Friday, 30. September 2016
09.08.2010
 
 

Der Staatsverschuldungsfalle entkommen: Das beeindruckende Beispiel der Commonwealth Bank of Australia

System

Die gegenwärtige Kreditkrise ist eher eine Kapitalkrise, denn genau zu der Zeit, wo den Banken bereits das Kapital zur Sicherung ihrer ausgegebenen Kredite ausgeht, werden die Mindestkapitalanforderungen erhöht. Vor fast 100 Jahren hat die Commonwealth Bank of Australia bewiesen, dass die Banken eigentlich gar kein Kapital benötigen, um Kredite zu vergeben – so lange diese durch die Regierung gestützt werden. Der erste Gouverneur der Bank, Denison Miller, betonte voller Stolz, die Bank benötige kein Kapital, da sie »durch den Reichtum und den Kredit von ganz Australien« gestützt sei. Mit dieser nationalen Kreditvollmacht allein hat die Commonwealth Bank sowohl groß angelegte Infrastrukturprojekte als auch die Beteiligung des Landes am Ersten Weltkrieg finanziert.

US-Präsident John Adams wird mit den Worten zitiert: »Es gibt zwei Wege, ein Land zu erobern und zu unterwerfen: durch das Schwert oder durch Schulden.« Die wichtigsten Eroberungen werden heute auf dem Schlachtfeld der Schulden gemacht und dieser Krieg tobt weltweit. Die Verschuldung zwingt Privatleute in finanzielle Abhängigkeit von den Banken, sie zwingt Regierungen, Souveränitätsrechte an ihre Gläubiger abzutreten – letztere sind wiederum private Banken, die heute mit Ausnahme des Bargelds praktisch alles Geld erzeugen. In Großbritannien, wo die Bank of England in staatlichem Besitz ist, werden 97 Prozent der Geldmenge nicht vom Staat, sondern privat von Banken in Form von Krediten ausgegeben. In den USA ist die Zentralbank Eigentum eines privaten Bankenkonsortiums, hier liegt dieser Anteil sogar noch höher. Die Federal Reserve gibt Banknoten der Federal Reserve (Dollarscheine) aus und verleiht sie an andere Banken, die sie dann mit Zinsen an Privatpersonen, Unternehmen sowie Regierungen und Verwaltungen auf regionaler und auf Bundesebene weiter verleihen.

So ist die Lage heute, doch aus der Vergangenheit kennen wir erfolgreiche Modelle, bei denen die Regierung selbst die Landeswährung ausgegeben hat, sei es in Form von Geldscheinen oder als Kredit des Landes. Ein Paradebeispiel für diese fortschrittliche Einstellung zu Geld und Kredit war die Commonwealth Bank of Australia, die fast das gesamte 20. Jahrhundert hindurch erfolgreich als Bank in staatlichem Besitz gearbeitet hat. Anstatt »Staatsschulden« (engl.: sovereign debt) auszugeben – d.h. Staatsanleihen, durch die sich ein Land auf Dauer verschuldet und für die Zinsen bezahlt werden müssen – hat die Regierung durch die Commonwealth Bank »souveränen Kredit« vergeben, den Kredit des Landes, der dem Staat und seinen Bürger zugute kam.

Was die Bank bewirkt hat, ist umso bemerkenswerter, wenn man berücksichtigt, dass sie in den ersten acht Jahren ihres Bestehens, von 1912 bis 1920, noch keine Vollmacht zur Ausgabe der Landeswährung besaß und ohne Startkapital operierte. Sir Denison Miller, von der Gründung der Bank im Jahr 1912 bis 1932 deren Gouverneur, wurde am 7. Juli 1921 in der australischen Presse mit den Worten zitiert:

 

»Hinter der Bank stehen die gesamten Ressourcen Australiens, so stark wie dieser Kontinent ist, so stark ist auch die Commonwealth Bank. Was immer die Menschen in Australien an intelligenten Plänen ausdenken und loyal unterstützen, kann Wirklichkeit werden.«

 

Das war nicht nur Reklame in eigener Sache. In seinem 2001 verfassten Aufsatz »Wie in Australien Geld geschöpft wird« schrieb David Kidd über die anfänglichen Leistungen der Bank:

 

»Australiens eigene von der Regierung gegründete Commonwealth Bank konnte beeindruckende Erfolge verzeichnen, solange sie noch die ›Bank des Volkes‹ war, bevor sie durch Entscheidungen späterer Regierungen in ihrem Wirken eingeschränkt und schließlich verkauft wurde. In einer Zeit, wo Privatbanken für Kredite sechs Prozent Zinsen verlangten, hat die Commonwealth Bank die Beteiligung Australiens am Ersten Weltkrieg mit einem Kredit in Höhe von 700 Millionen Dollar von 1914 bis 1919 bei einem Zinssatz von weit unter einem Prozent finanziert und dadurch für die Bürger ca. zwölf Millionen Dollar an Bankgebühren eingespart. 1916 stellte sie in London das Geld für den Ankauf von 15 Frachtdampfern zur Unterstützung des wachsenden Exporthandels in Australien bereit. Bis 1924 wuchs der Nutzen, den die australischen Bürger von dieser Bank hatten, beständig. Sie vergab u.a. Kredite in Höhe von acht Millionen Dollar an australische Haushalte und von 18,72 Millionen Dollar an örtliche Verwaltungen für den Bau von Straßen, Straßenbahnen, Häfen, Gas- und Elektrizitätswerken etc. Zwischen Dezember 1920 und Juni 1923 zahlte sie 6,194 Millionen Dollar an die Regierung des Commonwealth – die Gewinne ihrer Notenausgabeabteilung – und erwirtschaftete bis 1924 bei ihren sonstigen Geschäften einen Gewinn von neun Millionen Dollar, die zur Schuldenrückzahlung verwendet werden konnten. Der in seinem Denken völlig unabhängige Gouverneur Sir Denison Miller nutzte nach dem Ersten Weltkrieg die Vollmacht der Bank zur Kreditvergabe und ersparte Australien dadurch die einschneidenden Depressionsbestimmungen, die in anderen Ländern verhängt wurden ... Bis 1931 war die Commonwealth Bank durch Verschmelzung mit anderen Banken zur größten Sparkasse in Australien geworden, 60 Prozent aller Spareinlagen des Landes wurden hier getätigt.«

 

Die geheime Macht des Bankgeschäfts für das Gemeinwohl nutzen

Die Commonwealth Bank konnte mit so wenig Mitteln so viel erreichen, weil sowohl ihr erster Gouverneur Denison Miller als auch ihr oberster und eifrigster Verfechter King O’Malley selbst Bankiers gewesen waren und das Geheimnis des Bankgeschäfts kannten: dass nämlich Banken das »Geld«, das sie verleihen, ganz einfach durch einen Eintrag auf den Konten der Kreditnehmer erzeugen konnten.

Dieses Geheimnis des Bankgeschäfts haben weitere Bankeninsider der damaligen Zeit bestätigt. Der australische Wirtschaftswissenschaftler Mike Mansfield zitierte 1998 in einem Aufsatz zum Thema »Manufacturing Money« ( deutsch: Geld herstellen) den ehemaligen Schatzkanzler, den Rt. Hon. Reginald McKenna, der am 25. Januar 1924 vor den Aktionären der Midland Bank erklärt hatte:

 

»Ich fürchte, der normale Bürger hört es nicht gern, dass die Banken Geld erzeugen und es zerstören können – und dies auch tatsächlich tun. Die Menge des bestehenden Geldes schwankt in dem Maße, wie die Banken die Einlagen erhöhen oder vermindern sowie durch Käufe der Bank. Wir wissen, wie dies vor sich geht. Durch jeden Kredit, jede Überziehung eines Kontos oder Kauf durch die Bank entsteht eine Einlage, jede Rückzahlung eines Kredits oder Kontokorrentkredits, jeder Verkauf durch die Bank tilgt eine Einlage.«

 

Dr. Coombs, der ehemalige Gouverneur der Reserve Bank of Australia, sagte am 15. September 1954 bei einer Rede an der Queensland University: »[W]enn eine Bank Geld verleiht, dann bekommt es der Kreditnehmer in die Hand, ohne dass irgend jemand dadurch weniger hätte. Wenn eine Bank einen Kredit vergibt, so steigt die Menge des insgesamt verfügbaren Geldes.«

Raph Hawtrey, in den 1930er-Jahren Staatssekretär im britischen Finanzministerium, schrieb in Trade Depression and the Way Out (deutsch: Flaute und der Ausweg): »Wenn eine Bank Geld verleiht, dann schöpft sie Geld aus dem Nichts.« In seinem Buch The Art of Central Banking (deutsch: die Kunst des Zentralbankwesens) erklärte er dies noch weiter:

 

»Wenn eine Bank Geld verleiht, dann erzeugt sie Kredit. Als Gegenleistung für das Darlehen, das bei den Aktiva aufgeführt wird, wird auf der Passivaseite ein Eintrag vorgenommen. Doch andere Kreditgeber verfügen nicht über die magische Kraft, die Zahlungsmittel aus dem Nichts erzeugen zu können. Sie können nur das Geld verleihen, das sie durch ihre wirtschaftliche Tätigkeit verdient haben.«

 

Banken können tun, was allen anderen verwehrt ist, nämlich »Zahlungsmittel aus dem Nichts erzeugen«. Die vorausschauenden Gründer der Commonwealth Bank haben dieses gut gehütete Geheimnis des Bankwesens für das öffentliche Wohl genutzt.

 

 

Ein neues Modell öffentlicher Banken nach dem Bankenkrach von 1893

Die Commonwealth Bank wurde unter ähnlichen Bedingungen geschaffen, wie sie heute vorherrschen: Das Land hatte gerade einen schweren Bankenkrach erlebt. In den 1890er-Jahren gab es jedoch weder eine FDIC-Versicherung, noch eine Sozial- oder Arbeitslosenversicherung, um die dadurch entstehenden Härten abzufedern. Menschen, die sich für begütert hielten, stellten plötzlich fest, dass sie nichts mehr hatten. Sie konnten ihr Geld nicht mehr abheben, keine Schecks auf ihre Kontoguthaben ausstellen und ihre Produkte oder ihre Häuser nicht mehr verkaufen, denn es gab kein Geld, mit dem jemand etwas hätte kaufen können. Verzweifelte Menschen sprangen von Brücken oder warfen sich vor Züge. Es musste etwas geschehen.

Die Antwort der Labor-Regierung bestand in einem 1911 verabschiedeten Gesetz, das eine Bestimmung zur Gründung einer Bank im öffentlichen Besitz enthielt, die durch die staatlichen Vermögenswerte gestützt würde. In einem für die damalige Zeit ungewöhnlichen Schritt sollte die Bank sowohl als Sparkasse wie auch als allgemeine Geschäftsbank fungieren. Sie war auch die erste Bank in Australien, der staatliche Garantien gewährt wurden.

Jack Lang war von 1920 bis 1921 australischer Finanzminister in der Labor-Regierung und in der Zeit der Großen Depression Ministerpräsident des Bundesstaats New South Wales. Er war während der ganzen Zeit umstritten und wurde seiner Ämter enthoben, als er an Londoner Banken geschuldete Kredite nicht anerkannte. In seinem Buch The Great Bust: The Depression of the Thirties (McNamara Books, Katoomba, 1962; deutsch: Der große Krach: Die Depression der dreißiger Jahre) beschreibt Lang ausführlich die Erfolge und Schwierigkeiten der Commonwealth Bank. Er schreibt:

 

»Die Labor Party kam zu dem Schluss, eine durch staatliche Vermögenswerte gestützte Nationalbank werde in Zeiten finanzieller Bedrängnis nicht scheitern. Der Partei wurde auch klar, dass eine solche Bank die Garantie dafür gewähre, dass Geld für den Wohnungsbau und andere notwendige Ausgaben vorhanden sein würde. Nach dem Zusammenbruch der Baugenossenschaften waren die Mittel für solche Zwecke äußerst knapp bemessen.
[...]
Der stärkste Verfechter des Plans einer Commonwealth Bank war King O'Malley, ein schillernder Kanadier-Amerikaner [...] Bevor er nach Australien kam, hatte er in einer kleinen New Yorker Bank gearbeitet, die seinem Onkel gehörte [...] Ihm hatte die Art und Weise, wie sein Onkel Kredit erzeugt hatte, sehr imponiert. Eine Bank konnte den Kredit und gleichzeitig als Gegenwert ein Debet erzeugen. Das war die große Erkenntnis in O’Malleys Karriere als Bankier. Als geborenen Mann der großen Show juckte es ihn, dies einmal in großem Stil zu probieren. Er begann seine politische Karriere in Südaustralien damit, dass er für eine Geschäftsbank in staatlichem Besitz warb. 1901 zog er als Ein-Mann-Interessenverband für eine Commonwealth Bank in das erste Bundesparlament ein, zu diesem Zweck trat er der Labor Party bei.«

 

King O’Malley bestand darauf, die Commonwealth Bank müsse die Kontrolle über die Ausgabe eigener Banknoten haben, konnte sich jedoch in diesem Punkt nicht durchsetzen – bis 1920, als die Bank die Ausgabe der Landeswährung übernahm, wozu 1913 auch die U.S. Federal Reserve ermächtigt wurde. Damit erhielt die Commonwealth Bank die Vollmachten als Zentralbank. Doch bereits zuvor war sie in der Lage, in großem Umfang Infrastruktur- und Verteidigungsausgaben zu finanzieren, und sie tat dies ohne Startkapital. Dies war im Wesentlichen das Ergebnis der Einsicht und Entschlossenheit des ersten Gouverneurs der Bank, Denison Miller.

Die anderen Bankiers, die eine Konkurrenz fürchteten, hatten gemeint, wenn sie einen der ihren zum Gouverneur der Bank machten, so können sie dafür sorgen, dass dieser nicht aus der Reihe tanzte. Doch sie hatten nicht mit der Unabhängigkeit des von ihnen Ernannten gerechnet, der die Chance erkannte, die eine vom Staat gestützte Bank bot und sich daran machte, sie zum besten Geldinstitut zu machen, das das Land je gesehen hatte. Lang berichtet:

 

»Der erste Test kam, als eine Entscheidung über die Höhe des Startkapitals für solch eine Bank getroffen werden musste. Dem Gesetz nach hatte der Commonwealth das Recht, öffentliche Schuldverschreibungen bis zu einer Höhe von einer Million Pfund auszugeben. Angesichts der Ereignisse von 1893 hielten einige selbst diesen Betrag für unzureichend ...«

 

Als Denison Miller davon erfuhr, antwortete er, es sei kein Kapital erforderlich.

Miller war skeptisch, bei den Politikern um Geld zu bitten. Er konnte ohne Kapital zurechtkommen. Genauso wie King O’Malley wusste er, wie das Bankgeschäft funktionierte. (Damals gab es natürlich noch nicht die heutigen Mindestkapitalanforderungen, die von der sogenannten Bank der Zentralbanker, der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, auferlegt werden.) Lang schreibt weiter:

 

»Miller war der einzige Angestellte. Er fand ein kleines Büro [...] und erbat vom Finanzministerium ein Darlehen von 10.000 Pfund. Es war wahrscheinlich das erste und letzte Mal, das der Commonwealth der Bank Geld geliehen hat. Von nun an floss alles in umgekehrter Richtung.
[...]
Bis Januar 1913 hatte [Miller] die Vorbereitungen zur Eröffnung einer Bank in jedem Bundesstaat des Commonwealth und einer Vertretung in London abgeschlossen. [...] [A]m 20. Januar 1913 erklärte er bei einer Rede die neue Commonwealth Bank für eröffnet. Er sagte: ›Diese Bank beginnt ohne Kapital, da solches zurzeit nicht erforderlich ist, aber sie wird gestützt durch den Reichtum und den Kredit von ganz Australien.‹

Mit diesen einfachen Worten waren die Charta der Bank und das Credo Denison Millers umrissen, er wurde nie müde, sie zu zitieren. Er versprach, Einrichtungen zu schaffen, um die natürlichen Ressourcen des Landes auszubauen, die Bank werde zu allen Zeiten die Bank des Volkes bleiben. ›Sie wird zweifellos stets zu den großen Banken dieser Welt gerechnet werden‹, setzte er prophetisch hinzu.
[...]

Langsam dämmerte es den Privatbanken, dass sie eine Schlange an ihrer Brust nährten. In ihrer Fixierung auf die Gefahr einer Bankvergesellschaftung war ihnen entgangen, dass sie von der Konkurrenz eines orthodoxen Bankiers, der den Reichtum des Landes im Rücken hatte, weit mehr zu fürchten hatten.
[...]
Zur ersten Demonstration seines Elans kam es, als der Melbourne Board of Works (Wasserversorgung) am Markt Geld aufnehmen wollte, um alte Kredite zurückzuzahlen und neues Geld in die Kassen zu bekommen. Bis dahin waren Regierungen – abgesehen von den eigenen Schatzwechseln und Darlehen ihrer eigenen Sparkassen – auf Auslandskredite aus London angewiesen gewesen. [...] Zusätzlich zu hohen Gebühren konnten sie, wie sie feststellten, bestenfalls mit einer Million Pfund zu vier Prozent Zinsen bei einem Kaufkurs von 97,5 Prozent rechnen.

Sie entschieden daraufhin, sich an Denison Miller zu wenden, der solchen Körperschaften besondere Konditionen zugesichert hatte. Er bot sofort einen Kredit über drei Millionen Pfund bei einem Kaufkurs von 95 Prozent und einer Verzinsung von vier Prozent an. Umgehend willigten sie in das Geschäft ein. Auf die Frage, woher sich seine gerade erst gegründete Bank so viel Geld beschafft habe, antwortete Miller: ›Aus dem Kredit des Landes. Der ist unbegrenzt.‹«

 

Zum nächsten großen Test kam es 1914 mit dem Ersten Weltkrieg:

 

»Zunächst bestand die Gefahr, dass die Menschen die Banken stürmten, um ihr Geld abzuheben. Den Banken war klar, dass sie in dem Fall noch verwundbar waren. Sie hatten noch immer Angst vor einem zweiten Schwarzen Freitag.

Hastig wurde ein Treffen der wichtigsten Bankiers einberufen. Einige berichteten, es gäbe Anzeichen dafür, dass ein Run bereits einsetze. Daraufhin erklärte Denison Miller, die Commonwealth Bank werde im Namen des Commonwealth jede Bank unterstützen, die in Schwierigkeiten gerate. [...] Damit war die Panik beendet. Doch Miller hatte sich einen Logenplatz gesichert. Zum ersten Mal übernahm die Commonwealth Bank die Führung. Jetzt erteilte sie Befehle, anstatt sie entgegenzunehmen.
[...]
Praktisch hatte Denison Miller die Finanzierung des Krieges unter seiner Kontrolle. Die Regierung wusste nicht, wie sie dies bewerkstelligen sollte, Miller dagegen schon.«

 

So setzt sich diese interessante Geschichte fort. Miller starb 1923, und 1924 übernahmen die Bankiers wieder die Kontrolle. Sie erstickten die Aktivitäten der Commonwealth Bank, sodass sie die Bürger nicht vor den verheerenden Auswirkungen der Depression der 1930er-Jahre bewahren konnte. 1931 geriet der Bankvorstand in Konflikt mit der Labor-Regierung von James Scullin. Der Vorstandsvorsitzende der Bank weigerte sich, den Kredit als Antwort auf die Große Depression zu erhöhen, wenn die Regierung nicht die Renten kürzte, was Scullin strikt ablehnte. Der Konflikt über diese Frage führte zum Sturz der Regierung und zur Forderung der Labor Party nach einer Reform der Bank und direkter staatlicher Kontrolle über die Geldpolitik.

Durch ein während des Zweiten Weltkriegs verabschiedetes Notstandsgesetz wurden der Commonwealth Bank fast alle Vollmachten einer Zentralbank übertragen; am Ende des Krieges nutzte sie diese dazu, eine drastische Expansion der Wirtschaft anzustoßen. Innerhalb von fünf Jahren wurden in ganz Australien Hunderte Zweigstellen eröffnet. 1958 und 1959 teilte die Regierung die Bank auf, die Funktion einer Zentralbank wurde der Reserve Bank of Australia übertragen, die Commonwealth Banking Corporation behielt ihre Funktion als Geschäftsbank. Beide Banken verblieben jedoch in öffentlichem Besitz.

Schließlich unterhielt die Commonwealth Bank Zweigstellen in jeder Stadt und jedem kleinen Ort, im Busch unterhielt sie in jedem Postamt oder Laden eine Vertretung. Als größte Bank des Landes bestimmte sie Zinssätze und die Geschäftspolitik, der die anderen folgen mussten, wenn sie ihre Kunden nicht verlieren wollten. Die Commonwealth Bank galt gemeinhin als Versicherungspolice gegen den Missbrauch der Privatbanken, jedermann war ein gerechter Umgang von Seiten der Bank garantiert. Bis zu ihrer Privatisierung in den 1990er-Jahren wirkte sie als Bank alleinigem staatlichen Besitzes. Danach verlagerte sich ihr geschäftlicher Schwerpunkt auf Gewinnmaximierung – Zweigstellen und Vertretungen wurden reihenweise geschlossen, Mitarbeiter entlassen, der Zugang zu Geldautomaten und die Möglichkeit, an der Supermarktkasse Geld abzuheben, wurde erschwert. Heute ist sie Teil des Bankenkartells, doch ihre Befürworter bleiben dabei: Einst war sie der Lebensnerv des Landes.

Jetzt regt sich in Australien wieder das Interesse an einer Bank im öffentlichen Besitz nach dem Modell der Commonwealth Bank. Auch die Vereinigten Staaten und andere Länder wären gut beraten, eine solche Möglichkeit in Erwägung zu ziehen.

Mein besonderer Dank gilt Peter Myers, der in seinem wöchentlichen Nachrichtenbrief große Abschnitte des Buches von Jack Lang wiedergegeben hat.

 

 


 

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