Herodot berichtet, dass Thales von Milet während des Krieges zwischen den Medern und den Lydern eine Sonnenfinsternis vorausgesagt habe. Beide Seiten wurden durch das Ereignis derartig erschreckt, dass sie Frieden schlossen. Tatsächlich fand am 28. Mai 585 v.Chr. eine Sonnenfinsternis statt.
Nur alle ein bis zwei Jahre wird die Sonne vollständig vom Mond verdunkelt. In der Zeit dazwischen gibt es Teilbedeckungen, die ein weniger gravierendes Bild am Himmel bieten. Die totale Sonnenfinsternis vom 22. Juli 2009 war die längste dieses Jahrhunderts mit prägenden Auswirkungen für unser persönliches Leben und das globale Geschehen. Lesen Sie in diesem Beitrag, worum es auf der globalen Ebene in der Zeit bis zum 13. November 2012, dem Datum der nächsten totalen Finsternis, geht.
Worum es auf der globalen Ebene geht
»Drucken oder nicht drucken …, das ist die Frage.« – Frei nach William Shakespeares Hamlet
Totale Sonnenfinsternisse werfen »ihre Schatten« voraus. In den Wochen vor dem exakten Termin ist die Weltfinanzkrise ist in ein neues Stadium eingetreten. Regierungen und Zentralbanken können Geld drucken und durch monetäre und steuerliche Stimuli die Deflationsspirale verlangsamen, aber sie können weder Wirtschafts- noch Kaufkraft drucken. Beides aber wäre nötig, um den Hauch einer Chance zu haben, die maroden Finanzen der westlichen Länder aus ihrem selbstgebastelten Sumpf zu ziehen.
Alle hoch verschuldeten Staaten, die dem Prinzip der Monetisierung folgen, werden an eine Grenze stoßen, an der nur noch eines hilft: der definitive Umbau des Weltfinanzsystems. Dieser Umbau ist indirekt bereits im Gange und wird nun zu konkreten Ergebnissen führen. Eine tragfähige Neugestaltung beginnt mit dem Abschied des Dollars vom Status der Weltleitwährung. Inoffiziell hat dieser Abschied schon lange begonnen. Weder die von der UNO vorgeschlagenen Sonderziehungsrechte des IWF (siehe weiter unten) werden die Nachfolge antreten noch eine andere einzelne Währung. Es wird eine »Konkurrenz der Weltleitwährungen« geben, bei der sich voraussichtlich verschiedene Währungen wie der Yuan, der Rubel und der Euro in bestimmten Regionen etablieren. Im Vordergrund wird die Frage nach der Währungsdeckung stehen.
Die USA werden ihre Stellung als Weltmacht und Weltleitwährungsnation verlieren. Auch im Horoskop der nächsten totalen Sonnenfinsternis am 13. November 2012 sind Zwang zur Anpassung und Schmerz über die verlorene Größe zu erkennen. Die USA werden von anderen Nationen von der ersten Reihe verwiesen. Vielleicht rafft Amerika dann ab Ende 2012 seine zerstreuten Energien zusammen und entwickelt noch einmal eine neue und andere Form von Bedeutung.
Die Neumondhoroskope vom 11.7. und 10.8. sprechen für gravierende Einschnitte. Neben anderen wirtschaftspolitischen Ereignissen wird ein Krieg gegen den Iran oder ausgehend vom Iran gegen Israel in der gesamten Finsternisphase im Raum stehen. In den Sonnenfinsternishoroskopen der Irakkriege und der Yugoslawienkriege finden sich vergleichbare Auslösungen zu denen, die in dieser Finsternisperiode Israel und der Iran aufweisen. Israel wird seine Besiedlungspolitik in Palästina nicht aufgeben und Teheran wird in der Atomfrage nicht einlenken. Es sieht danach aus, dass die iranische Regierung etwas in Petto hat, das ihr den grundsätzlich unnachgiebigen Kurs ermöglicht: eine exzellente militärische Ausrüstung oder bereits größere Erfolge beim Atomprogramm, als die, die bekannt sind. Der Iran ist bereit, alles einzusetzen und große Opfer zu bringen. Auch die erneute Drohung, die Straße von Hormus zu schließen, gehört dazu. Durch die Meerenge von Hormus werden 40 Prozent der weltweiten Ölproduktion transportiert.
Sollten sich die USA an einem Angriff beteiligen, ist damit zu rechnen, dass Washington eine empfindliche Schlappe einstecken muss. Israel wird hinsichtlich seiner Palästinapolitik und des Iran in der gesamten Zeitphase vor der Wahl zum Angriff oder zur Zurückhaltung stehen. Gründe können die genannte Drohung sein, die Straße von Hormus zu schließen, sowie Friedensbemühungen und politischer Druck anderer Nationen. Trotz der astrologischen Konstellationen gehe ich davon aus, dass es keinen großen Krieg geben wird, in jedem Fall keinen Dritten Weltkrieg als Folge eines Irankrieges, sondern dass andere weltpolitische Ereignisse die Iranfrage an Wichtigkeit verlieren lassen. Die Finanzkrise, die uns nie verlassen hatte, kehrt mit Macht zurück. Die Folgen werden alle großen Nationen mobilisieren. Immer mehr Länder werden auch offiziell vor dem Staatsbankrott stehen.
Ein Staatsbankrott ist zwar nicht dasselbe wie der Bankrott eines Unternehmens, denn, wie Dr. Bruno Bandulet in seinem neuen Buch Die letzten Jahre des Euro ausführt, ein Unternehmen verschwindet nach dem Bankrott, ein Staat aber nicht. Stattdessen findet eine »Umschuldung« auf Kosten der Gläubiger statt – und das sind in erster Linie die Menschen, die in diesem Staat leben. Im äußersten Fall kommt es zu einer Währungsreform, bei der die alte Währung über Nacht durch eine neue ersetzt wird. Eine Währungsreform ist in dieser Sonnenfinsternisphase nicht zu erwarten, Staatsbankrotte jedoch schon. Die Finsternishoroskope für Großbritannien und Japan weisen am deutlichsten auf einen Bankrott hin. Die dramatische US-Realität, die eine Euro-Krisen-Verschnaufpause genoss, wird die Medien immer mehr beherrschen.
Die Entwicklung in den USA
»Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass es für die USA, für die wirtschaftliche Gesundheit der USA, sehr wichtig ist, einen starken Dollar zu behalten.« – US-Finanzminister Timothy Geithner, Juni 2010
»Unser Engagement … zusammen mit der Stärke, die der US-Wirtschaft innewohnt, wird bewirken, dass der Dollar stark ist und eine Quelle der globalen Finanzstabilität.« – Ben Bernanke, 16. November 2009
Das Horoskop der totalen Sonnenfinsternis, berechnet für Washington, spricht dafür, dass alles seinen erwarteten Gang geht, zumindest den, den aufmerksame Beobachter schon lange erwarten. Amerika setzt nach wie vor auf eine Weltgeltung des Dollars. Die Verantwortlichen werden alles tun, um sie zu erhalten. Helikopter-Ben Bernanke wird das tun, was er bereits 2002 in seiner berühmten Helikopter-Rede als Allheilmittel gegen eine Rezession empfahl: Er wird wieder an Bord steigen und viele Dollars abwerfen. In dieser Rede bezeichnete er die »Politik des lockeren Geldes« (quantitative easing) als das Mittel der Wahl gegen Anzeichen einer Deflation, und zwar auch dann, wenn die Zinspolitik der Notenbank bereits um null Prozent liegt. (Den Originaltext seiner Rede finden Sie unter »Remarks by Governor Ben S. Bernanke«.)
Helikopter-Bens Szenario breitet sich perfekt vor den Augen der fassungslosen Zuschauer aus. Amerika ist auf dem Weg in eine Rezession. Nachdem die Euro-Krise die Welt in Atem hielt, treten nun wieder die Probleme der USA in den Vordergrund. Die realen US-Arbeitslosenzahlen liegen bei elf Prozent, wenn man all jene Menschen dazu rechnet, die Arbeit suchen und annehmen würden, wenn sie eine bekommen könnten, die aber durch statistische Tricks ausgeklammert werden. Die Einkommen gehen zurück, die Kaufkraft und -bereitschaft schwindet. Die Armut wächst. Immer mehr Menschen werden zu Empfängern staatlicher Leistungen, schon jetzt sind es mehr, als Steuern zahlen. Auf dem Immobilienmarkt stehen weitere Preisrückgänge an. Die Erträge von US-Staatsanleihen fallen.
Zum ersten Mal seit Jahrzehnten ist die Geldmenge M3 nicht gewachsen, sondern gefallen. Von September 2008 bis März 2010 hatte die Geldbasis explosionsartig von 850 Milliarden Dollar auf 2,1 Billionen zugenommen – ein Anstieg um 250 Prozent in nur 18 Monaten!*. Auch die von der US-Notenbank definierte Geldmenge MZM (Money of Zero Maturity), die heute als besseres Bewertungskriterium angesehen wird, weil sie genauer Auskunft über Geldmittel gibt, die sofort für Ausgaben und Konsum zur Verfügung stehen, ist seit etwa einem Jahr auf null gefallen.
Alle Zeichen weisen in Richtung Deflation. Das Bruttosozialprodukt wird in der Finsternisphase auf nahe null Prozent fallen. Ben wird viel abwerfen, aber seine Dollars werden nicht die erwünschte Wirkung zeigen. Treten Sie einem todkranken Gaul mal in die Weichen, er wird bestenfalls einen Ruck machen. Amerika wird sich der vertrackten Situation eines Wirtschaftsrückgangs in Kombination mit steigenden Preisen gegenüber sehen.
Das Finsternishoroskop für die USA weist außerdem auf weitere dramatische Bedingungen im Land hin: Das Ausmaß und die Folgen der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko werden immer noch heruntergespielt, eine weitere (Natur-)Katastrophe könnte stattfinden, ebenso wieder ein größerer Terrorakt sowie Unruhen in der Bevölkerung.
Neue Weltleitwährung gefordert
Die Tage des Dollars als »letzte Zuflucht« und Weltreservewährung sind gezählt. Da er seinen Ruf nicht kampflos aufgeben wird, wird es zu einer Schlingerbewegung kommen. Schlechte (geschürte?) Nachrichten aus anderen Ländern werden ihm zu kurzen, vorübergehenden Erholungszeiten verhelfen. Ebenso wie im Frühjahr werden die Investoren jedoch schnell feststellen, dass vom Euro in den Dollar zu wechseln etwa so ist, wie sich von der Titanic auf die Lusitania zu retten. Während der Dollar nach unten trudelt, wird sich auch für Skeptiker erkennbar zeigen, dass er seit Langem ein Gasballon voller heißer Luft ist.
In der vergangenen Sonnenfinsternisphase gab es immer wieder Angriffe auf den Dollar als Weltreservewährung. Bretton Woods und die Frage einer (Gold-)Deckung rückten ins Blickfeld. Mehr dazu finden Sie in meinem Artikel »Weltleitwährung Dollar reif für den Sondermüll«.
Auch in dieser Finsternisperiode wird der Grundgedanke von Bretton Woods weiter aufleben: eine Weltreservewährung mit Deckung. Überall in der Welt wird sich das Bedürfnis danach bemerkbar machen, zum Substanziellen, Soliden zurückzukehren.
Die Entwicklung in der EU
In der EU wird etwas vor Kurzem noch kaum Vorstellbares geschehen. Der Börsenspezialist und Autor Nassim Taleb nannte das in seinem gleichnamigen Buch einen »Schwarzen Schwan« – ein höchst unwahrscheinliches Ereignis mit großen Auswirkungen. Der Schwarze Schwan der EU wird für ihre Anhänger Leid und Freud beinhalten: ein Auseinanderbrechen der Währungsunion in ihrer aktuellen Form und eine neue (Euro-)Währung, die wenige Länder unter der Führung Deutschlands vereint. Interessant sind in diesem Zusammenhang die Überlegungen von Dr. Bruno Bandulet in seinem neuen Buch: »Eine um zwei oder drei Mitglieder abgespeckte Europäische Währungsunion stünde finanziell besser da als die USA, als Großbritannien oder Japan«, und von Jim Willie in seinem Artikel »Der Weg zum neuen goldgedeckten Euro«.
Der Euro wird – vielleicht unter einem Namenszusatz – eine neue Grundlage und Bedeutung bekommen. »Die letzten Jahre des Euro als scheinbar stabile Währung liegen hinter uns. Die letzten Jahre der Schuldenunion haben gerade erst begonnen«, kommentiert Dr. Bruno Bandulet in seinem neuen Buch.
In meiner Prognose zur totalen Sonnenfinsternis vom 22.07.2009 schrieb ich: »Deutschlands Rolle und Wort innerhalb der EU und in der Welt wird an Bedeutung gewinnen. Vorstellbar ist auch, dass Informationen, die einen neuen Blick auf den Verlauf der Geschichte werfen lassen, Deutschland in ein anderes Licht rücken.« Diese Aussage habe ich in verschiedenen Prognosen wiederholt, da ich sie für zentral halte.
Als Folge der Ereignisse in dieser Sonnenfinsternisperiode wird Brüssel an Macht verlieren, Berlin jedoch Macht gewinnen. Mit der nachfolgenden totalen Sonnenfinsternis Ende 2012 treten der Euro und die Bundesrepublik nochmals in eine neue Phase der Bedeutung ein.
China
China wird ebenfalls mit wachsenden Problemen zu kämpfen haben. Die Ursachen sind vielfältig. Sie reichen von einem sich verlangsamenden Wirtschaftswachstum über die Immobilienblase, maroden Bankbilanzen, höheren Lohnforderungen der Arbeiter, einer hohen Umweltverschmutzung und -zerstörung bis zu der erwartenden Dollarmisere, die die Substanz des Landes empfindlich treffen wird. Den völlig überhitzten Immobiliensektor wird Peking massiv abbremsen und
Kreditrestriktionen verhängen. Im Inland sind Unruhen zu erwarten. In den nächsten Jahren wird es auch für China darum gehen, die »eigene Haut« zu retten. Als globale Wachstumslokomotive wird sich das Land nicht eignen.
Bisher hat China konsequent eine Politik der Währungsdiversifizierung verfolgt und wurde zum Großeinkäufer für Gold, Rohstoffe und Anlagen aller Art. »Der Not gehorchend, nicht dem eigenen Triebe«, wie Friedrich von Schiller sagte, hat Peking jedoch immer wieder amerikanische Staatsanleihen gekauft. Nun wird die Volksrepublik einen neuen Kurs einschlagen. Ausgelöst durch Ereignisse im Westen, sei es in den USA oder in der EU, wird der Yuan eine auch für den Westen konkrete und machtvolle Währung werden.
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Quelle:
* Gerald Celente: The Trends Journal, Jahrg. XVIII, Nr. 2, Frühjahr 2010
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