Die Anzahl verkaufter Neuwagen in den USA ist im September nach dem Auslaufen der Abwrackprämie um 22,7 Prozent gesunken. Das drei Milliarden schwere »Cash for Clunkers«-Programm der Regierung Obama – weitgehend eine Kopie des deutschen Programms – führte zum Verkauf von fast 700.000 Autos. Bis Ende August erhielten Besitzer alter Autos beim Kauf spritsparender Neuwagen Prämien von bis zu 4.500 Dollar. Der steile Anstieg der Verkaufszahlen im August wurde als »Beweis« dafür bejubelt, dass das Schlimmste nun vorbei sei. Die Zahlen im September beweisen jedoch das genaue Gegenteil.

Erneut bilden sich lange Reihen unverkaufter Autos, nachdem das Auslaufen des Bonusprogramms in den USA die Hoffnung auf einen baldigen Aufschwung zunichte gemacht hat.
Die Verbraucher haben die attraktiven Zuschüsse der Regierung zur Anschaffung neuer Autos genutzt, die sie ohnehin, wenn auch vielleicht später, gekauft hätten. Der Absatz bei General Motors (GM) sank um 45 Prozent. Chrysler verzeichnete einen Rückgang von 42 Prozent, der Marktanteil sank auf 8,3 Prozent im Vergleich zu 11,1 Prozent im Vorjahr. Selbst der Hersteller Toyota, der seine Fahrzeuge in den USA produziert und erst vor Kurzem GM als größten Autohersteller der Welt verdrängt hatte, verzeichnete einen Rückgang der verkauften Fahrzeuge um 12,6 Prozent. Für den viel beschworenen Aufschwung bedeuten solche Meldungen eine Katastrophe, denn die Hoffnung auf den Aufschwung stellt sich tagtäglich als große Enttäuschung heraus.
Der Marktanteil der drei großen Autohersteller aus Detroit, nämlich GM, Ford und Chrysler, ist im Vergleich zum Vorjahr um 8,5 Prozent gesunken und liegt jetzt nur noch bei 44 Prozent am Binnenmarkt in den USA. Autohersteller aus Asien verzeichnen jetzt einen Anteil von 46 Prozent am US-Markt, gegenüber dem Vorjahr bedeutet dies einen Anstieg um fast acht Prozent, während die europäischen, besonders die deutschen Hersteller, ihren Anteil auf fast zehn Prozent gesteigert haben.
Auf das Jahr berechnet ging der Absatz von Neuwagen auf 9,22 Millionen Fahrzeuge zurück, im Vergleich zu 14,09 und 12,57 Millionen im August bzw. September 2008. Nach Angaben der Händler sind die Aussichten für die nächsten Monate äußerst düster. Die Banken halten sich bei Krediten für die Anschaffung von Autos zurück, die Verbraucher beurteilen die wirtschaftliche Zukunft sehr pessimistisch.
Schwacher Manufacturing Index für das verarbeitende Gewerbe
Das Institute for Supply Management, ein privates Wirtschaftsinstitut, meldet in seinem für das verarbeitende Gewerbe wichtigen Wirtschaftsindex für September einen Rückgang anstelle des von Analysten erwarteten Anstiegs. Gleichzeitig zeigen die Beschäftigtenzahlen selbst nach den frisierten offiziellen Angaben einen weiteren Anstieg der Arbeitslosigkeit, die wahrscheinlich die psychologisch wichtige Marke von zehn Prozent erreichen wird.
Nach einer Meldung des US-Arbeitsministeriums ist die Zahl der Anträge auf Arbeitslosenunterstützung in der letzten Septemberwoche auf 551.000 gestiegen; aufgrund der durch den gestiegenen Autoabsatz im August erzeugten optimistischen Stimmung war mit einem Rückgang gerechnet worden.
Was nun?
Schon jetzt ist klar, dass der vor einem Jahr als »amerikanischer Messias« gefeierte Obama scheitern und nach einer Amtszeit abgewählt werden wird. Der Boom am Aktienmarkt, der im März begonnen hatte, beruhte auf falschen Hoffnungen, die sich jetzt zerschlagen. Im Oktober könnte es zu einer Deflation am Aktienmarkt und einem weiteren Absturz des Dollars kommen, sodass sich die Federal Reserve zu einer Erhöhung des Leitzinses inmitten eines wirtschaftlichen Abschwungs gezwungen sehen könnte.
Wie ich in Der Untergang des Dollar-Imperiums beschreibe, erleben wir in den Vereinigten Staaten die Endphase des Amerikanischen Jahrhunderts. Die amerikanische Version des Britischen Empire, beschönigend »freies Unternehmertum« genannt, war eines der scheinbar erfolgreichsten imperialen Systeme der Geschichte. Doch es beruhte auf zwei Säulen, nämlich der unangefochtenen Überlegenheit der Militärmacht der USA und der unangefochtenen Rolle der Wall Street als Kontrolleur der Weltfinanzen. Durch die verhängnisvollen Kriege in Afghanistan und im Irak ist die militärische Säule schwer erschüttert, das Bild der USA als unbesiegbarer Militärmacht ist ins Wanken geraten. Der paradoxerweise von der deutschen IKB-Bank ausgelöste Ausbruch der »Subprime«-Immobilienkrise hat auch die finanzielle Säule der Macht der USA in ihre bislang schwerste Krise gestürzt.
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