Sonntag, 11. Dezember 2016
27.02.2011
 
 

Was weiß Warren Buffett? Warum hält er über 34 Milliarden Dollar Cash?

Brigitte Hamann

Das Forbes Magazine schätzte sein Privatvermögen im Jahr 2010 auf 47 Milliarden US-Dollar. Der amerikanische Großinvestor und Unternehmer Warren Buffet ist der drittreichste Mann der Welt. Die von ihm geleitete Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway ist eines der größten Unternehmen der USA. Buffett, der im Sommer seinen 81. Geburtstag feiert, ist nicht umsonst ein Vorbild für Trader und Anleger. Entgegen seiner Überzeugung, Cash sei eine uninteressante Vermögensform, hat er sich seit 2003 entschlossen, den Cash-Betrag von Berkshire Hathaway drastisch zu erhöhen: 34,46 Milliarden Dollar hält das Unternehmen derzeit zur Verfügung. Rechnet das »Orakel von Omaha«, wie ihn viele nennen, mit einer massiven Rezession?

 

 

Obwohl Warren Buffet Wert darauf legt, dass Berkshire Hathaway über genügend liquide Mittel verfügt, hat der Großinvestor  in der Vergangenheit keinen Zweifel daran gelassen, dass er liquide Mittel längerfristig für eine schlechte Investition hält. Zuviel Cash gebe ihm kein gutes Gefühl erklärte er in einem Interview in der Charlie Rose Show. Man brauche Cash, aber nicht in großen Mengen. Lieber würde er ein gut gehendes Unternehmen besitzen.

Seit 2003 sprechen die Unternehmenszahlen eine andere Sprache. Nachdem der Cash-Betrag von Berkshire Hathaway im Dezember 2001 - dem Jahr, in dem die New-Economy-Blase platzte und die Ereignisse des 11. September die Welt bewegten - nur 6,50 Milliarden betragen hatte, stieg der Cash-Betrag auf bis zu 46 Milliarden Dollar in den Folgejahren. Damals, 2001, hatte der erfolgsverwöhnte Großinvestor den ersten wirklich großen Verlust eingefahren. Auch er hatte auf eine boomende Wirtschaft gesetzt. Spätestens zu diesem Zeitpunkt war allen, die es sehen wollten klar, dass eine globale Krise ungeahnten Ausmaßes im Anrollen war. Man wusste nur nicht genau, wann sie definitiv ausbrechen würde. Während die breite Öffentlichkeit noch davon ausging, dass sich die Wirtschaft im Aufwind befände,  stand, wenig beachtet z. B. am 24.2.2003 im Handelsblatt: »Indiskretion nach Spitzentreffen: Bad Bank sorgt für Aufregung. Diskussionen um eine Auffanggesellschaft für notleidende Kredite deutscher Institute schrecken die gesamte Finanzbranche auf. Der hochbrisante Vorschlag wurde bei der jüngsten Kanzlerrunde mit Spitzenkräften aus der Banken- und der Versicherungsbranche gemacht«. Ähnliche Umstände herrschten in den USA, doch dort lenkte man geschickt durch den Einmarsch in den Irak am 20. März 2003 von der desolaten Finanzlage ab. Das »Orakel von Omaha« lernte dazu: Im März 2003 stieg der Cash-Betrag auf 19.49 Milliarden Dollar bis auf 46 Milliarden im Jahr 2005. An dieser neuen Strategie, die seinen Überzeugungen eigentlich entgegen steht, hat Buffet in diesen Jahren nur einmal etwas geändert. Im Juni 2009 sank der Cash-Betrag auf 24,51 Milliarden Dollar – und Buffet machte Verlust. Wieder hatte er auf eine florierende Wirtschaft gesetzt. Der Berkshire-Buchwert fiel um sechs Prozent. Auf das Ergebnis drückten die vielfach gesunkenen Aktienkurse der Beteiligungen. Hinzu kamen hohe Verluste mit speziellen Wertpapieren zur Versicherung bei Ausfällen von Unternehmensanleihen (Credit Default Swaps). Der operative Gewinn ohne Investments lag laut Mitteilung von Buffett bei der Hauptversammlung bei 1,7 Milliarden Dollar und damit fast zwölf Prozent unter dem Vorjahr. Zuvor, am 17. Oktober 2008, hatte Buffet, seiner Philosophie getreu, jedoch verkündet: »Buy Stocks! Cash Is Trash!« und wieder belehrte ihn die Realität eines anderen.

Zum 30. September 2010 wies der Berkshire Hathaway Cash Flow Bericht dann wieder die stolze Summe von 34,46 Milliarden Dollar in Cash aus. Dass Buffet seine Meinung grundsätzlich geändert hat ist kaum anzunehmen. Viel wahrscheinlicher ist, dass die Cashreserven gehalten werden, um zur rechten Zeit eine Großinvestition zu tätigen. Buffet hat seine Anlagestrategien zwar auch in den vergangenen Jahren immer wieder verändert und optimiert. Doch seit seiner Ankündigung Ende 2009, er werde die restlichen Anteile von Burlington Northern Santa Fe Railroad kaufen, hat er keine wirkliche große Investition mehr vorgenommen. Auf welches »Schnäppchen« wartet er?

 

Cash in Zeiten von Inflation und Deflation

Wenn man daran glaubt, dass eine Inflation bevor steht, machen große Mengen an liquiden Mitteln keinen Sinn. Eine Inflation lässt Cash schnell im Wert schrumpfen. Wer von einer florierenden Wirtschaft und steigenden Preisen ausgeht wird investieren – zum Einen weil alles ja teurer wird, zum Anderen weil nur Sachwerte einen Werterhalt versprechen. Wer jedoch von einer Deflation oder Rezession ausgeht, rechnet damit, dass die Preise fallen und er in absehbarer Zeit, günstiger kaufen kann.

Aus Erfahrung klug geworden mag Warren Buffet erkannt haben, dass einige aktuelle Entwicklungen denjenigen ähneln, die den Aktiencrash von 2008 im Gefolge von Lehmann Brothers einleiteten. Auch damals befanden sich die Rohstoffpreise in großem Aufwind. Auch damals brach parallel dazu der Baltic Dry Index für weltweite Schifffrachtkosten ein. Am 06. Juli 2010 berichtete die FAZ: »Der Baltic Dry Index für weltweite Schifffrachtkosten fiel alleine im vergangenen Monat um 46 Prozent«. Der amerikanische Immobilienmarkt ist trotz massiver staatlicher Stützungsmaßnahmen ein Trauerspiel. Die US-Konjunktur kann aus verschiedenen Gründen nicht wieder angekurbelt werden und Europa ist von einer Stabilisierung weit entfernt. Insolvenzen und Staatsbankrotte sind nur eine Frage der Zeit. Nur China hat mit einer wirtschaftlichen Überhitzung und Inflation zu kämpfen. Auch wenn Warren Buffet schon geirrt hat – er ist sich im Klaren darüber, dass der Aktienmarkt eine Blase ist und dass Liquidität Trumpf für alle ist, die in Zeiten fallender Preise kaufen wollen.

 

Quelle:

http://www.businessinsider.com/why-is-warren-buffett-keeping-34-billion-in-cash-2011-1

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