Finanzmarkt: Sieben Staaten erwägen Abkehr vom Dollar
Udo Ulfkotte
Der Wertverlust des Dollars gegenüber dem Euro ist immens. Von Oktober 2002 bis November 2007 verlor der Dollar gegenüber dem Euro rund 67 Prozent an Wert.
Der Trend läuft in den kommenden Monaten wohl weiter gegen den Dollar. Die Chinesen haben in aller Ruhe damit begonnen, die enormen staatlichen Dollarbestände in andere Währungen (u. a. den Euro) umzuschichten. Das chinesische Vorgehen hat eine Reihe von Nachahmern, die insgesamt den Dollar in eine schwere Krise stürzen könnten. Denn sieben Staaten erwägen eine generelle Abkehr vom Dollar, unter ihnen enge Verbündete der Vereinigten Staaten wie Saudi-Arabien, aber auch Gegner wie die Islamische Republik Iran und Sudan.
Seit Sommer 2005 ist der chinesische Yuan schon nicht mehr an den Dollar gekoppelt. Im August 2007 hatte China angekündigt, eine finanzielle »nukleare Option« gegenüber den Vereinigten Staaten zu haben – die gigantischen Dollar-Währungsreserven. China hält derzeit rund eine Billion Dollar an amerikanischen Staatsanleihen, so viel wie kein anderer Staat der Welt. Zöge sich China auch nur teilweise aus dem Dollar zurück – die Folgen wären für die USA verheerend. Nun sieht sich Washington sechs weiteren Staaten gegenüber, die sich vom Dollar lösen wollen: Saudi-Arabien, Südkorea, Venezuela, Sudan, Iran und Russland. Iran hat drei Termine für die Eröffnung einer iranischen Öl-Börse, die nicht auf Dollar-Basis basieren wird, verschoben. Dennoch sind die Ankündigungen – ebenso wie jene der anderen Staaten – ernst zu nehmen. Moskau hatte 2005 angekündigt, eine auf Rubel basierende Börse für Öl- und Gasprodukte zu eröffnen und den Ölpreis an den Euro anzukoppeln – das Vorhaben ähnelt jenem in Teheran. Südkorea will in den nächsten Monate alle Dollar-basierten amerikanischen Staatsanleihen verkaufen und Saudi-Arabien hat sich im September zum ersten Mal in seiner Geschichte geweigert, eine Zinssenkung der amerikanischen Notenbank mitzumachen. Das war ein deutliches Zeichen dafür, dass Riad den saudischen Rial möglicherweise vom Dollar abkoppeln will.
Vor diesem Hintergrund ist klar, dass eine Reihe von Staaten keine weiteren Wertverluste durch den fallenden Dollar hinzunehmen bereit sind. Der Dollar befindet sich in Schwierigkeiten. Und für das nächste Treffen der OPEC-Staaten soll ein Berater-Gremium Möglichkeiten erkunden, aus der Öl-Leitwährung auszusteigen. Auf saudischen Wunsch hin wurde das Wort »Dollar« nicht erwähnt. Riad fürchtet offenkundig, auch nur mit der Erwähnung des Dollars einen weiteren Kursverfall dieser Währung bewirken zu können.
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