Freitag, 24. März 2017
12.06.2015
 
 

»Ein Schuldenerlass für Griechenland ist biblisch nicht begründbar.«

Gerald Mann

Die Botschafterin der EKD für das Reformationsjubiläum 2017, Margot Käßmann, forderte auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag in Stuttgart einen Schuldenerlass für Griechenland. Sie meint, dies sei ein »biblisches Gebot«.

 

Das klingt fromm. Doch nicht nur aus biblischen Gründen ist Widerspruch notwendig:

 

1. Beim Schuldenerlass in 3. Mose 25 geht es um das eigene Land, die Angehörigen des eigenen Volkes, aber nicht um die Schulden fremder Regierungen. Außerdem tritt der Schuldenerlass erst nach 50 Jahren ein, aber nicht schon einige Jahre nach Aufnahme von Schulden – wie in Griechenland.

 

2. Ist Käßmann bewusst, dass ein Schuldenerlass gleichzeitig auch eine Enteignung der deutschen Sparer bedeutet? Wäre das auch biblisch?

 

3. Käßmann prangert zu Recht die Gier an. Doch im Blick auf Griechenland gilt doch auch, dass eine besondere Form von Gier der Einkauf auf Kredit ist, den man nicht zurückzahlt.

 

4. Wirtschaftlich betrachtet führt jedenfalls ein Schuldenerlass nicht zu mehr Wettbewerbsfähigkeit, sondern die Wiedereinführung der Drachme.

 

Wir haben bereits 100 Milliarden erlassen

 

5. Was vergessen ist: Griechenland sind bereits im März 2012 rund 100 Milliarden Euro »freiwillig« erlassen worden. Das entspricht einem Wert von fünf Millionen Autos à 20 000 Euro. Das ist eine ganze Menge ersparter Lebensleistung!

 

6. Die sogenannte »Euro-Rettung« Griechenlands bedeutet darüber hinaus, dass beispielsweise die Kassiererin bei Aldi in Deutschland mit ihren Ersparnissen und ihrer Steuerkraft dafür haftet, dass die für den gigantischen Schuldenberg verantwortlichen griechischen Politiker weiter einen Rentenanspruch haben, von dem die Aldi-Kassiererin nur träumen kann. Dies widerspricht biblisch und ökonomisch begründeter Gerechtigkeit.

 

Wenn es einen weiteren Schuldenerlass gebe

 

7. Trotz aller Hilfe ist im sechsten Jahr der »Euro-Rettung« der griechische Schuldenberg größer als 2009! Die Wirtschaftsleistung ist in einem Maße eingebrochen, wie wir es von der Weltwirtschaftskrise 1929 kennen. Die Arbeitslosenquote liegt trotz Auswanderung immer noch bei über 25  Prozent. Sicher wäre es übertrieben zu sagen: »Nichts ist gut in Hellas«, aber es hat sich wenig gebessert. Unverändert herrscht Klientelismus.

 

Effiziente und schlanke staatliche Strukturen fehlen. Ein erneuter Schuldenschnitt liefe auf eine Ermunterung der politischen Klasse Athens hinaus, mit ihrer verantwortungslosen Haushalterschaft fortzufahren. Im Gegensatz zur biblischen Zielsetzung würde Ungerechtigkeit nicht beseitigt, sondern zementiert.

 

Ohne gute Regierung geht jedes Volk zugrunde

 

Es wäre für den unter den Schwächen seines Landes leidenden Griechen und die deutschen Steuerzahler und Sparer besser, kirchliche Stellungnahmen würden sich künftig bei wirtschaftlichen Themen auf das folgende Bibelwort konzentrieren: »Ohne eine gute Regierung geht jedes Volk zugrunde; wo aber viele Ratgeber sind, gibt es Sicherheit. Wer sich für die Schulden eines anderen verbürgt hat, wird es eines Tages bereuen. Wer sich darauf gar nicht erst einlässt, hat seine Ruhe« (Sprüche 11,14–15).

 

 

 

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Der Autor, Gerald Mann, ist Professor für Volkswirtschaftslehre. Der engagierte evangelische Christ ist Koautor des gerade erschienenen Buches Bargeldverbot.

 

 

 

 

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Leser-Kommentare (83) zu diesem Artikel

23.06.2015 | 16:45

Wilhelm Johann Lanek

Lässt das EU-Konsortium die griechischen Zechpreller unbesonnen laufen, mögen sich weitere EU-Satelliten nach Startlöchern umsehen . . .


16.06.2015 | 15:16

edmundotto

@Aristoteles, es liegt mir fern, dem griech. Volk Fleiß abzusprechen. Die "okonomische Effiziens" der Arbeit scheint mir nicht auszureichen, auch ist der Glaube an eine große Solidargemeinschaft wohl zu schwach ausgeprägt. Das ist verständlich, wenn man die Korruption der eigenen "Elite" vor Augen hat, wird dies die Bereitschaft, Steuern zu zahlen, nicht fördern. Ähnliche Tendenzen sind auch in unserem Land seit geraumer Zeit nicht mehr zu übersehen, was ich...

@Aristoteles, es liegt mir fern, dem griech. Volk Fleiß abzusprechen. Die "okonomische Effiziens" der Arbeit scheint mir nicht auszureichen, auch ist der Glaube an eine große Solidargemeinschaft wohl zu schwach ausgeprägt. Das ist verständlich, wenn man die Korruption der eigenen "Elite" vor Augen hat, wird dies die Bereitschaft, Steuern zu zahlen, nicht fördern. Ähnliche Tendenzen sind auch in unserem Land seit geraumer Zeit nicht mehr zu übersehen, was ich dem allgemeinen Verfall an Kultur und ethischen, moralischen Werten zuschreibe.


15.06.2015 | 21:41

Aristoteles

@edmundotto Ja ja, wir fleißigen Deutschen...! ;-) "Arbeit, Leistung und Sozialbewußtsein" Ist mir aufgefallen, und nicht nur mir. Laut einer EU-Studie arbeiten die Griechen in Europa die meisten Stunden, leider allerdings auch am uneffektivsten. Zum Sozialbewußtsein der Griechen könnte ich sehr viel sagen, ich fahre nämlich seit vielen Jahren dort hin, und ich kenne die Not derer, die die Krise nicht ausgelöst haben, aber sie ausbaden müssen!


15.06.2015 | 16:18

edmundotto

@Aristoteles, Ihr Kommentar ist wohl sachlich richtig, doch mit Ihrer Vermutung, "würde es uns heute auch verdammt schlecht gehen", liegen Sie daneben. Was Griechen und uns Deutsche unterscheidet, möchte ich im Detail garnicht erst aufzählen, sollten Sie jedoch ein Landsmann sein, würden Ihnen doch gewiss die sehr unterschiedlichen Auffassungen von Arbeit, Leistung und Sozialbewußtsein beider Völker aufgefallen sein.


15.06.2015 | 15:23

Aristoteles

Wenn es für Deutschland 1955 auf der Londoner Konferenz keinen Schuldenerlass gegeben hätte, würde es uns heute auch verdammt schlecht gehen! Deutschland hatte seine Kriegsschulden selbst verursacht, aber man hat nach dem Motto: "Wer in Not ist, dem muss geholfen werden!" uns geholfen, wieder auf die Beine zu kommen. Wenn wir jetzt Griechenland Hilfe verweigern, dann schäme ich mich für dieses Land. Und nun gleich vorweg: bis dato ist NUR den Banken, NICHT aber...

Wenn es für Deutschland 1955 auf der Londoner Konferenz keinen Schuldenerlass gegeben hätte, würde es uns heute auch verdammt schlecht gehen! Deutschland hatte seine Kriegsschulden selbst verursacht, aber man hat nach dem Motto: "Wer in Not ist, dem muss geholfen werden!" uns geholfen, wieder auf die Beine zu kommen. Wenn wir jetzt Griechenland Hilfe verweigern, dann schäme ich mich für dieses Land. Und nun gleich vorweg: bis dato ist NUR den Banken, NICHT aber Griechenland geholfen worden!


13.06.2015 | 22:27

Jünne

Frau Käßmann sollte bei ihrem Glauben bleiben und sich aus der Politik heraushalten.

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