Monday, 21. May 2012
04.10.2009
 

Goodbye, Obamas »Green Shoots«-Revolution

F. William Engdahl

Soviel zu Obamas mit großem Tamtam präsentierten »grünen Sprösslingen des Aufschwungs«. Die Wahrheit über die Wirtschaftslage zeigt sich wieder deutlich, nachdem der kurze, künstlich erzeugte Anstieg des Autoabsatzes mit dem Ende von »Cash for Clunkers«, der amerikanischen Version der deutschen Abwrackprämie, Ende August schlagartig vorüber war. Die Arbeitslosigkeit steigt unaufhörlich, im Immobiliensektor geht es weiter bergab, Millionen leerstehender Häuser überall in Amerika belasten Bankensystem und Wirtschaft.

Die Anzahl verkaufter Neuwagen in den USA ist im September nach dem Auslaufen der Abwrackprämie um 22,7 Prozent gesunken. Das drei Milliarden schwere »Cash for Clunkers«-Programm der Regierung Obama – weitgehend eine Kopie des deutschen Programms – führte zum Verkauf von fast 700.000 Autos. Bis Ende August erhielten Besitzer alter Autos beim Kauf spritsparender Neuwagen Prämien von bis zu 4.500 Dollar. Der steile Anstieg der Verkaufszahlen im August wurde als »Beweis« dafür bejubelt, dass das Schlimmste nun vorbei sei. Die Zahlen im September beweisen jedoch das genaue Gegenteil.

 

Erneut bilden sich lange Reihen unverkaufter Autos, nachdem das Auslaufen des Bonusprogramms in den USA die Hoffnung auf einen baldigen Aufschwung zunichte gemacht hat.

 

Die Verbraucher haben die attraktiven Zuschüsse der Regierung zur Anschaffung neuer Autos genutzt, die sie ohnehin, wenn auch vielleicht später, gekauft hätten. Der Absatz bei General Motors (GM) sank um 45 Prozent. Chrysler verzeichnete einen Rückgang von 42 Prozent, der Marktanteil sank auf 8,3 Prozent im Vergleich zu 11,1 Prozent im Vorjahr. Selbst der Hersteller Toyota, der seine Fahrzeuge in den USA produziert und erst vor Kurzem GM als größten Autohersteller der Welt verdrängt hatte, verzeichnete einen Rückgang der verkauften Fahrzeuge um 12,6 Prozent. Für den viel beschworenen Aufschwung bedeuten solche Meldungen eine Katastrophe, denn die Hoffnung auf den Aufschwung stellt sich tagtäglich als große Enttäuschung heraus.

Der Marktanteil der drei großen Autohersteller aus Detroit, nämlich GM, Ford und Chrysler, ist im Vergleich zum Vorjahr um 8,5 Prozent gesunken und liegt jetzt nur noch bei 44 Prozent am Binnenmarkt in den USA. Autohersteller aus Asien verzeichnen jetzt einen Anteil von 46 Prozent am US-Markt, gegenüber dem Vorjahr bedeutet dies einen Anstieg um fast acht Prozent, während die europäischen, besonders die deutschen Hersteller, ihren Anteil auf fast zehn Prozent gesteigert haben.

Auf das Jahr berechnet ging der Absatz von Neuwagen auf 9,22 Millionen Fahrzeuge zurück, im Vergleich zu 14,09 und 12,57 Millionen im August bzw. September 2008. Nach Angaben der Händler sind die Aussichten für die nächsten Monate äußerst düster. Die Banken halten sich bei Krediten für die Anschaffung von Autos zurück, die Verbraucher beurteilen die wirtschaftliche Zukunft sehr pessimistisch.

 

 

Schwacher Manufacturing Index für das verarbeitende Gewerbe

Das Institute for Supply Management, ein privates Wirtschaftsinstitut, meldet in seinem für das verarbeitende Gewerbe wichtigen Wirtschaftsindex für September einen Rückgang anstelle des von Analysten erwarteten Anstiegs. Gleichzeitig zeigen die Beschäftigtenzahlen selbst nach den frisierten offiziellen Angaben einen weiteren Anstieg der Arbeitslosigkeit, die wahrscheinlich die psychologisch wichtige Marke von zehn Prozent erreichen wird.

Nach einer Meldung des US-Arbeitsministeriums ist die Zahl der Anträge auf Arbeitslosenunterstützung in der letzten Septemberwoche auf 551.000 gestiegen; aufgrund der durch den gestiegenen Autoabsatz im August erzeugten optimistischen Stimmung war mit einem Rückgang gerechnet worden.

 

 

Was nun?

Schon jetzt ist klar, dass der vor einem Jahr als »amerikanischer Messias« gefeierte Obama scheitern und nach einer Amtszeit abgewählt werden wird. Der Boom am Aktienmarkt, der im März begonnen hatte, beruhte auf falschen Hoffnungen, die sich jetzt zerschlagen. Im Oktober könnte es zu einer Deflation am Aktienmarkt und einem weiteren Absturz des Dollars kommen, sodass sich die Federal Reserve zu einer Erhöhung des Leitzinses inmitten eines wirtschaftlichen Abschwungs gezwungen sehen könnte.

Wie ich in Der Untergang des Dollar-Imperiums beschreibe, erleben wir in den Vereinigten Staaten die Endphase des Amerikanischen Jahrhunderts. Die amerikanische Version des Britischen Empire, beschönigend »freies Unternehmertum« genannt, war eines der scheinbar erfolgreichsten imperialen Systeme der Geschichte. Doch es beruhte auf zwei Säulen, nämlich der unangefochtenen Überlegenheit der Militärmacht der USA und der unangefochtenen Rolle der Wall Street als Kontrolleur der Weltfinanzen. Durch die verhängnisvollen Kriege in Afghanistan und im Irak ist die militärische Säule schwer erschüttert, das Bild der USA als unbesiegbarer Militärmacht ist ins Wanken geraten. Der paradoxerweise von der deutschen IKB-Bank ausgelöste Ausbruch der »Subprime«-Immobilienkrise hat auch die finanzielle Säule der Macht der USA in ihre bislang schwerste Krise gestürzt.

Ergänzende Beiträge zu diesem Thema

US-Immobilienkrise wird immer katastrophaler

Michael Grandt

Die US-Immobilienkrise gilt als Auslöser der weltweiten Wirtschaftskrise. Doch anstatt sie einzudämmen, wird die Lage zunehmend dramatischer: Im Jahr 2008 wurden am US-Immobilienmarkt 2,4 Billionen Dollar vernichtet und immer mehr Amerikaner verlieren ihre Häuser.  mehr …

Unser Geld ist nichts wert, denn es wird aus Schulden erzeugt!

Michael Grandt

Geld wird durch Vergabe von Krediten geschaffen, also durch Schulden. In Wahrheit verleiht die Bank nur Luft, ein paar Zahlen auf dem Bildschirm!  mehr …

Zwischenbilanz der Jahrhundertkrise

Michael Grandt

Hoffnung zu verbreiten ist gut, das Volk anzulügen aber nicht. Trotz aller Beteuerungen gilt: Die Krise ist noch lange nicht vorbei.  mehr …

Wer diesen Artikel gelesen hat, hat sich auch für diese Beiträge interessiert:

Immobilienkrise in den USA liegt erst zu einem Drittel hinter uns

F. William Engdahl

Im August 2007 löste die Sorge, Millionen amerikanischer Hypothekenschuldner mit zweifelhafter bis riskanter Bonität könnten ihre monatlichen Rückzahlungen an die Banken nicht leisten, eine weltweite Finanzkrise aus. Man sprach von einer »Subprime«-Krise, ein Hinweis auf die fragwürdige Kreditwürdigkeit des Schuldners. Jetzt bestätigen sich  mehr …

Daumenschrauben angezogen – Moskau droht mit dem Bau von Raketenabschussrampen auf Kuba

Udo Ulfkotte

Vor 46 Jahren brachte die kubanische Raketenkrise die Welt an den Rand eines Atomkrieges. 1962 stationierte Moskau atomar bestückbare Waffensysteme auf Kuba – in unmittelbarer Nähe der Vereinigten Staaten. Niemals zuvor war ein Atomkrieg so wahrscheinlich gewesen wie zu jenem Zeitpunkt. Nun droht Moskau wieder einmal mit dem Bau von  mehr …

Hat der Dollar-Crash bereits begonnen?

F. William Engdahl

Die Gefahr eines Finanzmarkt-Crashs ist im Monat Oktober traditionell aus verschiedenen Gründen stets besonders hoch. In diesem Jahr befinden wir uns womöglich schon in der Frühphase des totalen Crashs der Welt-Reservewährung Dollar, der dann wiederum einen weltweiten Crash der Aktien- und Finanzmärkte auslösen würde. Alles deutet darauf hin, dass  mehr …

Ist Obama bereit, auf die Abwehrraketen zu verzichten?

F. William Engdahl

US-Präsident Obama hat ein vertrauliches Schreiben an den russischen Präsidenten Medwedew gerichtet, in dem er andeutet, er wäre bereit, auf die umstrittene Stationierung amerikanischer Raketenabwehrsysteme in Osteuropa zu verzichten, wenn Moskau helfe, den Iran daran zu hindern, Langstreckenwaffen zu entwickeln. Das bestätigten Sprecher des  mehr …

US-Einlagensicherung am Rande des Bankrotts

F. William Engdahl

Der Aufschwung »steht unmittelbar bevor« – dieser berühmt-berüchtigte Satz des US-Präsidenten Herbert Hoover aus dem Jahr 1931 ist auch heute wieder allerorten zu vernehmen. Doch entgegen all der schönen Worte steht nun die Behörde, die die Bankeinlagen der Amerikaner garantiert, selbst am Rande des Bankrotts – ein deutliches Warnsignal: die  mehr …

Werbung

Newsletter – Jetzt kostenlos anfordern

E-Mail-Adresse

KOPP EXKLUSIV – Jetzt bestellen

Brisante Hintergrundanalysen wöchentlich exklusiv nur bei uns.

Katalog – Jetzt kostenlos bestellen

Bestellen Sie unseren Katalog kostenlos und unverbindlich.