Monday, 26. September 2016
10.11.2015
 
 

Edelmetallmesse: Nicht Notenbanken, sondern Großinvestoren treiben Gold nach unten

Janne Jörg Kipp

In der vergangenen Woche war der Kopp Verlag auf der Edelmetallmesse in München zu Besuch. Zeit und Gelegenheit, um sich mit Ihnen, liebe Leser, mit Ausstellern sowie Spezialisten zu unterhalten. Hauptthema war der niedrige Goldpreis. Ist er manipuliert?

 

Vorab vielen Dank an alle Besucher, die den Kopp Verlag auf der Edelmetallmesse angesprochen haben. Das Interesse an diversen Publikationen, auch aus dem Gesundheitsbereich, war enorm. Der Zuspruch überwältigend. Dennoch schwebt weiterhin eine große Frage über allen Interessierten: Warum und wie lange ist der Goldpreis so niedrig?

 

Theoretisch müsste der Preis steigen. Die Zinsen sind weiterhin auf Niedrigstniveau, die Realzinsen seit geraumer Zeit sogar unter null Prozent.

 

Dies gehört zum Programm. In meinem Buch Die große Enteignung habe ich beschrieben, dass dies zum Programm der »finanziellen Repression« gehört, mit dem Sie rechnen müssen.

 

Darunter fallen Maßnahmen wie offene Steuererhöhungen, verdeckte Steuererhöhungen und verdeckte Abgaben, geplante Abgaben für Sonderentwicklungen wie einen weiteren Solidaritätszuschlag, aber auch die schlichte Enteignung. Die Gelddruckmaschine im Westen läuft weiter.

 

Gold an sich ohne Alternative

 

Die EZB teilte mit, dass die bekannteste Geldmenge M3 um 4,9 Prozent (jährlich) wächst. Die Produktivität aber ist weitaus geringer. Schon daraus kann eigentlich jeder Interessierte errechnen, dass Geld immer weniger wert wird.

 

Die EZB scheut aber vor nichts zurück. Sie freut(!) sich schon heute, dass die Kreditvergabe an private Haushalte weiter gestiegen ist. Das Problem wird damit nur größer. Wie Sie in Die große Enteignung lesen können, sind die Staatsschulden jeweils nur ein kleiner Ausschnitt des Gesamtdilemmas.

 

Unternehmensschulden und private Schulden verdreifachen die gesamten Schulden eines Staates. Die Verschuldung in Deutschland beispielsweise liegt bei mehr als 220 Prozent des jährlichen Bruttoinlandsproduktes. Die Verschuldung im Musterland Niederlande liegt sogar bei mehr als 680 Prozent. Auch hier gilt mit Blick auf Gesamteuropa: Die »finanzielle Repression« wird zuschlagen. Wir alle zahlen dafür, diese Schulden zu tilgen.

 

Einer der bekanntesten privaten Vermögensverwalter in Deutschland, Jens Ehrhardt, geht sogar davon aus, dass die Negativzinsen in Europa schon im Dezember noch größer werden. Jedenfalls plane die EZB dies. Zur Information: Schon heute weisen Euro-Staatsanleihen im Wert von 2,6 Billionen Euro negative Zinsen aus. Die Papierwährungen zerfleddern also vor unseren Augen.

 

Die Massenmedien ignorieren dies inzwischen wieder weitgehend. Das heißt also, dass Anwender bei zum Beispiel 0,5 Prozent Minuszinsen 13 Milliarden Euro verlieren, nur weil sie ihr Geld in Staatsanleihen investiert haben.

 

Und genau deshalb müsste der Goldpreis steigen. Er steigt aber nicht, er fällt. Wer steckt dahinter? Auf der Edelmetallmesse wurde darüber spekuliert, dass dies nicht die Zentralbanken sind. Kurzfristig haben sich beispielsweise die sogenannten »Commercials«, also kommerzielle Gruppierungen, auf die Short-Seite gestellt und setzen auf fallende Notierungen.

 

Die treiben derzeit den Kurs nach unten. Genauer gesagt, die Short-Papiere haben gegenüber den Long-Positionen um 25 Prozent gegenüber der Vorwoche zugelegt. Die »großen Spekulanten« haben ihre Long-Positionen sogar um 26 Prozent reduziert. Der Markt glaubt also an fallende Kurse und er verstärkt die Tendenz. Solange die ganz Großen, also zum Beispiel Zentralbanken, nicht dagegenhalten, wird Gold für Spekulanten schwach bleiben.

 

Auch Vermögensverwaltungen bekommen inzwischen kalte Füße. Das »Managed Money«, also das Geld in Vermögensverwaltungen, hat die Gold-Positionen auf der »Long«-Seite um gut 40 Prozent abgebaut. Dennoch war die Stimmung auf der Edelmetallmesse bezogen auf Gold besser.

 

Spekulanten können wegen der kurzfristigen Erwartungen verlieren. Die habe ich Ihnen gerade genannt.

 

Die Situation in den USA und in Europa mit negativen Zinsen ist jedoch so brisant, dass Gold langfristig deutlich steigen wird. Kein Zweifel. Ich selbst habe aus einer Studie zitiert, wonach das weltweit geförderte Gold aktuell etwa sieben Milliarden US-Dollar wert ist. Die weltweite Verschuldung hingegen liegt bei 199 000 Milliarden US-Dollar. Dies zeigt, wie wertvoll Gold an sich ist.

 

Und dies ist die Bilanz der Messe: Wer sich schützen möchte, muss sich gegen die große Enteignung stemmen. Staaten, Notenbanken und sogar Geschäftsbanken werden Sie weiter in die Mühle der »finanziellen Repression« treiben.

 

Es wird in einer Inflation enden. Noch ein Beleg aus der »großen Enteignung«: Die Teuerungswelle in den USA ist beispielsweise von 1915 auf 1917 von 1,0 Prozent auf 20,4 Prozent gestiegen. Von 1945 auf 1947 ausgehend von 0,5 Prozent auf 19,0 Prozent. Und 1972 auf 1974 von 2,9 Prozent auf 12,3 Prozent. Das kann hier ebenfalls jederzeit geschehen.

 

 

 

 

 

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