Mittwoch, 7. Dezember 2016
21.05.2014
 
 

Neues zum belgischen Ankauf amerikanischer Staatsanleihen

Dr. Paul Craig Roberts und David Kranzler

Nachdem wir auf den mysteriösen Anstieg des Erwerbs amerikanischer Staatsanleihen durch Belgien hingewiesen hatten, hieß es, diese Transaktion werde sicherlich in der Bilanz der amerikanischen Notenbank Federal Reserve (Fed) verzeichnet. Aber als »Privatunternehmen« ist die Fed dazu nicht verpflichtet.

Zum Sachverhalt: Wie die Deutschen Wirtschafts Nachrichten unter Berufung auf den Finanzblog Zerohedge melden, ist das kleine europäische Land gegenwärtig nach China und Japan »der drittgrößte Eigner« amerikanischer Staatsanleihen. »Die Bestände an US-Anleihen liegen nach offiziellen Angaben nunmehr bei 341 Mrd. Dollar«, heißt es dort. Demgegenüber betrug das gesamte Bruttoinlandsprodukt (BIP) Belgiens 2013 510,59 Mrd. Dollar.

 

Die 141,2 Mrd. Dollar an US-Staatsanleihen, die über Belgien gekauft wurden, machen einen Anteil von 3,2 Prozent an der Bilanz der Fed aus. Als Privatunternehmen ist die Fed nicht den Grundsätzen ordnungsgemäßer Buchführung (GoP) oder der »Generally Accepted Accounting Principles (GAAP)«, wie es in Amerika heißt, verpflichtet.

 

Aber selbst wenn man diese Standards anwendet, muss ein Unternehmen nicht alle Einzelheiten einer Transaktion offenlegen, wenn diese weniger als fünf Prozent des Vermögens ausmacht. Die Fed kann mit anderen Worten eine Transaktion mit einem Umfang von drei Prozent des Vermögens in ihren Bilanzen verschleiern.

 

In den Geschäftsberichten der Fed gibt es Hinweise auf Diskrepanzen. So wurde zum Beispiel zum Jahresende 2013 die Bilanzsumme der Fed mit 4,024 Billionen Dollar angegeben. Nach dem jüngsten Bericht vom 14. Mai dieses Jahres umfasst die Bilanz 4,360 Billionen Dollar. Legt man den vorgesehenen Zeitplan für Anleihekäufe im Rahmen der Quantitativen Lockerung der Geldpolitik (QE) seit Anfang 2014 zugrunde, hätte die Bilanzsumme der Fed nur auf 4,316 Billionen Mitte Mai ansteigen dürfen.

 

Die Bilanzsumme der Fed fällt mit anderen Worten Mitte Mai um 44 Mrd. Dollar höher aus, als man erwarten dürfte, wenn der Zeitplan der Quantitativen Lockerung wie vorgesehen eingehalten wurde. (Dies gilt unter der Voraussetzung, dass in der Bilanz vom 14. Mai 50 Prozent der geplanten Anleihekäufe im Rahmen der QE bereits erfolgt sind.)

 

Der Bilanz ist eine so genannte »Kapitalflussrechnung« oder »Bewegungsbilanz« beigefügt. Hierbei handelt es sich um ein 167-seitiges Dokument. Aber auf Seite 20 dieses Dokuments befindet sich eine Tabelle mit der Überschrift »Gesamtumfang der Kreditmarkt-Kreditaufnahme und  Kreditvergabe« (Tabelle F 1). In diesen Bereich fallen laut Fed:

»Kreditmarkt-Kreditaufnahme und  Kreditvergabe in allen Bereichen, einschließlich inländischer finanzieller und nichtfinanzieller Bereiche sowie Kreditaufnahme und -vergabe in die übrige Welt in diesen Bereichen. Unter ›Kreditmarkt-Kreditaufnahme oder  Kreditvergabe‹ versteht man den Transfer von Geldern zwischen Bereichen durch die folgenden Finanzinstrumente: Offenmarkt-Titel, Staatsanleihen, Wertpapiere, die von Einrichtungen oder von privaten, aber von der Regierung besicherten Unternehmen (GSE) ausgegeben wurden, kommunale Wertpapiere, Firmen- und ausländische Anleihen, Kredite einer Hinterlegungsstelle, die nicht an anderer Stelle erfasst werden, sowie andere Kredite, Vorschüsse und Kreditforderungen, Hypotheken und Verbraucherkredite.«

In der Zeile »Übrige Welt« (Zeile 8) stieg der Wert unter der Rubrik »Kreditmarkt-Kreditaufnahme« von 117,6 Mrd. Dollar im letzten Quartal 2013 auf 259,5 Mrd. Dollar im ersten Quartal 2014 an – ein Anstieg um 141,9 Mrd. Dollar.

 

Es ist vielleicht reiner Zufall, dass dieser Wert fast genau dem Zukauf von Staatsanleihen durch Belgien entspricht, aber es liefert ein gutes Beispiel für Bereiche in der Erfolgsrechnung der Fed, in denen sich die Art von Transaktionen, die zur Finanzierung der belgischen Ankäufe amerikanischer Staatsanleihen erforderlich sind, verstecken läßt.

 

Aber wie wir bereits am Anfang bemerkten, kann der Erwerb der Anleihen durch Belgien leicht versteckt werden, da er unter dem Wert von fünf Prozent der Vermögenswerte der Fed liegt und praktisch jedes Großunternehmen, und insbesondere die Großbanken, Einzelheiten zu erheblichen Bereichen ihrer außerbilanzlichen Vermögenswerte gerne verstecken.

 

Methoden, Bilanzen zu verschleiern, gibt es viele, und die 141 Mrd. Dollar stellen nur einen kleinen Teil des Mittelflusses dar. So wickelt die Fed Repo-Finanzierungen in der Größenordnung von vier Billionen Dollar ab.

 

 

 


 

 

 

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