Friday, 25. April 2014
25.10.2009
 

Marktmanipulationen und das »Plunge Protection Team« – die unsichtbare Hand des Staates

Brigitte Hamann

Seit 1988 greift eine ominöse Institution in die Märkte ein, ohne dass die Öffentlichkeit Genaueres über ihre Interventionen erfährt: das »Plunge Protection Team« (Absturzverhinderungsgruppe). Zum PPT gehören der jeweilige Vorsitzende der »Fed«, der Präsident der Börsenaufsichtsbehörde »Securities and Exchange Commission« (SEC) und weitere Mitglieder. Immer wieder tauchte das PPT in den Medien auf – doch die Arbeitsgruppe verfasst keine Berichte, tritt öffentlich nicht in Erscheinung, gibt keine Tagesordnungen oder Teilnehmerlisten bekannt. Nur diverse Auffälligkeiten, z.B. in den Börsenentwicklungen, weisen darauf hin.

Am 18. Oktober 2006 berichtete die Denkfabrik GEAB (Global Europe Anticipation Bulletin), die sich immer wieder durch präzise Voraussagen einen Namen gemacht hat, von dieser Arbeitsgruppe. Sie wurde von Ronald Reagan durch den Präsidentenerlass 12631 im März 1988 eingerichtet. Die Washington Post hat ihr im Februar 1997 den Spitznamen »Plunge Protection Team« verpasst.

Das PPT wurde als Reaktion auf den Aktienkrach vom Oktober 1987 mit der erklärten Absicht gegründet, die »Integrität, Effizienz, Korrektheit und Wettbewerbsfähigkeit der US-Märkte zu fördern und das Vertrauen der Investoren zu sichern«.

Aufgabe dieser Gruppe ist, so GEAB Nr. 38 vom 18.10.2006, »die Aktivitäten der großen Investoren und wichtigen Entscheidungsträger der Finanzmärkte, sowohl die privatwirtschaftlichen als auch öffentlich-rechtlichen (denen die Möglichkeit zur Teilnahme offensteht), zu koordinieren, um sicherzustellen, dass die amerikanischen Finanzmärkte sich ›bester Gesundheit erfreuen‹«. Sie steht damit »unter dem vollständigen Einfluss der Regierung Bush und der Geschäftsbank Goldman Sachs«.

 

 

Unklarheit über US-Geldmenge

Seit März 2006 veröffentlicht die Fed die Zahlen über die Geldmenge M3 nicht mehr. Da die US-Notenbank auch andere Indikatoren, die insbesondere das Anwachsen der US- Geldmenge anzeigen könnten, nicht mehr herausgibt, kann das PPT nun nach Belieben unerkannt schalten und walten, da seine Aktivitäten nicht überprüfbar sind. Wie nun bekannt wurde, kauft die Fed nicht nur große Mengen an US-Staatsanleihen auf. Laut dem Anlegermagazin Chart oft the Day kaufte im 2. Quartal 2009 tatsächlich niemand außer der Fed Treasuries.

Viel spricht auch dafür, dass das PPT schon seit langem Hedge Funds dazu anhält, Dollars zu kaufen, um den Wechselkurs stabil zu halten (GEAB Nr. 38, 2006). Auch das renommierte Handelsblatt berichtete am 2. Februar 2007 über das »Anti-Kurssturz-Team« der US-Regierung, und die Frankfurter Allgemeine Zeitung fragte am 28. März 2003: »Manipuliert das Plunge Protection Team die Kurse?«

Was, glauben Sie, hat das Plunge Protection Team – und mögliche vergleichbare weitere Institutionen – in der Zeit seit Ausbruch der Krise getan? Und welche Maßnahmen wurden ergriffen, um den Jahrestag des Lehman-Brothers-Konkurses und die Bundestagswahl 2009 mit positiven Nachrichten zu flankieren?

 

 

Die Manipulation des Dollars

In »Die kommende Weltwährung: Amero als Zwischenstufe?« berichtete der Börseninformationsdienst Emfis am 30.Juni 2008 über den Ökonom Robert Mundell.

Als »Sprachrohr der Hochfinanz« favorisiert Mundell nicht nur eine gemeinsame Währung für die gesamte Welt, sondern plädiert auch für eine Währungsunion zwischen den USA und Euroland. Weiter heißt es bei Emfis, der US-Dollar sei die schlechteste Währung der Welt: minus 97 Prozent seit 1913. Zum in der Bevölkerung wenig bekannten Dollar-Öl-Standard äußert sich der Börseninformationsdienst zu Manipulationen, die dieses Zahlungsmodell erlaubt: »Kommen wir jetzt aber zum Dollar zurück. Robert Mundell ›vergaß‹ zu erwähnen, dass der Außenwert der US-Valuta mit vielen Tricks und Kniffen enorm manipuliert wird.«

Ein schwacher Dollar mag durchaus im Sinne der US-Regierung sein. Doch die Folgen für den USD als Weltleitwährung sind extrem. Am 21. Oktober titelte Welt Online: »Großbanken schreiben Dollar ab – Euro knackt 1,50«. Und weiter: »Sowohl die Bank of America als auch HSBC haben Szenarien entwickelt, die einen Abstieg des Dollar als Weltleitwährung vorsehen. ›Wie beschädigt ist der Dollar?‹, fragen die beiden globalen Großbanken provokant. Beide Institute rechnen damit, dass die US-Devise vom Thron gestoßen wird. Allein beim Zeitplan und der Beschreibung der neuen Währungsordnung unterscheiden sich die Experten.«

Der Markt ist langfristig immer stärker als jede Manipulation. Die Uhr tickt. Unter den sanften Wellen der sich beruhigenden Krise schaukeln sich weitere Tsunamis auf.

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