ihr Verhältnis zu den USA, insbesondere ihre Beihilfe zum Drohnenkrieg, überdenken.« (22)

 

Mitte November 2015 schrieben vier ehemalige Drohnenpiloten der US-Luftwaffe einen offenen Brief an US-Präsident Barack Obama, an US-Verteidigungsminister Ashton B. Carter und an CIA-Chef John O. Brennan. Unter den vier war auch Brandon Bryant, dessen Einheit nach seinen Angaben 1626 gezielte Tötungsoperationen durchgeführt hat. Die Piloten üben heftige Kritik am Drohnenkrieg ihrer Regierung in Afghanistan, dem Irak und anderen Krisenregionen.

 

Das Töten unschuldiger Zivilisten befeuere Hassgefühle, die den Terrorismus und Gruppen wie den Islamischen Staat (IS) antreiben, heißt es in dem Schreiben. Der Drohnenkrieg wirke wie ein »Rekrutierungsprogramm für Terroristen«. Er sei »eine der verheerendsten Triebfedern des Terrorismus und der Destabilisierung weltweit.« (23)

 

Welt-Kommentator Torsten Krauel ficht das alles anscheinend nicht an ‒ unbekümmert schreibt er am Ende seines Kommentars: »Wer Terrorismus zum Anlass nimmt, eine angebliche Schuld einzugestehen und die eigene Politik ändern zu wollen, macht Terroristen erst richtig groß.«

 

Was für eine heuchlerische Pirouette!

 

Denn wer die Beteiligung des Westens und die Doppelzüngigkeit der Mächtigen nicht thematisiert, befeuert den fundamentalistischen Terror erst recht.

 

 

 

Anmerkungen

 

1) Torsten Krauel: »Wer sagt, der Westen sei schuld, hat verloren«

2) Jeffrey St. Clair/ Alexander Cockburn: »How Jimmy Carter and I Started the Mujahideen« vom 15. Januar 1998

3) Ranelagh, John/Jones, Bill Treharne: CIA ‒ Waffe im Kalten Krieg, Phoenix 1993, S. 3

4) millercenter.org

5) Yearbook of the United Nations: 41, New York, 1987, ISBN 978-079231-613-8, S. 223

6) Michael Lüders: Wer den Wind sät. Was westliche Politik im Orient anrichtet, München, 5. Auflage 2015, S. 46.

7) Michael Lüders: Wer den Wind sät. Was westliche Politik im Orient anrichtet, München, 5. Auflage 2015, S. 41

8) »How PR Sold the War in the Persian Gulf«

9) »Deception on Capitol Hill«, New York Times vom 15. Januar 1992

10) daserste.de

11) Kriegsverbrechen Uranmunition ‒ im Interview mit Frieder Wagner

12) Stefan Steinberg: »ARD-Dokumentation wirft USA Kriegsverbrechen in Afghanistan vor«

13) sueddeutsche.de

14) Urteil des 2. Wehrdienstsenats vom 21. Juni 2005

15) faz.net

16) spiegel.de

17) Wolfgang Effenberger: Das amerikanische Jahrhundert, Teil 2: Wiederkehr des Geo-Imperialismus, Norderstedt 2011, S. 237

18) Günther Lachmann: »Gaddafi angeblich mit einer Eisenstange gepfählt«

19) Friederike Beck: »Wer finanziert den IS?«

20) deutsche-wirtschafts-nachrichten.de

21) 2012 Defense Intelligence Agency document: West will facilitate rise of Islamic State »in order to isolate the Syrian regime«

22) Die »Geburt eines Frankensteinmonsters«: Die Verantwortung der US-Politik für IS, Flüchtlingskrise und Chaos im Nahen Osten

23) Brief an Obama: Ex-Piloten geben US-Drohnenkrieg Mitschuld an Terror

 

 

 

 

 

 

.

Ergänzende Beiträge zu diesem Thema

Die Türkei lügt

Dr. Paul Craig Roberts

Tyler Durden von ZeroHedge hat die Angaben veröffentlicht, die Russland und die Türkei zum Flugkurs des abgeschossenen Jets gemacht haben. Wir wissen, dass die Türkei lügt. Drei Gründe sprechen dafür.  mehr …

Wer finanziert den IS?

Friederike Beck

Auf dem G-20-Gipfel in Antalya am 15. und 16. November ließ der russische Präsident Wladimir Putin eine Bombe platzen. Seltsamerweise hörte man über die brisanten Informationen wenig bis gar nichts in den westlichen Medien. »Ich lieferte Beispiele, die mit unseren Daten unterlegt sind, über die Finanzierung von Einheiten des Islamischen  mehr …

NATO gewährt Terroristen Unterschlupf – hier sind die Beweise

Tyler Durden

Den größten Teil dieses Jahres hielt sich die Türkei aus dem »Kampf« gegen den Islamischen Staat (IS) zurück. Dann erschütterte am 20. Juli eine starke Explosion die nur wenige Kilometer von der syrischen Grenze entfernt gelegene türkische Stadt Suruç. Mehr als 33 Menschen fanden dabei den Tod, darunter einige Mitglieder der Sozialistischen Partei  mehr …

Wer diesen Artikel gelesen hat, hat sich auch für diese Beiträge interessiert:

Ein schwerer Sonnensturm hat wenige Stunden Vorwarnzeit – sind Sie vorbereitet?

Redaktion

Es ist über ein Jahrhundert her, seit der letzte schwere Sonnensturm die Erde getroffen hat, aber es ist nur eine Frage der Zeit, wann der nächste kommt. Viele Wissenschaftler sind sogar der Meinung, dass der nächste Sturm überfällig ist.  mehr …

Die Türkei lügt

Dr. Paul Craig Roberts

Tyler Durden von ZeroHedge hat die Angaben veröffentlicht, die Russland und die Türkei zum Flugkurs des abgeschossenen Jets gemacht haben. Wir wissen, dass die Türkei lügt. Drei Gründe sprechen dafür.  mehr …

Zu dick, Legastheniker und ohne Zukunft? Die Bundespolizei stellt jetzt jeden ein

Stefan Schubert

Die Politik hat öffentlich verkündet, dass die deutschen Sicherheitsbehörden jede Menge neues Personal einstellen. Auf dem Arbeitsmarkt gibt es aber kaum geeignete Anwärter. Sie ahnen nicht, welche Folgen das hat.  mehr …

Drängt eine »unsichtbare amerikanische Hand« in Richtung Krieg?

Dave Lindorff

Bei der Beurteilung der Umstände des erschreckenden, aber auch leider absehbaren Abschusses eines russischen Kampfflugzeugs durch zwei türkische Militärmaschinen drängt sich gleich zu Anfang eine aller Wahrscheinlichkeit nach zutreffende Annahme auf – eine Annahme, die zweifelsohne auch von der russischen Regierung geteilt wird: Das Vorgehen der  mehr …

Erich von Däniken – Die große Vortrags-Tournee

Werbung

Die geheime Migrationsagenda

Newsletter-
anmeldung!
Hier erhalten Sie aktuelle Nachrichten und brisante Hintergrundanalysen
(Abmeldung jederzeit möglich)

Was Oma und Opa noch wussten

Katalog – Jetzt kostenlos bestellen

Bestellen Sie unseren Katalog kostenlos und unverbindlich.

KOPP EXKLUSIV – Jetzt bestellen

Brisante Hintergrundanalysen wöchentlich exklusiv nur bei uns.

Spendenaktion

Lexikon des Überlebens

»Eine gigantische Leistung. Eine wirklich große Hilfe für den Katastrophenfall mit präzisen Ratschlägen, die man nirgends so konzentriert beisammen hat.«

Dieses Buch beschäftigt sich mit dem Überleben globaler Katastrophen. Gemeint sind Ereignisse, die sich auf einem ganzen Kontinent oder gar weltweit in Form von Versorgungskrisen oder eines Zusammenbruchs der Infrastruktur auswirken. Erdbeben, Flutkatastrophen, Orkane, ein weltweiter Börsenkrach, ein Atomkrieg oder gar ein Asteroidenimpakt – kann man für all diese Krisenfälle, die uns heute bedrohen, Vorsorge treffen? Man kann!

mehr ...

Werbung