Sunday, 25. September 2016
01.02.2014
 
 

Britische Großbanken in erheblichen Schwierigkeiten

F. William Engdahl

Fast sieben Jahre nach Ausbruch der US-Finanzkrise um betrügerische Immobiliendarlehen zeigen sich bei zwei der größten Banken in der EU – beides Londoner Banken – Anzeichen für schwere finanzielle Probleme. Sie gehen zurück auf die faulen Kredite in Milliardenhöhe, die in der Zeit von Alan Greenspans »Finanzrevolution« ausgegeben wurden. In den letzten Wochen gab es bei der Londoner Großbank HSBC einen stillen »Run« von Einlegern. Berichten zufolge verzeichnet die Royal Bank of Scotland für 2013 Verluste in Höhe von zehn Milliarden Euro. Was sagt uns das über die Zukunft der Banken, die »zu groß sind, um bankrott zu gehen?«

Am 16. Januar gab das Hongkonger Analysehaus Forensic Asia eine »Verkaufsempfehlung« für HSBC ab. Als Grund wurden »fragwürdige Aktivposten« in deren Bilanz genannt. Nach Schätzungen des Analysehauses hat die HSBC, die größte Bank in Europa, ihre Vermögenswerte um 60 Milliarden Dollar zu hoch angegeben, möglicherweise brauche sie am Ende des laufenden

Quartals fast 85 Milliarden Euro an zusätzlichem Kapital, um zu überleben.

 

In dem Bericht aus Hongkong heißt es: »Die HSBC hat in der Atempause der Quantitativen Lockerung nicht die erforderlichen Adjustierungen vorgenommen… Das Resultat sind extrem überzogene Ertragsmeldungen, was zur Folge hat, dass die HSBC weltweit zu den größten Nutzern der Kapital-Forbearance zählt … Diese Farce erreicht offenbar ihr Ende.« »Forbearance« bedeutet, dass einer Bank oder Sparkasse gestattet wird, vorübergehend mit weniger als dem vorgeschriebenen Eigenkapital zu operieren, wenn sie angemessene Pläne nachweist, das Kapital zu ersetzen.

 

Die »fragwürdigen Aktivposten« in den Bilanzen reichen von Kreditausfallreserven und aufgelaufenen Zinsen über latente Steueransprüche, leistungsorientierte Pensionspläne bis hin zu undurchsichtigen Basel-Level-3-Assets.

 

Limits für Abhebungen von Einlagen

 

Die Panik unter Einlegern wurde weiter geschürt, als die HSBC willkürlich und ohne Ankündigung den Betrag, den Kunden pro Tag von ihrem Konto abheben können, begrenzte. Am 24. Januar berichtete die BBC, die HSBC verwehre ihren Kunden die Abhebung größerer Bargeldbeträge, wenn sie nicht angeben könnten, wofür sie das Geld brauchten. Ein Beispiel war ein Betrag von 8500 Euro, den ein Mann abheben wollte, um ein Darlehen von seiner Mutter zurückzuzahlen.

 

Die Bank verweigerte die Auszahlung, sie bestand auf der Vorlage einer schriftlichen Bestätigung der Mutter, und selbst dann dürfe nur ein Teil der Summe abgehoben werden.

 

In dem lahmen Versuch, die Entscheidung zu rechtfertigen, räumte die Bank in einer schriftlichen Mitteilung ein, ihre Kunden nicht über die neue Politik informiert zu haben: »Wir fragen unsere Kunden nach dem Zweck von Barabhebungen, wenn diese ungewöhnlich hoch sind… Denn wir sind verpflichtet, unsere Kunden zu schützen und die Möglichkeit zu minimieren, dass Finanzstraftaten begangen werden.« Ein Kunde antwortete: »Es geht nicht an, der Bank gegenüber erklären zu müssen, wofür man das Geld haben will. Es gehört nicht der Bank, es gehört Ihnen.«

 

Als die Nachricht bekannt wurde, begann ein stiller Run auf die Bank, sie war gezwungen, die Beschränkungen aufzuheben, um einen kompletten Run auf die Einlagen zu verhindern. Seit dem 18. Jahrhundert und der Erfahrung der Amsterdamer Wechselbank arbeiten moderne Banken mit »Mindestreserven«. Das bedeutet, dass jeweils nur ein kleiner Teil der gesamten Einlagen zur Verfügung steht.

 

Man rechnet sich aus, dass nicht alle Kunden gleichzeitig ihre Einlagen abziehen werden, sodass man kein 100-prozentiges Aktiva-Einlagen-Verhältnis vorhalten müsse. Man lässt das Geld an den Finanzmärkten arbeiten, sodass es mehr Geld einbringt (für die Bank natürlich, nicht für die Einleger). Das Mindestreserve-Bankwesen bricht in dem Moment zusammen, wo das Vertrauen schwindet und Einleger »rennen«, um ihr Geld abzuheben. Das geschah 1931 in Deutschland und 2014 geschieht es offenbar in Großbritannien.

 

Auch die Royal Bank of Scotland?

 

Allem Anschein nach ist die HSBC nicht die einzige britische Großbank, die sich in Schwierigkeiten befindet. Die Verluste der Royal Bank of Scotland belaufen sich für 2013 auf fast zehn Milliarden Euro, nachdem Direktoren trotz Verlusten riesige Boni gezahlt wurden und die Bank annähernd vier Milliarden Euro zur Deckung möglicher rechtlicher Ansprüche im Zusammenhang mit immobilienbesicherten Wertpapieren und anderen riskanten Papieren, die vor der Finanzkrise von 2007 verkauft worden waren, zurücklegen musste, und im Zusammenhang mit Vorwürfen von Devisenkurs-Absprachen.

 

Offizielle Untersuchungen über Kursmanipulationen durch die RBS und andere Großbanken wecken Zweifel an der Integrität täglicher Kursfestsetzungen an den globalen Devisen- und Goldmärkten.

 

In einer Kundenmitteilung erklärte die Bank, sie werde ihre Gebote für Devisenbewertungen auf einige wenige Preisfixings beschränken; im Übrigen werde sie ihren internen Referenzsatz, »RBS Fix« genannt, zurückfahren. Die staatliche britische Finanzagentur [UK Financial Investments, UKFI] verwaltet die 81 Prozent der Anteile des britischen Staates an der Royal Bank of Scotland, nachdem die Bank während der globalen Finanzkrise im September 2008 gerettet werden musste.

 

Diese Vorfälle können eine kürzlich von der Deutschen Bundesbank herausgegebene Empfehlung erklären, laut der es bei einer zukünftigen nationalen finanziellen Notlage erforderlich sein könnte, das Vermögen der Bürger zu »besteuern«, um das Vertrauen wiederherzustellen. Sie erwähnte dies im Zusammenhang mit den laufenden Rettungsbemühungen vonseiten der EU und der Bundesbank für die schwächelnden Volkswirtschaften in der Euro-Zone – Irland, Griechenland, Spanien, Italien, Zypern und Portugal.

 

Außerdem steht eine Entscheidung des deutschen Bundesgerichtshofs über die Verfassungsmäßigkeit der Beteiligung der Bundesbank am Rettungsplan der Euro-Zone für die notleidenden Mitgliedsländer aus. Eine negative Entscheidung im April würde umgehend eine neue Runde der Euro-Krise auslösen – zu einem Zeitpunkt, an dem sich das Finanzsystem einen neuen systemischen Schock kaum leisten kann.

 

 

 


 

 

Interesse an mehr Hintergrundinformationen?

 

Werfen Sie einen Blick hinter die Kulissen der Macht – und erfahren Sie, was die Massenmedien Ihnen verschweigen!

 

Lesen Sie weitere brisante Informationen im neuen KOPP Exklusiv. KOPP Exklusiv wird grundsätzlich nicht an die Presse verschickt und dient ausschließlich zu Ihrer persönlichen Information. Jede Ausgabe ist gründlich recherchiert, im Klartext geschrieben und setzt Maßstäbe für einen kritischen Informationsdienst, der nur unter ausgewählten Lesern zirkuliert und nur im Abonnement zu beziehen ist.

 

In der aktuellen Ausgabe finden sie unabhängige Hintergrundinformationen unter anderem zu folgenden Themen:

 

  • 25 Prozent Fehlurteile in Deutschland
  • Irre: Mietpreisbremsen machen unsere Wohnungen
    immer teurer
  • Islam: Warum Christen das Wort Gott nicht mehr in
    Zusammenhang mit Allah nennen dürfen
  • Verschwiegene Wahrheit: Die Nuklearexplosion am
    großen Leuchtturm

 

 

Das alles und viele weitere Kurzberichte im neuen KOPP Exklusiv, fordern Sie noch heute Ihr Probeabonnement an!

Ergänzende Beiträge zu diesem Thema

Warum begehen Banker in Führungspositionen in London Selbstmord?

Michael Snyder

Wenn wir an Banker denken, die von den Dächern ihrer eigenen Banken in den Tod springen, haben wir entsprechende Bilder aus der Zeit der Großen Depression vor Augen. Aber das Gleiche ist erst vor Kurzem in der britischen Hauptstadt London geschehen. Gabriel Magee (39), ein Vizepräsident der europäischen Zentrale der Bank JPMorgan in London stürzte  mehr …

Schwellenländer werden zu Pulverfässern

Michael Brückner

Dem chinesischen Schattenbankensystem droht der Crash. Argentinien steuert geradewegs auf den Staatsbankrott zu – und Brasilien droht, infiziert zu werden. Andere Schwellenstaaten wie Thailand, die Türkei und die Ukraine versinken im politischen Chaos. Droht eine neue Weltwirtschaftskrise? Die Risiken sind in den vergangenen Wochen jedenfalls  mehr …

Tanz auf dem Vulkan: Banken-Crash ante portas?

Michael Brückner

Fast gewinnt man den Eindruck, wir lebten wieder in der besten aller Welten. Optimismus allenthalben. Doch in den Banken braut sich etwas zusammen: Europas Finanzinstitute brauchen noch viele Milliarden Euro, um zu überleben. Und in China trauen sich die Banker untereinander schon nicht mehr über den Weg. Offiziell redet keiner davon, aber alle  mehr …

Wer diesen Artikel gelesen hat, hat sich auch für diese Beiträge interessiert:

Reichster Investor der Welt: »… wäre alles in einigen Tagen vorbei gewesen«

Redaktion

Warren Buffett wurde jüngst in einem großen Beitrag in Deutschland mit einigen Aussagen erneut zitiert. Buffett, vermögendster reiner Investor der Welt (Bill Gates produziert(e) noch Waren), bekannt für sein Gespür und seine klare Sprache, blickte zurück auf die schlimmste Zeit der aktuellen US-Finanzkrise: »…wäre alles in einigen Tagen vorbei  mehr …

Verschwiegene Wahrheit: Die Nuklearexplosion am Leuchtturm

Fidel Müller

Unser Bewusstsein und unser Wissen werden von den Massenmedien geprägt. Wie schlecht wir inzwischen informiert sind, zeigt ein ganz simpler Wissenstest zur größten Atomkatastrophe aller Zeiten. Von der haben selbst die meisten Atomkraftgegner noch nie etwas gehört.  mehr …

Supererreger vermehren sich, verbreiten in Klärwerken medikamentenresistente Gene

L. J. Devon

Welche Rolle spielt der übermäßige Antibiotikaeinsatz bei der Ausbreitung neuer invasiver Supererreger? Warum verbreiten Kläranlagen Superreger, auch nach der Behandlung des Wassers? Ist Chlor ein wirksames Wasser-Desinfektionsmittel? Mit diesen Fragen sind Experten konfrontiert, denn Klärwerke erweisen sich regelmäßig als ineffektiv. Neue  mehr …

Warum begehen Banker in Führungspositionen in London Selbstmord?

Michael Snyder

Wenn wir an Banker denken, die von den Dächern ihrer eigenen Banken in den Tod springen, haben wir entsprechende Bilder aus der Zeit der Großen Depression vor Augen. Aber das Gleiche ist erst vor Kurzem in der britischen Hauptstadt London geschehen. Gabriel Magee (39), ein Vizepräsident der europäischen Zentrale der Bank JPMorgan in London stürzte  mehr …

Werbung

Newsletter-
anmeldung!
Hier erhalten Sie aktuelle Nachrichten und brisante Hintergrundanalysen
(Abmeldung jederzeit möglich)

KOPP EXKLUSIV – Jetzt bestellen

Brisante Hintergrundanalysen wöchentlich exklusiv nur bei uns.

Katalog – Jetzt kostenlos bestellen

Bestellen Sie unseren Katalog kostenlos und unverbindlich.