Dienstag, 25. Juli 2017
26.06.2009
 
 

Der »Große Bruder« in Basel: Financial Stability Board untergräbt nationale Souveränität

System

Versteckt auf Seite 83 im insgesamt 89 Seiten umfassenden »Bericht zur Reform der Finanzregulierung«, den die amerikanische Regierung am 17. Juni veröffentlichte, findet sich die Empfehlung, das neue Financial Stability Board, solle sein Mandat erweitern und institutionalisieren, um die weltweite Finanzstabilität zu fördern. Finanzstabilität ist ein erstrebenswertes Ziel, aber der Teufel steckt im Detail. Der neue weltumspannende »Große Bruder« sitzt in der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, einer umstrittenen Einrichtung, die bei vielen kritisch eingestellten Menschen Alarmglocken schrillen läßt.

George Orwell prägte in seinem Klassiker »1984« den Begriff »Großer Bruder« für den totalitären Staat, der in dem Jahr, den der Titel nennt, fest etabliert sein werde. Warum er gerade dieses Jahr wählte, ist nicht bekannt, aber eine Theorie besagt, das sich Orwell damit auf Jack Londons Buch »Die eiserne Ferse« (1906) bezog, in dem der Aufstieg einer oligarchischen Tyrannei in den Vereinigten Staaten beschrieben wird. In Londons Buch sollte die fiktive Wunderstadt der Oligarchie, die von der Unterdrückung der Arbeiter lebte und getragen wurde, 1984 fertiggestellt sein. Orwell griff auch ein weitere Metapher Londons auf, als er er die Zukunft unter dem »Großen Bruder« so beschrieb: »Wenn Sie ein Bild von der Zukunft haben wollen, stellen Sie sich einen Stiefel vor, der auf einem menschlichen Gesicht herumtrampelt – und nie wieder aufhört.« In seiner Schrift »Geheime Aufzeichnungen enthüllt: Die Menschen, das Geld und die Methoden hinter der neuen Weltordnung« (1999) fragt Dr. Dennis Cuddy: » Könnte es sich bei dem ,Stiefel’ um die neue 18 Stockwerke hohe Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) im schweizerischen Basel handeln, deren 1977 fertiggestelltes Gebäude die Form eines Stiefels hat und als der ,Turm von Basel’ bekannt wurde?«Die stiefelähnliche Form des Gebäudes ist schon seltsam genug, um nachdenklich zu stimmen, aber noch beunruhigender klingt die Beschreibung der entscheidenden Bedeutung, die der BIZ dabei zukommt, die Finanzmacht in einigen wenigen privaten Händen zu konsolidieren, durch Dr. Carroll Quigley. Professor Quigley hatte Bill Clinton an der Universität Georgetown gefördert und erhob den Anspruch ein intimer Kenner der Materie zu sein. In »Katastrophe und Hoffnung« schrieb er 1966: »Die Mächte des Finanzkapitalismus verfolgten ein weiteres weitreichendes Ziel; sie wollten nichts Geringeres als ein Weltsystem der Finanzkontrolle in Privathand errichten, das in der Lage sei, das politische System eines jeden Landes sowie die Weltwirtschaft als Ganze zu beherrschen. Dieses System sollte durch die Zentralbanken der Welt wie im Feudalismus auf der Grundlage geheimer Absprachen gelenkt werden, auf die man sich bei zahlreichen privaten Treffen und Zusammenkünften einige. Im Zentrum dieses System stünde die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich im schweizerischen Basel, eine Privatbank, im Besitz und unter Kontrolle der Zentralbanken weltweit, die selbst wiederum Privatunternehmen seien
Damit wird klar, warum die Alarmglocken bei BIZ-Kritikern schrillten, als die Bank mit dem neuen Financial Stability Board (FSB) verknüpft wurde, dem sich der amerikanische Präsident Obama im April anschloss. Beim Treffen der G20-Führer am 2. April in London verständigten sie sich darauf, die Vollmachten des alten Financial Stability Forum (FSF) auf dieses neue Gremiums zu übertragen. Das FSF war 1999 lediglich als beratendes Gremium durch die Gruppe der Sieben (ein Zusammenschluss der Finanzminister der sieben größeren Industrienationen) eingerichtet worden. Vorsitzender der FSF war der Generaldirektor der BIZ. Das neue FSB schließt nun als Mitglieder der »Gruppe der 20« (19 Nationen sowie die EU) ein. Die G20 bezeichnet sich formell als »Gruppe der zwanzig Finanzminister und Zentralbankchefs« und war ursprünglich wie die Siebenergruppe lediglich als Forum zur Zusammenarbeit und Beratung in Fragen des internationalen Finanzsystems gebildet worden. Das neue Financial Stability Forum hingegen hat einschneidende Befugnisse und kann seinen Mitgliedsstaaten »Verpflichtungen« und »Vorgaben« auferlegen.

Das fragwürdige Financial Stability Board

Der »Bericht zu Reform der Finanzregulierung«, den die Regierung Obama am 17. Juni veröffentlichte, enthält die Empfehlung, das FSB solle sein Mandat »erweitern« und »institutionalisieren«. Wie sehen die Aufgaben des FSB und seine erweiterten Vollmachten aus, und wer sitzt am Ruder? In einem Artikel im Londoner Guardian wurden diese Probleme in einer Frage-und-Antwort-Rubrik dargelegt:

»Wer steht an der Spitze der Aufsichtsbehörde? Das Financial Stability Board wird vom italienischen Zentralbankchef Mario Draghi geleitet. Das Sekretariat hat seinen Sitz bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich  im schweizerischen Basel.« Draghi war von 1991 bis 2001 Generaldirektor des italienischen Finanzministeriums und war dort für die extensive Privatisierung (dem Verkauf staatseigener Beteiligungen an private Investoren) verantwortlich. Von Januar 2002 bis zum Januar 2006 war er Teilhaber der Wall- Street-Bank Goldmann Sachs, einem ebenfalls umstrittenen Finanzakteur. Wie bereits bemerkt, liefert die Verankerung des FSB in der BIZ angesichts der düsteren und umstrittenen Geschichte dieser Bank allen Grund zur Beunruhigung. 1999 zitierte Dr. Cody Medienberichte, in denen die BIZ und ihre der Öffentlichkeit weitgehend unbekannte Führungskräfte als »diese Wirtschaftskabale … diese geheimnisumwitterte Gruppe … die Finanzbarone, die das weltweite Geldangebot kontrollieren« (Washington Post, 28. Juni 1998); »einige der weltweit einflussreichsten, aber kaum in der Öffentlichkeit stehenden Menschen … Behördenvertreter, die mit einem Federstrich Milliarden von Dollar bewegen und den Kurs der Volkswirtschaften ändern können« (New York Times, 5. August 1995) oder als Menschen beschrieben wurden, die »große Geldmengen innerhalb von Nanosekunden in die Märkte pumpen oder aus den Märkten herausziehen« und »Politiker mit einem Mausklick stürzen können« (in der Nachrichtensendung Nightline des US-Fernsehsender ABC am 1. Juli 1998).

»Was will die neue Regulierungsbehörde tun? – Das Gremium wird die potenziellen Risiken für die Volkswirtschaften überwachen … Dabei wird es mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) zusammenarbeiten, jener Körperschaft mit Sitz in Washington, die ihrerseits den finanziellen Gesundheitszustand der Länder kontrolliert und gegebenenfalls Kredite vergibt …«

Beim IWF handelt es sich um eine internationale Bankorganisation (der Vereinten Nationen), die ebenfalls umstritten ist. Der frühere Chefökonom der Weltbank Joseph Stieglitz wirft ihr vor, die Länder der Dritten Welt in eine Schuldenfalle zu locken, aus der es kein Entkommen gibt. Die Schuldnerländer sind nicht in der Lage zu zahlen, weil sie durch »Auflagen« beispielsweise gezwungen sind, Teile des Volksvermögens an private Investoren zu verkaufen, damit sie ihr Kredite bedienen können.

»Wen oder was beaufsichtigt die Regulierungsbehörde? - Alle ,systemrelevanten’ Finanzinsitutionen, – instrumente und -märkte.« 

Der Begriff »systemrelevant« ist nicht klar definiert. Zählen auch systemrelevante Institutionen wie die nationalen Finanzministerien oder für das System wichtige Märkte etwa für Gold, Erdöl und Nahrungsmittel dazu?

»Wie soll das Gremium arbeiten? - Das Gremium wird ein Aufsichtsorgan einrichten, das jeden der größten internationalen Finanzdienstleister überwacht … Es wird als Clearinghaus für den Informationsaustausch und Notfallpläne zum Nutzen der Beteiligten dienen.« Manchmal wird Informationsaustausch auch als »betrügerische Absprache« bezeichnet. Würde der angedachte Informationsaustausch auch solche Aspekte wie Geheimabsprachen zwischen Zentralbanken im Zusammenhang mit dem Auf- oder Verkauf bestimmte Währungen umfassen, wobei damit die Macht verbunden wäre, die betreffenden Volkswirtschaften zu stützen oder sie zusammenbrechen zu lassen. Man erinnere sich nur an die in geheimer Absprache erfolgten Leerverkäufe des mexikanischen Peso 1995, die Leerverkäufe südostasiatischer Währungen 1998 und die heimlichen Absprachen zwischen Zentralbanken zur Unterstützung des US-Dollar im Juli vergangenen Jahres – gut vielleicht für den Dollar und die »Big Players« mit Insiderinformationen, nicht ganz so positiv aber für die kleinen Anleger, die auf die »Marktkräfte« setzten, Gold oder Devisen kauften und ihr letztes Hemd verloren.

»Was wird das neue Aufsichtsgremium hinsichtlich der Schulden und der Kredite unternehmen? – Um eine weitere Schuldenblase zu verhindern, wird das neue Gremium den Finanzunternehmen empfehlen, für den Fall von Verlusten im Kreditgeschäft Rückstellung vorzunehmen. Darüber hinaus könnte es Beschränkungen bei der Kreditvergabe auferlegen.«

Wie sollen diese Beschränkungen aussehen? Die Regelungen von Basel I und II , die von der BIZ durchgesetzt wurden, haben sich im allgemeinen nicht bewährt. Basel I (erste Basler Eigenkapitalvereinbarung) von 1998 wurde für den Ausbruch einer Depression in Japan verantwortlich gemacht, von der sich das Land bisher nicht erholt hat. Basel II und der damit verbundenen »Markt to market«-Regel (die Finanzinstitute zwingt, Aktiva zum Marktwert in ihren Büchern aufzuführen) gibt man eine Mitschuld an der Entstehung der derzeitigen Kreditkrise, von der sich die USA und die Welt als Ganze noch lange nicht erholt haben. Diese Vorwürfe wurden an anderer Stelle schon ausführlich behandelt. Ein misstrauischer Mensch könnte hinter diesen Krisen eine Absicht vermuten. Man erinnere sich nur an die Warnungen des amerikanischen Kongressabgeordneten Louis MacFadden, der zur Zeit der Großen Depression den Banken- und Währungsausschuss leitete: »Hier handelt es sich um ein sorgfältig herbeigeführtes Ereignis. Internationale Bankiers wollten ein Stimmung der Verzweiflung erzeugen, um dann als die Herrscher über uns alle zutage zu treten.« David Rockefeller, eine Schlüsselfigur der internationalen Finanzwelt, griff diesen Gedanken 1994 im Rahmen eines von der UNO veranstalteten Essens auf. Dort sagte er: »Wir stehen am Rande einer weltweiten Umgestaltung. Jetzt muss nur noch die richtige globale Krise kommen, und die Nationen werden die Neue Weltordnung akzeptieren.«

Die amorphen Zwölf internationalen Standards und Richtlinien

Vielleicht am verstörendsten ist der folgende vage, beiläufige Bezug in einer Presserklärung der BIZ mit der Überschrift »Financial Stability Forum als Financial Stability Board wieder eingerichtet«: »Die Mitgliedsländer und -territorien verpflichten sich, internationale Finanzstandards (darunter die zwölf wichtigsten internationalen Standards und Richtlinien) einzuführen.«Das hört sich nicht gerade wie der freundliche Rat eines beratenden Gremiums an. Es geht um Verpflichtungen, die erfüllt werden müssen. Daher würde man eine ausführliche Darlegung erwarten, was diese Standards zur Folge haben sollen. Aber eine Durchsicht der wesentlichen größeren Pressemedien erbringt praktisch nichts Erhellendes. Die zwölf wichtigsten internationalen Standards und Richtlinien bleiben unklar und über sie wird nicht diskutiert. Auf der Internetseite des FSB werden sie zwar aufgelistet, aber bleiben weiterhin vage. Die Standards und Richtlinien decken weite Bereiche ab, in den es augenscheinlich nach der Auffassung der Aufsichtsausschüsse zu Veränderungen kommen soll.Zu den Standards gehören:

 

  • Transparenz der Geld- und Finanzpolitik
  • Transparenz der Haushaltspolitik
  • Datenweitergabe
  • Insolvenz
  • Grundsätze der Unternehmensführung
  • Buchführung
  • Rechnungsprüfung
  • Zahlungsverkehr und Abwicklungssysteme
  • Marktintegrität
  • Bankenaufsicht
  • Regulierung des Wertpapiermarktes
  • Aufsichtsbehörden für das Versicherungswesen


Nehmen wir beispielsweise die »Transparenz der Haushaltspolitik«. Die »Richtlinie für gutes Vorgehen zur Transparenz in der Haushaltspolitik« wurde 1989 vom Interimsausschuss des IWF verabschiedet. In der Kurzbeschreibung heißt es: »Die Richtlinie enthält Forderungen nach Transparenz, um der Öffentlichkeit und den Kapitalmärkten die Sicherheit zu geben, dass  ein ausreichend vollständiges Bild der Struktur und der Finanzen der Regierung verfügbar ist, damit eine Bewertung der Solidität der Finanz- und Haushaltspolitik verlässlich erfolgen kann.«

Die Mitgliedsländer sind also gehalten, ein so vollständiges Bild der »Struktur und der Finanzen der Regierung« vorzulegen, dass eine Bewertung seiner »Solidität« möglich ist – aber wer trifft diese Bewertung, und was geschieht, wenn eine Regierung den Test nicht besteht? Soll es einem nicht gewählten privaten Gremium mit Sitz in der BIZ erlaubt sein, die »Struktur und Funktion« einzelner nationaler Regierungen zu evaluieren und wenn letztere eine Finanzpolitik verfolgen, die nicht »solide« ist, auch »Auflagen« und »Sparmaßnahmen« von der Art verordnen zu können, für die der IWF gegenüber Ländern der Dritten Welt berüchtigt ist? Ein argwöhnischer Mensch könnte sich fragen, ob auf diese Weise nicht die mächtigen USA letztlich unter den Stiefel des »Großen Bruders« gebracht werden sollen.

Seit drei Jahrhunderten habe private internationale Bankeninteressen Regierungen wieder auf Kurs gebracht, indem sie diese daran hinderten, ihr eigenen Währungen auszugeben und von ihnen statt dessen forderten, sich die von den Banken herausgegebenen »Banknoten« zu leihen. »Gib mir die Kontrolle über die Währung einer Nation, dann ist es für mich gleichgültig, wer die Gesetze macht.«, lautet Mayer Amschel Rothschilds berühmter Spruch von 1791. Die wirkliche Rebellion der amerikanische Kolonisten richtete sich, so Benjamin Franklin, gegen einen ausländischen Herrscher, der des den Siedlern untersagte, eine eigenen Währung herauszugeben und stattdessen forderte, die Steuern müssten in Gold bezahlt werden. Die Kolonisten besaßen kein Gold und mussten sich daher goldgedeckte Banknoten von den britischen Bankiers leihen. Als Folge saßen die Kolonisten nicht nur gegenüber den ausländischen Bankiers in der Schuldenfalle, das ganze Land wurde in eine lähmende Depression hineingezogen. Schließlich rebellierten die Kolonisten und gingen wieder dazu über, eine eigene Währung herauszugeben. Sie finanzierten ihre Revolution gegen eine größere Weltmacht mit Geld, das sie selbst gedruckt hatten, und es gelang ihnen, ihre Unterdrücker abzuschütteln und sich ihre Unabhängigkeit zu erstreiten.

Politischer Kolonialismus ist heute Vergangenheit, aber unter den neuen Richtlinien des FSB können Nationen immer noch in eine feudalistische Unterordnung unter ausländische Herren gezwungen werden. Nehmen wir nur einmal folgende Entwicklung an: Ein x-beliebiges Land, dem es in finanzieller Hinsicht gut geht, legt offen, dass seine Landeswährung von der Regierung direkt gedruckt wird. Das FSB entscheidet, dieses Vorgehen stelle eine unerlaubte »Vermischung des öffentlichen und privaten Sektors sowie ein unsolides Vorgehen seitens der Banken dar, das nach den »12 internationalen Standards und Richtlinien« verboten sei. Eine von den Bankiers geschaffene Landeswährung wird zum Standard für ein »gutes Vorgehen« erklärt, dem alle Regierungen folgen müssten. Das betreffende Land wird gezwungen, seine »anachronistische«  Sichtweise aufzugeben, die Schaffung einer eigenen nationalen Währung sei eine natürliche Aufgabe der Regierung. Jetzt muss das Land Kredite bei den internationalen Bankiers aufnehmen und verfängt sich so in den Fallstricken des zinsgebundenen Schuldennetzes der Banken.

Oder nehmen wir ein anderes Szenario: Ähnlich wie in den amerikanischen Kolonien lösen die neuen FSB-Regeln eine weltweite Depression bisher nie dagewesenen Ausmaßes aus. Irgendeinem Land wird klar, dass diese ganze Entwicklung unnötig ist – dass es seine eigene Währung schaffen und sich so aus der Schuldenfalle befreien kann, anstatt weiterhin Kredite bei Banken aufzunehmen, die Gelder auf Computerschirmen schöpfen und Zinsen für das Privileg verlangen, Geld bei ihnen leihen zu dürfen. Aber diese Erkenntnis kommt zu spät: Der Stiefel saust herab, und das betreffende Land wird auf Linie gezwungen. Die nationale Souveränität wurde an ein privates Gremium abgetreten, ohne die Zustimmung der Wähler zu erfragen.


Kam Orwell nur 25 Jahre zu früh?
Argwöhnische Beobachter könnten die Ansicht vertreten, so werde eben eine private weltweite Diktatur aufgebaut: 1. Man erzeugt eine weltweite Krise; 2. beruft ein »beratendes Gremium« ein, das wieder »Stabilität« herstellen und erhalten soll und setzt dann 3. dieses eigentlich beratende Gremium als weltweite Regulierungsbehörde ein. Wenn die Menschen schließlich erkennen, was geschehen ist, ist es zu spät. Marilyn Barnwall, die vom Forbes Magazin als »Dekan des amerikanischen privaten Bankenwesens« bezeichnet wurde, schrieb im April 2009 in einem Artikel mit der Überschrift »Was geschah mit der amerikanischen Souveränität auf dem G-20-Treffen?«: »Offensichtlich ist den Banken der Welt ein unblutiger Putsch gelungen, so dass sie nun die gesamte Menschheit repräsentieren… Präsident Obama stimmte auf dem G-20-Treffen in London der Bildung eines internationalen Gremiums zu, das ermächtigt sein soll, sich in das Vorgehen amerikanischer Unternehmen einzumischen und die Managementvergütung zu diktieren sowie geschäftliche Entscheidungen der Manager zu bestätigen oder zu verwerfen. In dem neuen Financial Stability Board verfügen die Vereinigten Staaten nur über eine Stimme. Diese Gruppe wird mit anderen Worten von europäischen Zentralbankern kontrolliert werden. Ich schätze, sie werden ihre Interessen vertreten und nicht Ihre und nicht meine und bestimmt nicht die Amerikas.«

Ein unblutiger Putsch… Das erinnert wieder an das Eingeständnis David Rockefellers, der in seinen Memoiren (Random House 2002) schrieb: »Einige sind der Ansicht, wir seien Teil einer geheimen Intrige, die sich gegen die besten Interessen der Vereinigen Staaten richte. Sie bezeichnen meine Familie und mich als ,Internationalisten’, die sich zusammen mit anderen aus der ganzen Welt verschworen hätten, eine stärker integrierte weltweite politische und wirtschaftliche Struktur aufzubauen – eine Welt, wenn man so will. Wenn so die Anklage lautet, bekenne ich mich schuldig, und ich bin stolz darauf.«


Die Verpflichtungen, die vom Financial Stability Board eingefordert werden, stellen einen  Handelsvertrag dar, der im Senat eine Zweidrittel-Mehrheit erforderlich macht
Eine Zustimmung zum FSB war niemals Gegenstand einer öffentlichen Wahlentscheidung, weder direkt durch den einzelnen Wählern noch durch gewählte Volksvertreter. Der G-20-Gipfel wurde in Anlehnung an die Vereinbarungen, die 1944 zur Errichtung eines neuen Welthandelssystems führte, als »neues Bretton Woods« bezeichnet: Aber Bretton Woods wurde durch ein »Congressional Executive Agreement« in Kraft gesetzt, für das eine Mehrheit der Legislative erforderlich war. Besser wäre noch ein Vertrag gewesen, der eine Zweidrittel-Zustimmung des Senats benötigt hätte, schließlich handelt es sich um eine für die Nation verbindliche Vereinbarung. Das gleiche sollte auch verpflichtend sein, bevor man sich seitens der USA und ihrer Banken und Unternehmen dem Willen des Financial Stability Boards mit Sitz bei der BIZ unterwirft. Hier ein kurzer Überblick über die gesetzliche Grundlage:

Artikel II, Absatz 2 der Verfassung der Vereinigten Staaten verleiht dem Präsidenten die Vollmacht, Verträge mit dem »Rat und der Zustimmung« von mindestens zwei Dritteln des Senats abzuschließen. Die Verfassung legt dabei nicht ausdrücklich eine Alternative zu einem Vorgehen nach Artikel II, Absatz 2 vor. In der amerikanischen Geschichte hat der Präsident aber durchaus internationale »Vereinbarungen« im Sinne eines »Congressional-executive Agreement« abgeschlossen, die nur von einer Mehrheit von beiden Häusern des Kongresses ratifiziert wurden. Darüber hinaus kam es auch zu sogenannten »Solo-executive Agreements«, über die der Präsident  – ohne parlamentarische Beteiligung -  alleine entschied. Ein »Congressionl-executive Agreement« kann sich nur auf Bereiche beziehen, die innerhalb der Befugnisse des Präsidenten liegen oder auf Angelegenheiten, in denen der Kongress dem Präsidenten eine Vollmacht erteilt hat. Ein sogenanntes »Sole-executive Agreements« kann nur auf der Grundlage der Entscheidungsvollmacht des Präsidenten 1. in der Außenpolitik, 2. als oberster Befehlshaber der Streitkräfte oder 3. aufgrund einer vorangegangenen Entscheidung des Kongresses oder als Folge aus einem früheren Vertrag getroffen werden. Vereinbarungen, die über diese Zuständigkeiten hinausgehen, müssen vom Kongress (im Falle eines »Congressional-executive Agreements«) oder vom Senat (im Falle eines Vertrages ) bestätigt werden. Wenn ein internationales Handelsabkommen bindende »Vertrags«-Verpflichtungen enthält, könnte eine Zweidrittel-Mehrheit des Senats erforderlich sein.

Selbst bei einer Zweidrittel-Mehrheit im Senat sollte der Kongress vor seiner Bestätigung Gesetze verabschieden, die sicherstellen, dass das System von »Check and Balances« (ein System gegenseitiger Kontrolle zur Herstellung eines für das Ganze förderlichen Gleichgewichtes), das unsere Verfassung prägt, erhalten bleibt. Man könnte beispielsweise ein parlamentarisches Gegenstück zum FSB beschließen, das über Aufsichtsbefugnisse verfügt und auch korrigierend eingreifen kann. Die Parlamente der Mitgliedsländer (des FSB) sollten ein parlamentarisches Gremium wählen, das ebenfalls Aufsichtsbefugnisse hat und, falls erforderlich, korrigierend eingreifen kann. Die Vertreter dieses Gremiums sollten ihren nationalen Wählern verantwortlich sein.

Orwells Buch »1984« geriet im April 2009 erneut in die Schlagzeilen, als die britische Königin das Buch zum Staatsgeschenk anlässlich des Besuchs des mexikanischen Präsidenten Felipe Calderon erwählte. Calderon, der Unruhen brutal unterdrückte, die über den Vorwurf, er habe seinem populistischen Widersacher Stimmen und damit die Wahl gestohlen, ausgebrochen waren, gilt als Bewunder des Orwellschen Werkes. Dieses Ereignis nährte Befürchtungen, »1984« sei insgeheim von der heutigen Finanzoligarchie als Vorbild dafür auserkoren worden, wie man die Herrschaft des »Großen Bruders« weltweit durchsetzen könne. Das Buch endet damit, das der Held des Buches Winston durch Folter und Gehirnwäsche dazu gebracht wird, die Parteilinie zu akzeptieren. Wir müssen rasch und entschlossen handeln, um sicherzustellen, dass die heutige geschichtliche Entsprechung zum Buch ein glücklicheres Ende findet.

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