Saturday, 30. July 2016
14.03.2015
 
 

Russischer Rubel: Bald schon mit Gold hinterlegt?

Marcus Elsner

Die russische Regierung forciert seit geraumer Zeit die Aufstockung der Goldreserven ihrer Zentralbank. In Anbetracht der andauernden Sanktionen, die dem Rubel zu schaffen machen, könnte Vladimir Putin mithilfe seiner Zentralbank einen spektakulären Schritt wagen.

 

Russland hat dieser Tage mit einigen Bürden zu kämpfen. Der Preis für Öl, das wichtigste russische Exportgut, ist auf historische Tiefstände gefallen. Der Rubel konnte sich in den vergangenen Wochen auch nur leicht von seinem katastrophalen Wertverfall gegenüber dem US-Dollar erholen, der nun schon seit einem Jahr andauert.

 

Die russische Währung hat verglichen mit Februar letzten Jahres aktuell etwa 40 Prozent weniger Kaufkraft als der Greenback. Russland und die USA befinden sich in einem Währungskrieg, der droht, ein bewaffneter Konflikt zu werden. Die »diplomatischen« Töne zwischen den USA und Russland waren nicht einmal im Kalten Krieg so harsch.

Sogar aus elitären Kreisen gibt es schon ominöse Warnungen vor einer akuten geopolitischen Gefahr. Die anhaltenden Sanktionen gegen Russland im Zuge der Ukraine-Krise machen der russischen Wirtschaft zusätzlich zu schaffen. Die russische Regierung muss drastische Maßnahmen zur Attraktivitätssteigerung des Rubels für Investoren ergreifen. Eine Golddeckung erscheint in diesem Umfeld so wahrscheinlich wie nie zuvor.

 

As good as gold


Um zu verstehen, warum der Rubel möglicherweise kurz vor einer langfristigen Aufwertung stehen könnte, muss man in die Vergangenheit der USA blicken. Ab dem Abkommen von Bretton Woods im Jahre 1944 galt der goldgedeckte amerikanische Dollar als Weltreservewährung.

 

Viele Marktbeobachter vergessen heute die Tatsache, dass der US-Dollar seit 1971 eine reine Fiat-Währung ist, also in beliebiger Menge von der amerikanischen Zentralbank aus dem Nichts geschaffen werden kann. Damals schloss Präsident Nixon das »Goldfenster« und beendete Bretton Woods. Somit wurden alle an den Dollar gekoppelten Währungen automatisch auch zu reinen Papier-Währungen. Seitdem sind wir alle Teilnehmer in einem gigantischen Experiment, dem weltweiten Papiergeldstandard ohne physische Deckung.

 

Ein goldenes Zeichen

 

Russland könnte nun ein Zeichen setzen. Gold gilt seit Generationen als Anker für die Stabilität einer Währung. Diese Tatsache geriet in den vergangenen Jahrzehnten vollkommen in Vergessenheit. Erst seit der Finanzkrise im Jahre 2008 kaufen Russland, China und weitere BRICS Staaten fleißig das »barbarische Relikt«, wie es John Maynard Keynes einmal bezeichnete. Laut Aussage des World Gold Council belaufen sich die Goldreserven Russlands per Februar 2015 auf etwa 1208 Tonnen, ein Anstieg von immerhin 173 Tonnen im Jahr 2014.

 

Erstaunlicherweise setzte die russische Rossija Bank im April letzten Jahres ein Zeichen und stellte einen imposanten goldfarbenen Rubel vor ihre Hauptgeschäftsstelle, um die Stabilität der russischen Währung durch deren zugrunde liegenden Goldreserven zu verdeutlichen. Erste Anzeichen für eine Änderung der Zentralbankpolitik hin zur Golddeckung?

 

Das Machtgefüge schwankt

 

Russland nimmt flächenmäßig einen Großteil des eurasischen Kontinents ein, der geostrategisch gesehen der wichtigste Kontinent auf dem Globus ist. Amerikanische Politikberater wie Zbigniew Brzezinski und Henry Kissinger wissen das und nutzen die Schwäche des Rubels. Dieser kann durch westliche Eingriffe manipulativ beeinflusst werden und verhindert eine Wiedererstarkung Russlands. Mayer Amschel Rothschild, Bankier und einer der Mitbegründer der Rothschild-Dynastie, sagte einst: »Gib mir die Kontrolle über das Geld einer Nation und es interessiert mich nicht, wer dessen Gesetze macht.«

 

Eine Golddeckung des Rubels könnte Russland gegen feindliche Eingriffe robuster machen und die Weichen für eine neue eurasische Großmacht stellen. Allerdings kann nicht ausgeschlossen werden, dass kurzfristig eine solche Golddeckung auch anfälliger für Angriffe von außen macht. In einer Phase des wirtschaftlichen Abschwungs könnte der Rubel den Goldpreis sogar mit sich nach unten reißen. Der Schritt hin zu einem Goldrubel sollte demnach als langfristige Investition Russlands in die monetäre Zukunft betrachtet werden.

 

Vergoldetes Gas?

 

Die russische Großmacht gründet sich hauptsächlich auf Ressourcenreichtum. Jedoch erfolgt die Abwicklung nahezu aller Öl-Deals weltweit in amerikanischen Dollar, daher die Bezeichnung Petro-Dollar. Verkäufe der russischen Energieressourcen Gas und Öl in einer goldgedeckten russischen Währung kämen einem Angriff auf dieses System gleich. Denn langfristig wäre der Rubel damit äußerst attraktiv gegenüber allen anderen Währungen, die ständig inflationieren.

 

Simultan könnte Russland mit einem solchen Schachzug seine bis dato aufgebauten Goldreserven enorm ausweiten. Dies wäre dann der Fall, wenn Russland ständig mehr exportiert als importiert. Denn dann würden die Rubel im Ausland knapp werden und neue Rubel würde die Zentralbank nur gegen frisches Gold ausgeben. Die Kehrseite der Medaille ist, dass Investoren ihre Rubelbestände in physisches Gold umtauschen und somit die russischen Goldreserven plündern könnten. Einziger Präzedenzfall ist der Kollaps des »Londoner Goldpools«, der 1968 ein ähnliches Szenario durchlief. Dies könnte aber nur dann passieren, wenn Russland ein nachhaltiges Handelsdefizit ausweisen würde.

 

Eine Schwächung des Dollars und die Fakturierung der Ölreserven in einem goldgedeckten Rubel sind auch einigen Handelspartnern nicht unbedingt dienlich. Weder die EU wird Interesse zeigen, ihre eigenen Goldreserven für den Kauf von Energieressourcen aufzubrauchen, noch dürfte China daran gelegen sein, eine Abwertung des Dollar hinzunehmen und damit die eigenen Dollarreserven dem Wertverfall hinzugeben. China hätte jedoch die Möglichkeit, russisches Öl und Gas gegen eigene Güter wie Maschinen und Technologie direkt zu tauschen und so den Goldrubel im bilateralen Handel zu umgehen. Den EU-Ländern wäre dieser Weg aufgrund der aktuellen Sanktionen verschlossen.

 

Derivate als Brandbeschleuniger

 

Die Finanz-Apokalypse jedoch lauert von anderer Stelle. Ganze Nationen und deren Finanzsysteme sind durch Derivate verknüpft, die einen Gesamtwert von mittlerweile über 700 Billionen US-Dollar erreichen. Diese abgeleiteten Finanzinstrumente können das Weltfinanzsystem in den Abgrund reißen und ganze Volkswirtschaften mit sich.

 

Eine extreme Schwankung im Wechselkurs des Rubels zu anderen Währungen innerhalb von Minuten, wie sie bei einer plötzlichen Golddeckung eintreten kann, könnte einen Derivate-Crash auslösen.

 

Einen ersten Vorgeschmack auf ein solches Szenario bot die Anfang des Jahres gefallene Entscheidung der Schweizer Nationalbank, den Franken vom Euro zu lösen. Russland kann den Rubel aber auch zum aktuellen Umtauschkurs an den Goldpreis binden, was zunächst nur geringe marktrelevante Konsequenzen hätte und den Derivatemarkt unbeeindruckt lassen würde.

 

Fazit

 

Eine plötzliche Golddeckung des Rubels wäre in jedem Fall eine Sensation und würde es garantiert in die Geschichtsbücher zukünftiger Generationen schaffen. Die Konsequenzen sind jedoch politisch höchst explosiv. Den Verfall der eigenen Währung dürften die USA kaum hinnehmen. Russische Energiereserven in eigener Währung zu verkaufen ist keine neue Idee Putins, bis dato jedoch nicht umsetzbar. Langfristig könnte der Rubel damit zum Hort der Stabilität werden. Zudem wäre davon auszugehen, dass mittelfristig weitere Zentralbanken – zumindest aus wirtschaftlich starken und soliden Ländern, z.B. Schweiz, Norwegen oder Singapur – dem russischen Beispiel folgen könnten.

 

Die weiteren Goldkäufe der russischen Zentralbank sollten mit Argusaugen beobachtet werden. Schon bei der Entscheidung der Schweizer Nationalbank war die Reaktion der Finanzwelt ein verblüffter Aufschrei, entsetztes Schweigen könnte auf eine positive Entscheidung des Kremls für eine Golddeckung folgen. Schon die Römer waren sich der Wirkung des glänzenden Metalls bewusst, als sie statierten: »Auro loquente omnis oratio inanis est.« – »Wenn das Gold redet, dann schweigt die Welt.«

 

 

 

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Leser-Kommentare (38) zu diesem Artikel

20.03.2015 | 20:36

Tom Ethcart

rotepmal - lesen sie eigentlich den Blödsinn, den sie da so absondern?


18.03.2015 | 14:31

rotepmal

@Tom Ethcart: Gut, dass Sie so genau wissen, wann etwas Sinn macht und wann nicht. Wer mit solcher Hybris anderen Menschen begegnet, der sollte doch gleich mit der Überschrift herumlaufen: "Ich bin das Volk".


18.03.2015 | 14:05

Tom Ethcart

rotepmal - Um etwas zu erläutern, das bei einigen Leuten keinerlei Sinn macht, ist mir meine Zeit zu schade.


18.03.2015 | 00:20

rotepmal

@Tom Ethcart: Ihre Anteilnahme an meine mangelhafte Lese- und womöglich auch noch Rechtschreibfähigkeit ehrt Sie sehr. Bitte nehmen Sie sich doch trotzdem wenigstens einen kleinen Augenblick meiner an und erklären mit einfachen Worten und kurzen Sätzen einem Sonderschüler ihre vermutlich inhaltsschweren Aussagen im Beitrag "16.03.2015 | 17:17 Tom Ethcart". Was macht Russland in Ihren Augen nur so bösartig? War es etwa die hinterhältige Auflösung des Warschauer Paktes,...

@Tom Ethcart: Ihre Anteilnahme an meine mangelhafte Lese- und womöglich auch noch Rechtschreibfähigkeit ehrt Sie sehr. Bitte nehmen Sie sich doch trotzdem wenigstens einen kleinen Augenblick meiner an und erklären mit einfachen Worten und kurzen Sätzen einem Sonderschüler ihre vermutlich inhaltsschweren Aussagen im Beitrag "16.03.2015 | 17:17 Tom Ethcart". Was macht Russland in Ihren Augen nur so bösartig? War es etwa die hinterhältige Auflösung des Warschauer Paktes, durch Russland initiiert, um diese ehemaligen Republiken baldmöglichst in die Arme des Klassenfeindes, der NATO, zu treiben? Um Himmels willen, jetzt verstehe ich, dieses Trojanische Pferd diente Russland nun als Vorwand zu neuen Höhen der Hochrüstung zu schreiten und China und Indien an sich zu ketten. Ja, teuflischer Plan! Aber wird er auch funktionieren? Wären diese Länder denn nicht viel besser dran, wenn der friedliebende Westen möglichst viel „Demokratie und Freiheit“ dort aus ihren Böden schöpfen würde, zum Wohle der eigenen Bevölkerung – die in den USA meine ich! Und im Gegenzug tödliche Waffen lieferten? USA sagten auch ganz viel Danke und sendeten dann auch gerne „Militärbeobachter“ die ihr Militär beobachten. Nur gut, dass sich das Ganze nur in Europa und ein wenig Asien abspielte, man muss ja nicht immer gleich die ganze Welt mit hineinziehen. Oder was?


17.03.2015 | 23:41

rotepmal

@Tom Ethcart: Ihre Anteilnahme an meine mangelhafte Lese- und womöglich auch noch Rechtschreibfähigkeit ehrt Sie sehr. Bitte nehmen Sie sich doch trotzdem wenigstens einen kleinen Augenblick meiner an und erklären mit einfachen Worten und kurzen Sätzen einem Sonderschüler ihre vermutlich inhaltsschweren Aussagen im Beitrag "16.03.2015 | 17:17 Tom Ethcart". Was macht Russland in Ihren Augen nur so bösartig? War es etwa die hinterhältige Auflösung des Warschauer Paktes,...

@Tom Ethcart: Ihre Anteilnahme an meine mangelhafte Lese- und womöglich auch noch Rechtschreibfähigkeit ehrt Sie sehr. Bitte nehmen Sie sich doch trotzdem wenigstens einen kleinen Augenblick meiner an und erklären mit einfachen Worten und kurzen Sätzen einem Sonderschüler ihre vermutlich inhaltsschweren Aussagen im Beitrag "16.03.2015 | 17:17 Tom Ethcart". Was macht Russland in Ihren Augen nur so bösartig? War es etwa die hinterhältige Auflösung des Warschauer Paktes, durch Russland initiiert, um diese ehemaligen Republiken baldmöglichst in die Arme des Klassenfeindes, der NATO, zu treiben? Um Himmels willen, jetzt verstehe ich, dieses Trojanische Pferd diente Russland nun als Vorwand zu neuen Höhen der Hochrüstung zu schreiten und China und Indien an sich zu ketten. Ja, teuflischer Plan! Aber wird er auch funktionieren? Wären diese Länder denn nicht viel besser dran, wenn der friedliebende Westen möglichst viel „Demokratie und Freiheit“ dort aus ihren Böden schöpfen würde, zum Wohle der eigenen Bevölkerung – die in den USA meine ich! Und im Gegenzug tödliche Waffen lieferten? USA sagten auch ganz viel Danke und sendeten dann auch gerne „Militärbeobachter“ die ihr Militär beobachten. Nur gut, dass sich das Ganze nur in Europa und ein wenig Asien abspielte, man muss ja nicht immer gleich die ganze Welt mit hineinziehen. Oder was?


17.03.2015 | 23:29

Tom Ethcart

Ja rotepmal, leider ist es mir nicht möglich, ihnen das Lesen beizubringen. Tut mir leid, das müssen sie schon selbst schaffen...

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