Tuesday, 28. June 2016
19.01.2014
 
 

Keine Arbeitsplätze für Amerikaner

Dr. Paul Craig Roberts

Der Mythos des angeblichen Wirtschaftsaufschwungs erhielt mit der Veröffentlichung der Arbeitsmarktzahlen einen empfindlichen Schlag. Das Bureau of Labor Statistics (BLS) berichtete, in der US-Wirtschaft seien 74 000 zusätzliche neue Arbeitsplätze geschaffen worden. Groß- und Einzelhandel zeichneten dabei für 70 700 oder 95,5 Prozent dieser neuen Arbeitsplätze verantwortlich. Mitverantwortlich für den Anstieg waren möglicherweise befristete Einstellungen aufgrund des Weihnachtsgeschäfts, das allem Anschein nach nicht so berauschend war, wenn man bedenkt, dass die größte amerikanische Warenhauskette Macy‘s fünf Standorte schließen und 2500 Mitarbeiter entlassen will. Man kann darauf wetten, dass ein Teil der im Dezember neu eingestellten Mitarbeiter bereits wieder entlassen wurde.

Ein Arbeitsplatzzuwachs von 74 000 neuen Stellen, selbst wenn er denn real wäre, ist nur die Hälfte dessen, was eigentlich benötigt wird, um die Arbeitslosenrate und das Bevölkerungswachstum etwa im Gleichgewicht zu halten. Aber nach den Zahlen des BLS sank die Arbeitslosenrate sogar von 7,0 Prozent auf 6,7 Prozent. Aber diese Verringerung bei der

Arbeitslosigkeit wurde nicht durch die berichteten 74 000 neuen Arbeitsplätze erreicht. Die Arbeitslosenquote fiel, weil immer mehr Amerikaner, die bisher bei ihren Bemühungen, einen Arbeitsplatz zu finden, erfolglos waren, es aufgegeben haben, Arbeit zu finden, und daher nicht mehr in der Statistik »arbeitssuchend« geführt werden.

 

In Amerika ist die Arbeitslosenquote, wie so vieles andere auch, eine Irreführung. Die Arbeitslosenquote ging zurück, weil die Menschen keine Arbeit finden. Je weniger Arbeitsplätze angeboten werden, desto geringer ist die Arbeitslosigkeit.

 

Mir ist heute aufgefallen, dass die Presstituierten der Finanzmedien sehr zurückhaltend waren und diesen Rückgang der Arbeitslosigkeit nicht zu sehr hinausposaunten, weil es eben keinen realen Zuwachs an Arbeitsplätzen gab, denn man für den Rückgang verantwortlich machen konnte. Die Wall-Street-Banken und deren Volkswirte taten ebenso wie einige dafür bezahlte akademische Ökonomen ihr Bestes, den Arbeitsmarktbericht in Zweifel zu ziehen. Zu viele wirtschaftliche Interessen sind mit dem vor viereinhalb Jahren ausgerufenen, aber nicht existenten Aufschwung verknüpft, als dass man zugeben könnte, dass es ihn gar nicht gibt.

 

Seit mehr als zehn Jahren setze ich mich mit den monatlichen Arbeitsmarktberichten auseinander, und ich muss sagen, dass dieser Dezember-Bericht mich wirklich erschüttert hat. In der Regel sind die Bereiche »Bildungs- und Gesundheitswesen« immer Garanten für zusätzliche neue Arbeitsplätze. Besonders in der Kategorie »ambulante Pflegedienste« entstehen oft Tausende von Arbeitsplätzen. Im Dezember allerdings lag der Nettobeitrag des Bereichs »Bildungs- und Gesundheitswesen« bei null. Und im Bereich »ambulante Pflegedienste« waren sogar 4100 Arbeitsplätze und im Gesundheitswesen insgesamt 6000 Arbeitsplätze verloren gegangen.

 

Wenn mich mein Gedächtnis nicht im Stich lässt, war dies das erste Mal überhaupt der Fall. Vielleicht spiegelt diese Entwicklung die negativen Folgeerscheinungen des Betrugs, der allgemein als »Obamacare« bekannt ist, wider – wahrscheinlich das schlechteste innenpolitische Gesetz, das seit Jahrzehnten verabschiedet wurde.

 

Negativ beeindruckt hat mich an dem Bericht auch, dass in den Bereichen »Service und Bedienung« und »Barkeeper« lediglich 9400 neue Arbeitsplätze entstanden waren, denn normalerweise stellen diese Dienstleistungen einen erheblichen prozentualen Anteil am Arbeitsplatzzuwachs. Aber selbst dieser kleine Zuwachs wurde durch die Entlassungen etwa bei Lehrern an örtlichen Schulen wieder wettgemacht.

Sind die Prioritäten, die Washington setzt, nicht einsame Spitze? Jährlich werden 1000 Mrd. Dollar für die »quantitative Lockerung« der Geldpolitik aus dem Fenster geworfen, die im Wesentlichen sechs Banken zugutekommen, während für neue Lehrerstellen kein Geld vorhanden ist. Das sollte doch das Herz jeden Republikaners erwärmen.

 

Ein kleiner Lichtblick in diesem Arbeitsmarktbericht sind die 9000 neuen Arbeitsplätze, die im produzierenden Gewerbe entstanden. Die Zahl der Beschäftigten in der produzierenden Industrie hat allerdings so dramatisch abgenommen, seit Auslagerung von Arbeitsplätzen zur bevorzugten Politik amerikanischer Unternehmen geworden ist, dass die 9000 neuen Arbeitsplätze leider kaum ins Gewicht fallen. Vorgefertigte Metallteile, darunter verstehe ich z.B. Blechdächer, sind keine Exportartikel. Die Beschäftigung in der Endfertigung von Halbfertigprodukten, die auch für den Export bestimmt sind, wie etwa »Computer und Elektronikprodukte« und »Elektroinstrumente«, ging um 2400 bzw. 3500 Arbeitsplätze zurück.

 

Dieser Arbeitsmarktbericht liefert sicherlich kaum Möglichkeiten, die Zerstörung der Zukunftschancen normaler Amerikaner durch die Finanzelite und die Großkonzerne, die Arbeitsplätze im großen Stil auslagern, zu vertuschen. Man fragt sich, ob die BLS-Mitarbeiter, die diesen Bericht erstellt haben, Ärger vermeiden können. Man darf gespannt sein, wie wohl der Arbeitsmarktbericht im Januar aussehen wird.

 

 

 

 


 

 

 

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