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Die Berg- und Talfahrt kranker Wirtschaften
Die Geschichte zeigt, dass große Wirtschaftseinbrüche nicht auf einmal geschehen. Phasen der Stabilisierung wechseln mit Einbrüchen. Das Schiff schlingert, es ist eine Berg- und Talfahrt, die irgendwann ihren Endpunkt erreicht. Auch wenn man die in regelmäßigen Abständen publizierten
positiven Daten als realen »Wirtschaftsfrühling« betrachtet, bleibt festzuhalten, dass die freundliche Stimmung weder in den USA noch in Europa in den Jahren seit dem offiziellen Beginn der Krise lange anhielt. Bis zum heutigen Tag hat das Wechselbad an Schnelligkeit und Brisanz nur zugenommen.
Eine wirtschaftliche Stabilisierung gab es auch, bevor am 24.Oktober 1929 der folgenreichste Börsencrash der Geschichte stattfand. Für eine Weile glaubten damals wohl auch die Regierenden – oder ließen es die Bevölkerung glauben –, dass dieser Einbruch nur eine kurze Unterbrechung des Aufschwungs sei. 1931 kam dann der Realitätscrash mit der Erkenntnis, dass die Industrienationen sich in einer der schwersten Weltwirtschaftskrisen befanden.
Europa und USA – the show must go on
In der EU versucht man krampfhaft, schlecht investiertem Geld noch mehr hinterherzuwerfen.
Obwohl das erste Rettungspaket für Griechenland wirkungslos verpufft ist, will man keinen Schuldenschnitt zulassen und einen Austritt des Landes aus der Währungsunion unter allen Umständen vermeiden. Laut Spiegel Online vom 6. Mai überlegt die griechische Regierung, den Euro aufzugeben und wieder eine eigene Währung einzuführen. Das aber darf nicht geschehen. In einer internen Vorlage seines Ministeriums, die er mit zu dem Krisentreffen nach Luxemburg nahm, warnte Finanzminister Schäuble vor den Folgen: Ein Ausscheren Griechenlands hätte schwere Auswirkungen auf den noch immer angeschlagenen Bankensektor, vor allem im eigenen Land. Durch den Währungsschnitt »wäre das gesamte Eigenkapital des Bankensystems aufgezehrt, die Banken des Landes wären schlagartig insolvent«. Betroffen wären jedoch auch die Banken anderer Länder. »Deutsche und ausländische Kreditinstitute müssten mit erheblichen Verlusten auf ihre Forderungen rechnen«, so Schäuble. In der Europäischen Währungsunion wie in den USA – es gibt nur mehr vom Selben und das kann nicht ohne zusätzliches Geld finanziert werden. Dass diese Länder, allen voran die Bunderepublik, die Gelder und Garantieren, die zum Beispiel für Griechenland gegeben werden, auch in die eigenen Banken investieren könnten, steht außer Frage. Die Währungsunion-Show must go on.
Anders ist das Szenario in den USA, die nicht aus einem Konglomerat von Staaten mit unterschiedlichsten Volkswirtschaften und Voraussetzungen bestehen. Amerika hat sich jedoch unter anderem durch extreme militärische Ausgaben, Verlagern von Produktion in andere Länder und einer sich immer schneller drehenden Schuldenschraube in eine fatale Lage gebracht. Den Aufkauf von US-Staatsanleihen auf einen Minimalbetrag zu reduzieren würde bedeuten, der
US-Regierung den Geldhahn ersatzlos zuzudrehen. Von den rund 100 Milliarden US-Dollar, die die Fed dem Finanzministerium seit vergangenem November monatlich zur Verfügung gestellt hat, würden mit der angekündigten Strategie nach dem Ende von QE2 noch etwa 17 Milliarden USD weiter investiert, wodurch ein Investitionsminus von 80 Milliarden USD entstünde, das nicht durch Käufe anderer Investoren als der Fed aufgefangen werden würde. Denn China will seine Dollarreserven reduzieren und wird sich kaum stärker in US-Staatsanleihen engagieren, und andere Großinvestoren haben die Bonds aus ihren Portfolios geworfen. »Nicht nur Pimco verkauft alle US-Staatsanleihen«, berichtete die Financial Times am 20. April. »Einige Gesellschaften, etwa Templeton oder Carmignac, haben die US-Schuldtitel längst aus ihren internationalen Rentenfonds verbannt. Pimco-Starmanager Bill Gross geht sogar einen Schritt weiter: Er hat nicht nur im Februar alle US-Staatsanleihen aus seinem rund 240 Mrd. Dollar schweren Dickschiff Total Return Fund geworfen – dem weltweit größten Rentenfonds, der in Deutschland freilich nur eine Nischenrolle spielt. Kurz darauf begann er sogar, Wetten gegen US-Staatsanleihen einzugehen. ›Pimco ist ein Extrembeispiel‹, sagt Feri-Kapitalmarktexperte Ruddies. ›Nicht alle Investmenthäuser besitzen die Flexibilität, sich vollständig von US-Anleihen zu trennen. Viele werden jetzt aber ihre Positionen überprüfen‹«, heißt es weiter.
Wie auch immer man die wechselnden positiven und negativen Nachrichten betrachten mag, die aktuellen negativen sind in jedem Fall günstig für eine Regierung, die den Dollar weginflationieren muss, um auch nur die geringste Aussicht zu haben, ihre Ausgaben bedienen und ihre globale militärische Vorherrschaft aufrecht erhalten zu können. Darüber hinaus steht 2012 die Präsidentschaftswahl an, und da muss die US-Wirtschaft boomen. Davon ist zurzeit nicht viel zu bemerken. Laut einer Gallup-Studie hat die US-Arbeitslosenrate im Februar 10,3 Prozent erreicht. Die Zahl der gering Beschäftigen stieg von 18,9 Prozent Ende Januar 2011 auf 19,9 Prozent im Februar.
QE3
Wie wird man folglich in den USA auf die Realität reagieren – und tut es bereits?
Regierungsmitglieder werden verlangen, dass die Situation genau beobachtet werden muss, eine Aussage, die US-Notenbank-Chef Bernanke immer dann macht, wenn er sich nicht klar zur Politik der Fed äußern will (»Wir werden die wirtschaftliche Entwicklung genau beobachten«). Ökonomen werden über die Art des nächsten Konjunkturpakets diskutieren. Man müsse etwas tun, wird es heißen. Die schlechten Nachrichten werden zunehmen, und schließlich wird die US-Regierung eine Lösung ankündigen, die QE2 in den Schatten stellt. Dann erst wird die richtige Dollarinflation einsetzen, sagt der Finanzanalyst John Rubino.
Die essenziellen Fragen, die sich für ihn damit stellen, sind: Wie tief müssen Gold, Silber und Öl fallen, damit das lästige Inflationsgespenst seine Wirkung verliert? Wie groß müssen die Schocks auf den Finanzmärkten sein, damit die »Krise« als so groß betrachtet wird, dass sie eine QE3 rechtfertigt? Anders ausgedrückt: Bei welchem Kurs wird Silber wieder steigen? Genügen 20 USD oder braucht der Plan einen Kurs von 30 USD, um zu funktionieren? »Man kann mit Sicherheit sagen, dass der gesunde Anteil der Finanzwelt die vergangenen sechs Monate damit verbracht hat, zu wünschen, man hätte sein Haus verpfändet und Silver Eagles gekauft«, resümiert der Finanzfachmann. »Silber wird letztlich aufhören zu fallen und bis dahin sollten Sie eine Menge davon haben.«
Betrachten Sie die Entwicklung in der europäischen Währungsunion und machen Sie sich selbst ein Bild davon, ob John Rubinos Worte zu Silber auch für uns zutreffen.
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