Dienstag, 6. Dezember 2016
04.02.2009
 
 

Politische Dimension der Goldförderung

Jürgen Müller

Mehr und mehr mischt sich die Politik wieder mit frisch geschöpftem Kreditgeld in die Abläufe der Wirtschaft ein und versucht damit, negative Folgen für die Wähler zu mildern. Ein gern gesehenes Konzept, besonders gern und bevorzugt vor Wahlen eingesetzt. Es ist klar, dass die Folgen a) dennoch unausweichlich sind, b) nur auf der Zeitachse nach hinten geschoben werden und c) vom Wähler schlussendlich selbst über die Inflation zu bezahlen sind. Je länger das Wahlvolk glaubt, dass die Inflation z.B. vom Ölpreis oder von Tarifabschlüssen abhängt, umso besser. …

Dass Gold – als natürlicher Gradmesser des Kaufkraftverlustes des staatlichen Papiergeldes – ein politisches Metall ist, dürfte hinlänglich bekannt sein. Ebenso, dass der Preis der Edelmetalle nicht in einem freien Markt von Angebot und Nachfrage gefunden wird, sondern mehr oder minder gemanagt wird, siehe z.B. die Artikel von Ted Butler bezüglich Silber. Natürlich gilt dies auch für die Aktienmärkte und Währungen. So schreibt z.B. David Marsh in seinem Klassiker Die Bundesbank aus dem Jahr 1992 das Folgende:

»Im nördlichen Teil des siebten Stocks sitzen die sechs Devisenhändler der Bundesbank um einen achteckigen Händlertisch. Über der Mitte des Tisches schwebt an einem Faden symbolisch eine Dollarnote. Außer einer Reihe von Bildschirmen gibt es in diesem Zimmer Uhren, die die Zeit in Tokio, Singapur, Frankfurt, London und New York anzeigen. Die Spezialisten für Devisenhandel müssen die Situation auf den Devisenmärkten genau im Auge behalten. Wenn die Wechselkurse stark von dem abweichen, was die Bundesbank für ratsam hält, kann diese ihre wirkungsvollen Interventionsmöglichkeiten einsetzen, um die Ordnung wieder herzustellen.« (Quelle: David March: Die Bundesbank, C. Bertelsmann Verlag, München 1992, S. 111)

Die Aktienmärkte der USA (und damit mehr oder minder die der Welt) werden vom sogenannten Plunge Protection Team (PPT) in genau demselben Auge behalten. Die offizielle Bezeichnung des PPT lautet Working Group on Financial Markets. Sie wurde 1988 unter Präsident Reagan aufgrund der Verfügung 12631 gegründet als Reaktion auf den Kollaps der Aktienmärkte im Oktober 1987. Die Mitglieder sind: der Präsident, der Finanzminister, der Fed-Chef und die Vorstände der Börsenaufsicht SEC und der Aufsichtsbehörde für den Warenterminhandel CFTC. Die beiden letztgenannten Institutionen werden von Ted Butler immer wieder der Tatenlosigkeit bezüglich der Silber-Manipulation bezichtigt. Man könnte also interpretieren, dass diese Teil des PPT-Planes sind (Fragestellung: Wie würden die Aktienmärkten reagieren, wenn der Gold- und Silberpreis in einem freien Markt gefunden werden würde?).

Auch das PPT besitzt wirkungsvolle Interventionsmöglichkeiten, um eine »gestörte Ordnung« wiederherzustellen (namentlich die Ordnung von Angebot und Nachfrage). Einen guten Start für Ihre diesbezüglichen Recherchen bietet z.B. der Artikel »Die nicht so unsichtbare Hand: Wie das ›Absturzverhinderungsteam‹ den freien Markt zerstörte« von Ellen Brown, der Autorin des lesenswerten Buches Der Dollar Crash (beziehbar über goldseiten.de oder den Kopp Verlag).

Ellen Brown beschreibt in Kapital 33 (S. 373 ff.) dieses Buches, dass nicht nur das PPT die »gewünschte Ordnung« überwacht. Der sogenannte Devisenstabilisierungsfonds (Exchange Stabilization Fund), dem die unerschöpfliche Buchungsgeldquelle Fed zur Verfügung steht, und die sogenannte Counterparty Risk Management Policy Group, eine private Bruderschaft großer New Yorker Banken und Investmenthäuser, stoßen in das gleiche Horn. Letztgenannte sei gegründet worden, um ihren Mitgliedern bei finanziellen Schwierigkeiten dadurch aus der Patsche zu helfen, indem man die Kräfte zur Manipulation der Märkte bündelt und koordiniert (unter Zustimmung und mit Wissen der US-Regierung). Mit diesen Informationen ausgestattet, könnte der geneigte Leser skeptisch werden, ob man sein erarbeitetes Geld in diesen »geordneten Märkten« investieren sollte oder nicht (speziell in den kommenden Jahren).

Um zu erahnen, welchen Einfluss die Politik auf den Goldbergbau hat, seien im Folgenden zwei Beispiele genannt: Kasachstan – mit 18 Tonnen Jahresförderung eher unbedeutend – und Südafrika, Nr. 2 oder 3 der Weltrangliste (noch die Nr. 2 im Jahre 2007, aber wohl nur noch die Nr. 3 im Jahre 2008, wenn alle Zahlen des letzten Jahres publiziert worden sind).

In Kasachstan wird der Abbau von Gold nach einer aktuellen Meldung wohl in der Art unterstützt, dass Minen eine sinkende Steuerlast erfahren, wenn sie im aktuellen Marktumfeld keine Mitarbeiter entlassen (Quelle: rohstoffwelt.de).

In Südafrika hingegen wird die technisch und geologische mögliche Förderung explizit durch die Gesetzgebung behindert. Für die Minenbetreiber entstehen steuerliche Anreize, die Förderung nahe am »Existenzminimum« zu betreiben. Dass dieses bereits seit Jahren bei einem Erzgehalt von fünf Gramm Gold pro Tonne Erz liegt, zeigt die nachfolgende Abbildung:

Die magentafarbene Kurve gibt den mittleren Goldgehalt des geförderten Erzes wieder. Seit ca. 20 Jahren steht dieser bei besagten fünf Gramm pro Tonne Erz (um exakt zu sein: Die mathematische Ausgleichsgerade fällt leicht mit einer Rate von – 0,034 Gramm pro Jahr). Die blaue Kurve zeigt die Menge an gefördertem Golderz an. Der aktuelle Wert von ca. 50 Mio. Tonnen Golderz bedeutet einen Abfall von ca. 60 Prozent gegenüber dem Hochpunkt aus dem Jahr 1988 mit 124,2 Mio. Tonnen (Quelle der Zahlen: South African Chamber of Mines). Der konstante Goldgehalt des Erzes, multipliziert mit der zurückgehenden Menge des geförderten Erzes, ergibt den drastischen Abfall der Goldförderung in den letzten Jahren. Man sollte also meinen, wenn die Minen »einfach« die Menge des geförderten Erzes wieder erhöhen könnten (trotz Strommangels, trotz AIDS-Problematik, trotz weltweit höchster Kriminalität, trotz Abwanderung der gut ausgebildeten Arbeitskräfte), dass dann folglich auch die Goldförderung wieder steigen könnte. Warum tut sie das also nicht? Neben den genannten Problemen sind zwei politische Gründe hierfür als Ursachen zu erkennen: a) die Lockerung der Geldausfuhrgesetze seit dem Ende der Apartheid im Jahr 1994 und b) die Besteuerung südafrikanischer Minen.

a) Geldausfuhrgesetze (engl. »currency exchange restriction«): Früher konnten Minen ihre in Südafrika angefallenen Gewinne nicht ins Ausland transferieren, da ein Währungstausch aus dem Rand heraus verboten war. Dies führte dazu, dass sich riesige Konglomerate bildeten, da Minenbetreiber Banken, Brauereien, Weingüter etc. kauften, um die Gewinne wieder zu investieren. AngloAmerican z.B. stellte aus diesem Grunde zeitweise mehr als 50 Prozent der Börsenkapitalisierung der Johannesburger Börse (Quelle: Kambiz Foroohar, Antony Sguazzin: Anglo's American, Bloomberg Markets, March 2007, S. 97–102). Eine weitere Folge dieser Währungsgesetzte war, dass notgedrungen die Minenproduktion kontinuierlich ausgebaut wurde, da die Gewinne wieder in der Mine re-investiert wurden. Was sollte man auch sonst mit all dem Geld anderes tun? Seit dem Ende der Apartheid wurden diese strikten Währungsgesetze gelockert, sodass der südafrikanische Goldbergbau heute mit chilenischen Kupferprojekten oder der australischen Kohleförderung konkurrieren muss. Wo die größten Renditen zu erwarten sind, dahin fließt das Kapital der Investoren. Der südafrikanische Goldbergbau ist demnach im Augenblick im Sinne der Renditemaximierung nicht wettbewerbsfähig.

b) Besteuerung: Die Besteuerung von Gewinnen aus dem Goldabbau ist ein weiterer wichtiger Grund, warum die Goldproduktion in Südafrika in den letzten Jahren stark sank. Minen, die eine Umsatzrendite von fünf Prozent oder weniger aufweisen, bezahlen keine Steuern (Quelle: South African Chamber of Mines). Aus diesem Grunde werden südafrikanische Minen nahe dem »zero profit grade« betrieben, um der einsetzenden nichtlinearen Besteuerung zu entgehen (Quelle: D.W. Rockerbie: »Gold price and gold production Evidence for South Africa«, Resources Policy, Vol. 25, 1999, S. 69–76). Effektiv gesehen werden so die südafrikanischen Reserven/Ressourcen geschont, die jedoch ohnehin zum größten Teil im derzeitigen Marktumfeld nicht ökonomisch gewonnen werden könnten (zu große Tiefen und zu niedrige Erzgehalte).

Die Politik hat demnach in der Tat gestalterische Instrumente, die Förderung von Gold unabhängig von geologischen Gegebenheiten positiv oder negativ zu beeinflussen. Hat ein Staat Interesse an einer geringen Neuförderung, braucht er nicht unbedingt auf das Instrument Verstaatlichung zurückgreifen, sondern kann einfach durch Steuermaßnahmen Einfluss nehmen. Aktionäre von Minengesellschaften sollten sich den folgenden drei Punkten bewusst sein:
a) Der Trend geht unübersehbar zur Verstaatlichung (Sozialisierung) von »Problemfällen«, seien dies Banken in Deutschland, Immobilienfinanzierer in den USA oder Minen in Südamerika (siehe die aktuell zu erwartende Rohstoff-Verstaatlichung in Bolivien nach der Annahme der neuen Verfassung).
b) Neben der Verstaatlichungskeule haben Politiker auch immer die Möglichkeit, die Minenproduktion durch die Förderung oder Besteuerung der Minenunternehmen zu beeinflussen, siehe das Beispiel Südafrika.
c) Rolf Nef konstatierte in seinem aktuellen Artikel »Gold und Silber vor der Preisexplosion«, dass sich in der Vergangenheit Minenaktien in einer generellen Aktienhausse besser entwickelten, in einer Aktienbaisse jedoch die Metalle selbst besser abgeschnitten haben.

In den kommenden Wochen und Monaten werde ich in verschiedenen Städten Vorträge halten, was Ihnen die Möglichkeit gibt, sich über meine Arbeit und unsere Einkaufsgemeinschaft näher zu informieren. Die Termine sind:

 

Ich freue mich, Ihnen bei diesen Gelegenheiten Rede und Antwort zu stehen.

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